Mit 22 Jahren wurde Peter Lacher erschossen

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„dem jungen Soldaten versagte das Standgericht in Mannheim ein mildes Urteil“
Samstag, 15. November 2014 - 10:49

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Geht man, in der Peter-und-Paul-Straße vor dem Bruchsaler Friedhof stehend, den Friedhofseingang ganz links von der Peterskirche hoch bis zur zweiten Abzweigung nach links in den Weg zwischen den Gräberfeldern 6 und 8, sieht man nach wenigen Metern auf der linken Seite ein vermeintliches Grab, das sich jedoch bei näherem Besehen als Gedenkstätte offenbart.

Ausweislich der Inschrift ist dieser Gedenkstein „Den bei der Volkserhebung 1849 – 49 gefallenen Bruchsalern Josef Killes, Karl Belgan, Franz Koser, G. Speichler, Joh. Ferg“ und dem „standrechtlich erschossen[en] Peter Lacher gewidmet“. Abschließend befindet sich auf dem Gedenkstein noch die Jahreszahl „1900“, wahrscheinlich das Jahr, in dem dieser Gedenkstein gestiftet und errichtet wurde.

Bis heute ist die Diskussion unter Historikern nicht verstummt, von wem der Gedenkstein gestiftet wurde – Unterlagen hierzu scheinen nicht mehr zu existieren. Das Büchlein „Die Straße der Demokratie – Ein Routenbegleiter auf den Spuren der Freiheit“, berichtet, der Gedenkstein auf dem Bruchsaler Friedhof sei auf Veranlassung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands errichtet und am 1. November des Jahres 1900 feierlich eingeweiht worden. Über diesen Gedenkstein hinaus gibt es in Bruchsal keine Erinnerung an Peter Lacher, der für seinen Freiheitswillen und sein Eintreten für die Demokratie durch ein preußisches Exekutionskommando an der Mauer des Mannheimer Hauptfriedhofes standrechtlich erschossen wurde. Seit 2002 erinnert in Karlsruhe eine Gedenktafel an den Bruchsaler Peter Lacher. Zusammen mit 26 weiteren Tafeln befindet sie sich beim Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Mühlburger Tor.

Der Bruchsaler Alt-Stadtrat und Botschaftsrat a. D. Gerhard Holler hat bereits am 13. März 1998 in einem bei der Bruchsaler Rundschau veröffentlichten Beitrag auf das Schicksal von Peter Lacher hingewiesen. Diesen Artikel hat Herr Holler dankenswerterweise bruchsal.org zur erneuten Veröffentlichung überlassen – der Beitrag ist noch so aktuell wie vor 16 Jahren, wenn auch wohl Kranzniederlegungen oder andere Ehrungen für die gefallenen Bruchsaler Freiheitskämpfer und den standrechtlich erschossenen Bruchsaler Soldaten Peter Lacher nicht mehr statt finden.

 

 

Freiheitskämpfer der Badischen Revolutionsarmee

Mit 22 Jahren wurde Peter Lacher erschossenen

„dem jungen Soldaten versagte das Standgericht in Mannheim ein mildes Urteil“

Zum Gedenken an die gefallenen Freiheitskämpfer und den standrechtlich erschossenen Bruchsaler Soldaten Peter Lacher findet am Donnerstag, 19. März [1998], eine Kranzniederlegung an dem einzigen vorhandenen Gedenkstein der 48/49er auf dem Friedhof in Bruchsal statt. Oberbürgermeister Bernd Doll wird dort den Freiheitskampf der Badischen Revolution würdigen und besonders Peter Lacher und den weiteren Bruchsaler gefallenen Soldaten gedenken.

Wer war Peter Lacher? Was war sein Schicksal und seine Verdienste? Der Bruchsaler Barbier Peter Lacher war erst 22 Jahre alt, als er von dem Standgericht im Kaufhaussaal in Mannheim am 27. August 1849 wegen Meuterei, Hochverrat und Treulosigkeit nach der Anklage und dem Untersuchungsbericht durch den Kriegsgerichtspräsidenten zum Tode durch Erschießen verurteilt wurde. Im Urteil wurde eine „Überprüfung“ (Berufung) ausdrücklich erwähnt, jedoch wurde er am nächsten Morgen früh um vier aus der Zelle geholt und vor der Mauer des Mannheimer Hauptfriedhofes durch ein preußisches Exekutionskommando erschossen.

Die Grabstätte von weiteren fünf in diesen Tagen erschossen Freiheitskämpfern befand sich in der Nähe des 1874 von ausgewanderten deutsch/amerikanischen Freunden gestifteten Obelisken. Nach ihnen sind in Mannheim Straßen benannt.

Was waren die „Verbrechen“ von Peter Lacher? Er diente als Soldat (Verbandszuträger) im Bataillon „Kraft“. Nach Anklageschrift des Staatsanwalts Ammann wandte er sich an seine Kameraden, mit dem Ansinnen, dass sie sich bei der Bekämpfung der Aufstände der Freiheitskämpfer zurückhalten sollten. Er blieb während der Revolutionszeit freiwillig länger beim zweiten Infanterieregiment, um die Soldaten für die Ziele der Badischen Volkserhebung zu begeistern. Er forderte sie auf, nur noch den Beschlüssen des revolutionären Landesausschusses zu gehorchen. Im wesentlichen bezogen diese sich auf die Umgestaltung der Wehrverfassung und Einführung von demokratischen Prinzipien in die Landesverteidigung, wie allgemeine Wehrpflicht mit Volksbewaffnung, Wahl der Offiziere durch die Mannschaften und Widerspruchsrecht gegen deren Anweisungen und Befehle, eine volkstümliche Wehrverfassung, Minderung der Finanzlast des Landes durch Kürzung der Pensionen bei Generälen, Regimentsinhabern und Offizieren einschließlich der üppigen Witwenpensionen.

Weiter hat er die Gleichheit vor dem Gesetz, Pressefreiheit und die Einführung von Schwurgerichten gefordert. Nachdrücklich verlangte er von seinen Soldatenkameraden, nicht mehr wie bei dem Hecker- und Struve-Aufstand auf die Kameraden der anderen Seite zuschießen und sie zu bekämpfen. Bei Disputen, so berichtete die Karlsruher Zeitung vom 31. August 1849 solle er einem Offizier die Waffen und die Uniform vor die Füße geworfen haben und mit seinen Füßen drauf getreten sein. Die Rede des Obersten Röder, der seine Leute zur Treu und Festhaltung am Gesetz ermahnte, nannte er „leeres Geschwätz“.

Im Mai 1849 veranlasste Peter Lacher eine große Soldatenversammlung in Freiburg auf dem Schlossberg und beantragte dort die Bildung eines demokratischen Soldatenvereins mit wählbarem Ausschuss, der die Handlungsweisen der jeweiligen Vorgesetzten überprüfen und begutachten könne (heutiger Wehrbeauftragter).

Dabei muss er mit seinen Reden überzeugend gewesen sein. Seine Kameraden haben ihm das Wort gegeben, ihn zu befreien, wenn er in Haft käme. In weiteren Aktionen trug er viel zu Verbrüderung von Soldaten und Zivilpersonen in Freiburg bei. Spitzel berichteten in der Verhandlung des Standgerichts zu Mannheim, das nur von preußischen Offizieren besetzt war, dass er sogar gesagt haben soll „die Fürsten sollen weggeschafft werden“.

Eine schwarzrotgoldene Fahne tragend und mit einer roten bestickten Halsbinde, die ihm der demokratische Frauenverein verliehen hatte, marschierte er mit seinen Soldaten und zahlreichen Zivilpersonen durch die Hauptstraße Freiburgs. Er überzeugte sogar die Soldaten des zweiten Infanterieregiments von der Notwenigkeit der Beteiligung der Republik Baden, (die auch in Freiburg ausgerufen wurden) gegen die herannahenden Preußen und Bundestruppen zu kämpfen und marschierte, zwischenzeitlich zum Offizier gewählt, in einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen zur Neckarfront in Schriesheim und Großsachsenheim, um die dortige „Gefechtsstärke zu erweitern'“. Aus dem Bericht des Oberbefehlshabers der Badischen Revolution Miroslawski geht hervor, dass der Kampf in Großsachsenheim ein Sieg über die Preußen war. In Heidelberg wurde der Sieg gefeiert.

Nach der späteren Einnahme von Heidelberg durch die Preußen und Rückzug der Badischen Revolutionsarmee geriet Peter Lacher in Gefangenschaft und saß seit dem 30. Juni 1849 in Mannheim in Untersuchungshaft bis ihn das Standgericht zum Tode durch Erschießen verurteilte.

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Der Verteidiger von Peter Lacher, Rechtsanwalt Dr. Gentil, wies darauf hin, dass das Verhalten der Soldaten und vieler Offiziere auf die Begriffsverwirrung der damaligen Zeit und die Konflikte, die sich aus dem Schwören auf die zweierlei Eide (Fahneneid und Eid auf die Landesverfassung) hervorgegangen seine.

Er beantragte Freispruch oder Verweisung an einen ordentlichen Richter. Der Gerichtspräsident und sein Standgericht waren davon unbeeindruckt. Peter Lacher hatte keine Chance auf ein mildes Urteil.

© Gerhard Holler

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Kommentare

Peter Lacher

Menschen / Geschichten wie die ueber Peter Lacher sollten nicht in Vergessenheit geraten bzw. in Bruchsal eine Strasse nach Ihm zu Benennen waere doch nicht die schlechste Idee.

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