Monuments Men - Die Jagd nach Hitlers Raubkunst

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"Es ist eine Geschichte, die einem die immensen Dimensionen dieses Kunstraubes bewusst macht."
Mittwoch, 20. März 2013 - 15:38

Die freundliche Verkäuferin des am Broadway in Manhattan gelegenen Strand Bookstore, einer der größten New Yorker Buchhandlungen, wies mich beim Kauf der englischen Ausgabe des Buches „Monuments Men“ bereits darauf hin: „Sir, ich habe gehört, das Buch soll übersetzt und in deutscher Sprache veröffentlicht werden.“

Nun, mittlerweile ist das Buch „Monuments Men – auf der Jagd nach Hitlers Raubkunst“ von Robert M. Edsel auf Deutsch erschienen, seit Ende Februar kann es im Buchhandel erworben werden.

Monuments Men

Anders als die amerikanische Originalausgabe hat der österreichische Residenz-Verlag seine Ausgabe mit einem Lesebändchen ausgestattet. Vorbildlich. Aber. Während die amerikanische Ausgabe mit einem Namens- und Ortsverzeichnis über 13 Seiten mit über 300 Stichworten brilliert, sucht man ein entsprechendes Verzeichnis in der deutschen Ausgabe vergebens. Das ist schade für die Leser, die das Buch nicht von vorne nach hinten lesen wollen, sondern gezielt nach Personen oder Orten suchen. Vielleicht klappt's bei der nächsten Auflage.

Auf 541 Seiten erzählt Robert M. Edsel mit Bret Witter die Geschichte der Monuments Men, einer Abteilung innerhalb der US-Militärregierung, deren Auftrag es war, die geraubten Kunstwerke der Nazis aufzufinden und vor der Zerstörung zu retten.

Nach Vorstellung der handelnden Personen und einer kleinen Erläuterung zu den Monuments Men wird das 1. Kapitel eröffnet mit „Flucht aus Deutschland – Karlsruhe – 1715 – 1938“. Es wird hier ein wenig zur Gründung von Karlsruhe erzählt und dann schreiben die Autoren weiter: „Die bedeutendste Straße in Karlsruhe war die Kaiserstraße, und in dieser Straße eröffnete die Familie Ettlinger 1850 ein Damenbekleidungsgeschäft. Das Geschäft der Gebrüder Ettlinger war nur zwei Häuserbocks vom Schloss entfernt, und Ende der 1890er Jahre wurde es dank der Patronage durch die Großherzogin Hilda von Baden zu einem der elegantesten Geschäfte in der Region. Anfang des 20. Jahrhunderts besaß der Laden vier Stockwerke mit Verkaufsflächen und hatte 40 Angestellte. […] Im Jahr 1925 heiratete Max Ettlinger Suse Oppenheimer, deren Vater Textilgroßhändler im nahe gelegenen Bruchsal war.“

Dieser Vater war Otto Oppenheimer, der Dichter des Brusler Dorscht, Und der Sohn von Suse Oppenheimer und Max Ettlinger ist Harry L. Ettlinger (geboren als Heinz Ludwig Chaim Ettlinger), der im Mai 2011 in Bruchsal war, um an den Feierlichkeiten zur Einweihung des Bruchsaler Otto-Oppenheimer-Platzes teilzunehmen.

Oppenheimer

Wie ein roter Faden zieht sich die Geschichte von Harry L. Ettlinger durch das Buch, denn Harry Ettlinger war Mitglied der Monuments Men, als amerikanischer Soldat eingesetzt im Salzbergwerk Heilbronn. Ein Teil der Lebensgeschichte von Harry L. Ettlinger ist bereits zu finden in der Buchveröffentlichung „Oppenheimer – Eine jüdische Familie aus Bruchsal“ (Verlag Regionalkultur, ISBN 978-3-89735-747-1, EUR 22,80), in „Monuments Men“ sind jedoch noch mehr Fakten zu Harry L. Ettlinger nachzulesen, die in der Veröffentlichung zur Familie Oppenheimer aus Platzgründen keine Aufnahme mehr finden konnten.

Eine sehr schöne Buchbesprechung zu den "Monuments Men" hat der Deutschlandfunk veröffentlicht. Die Rezensentin Barbara Wiegand schreibt begeistert zu diesem Buchzitat: "Robert Posey kroch als Erster hindurch, ihm folgte Lincoln Kirstein. Hinter der Mauer erwartete sie eine andere Welt: Es war staubig, dunkel und es herrschte eine unheimliche Stille. Hinter der ersten Tür befand sich ein Dynamitlager. Hinter der zweiten tauchte van Eycks 'Jungfrau Maria' auf, die still in einem Buch las. Neben ihr lagen auf vier leeren Kartons sieben Flügel des Genter Altars." Barbara Wiegand: „Es liest sich wie der Showdown eines Abenteuerromans, erinnert ein wenig an Howard Carters verzückten Ausruf "Ich sehe wundervolle Dinge", als er das Grab Tutanchamuns entdeckte. Diese Schilderung vom 16. Mai 1945 aus dem Buch "The Monuments Men", die beschreibt wie die Sondereinheit in das Salzbergwerk Altaussee vordringt.“

Barbara Wiegand resümiert: „So ist "The Monuments Men" eine erzählerische Dokumentation, die auf vielen Zahlen, Daten, Fakten beruht, reichlich recherchierten Details, in denen sich Robert Edsel bisweilen verliert - was das Lesen dann recht mühsam macht. Dennoch: Das Buch ist spannend. Ja, die Story, die Edsel über 500 Seiten niedergeschrieben hat, ist absolut filmreif, weshalb es auch kein Wunder ist, dass George Clooney die Geschichte ins Kino bringt. Es ist eine Geschichte, die einem die immensen Dimensionen dieses Kunstraubes bewusst macht. Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen.“

Der Text- bzw. Radiobeitrag kann in voller Länge hier nachgelesen und angehört werden.

Rembrandt

Die letzten Sätze im Buch „Monuments Men“ beschreiben das Foto, auf dem Monuments-Offizier Leutnant Dale Ford und Sergeant Harry Ettlinger (rechts) beim Betrachten eines Rembrandt-Selbstbildnisses zu sehen sind: „Niemand schien sich dafür zu interessieren, dass dieses Bild der Rembrandt aus Karlsruhe war und dass der 19-jährige Soldat, der daneben stand, ein deutscher Jude war, der nur drei Häuserblocks von diesem Museum [Staatliche Kunsthalle] entfernt aufgewachsen war und durch Zufall 210 Meter tief in einen Bergwerksschacht hinab fuhr und dort zum ersten Mal ein Gemälde betrachtete, von dem er schon so oft gehört hatte, das er aber noch nie sehen hatte dürfen.“

Das Buch „Monuments Men“ ist eine wertvolle Ergänzung zu „Oppenheimer – Eine jüdische Familie aus Bruchsal“. "Monuments Men" ist erschienen im Residenz-Verlag (ISBN 978-3-7017-3304-0) und kostet EUR 26,90.

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