Mittwochsrätsel

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Weihnachten wird unter der Pyramide entschieden
Mittwoch, 21. Dezember 2011 - 18:00
12_21_2011

So wird man es wohl sehen müssen.

Denn - mal ehrlich - glauben Sie tatsächlich, es wäre in Brusel dieses Jahr auch ohne unsere neue Kirmesattraktion Weihnachten geworden? Ich bin mir da nicht mehr so sicher.

Nehmen Sie doch allein die willkommene Sekundärverwendung, die das Schmuckstück im aktuellen "Wochenblatt" gefunden hat: Wo man bekanntlich - Einzelne werden sich an Mt. 6, 25 erinnern - nicht zugleich "Gott und dem Mammon" dienen kann, isses doch zum Glück der Brusler Commerzelite aufgefallen, dass dies nicht zwangsläufig auch bedeuten muss, dass man das nicht nacheinander tun könnte.

Und folgerichtig wird doch tatsächlich - nachdem Gläser und Kassen geklingelt haben und damit für die Hauptsache erstmal gesorgt ist - im Epilog angesichts termingerecht anstehenden Verlust des neuen städtischen Mittelpunkts dieser für "Leser und Kunden" nochmals - wenn auch im Ton etwas verschämt - dergestalt pressegemäß zweitverwertet, dass dem konsumgestressten Publikum mit der kursorischen Schnellfassung dessen, was im Trubel dann womöglich doch nicht ganz vergessen werden soll, allfällige Relikte wie z. B. Gottesdienstbesuche erspart werden - ist man doch mit der richtigen Lektüre als Leckerle nach Abschluss des Vorweihnachtsstresses in der nötigen Tiefe informiert darüber, was einem das Mobiliar der Pyramide doch eigentlich über den "Höhepunkt" der Weihnachtsgeschichte hätte erzählen können - wäre die Ablenkung nicht allzu stark gewesen.

"Höhepunkt" - ja richtig. Geil ist schließlich geil. Und irgendwie muss man ja schließlich auch mitkriegen, wann's vorbei ist. Diese Kampagne, meine ich. Bevor's mit neuer Energie ans Umtauschen und Ersetzen im Sinne des Einzelhandels schenkweise erworbener Gutschein- und Bargeldgaben in Anfass-, -zieh-, -schaubares geht. Auch wenn's nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe sind - das anzustrebende Luxusniveau wird von diesen altertümlichen Gaben doch außerhalb jeglicher Diskussionsmöglichkeit vorgegeben. Und wenn die Welt dabei zusammenfällt - dann doch zumindest zum süßlichen Klang weichgespülter Fahrstuhlmusik. Verlässlich - alle Jahre wieder.

Was da der Lieferant unseres heutigen Chiffrats - es handelt sich mal wieder um einen "Findling" dazu gesagt haben würde - wird ihm doch nachgesagt, dass das "Christkind" als zugleich Schenkender und Geschenk auf ihn zurückgeht.

Kalender 1

Zu gewinnen gibt's aller Voraussicht nach - da ich nicht damit rechne, dass das letztwöchige Rätsel in den verbleibenden zwei Stunden noch eine Einsendung erfährt - einen nicht gänzlich hässlichen Taschenkalender (ohne Aufdruck, keine Werbung, sondern ganz regulär im Einzelhandel erworben, Ehrenwort!), damit die Termine für's Mittwochsrätsel auch im nächsten Jahr rechtzeitig vorgemerkt werden können.

Lösungen wie üblich bis nächsten Mittwoch, 18:00 Uhr an raetsel [at] bruchsal [dot] org.

Viel Spaß und Gutes Gelingen!

Kalender 2

Ach ja: und Gesegnete Weihnachten. Allen Menschen guten Willens.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.2 (5 Bewertungen)

Kommentare

Wochenblatt?

Geschmacklos! Bei so einem Satz dreht sich einem nur der Magen um:

"Die Geburt Jesu, den Höhepunkt der Weihnachtsgeschichte, stellen die Figuren dar, die sich seit vier Wochen über den Glühweintrinkenden drehen."

Geburt Jesu - Kommerz - Alkohol ...

Prost Weihnachten!

Unglaublich was man sich mit dieser Alkoholpyramide hier in Bruchsal leistet. Das passt ja genau zur unseligen Media-Markt Werbung: Weihnachten wird unterm Baum entschieden.Hier: Die ausdauerndsten Trinker unter der Krippe!
Mein Gott Bruchsalia, was ist aus dir geworden.
Die Legitimierung des Alkoholkonsums (SAUFEN) unter der sich drehenden Szene von Christi Geburt!
Und die Stadt Bruchsal unterstützt dies noch mit unseligen Presseberichten.....

Andrerseits verlangt man aber von den Vereinen eine Zertifizierung im Jugendschutz,mit wesentlichem Bestandteil einer Kampagne gegen Alkohol, wenn diese weiter Zuschüssen von der Stadt wollen.

Ja gehts denn noch, liebes Ordnungsamt, Hauptamt und Obin?

Das ist ja der Gipfel der Heuchelei!

Prost Weihnachten!

Aber nicht doch!

Bitte nicht künstlich entrüsten! Ob Glühwein neben der Krippe (wie früher) oder darunter ausgeschenkt wird, ist doch gehupft wie gehechtelt. Weihnachten hat doch heute mehr mit Kommerz zu tun als mit Kirche. Ich stelle mir gerade vor, wie ein Weihnachts-, Christkindl- oder Nikolausmarkt ohne Glühwein, ohne Bratwurst, ohne Pizza, ohne Instantsuppen und ohne Langos aussehen könnte.

Nicht, dass ich falsch verstanden werde, für mich muss es das alles nicht geben. Aber es hat sich nun mal so entwickelt, und ob da nun noch eine Pyramide dazukommt oder nicht, was soll's. Dem Gläubigen sollte es egal sein (für ihn ist die Krippe nur Symbol), den Ungläubigen ist es eh wurscht, im wahrsten Sinne dieses Wortes.

Und für alle anderen :-)) hier die beste Weihnachtsgeschichte, die ich im Internet gefunden habe (Achtung - kann aggressiv machen!):

Weihnachten

Sogar die Taubenscheiße roch nach Glühwein. Angewidert wischte der Mann mit einer alten Würstchenpappe den weihnachtlichen Vogeldreck unter seinen Schuhen fort.

Alles hätte er der Kirche verziehen: Hexenverbrennung, Woytila, ja sogar den schleimigen Sakro-Pop und die lila Halstücher. Aber dass immer noch dieses entsetzliche Weihnachtsfest unterstützt wurde, das war zuviel.

Mit hochgeschlagenem Kragen kämpfte sich der Mann durch die Fußgängerzone. Einem unvorsichtigen Weihnachtsmann rammte er beim Vorübergehen den Ellbogen in die Flanken, dass sich dieser vor Schmerzen krümmte, einem anderen stellte er so geschickt ein Bein, dass der Rauschebart im siedend heißen Fett der Reibekuchenbude verpuffte.

Schon nach vier, dachte der Mann, und erst zwei von den Schweinen erledigt. Im Eingangsbereich des Kaufhauses lockte wie in jedem Jahr ein Stand damit, die Geschenke für die Lieben in Weißblechdosen einzulöten. Keine fünf Minuten musste der Mann warten, bis wieder einer dieser unausrottbaren Witzbolde erschien, einen Haufen Hundescheiße in die Dose packte und breit grinsend darauf wartete, dass der Verkäufer sie ihm versiegelte. Immer noch besser, dachte der Mann, als diesen Dreck unterm Tannenbaum vorzufinden, den die Marketingstrategen der Kaffeeröster alljährlich zum Fest in die Welt kotzten.

Wieder hatte sich ein Pulk dieser unendlich leidensfähigen Kundschaft vor dem Kaffeeladen versammelt, um einen Satz Frotteepantoletten für 19 Mark 80 oder ein Folienschweißgerät im englischen Landhausstil abzuschleppen. Ein kleiner Trost war es für unseren Mann, einen Penner zu beobachten, der sich direkt vor dem Kaffeedepot über einen Grabbelständer mit rosigen Plüschtieren erbrach. Respekt, dachte er. Noch ist nicht alles verloren in diesem Land.

Auch die verwahrlosten Gestalten mit den verfilzten Ponies gefielen ihm sehr gut. Immerhin machten diese Zirkustypen keine Musik wie die pseudo-peruanische Studentenband vor'm Fischladen. Zum x-ten Male wimmerte "El Condor Pasa" durchs Gewühl. Die falschen Indios besaßen immerhin noch so viel Anstand, sich wenigstens zur Kassettenmusik ein Bündel Bambusknüppel vor den spitzen Mund zu halten. Wenn der Mann überhaupt ein Weihnachtsgelulle für aushaltbar hielt, so waren das die Posaunenchöre, in denen vom Glühwein angeschickerte Konfirmanden so herrlich falsch "O Du fröhliche" auf den zerbeulten Messingeimern winselten. Einfach großartig.

Zack, da hatte es den dritten Weihnachtsmann erwischt. Durch einen kurzen, trockenen Schlag in die Weichteile tropfte der Mann mit den Nüssen aufs Trottoir. Geschieht ihm recht. Die eine Hälfte der Weihnachtsmänner bestand eh' aus Kaufhausdetektiven, während die andere Hälfte immerhin noch traditionell von Zivilbullen, Alkoholikern und Taschendieben gebildet wurde. Ein sauberer Verein.

Am liebsten waren ihm noch die Taschendiebe. Die stanken nicht nach Fusel und trugen keine Waffen unterm roten Rock. Jedes Mal, wenn er zum Dienst durch die Fußgängerzone ging, musste er mindestens vier von den Typen umknicken, sonst hielt er es einfach nicht aus bei der Arbeit. Drei hätten wir, dachte er und bog in die Querstraße ein.

Vor ihm erstreckte sich nun die Kernzone des Horrors: Anisbonbons, Fischbrötchen, karzinogene Gyrosbrocken; hier gab es einfach alles, wovon sich einem der Magen umdrehte. Der Mann beschleunigte seinen Schritt, um der Symphonie des Grauens möglichst schnell zu entgehen. Dabei streifte er einen Rentner, dem das Hörgerät in die rotbraune Pampe seiner Currywurst fiel. Der Bremsweg der Currywurst-Fressmaschine war allerdings zu lang, um noch zu verhindern, dass die eingetunkte Hörhilfe automatisch hinter den dritten Zähnen verschwand.

Zabong, das saß. Mit einem 90-Grad-Schwinger der Aktentasche war der vierte Weihnachtsmann gefällt. Eilig stahl sich unser Mann unter den empörten Blicken der Umstehenden davon.

Nur noch wenige Meter, dann war er am Ziel angelangt. Keine zehn Sekunden später fiel hinter ihm die schwere Tür ins Schloss. Der Mann ging durch den Vorraum, stieg die steile Treppe hoch. Noch zwei Minuten, dann fing sein Dienst an. Er hängte den dicken Mantel an den Haken und setzte sich auf die Bank. Er massierte seine verfrorenen Finger, bis die Gelenke knackten, atmete zweimal tief durch; da kam auch schon das Zeichen von unten:
Energisch griffen die beiden Hände in die Manuale und es erklangen die ersten Töne aus der Prelude und Fuge für Orgel in c-Dur von Johann-Sebastian Bach.

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