Neuburg an der Donau, Kultur- und Einkaufsstadt

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Ein Kurzprofil
Sonntag, 12. Juni 2011 - 12:12

Neuburg an der Donau - Ottheinrichschloß

Neuburg an der Donau, Ottheinrich-Residenz

Wie ich in einem Kommentar schon angedeutet habe, war ich in der letzten Woche wegen eines Flugtags und um alte Bekannte zu besuchen (vor über 30 Jahren habe ich in dieser Stadt gewohnt) in Neuburg an der Donau, einer der schönsten Barock- und Renaissance-Städte Bayerns. Was kaum einer weiß: Neuburg und Bruchsal sind am gleichen Tag von der 8. US-Luftflotte bombardiert worden (das einzige, was beide Städte gemeinsam haben), in Neuburg Gott sei Dank nur der Flugplatz, der nicht weit weg von der Stadt liegt. Und Gott sei Dank haben die Amerikaner gut gezielt - nicht auszudenken, sie hätten die Stadt getroffen. So wurden lediglich der Flugplatz und ca. 50 Messerschmitt Me 262 Düsenjäger zerstört. Das nur am Rande. Es wäre eine sträfliche Unterlassung gewesen, nur den Flugtag und die Bekannten zu sehen, ohne durch eine der schönsten Städte Bayerns zu streifen. Was mir jenseits von Barock und Renaissance aufgefallen ist, ist die Lage des Einzelhandels und die Aufenthaltsqualität im Vergleich zu Bruchsal. Obwohl Neuburg viel kleiner ist als Bruchsal (ca. 28.000 Einwohner) gibt es einen himmelweiten Unterschied: Neuburg lebt in der Hauptsache vom Gewerbe und, man staune, vom Einzelhandel. Die Industrie spielt eine weniger wichtige Rolle. Vielleicht liegt das auch daran, daß die nächsten größeren Städte, in die Kaufkraft abfließen könnte, verhältnismäßig weit weg liegen (Augsburg ca. 50 km, Ingolstadt ca. 30 km). Ansonsten gibt es nur kleinere Städte wie Aichach und Eichstätt, so daß die Einwohner des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen zum Einkaufen nach Neuburg fahren. Es liegt sicherlich auch am Ambiente und der damit verbundenen Aufenthaltsqualität: Die vorwiegend kleinen Einzelhandelsgeschäfte sind oft in historischen Mauern untergebracht

Ladengeschäft

Ladengeschäft in Neuburg

und sind überwiegend gut gestaltet. Ich war morgens vor 8 Uhr in der unteren Altstadt, um in Ruhe Aufnahmen von den Läden machen zu können. Ich war mit dem Auto unterwegs, denn zu Fuß war das gar nicht zu machen - es reiht sich Ladengeschäft an Ladengeschäft auf einer bestimmt doppelt so großen Fläche wie in Bruchsal, weshalb ich auch nur eine Auswahl von Geschäften filmen konnte - zu sehen im 2. Teil meines Videos. Ach ja, was die Parksituation angeht, in Neuburg hat man eine pfiffige Lösung gefunden: An jeder Parkuhr sind die ersten 30 Minuten frei - so finden auch Kurzzeitparker einen Platz - und jede weiteren 10 Minuten kosten 20 Cents. In einer Beziehung muß ich Stadtrat Jürgen Schmitt recht geben: Es kommt wirklich auf die Aufenthaltsqualität einer Innenstadt an, darauf, daß sich die Leute wohlfühlen und verweilen, dann kaufen sie auch eher ein. In Bruchsal ist man ja auf dem besten Weg dazu, es darf nur nicht zu steril wirken - es ist halt nichts gewachsen so wie in der Donaustadt. Gastronomie ist deshalb ein wichtiger Faktor, und eine "Schloßmeile" in der Friedrichstraße würde richtig passen. Es fehlt in Bruchsal einfach an gewachsenen Plätzen, Neuburg hat jede Menge davon, auch das macht den Aufenthalt dort so angenehm. Neuburg hat halt diese "natürliche Aufenthaltsqualität", Bruchsal nicht. Die wurde zerbombt. Also muß Bruchsal etwas tun, um Aufenthaltsqualität zu schaffen. Wie gesagt, die Weichen sind gestellt, es gibt aber noch viel zu tun.

Gastronomie, Neuburg/Donau

Gastronomie Neuburg/Donau

 

Es kann nicht schaden, wenn man einmal über den eigenen Tellerrand hinausschaut und und kuckt, wie es die andern machen, das gilt nicht nur für den Einzelhandel in Bruchsal, sondern auch für die Verantwortlichen im Kulturbereich. Rainer Kaufman hat in einem Kommentar zu seinem Artikel über die Lage des Schlachthofs dazu aufgerufen, ob nicht mal jemand darüber recherchieren könnte, wie andere Städte mit ihrem ererbten Kulturgut umgehen. Leider hatte ich meinen Laptop nicht dabei (wollte mal meine Ruhe haben) und konnte deshalb auch nicht bruchsal.org lesen. Diesem Aufruf hätte ich nämlich gleich vor Ort nachgehen können, denn die Donaustadt hat -zig Kulturgüter, die alle erhalten und genutzt werden wollen. Ein Bruchsaler Schlachthof wäre da nur eines unter vielen, und ich wundere mich, wie so eine kleine Stadt wie Neuburg in der Lage ist, all dies zu bewahren, währendhingegen Bruchsal schon mit dem Erhalt eines Schlachthofs finanziell überfordert ist (das hat doch sicherlich nicht der Mann mit dem Trachtenjanker allein zu verantworten, der in Bruchsal samstags guten Gewissens spazieren geht wenn die Sonne scheint und sich dabei wohlfühlt?). Dies ist eine interessante Fragestellung, und ich werde hierzu in Neuburg noch recherchieren. Doch nun zur "Kulturstadt" Neuburg (Quellen: Broschüren der Stadt Neuburg): Sie liegt landschaftlich reizvoll im Donautal an der Grenze zwischen Fränkischer Alb im Norden und Donaumoos und Hügelland im Süden. Nähert man sich der Stadt von Norden, wird man mit einer traumhaften Ansicht der alten Residenz auf dem Jurafelsen hoch über der Donau belohnt:

Neuburg - Residenz

Residenz auf dem Jurafelsen

Die früheste Ansiedlung auf dem Stadtberg geht bis in die Urnenfelderzeit zurück. Kelten und Römer wußten den Platz über der Donau zu schätzen. Neuburg war beliebt und belebt durch alle Zeiten, war im frühen Mittelalter Bischofssitz und Kaiserpfalz und die Wittelsbacher bauten die erste größere Burg auf dem Jurafelsen, der heutige Karlsplatz in der oberen Altstadt wurde im Jahre 1050 als Markplatz konzipiert:

 

Karlsplatz

Karlsplatz

 

So sehr das moderne Neuburg gewachsen ist, so relativ unverfälscht lebt die historische in sich geschlossene "Obere Stadt" auf dem Höhenrücken über der Donau weiter. Auf ihren Plätzen, Straßen und Höfen läßt sich die Geschichte erspüren und erleben, schauen Sie mal ins Video rein.

 

Altstadt

Obere Altstadt

Um den Bezug zu Bruchsal und dem Schlachthof herzustellen, zeige ich nachfolgend noch einige Kuturdenkmäler und was Neuburg daraus macht:

Stadtheater, ehemaliger herzoglicher Getreidespeicher. Der leerstehende Speicher wurde in der Biedermeierzeit mit viel Liebe in ein kleines intimes Theater umgewandelt, heute ein Unikum in seiner Art:

Stadttheater

Stadttheater


Tafel

Stadtmuseum Neuburg: Vom Adelspalais zum Bürgerhaus. Das Stadtmuseum präsentiert sich als barockes Adelspalais. Es wird 1517 erbaut, im Jahre  1723 erwirbt ein Bürger dieses Haus und läßt es prächtig "barockisieren". Der Historische Verein Neuburg an der Donau, 1833 gegründet, betreibt dort seit 2005 das Stadtmuseum und präsentiert Geschichte und Kultur der Stadt:

Stadtmuseum

Stadtmuseum

Ehemaliges Jesuitengymnasium mit Kongregationssaal, heute städt. Konzertsaal, Liebhaber klassischer Musik erwartet Erlesenes in diesem Saal, Aufführung von Barockkonzerten:

Kongregationssaal

Kongregationssaal

Hofapotheke: Barocker Neubau der "Fürstenherberge" 1713.  Hofapotheke von 1837 bis 1992. Der "Birdland-Jazzclub" im Keller, s. Link:

http://www.birdland.de/start_programm.html

 

Hofapotheke

Hofapotheke - Birdland Jazzclub

So gäbe es noch jede Menge an Kulturdenkmälern, eine Darstellung hier würde den Rahmen völlig sprengen, weshalb ich an dieser Stelle auf nachfolgendes Video verweise (auf Full HD klicken oder 1080p).

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