An die Nachgeborenen

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Die Luckes, Bsirskes, Kauders, Fahirnis und von der Leyens sind Ausbünde an Toleranz, Unverkniffenheit und menschlicher Wärme
Mittwoch, 24. September 2014 - 12:31

Die Süddeutsche Zeitung hat in der Ausgabe vom Samstag, 20. September 2014 mit dem Titel "Der weise Rebell" eine wunderbare, kluge Reminiszenz an das Lebenswerk von Leonard Cohen zu dessen 80. Geburtstag geschrieben. Absolut lesenswert, denn "niemand konnte den Flug der schwarzen, schwarzen Raben in so hinreißende, unglückswarme Songs übersetzen wie er."

All denen, die die Umstände, in denen wir hier in Deutschland leben, so gnadenlos schrecklich vorkommen, sei diese Passage aus dem oben genannten Beitrag von Kurt Kister ans Herz gelegt:

"Es gibt viele junge Menschen, die Cohen mögen. Auf die Älteren übt er allerdings eine besondere Faszination aus, was auch damit zusammenhängt, dass Rockmusik im allerweitesten Sinne für eineinhalb Generationen, nämlich die 68er und jene, die gleich danach kamen, viel mehr war als nur Party, Beschallung oder Betäubung. Musik, fast egal ob von Songwritern, Psychedelischen, Hardrockern oder Folkies, gehörte entscheidend zur Identitätsverteidigung gegen die Kriegsgenerationen, die wirklich Verknöcherten, die Verbissenen. Wer in den Sechzigern oder Siebzigern aufwuchs, der weiß, dass all die heutigen Luckes, Bsirskes, Kauders, Fahirnis und von der Leyens Ausbünde an Toleranz, Unverkniffenheit und menschlicher Wärme sind, vergleicht man sie mit den EK-I-Trägern, den Straußens und Dreggers, den Kommunistenjägern und Springerknechten, die damals die Gesellschaft prägten und die Szenerie bestimmten.

Nicht jede Gitarre war, wie die von Woodie Guthrie, eine Maschine, um Faschisten zu töten, aber viele damals Jüngeren verehrten Dylan weil er "Masters of War" sang oder schlossen sich mit den Doors in ihrem Zimmer ein, um "The End" mitzusingen ("Father, I want to kill you, Mother I want to ..."). Und etliche hätten sich gerne getraut, Haare wie Alvin Lee von Ten Years After zu tragen ("...nicht so lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst"). Nein, nicht alle Musik war Rebellion, aber Rebellion ohne Musik gab es nicht, nicht einmal die sanfteste - ..."

Vielleicht sollten wir Nachgeborenen alle ein wenig demütiger werden, wenn wir uns über "die da oben" aufregen. Bob Dylan sang noch "The Times They Are A-Changin". Er sollte Recht bekommen, die Zeiten haben sich geändert. Doch eines dürfen wir NIE zulassen: dass "die da oben" uns mit ihren Bauchpinseleien erst schläfrig machen und dann das tun, was SIE wollen und IHNEN und ihren KUMPANEN nützt.

Bob Dylan 1964:

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Kommentare

Die einen sagen so, die andern so

"Ist deine Frau gut im Bett?"
"Die einen sagen so, die anderen so"

Diesen uralten Witz möchte ich mal strapazieren und - leicht abgewandelt - auf die "Vorgeborenen" anwenden, mit denen ich heute noch ab und zu bei Klassentreffen zusammen komme.

"Bist du ein echter Anarchist oder tust Du nur so?"
"Die einen sagen so, die andern so"

Teilweise bin ich über die Ignoranz erschüttert, die sich heut auch bei denen breitgemacht hat, die einst "Ho Ho Ho Chi Minh" skandierend vorgegeben haben, die Welt verbessern zu wollen.
Heute nun stellt sich heraus: Es war halt "in Mode", vielleicht auch etwas Gruppenzwang, den Revoluzzer zu geben. Man hat oft noch nicht einmal Interesse an der Tagespolitik, geht nicht zu Wahlen und die Nachrichten kommen halt dummerweise zwischen zwei Soaps.

Teilweise macht sich aber auch Resignation breit, wenn man mal um die 60 ist und feststellen muss, man konnte nichts bewirken

Weder mit noch ohne Musik

Natürlich haben wir alle in über 40 Jahren dazugelernt und manche "revolutionäre Idee" von damals blieb uns Gott sei Dank erspart, aber noch immer geht es ungerechter in der Welt zu, als es zugehen müsste.
Vielleicht bin ich durch meine Arbeit auch eher mit diesen Ungerechtigkeiten stärker und häufiger konfrontiert als andere und nehme sie deshalb stärker wahr.

Aber innerlich koche ich noch immer, wenn "politische Glanzleistungen" vollbracht werden oder die Leute allzu unkritisch den Demagogen auf den Leim oder den eloquenten Speichelleckern in den Hintern kriechen.

Ist das jetzt gut oder schlecht?
Die einen sagen so, die andern so!

Leonard Cohen !! Better then ever

Die beiden CD von Leonard Cohen ,10 New Songs bzw. Live in London sind , jedenfalls fuer mich,das Beste was Leonard Cohen je zu bieten hatte.Seine Songs begleiten mich schon seit Anfang der 70 'er aber : Jeh Aelter jeh Besser.Bei den oben genannten CD bekomme auf jeden Fall eine Gaensehaut den die Stimme ist super und geht unter die Haut.

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