Megalithmonumente in BW vs. Landesamt für Denkmalspflege

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Eine Föderalismus- und Bürokratiekritik
Mittwoch, 18. August 2010 - 16:48

 

Mein Artikel vom Juli 2010 vermittelte einen ersten Eindruck von den Megalithmonumenten, die es hier in Süddeutschland in großer Zahl zu finden gibt. Wir sprechen hier von Bauwerken, die in einem Zeitraum angesiedelt werden, als in Ägypten die Pharaonen Pyramiden errichten ließen. Offensichtlich existierte hierzulande ebenfalls eine solche Hochkultur, denn die gewaltigen steinernen Grabmonumente, die man hier in großen Steinbrüchen findet, setzen dieselben architektonischen und logistischen Fähigkeiten voraus, die auch die zentral organisierten Gesellschaften mediterraner und orientalischer Königreiche entwickelt hatten.

Da kann es einen nur erschüttern, wie die staatlichen Stellen Baden-Württembergs mit diesen Entdeckungen umgehen. Man wagt es kaum zu sagen, aber hochspezialisierte Wissenschaftler sind nicht einmal fähig, eine Abraumhalde von dem massiven Baukörper eines Grabmonuments zu unterscheiden.

 

Konstruktion und Baukörper süddeutscher Cairns

Jeder normal begabte Mensch weiß, dass Schutt aus Geröll und Steinen verschiedener Größe besteht, der durch den Schüttvorgang in schräg liegenden Schichten zu liegen kommt und dadurch immer die Tendenz zum Wegrutschen hat. Ein solches Gebilde aus Steingebrösel ist also äußerst instabil. Die durch jahrtausendelange Erosion zu waldbewachsenen Ruinen zerfallenen Megalithmonumente jedoch zeigen überall unter oberflächlichem Schutt und Humus sorgsam horizontal gesetztes Mauerwerk aus Bruchsteinen relativ gleicher Größe in Trockenbauweise und ohne Mörtel in den Fugen.

Diese vor Jahrtausenden gesetzten Mauern sind auch heute noch, trotz ihrer enormen Steilheit, so stabil, dass sie, oftmals direkt an viel befahrenen Straßen stehend, als derart sicher erachtet werden, dass niemand, keine Gemeinde, keine Forstbehörde, etc., auf den Gedanken käme, mögliche Schäden der Allgemeinheit durch Hangrutsche etc. mittels einer Versicherung abzusichern. Man vertraut einfach der seit Generationen vorhandenen Gewissheit, dass diese hoch aufragenden künstlichen Gebilde auch weiterhin stehen bleiben. Das hier zu sehende Beispiel zeigt den Cairn im Buchenbuckel bei Sulzfeld (Bild 1), landläufig als Abraumhalde abgetan.

Cairn im Buchenbuckel bei Sulzfeld

Cairn im Buchenbuckel bei Sulzfeld

Nach 20 Jahren intensiver Feldforschung kennt die Cairn-Forschungsgesellschaft min. 6 große Felsnekropolen mit mehr als 5 Cairns vor Felswänden: die Steingrube bei Maulbronn-Schmie (20 Cairns), der Dachsbau bei Karlsruhe-Durlach (~10), das Köpfle bei Untergrombach (10), der Marsberg bei Würzburg-Randersacker (~15), der Sonnenstuhl Südnekropole bei Randersacker (~10) und der Sonnenstuhl Nordnekropole (~10).

Dazu jede Menge von Einzelbauwerken und Ensembles verschiedener Größe mit Maximalausdehnungen welche die Seitenlänge und Diagonale der Cheopspyramide bei weitem übersteigen: der Bärenstein bei Horn-Bad-Meinberg (440 m), die Paradies-Pyramide bei Heilbronn-Jägerhaus (470 m) und die Kruschhälde bei Sulzfeld (330 m) etc.

Durch Inspektionen und Grabungen der teils durch Plünderungen zerstörten Baukörper konnte deren Innenaufbau festgestellt werden. Dabei erweist sich, dass es keine einheitliche Architektur oder Konstruktionsweise gibt. Sowohl massive Baukörper aus gesetzten Schilfsandstein- und Tonschieferplatten, die bis zu 4 m tief festgestellt werden konnten (Zwerchhälde Sternenfels, Baukörper aus massiven Kalksteinquadern und -blöcken von bis zu 2 m Seitenlänge und mehr, die der Bauausführung ägyptischer Königspyramiden in nichts nachsteht (Marsberg-Nekropole bei Randersacker), als auch Cairns mit einer Bausubstanz aus massiven Lehm, in die durchgehend horizontale Lagen von Sandsteinblöcken und -platten eingegossen sind (Ölmühlenkopf bei Oberderdingen) kamen zur Ausführung. Die gleiche Kombination von Lehm und Sandsteinplatten als Baumaterial, schichtenweise gesetzt, fand der Privat-Archäologe Semir Osmanagich bei der Ausgrabung der Mondpyramide bei Visoko in Bosnien.

Niemand will den Archäologen unterstellen, sie hätten die künstlichen Hügel in Steinbrüchen nicht gewissenhaft begutachtet bzw. begutachten lassen. Wir wissen es nicht, wir nehmen es zu Gunsten des Amtes einfach mal an. Meinungsführender Fachmann war bisher Rolf Burrer, Steinbruchbesitzer aus Maulbronn, dessen Familie schon seit Generationen dieses Gewerbe betreibt, und der auch ein umfangreiches Archiv über den historischen Steinabbau im Kraichgau und Zabergäu, sowie im Stromberg besitzt. Keiner kennt diese angeblichen Halden wohl so gut, wie er, denn immer wieder musste in die Bausubstanz der uralten Megalithmonumente eingegriffen werden, sei es beim Straßenbau wenn eine Stützmauer errichtet werden musste, oder wenn eine Hütte direkt in den Hang eines Cairns gebaut wurde.

Dabei kam gerade in Maulbronn offenbar nicht immer nur geschichtetes Bruchsteinmauerwerk zutage, sondern auch massive Partien von Lehm oder Ton, die von waagrecht gesetzten Steinlagen durchsetzt sind, z. B. am großen Cairn Nr. 3 gegenüber dem Lauster-Steinbruch in Maulbronn (Bild 2).

Cairn 3 in Maulbronn am Lauster-Steinbruch

Cairn 3 in Maulbronn am Lauster-Steinbruch

 

Hier wurde im Sommer 2010 die in den Hang des Cairns hinein gebaute Hütte abgerissen. Dahinter kam der innere Aufbau des Cairns zutage (Bild 3).

Cairn 3 Maulbronn, Baukörper hinter der abgerissenen Hütte

Cairn 3 Maulbronn, Baukörper hinter der abgerissenen Hütte

Wie jeder sehen kann, handelt es sich nicht um Schutt, der sofort ins Rutschen gekommen wäre. Nein, die hoch aufragende, senkrecht stehende Wand, die keinesfalls den Eindruck macht, gleich in sich zusammenzustürzen, besteht offensichtlich aus einer braunen tonigen Erde, wenn nicht sogar feuchtem rotem Ton, der von flach liegenden Steinen durchsetzt ist. Ton ist ein sehr zäher Baustoff und garantiert höchste Flexibilität gepaart mit Stabilität und Festigkeit. Erwartet werden aber musste, nach Angaben von Burrer, Tonschiefer- und Mergelschutt, der eine völlig andere, äußerst instabile Konsistenz hat.

Vergleichbare Bausubstanz, nämlich gelben Lehm, fand ich beim Ausgraben der Bauwerksteile hinter den 3 äußeren Strebemauern im Cairn von Oberderdingen/Ölmühlenkopf. Sie bilden den eigentlichen massiven Kern (Bild 4).

Cairn in Oberderdingen Ölmühlenkopf, der Baukörper hinter dem Bruchsteinmauerwerk

Cairn in Oberderdingen Ölmühlenkopf, der Baukörper hinter dem Bruchsteinmauerwerk

Erst diese äußerst flexiblen Bindemittel garantierten, dass die Bauwerke ihre Stabilität erhielten und dadurch bis heute in fast noch ganzer Höhe stehen.

Lehm und Ton als Baumaterialien sind aber auch in Grabhügeln Zentraleuropas immer wieder zum Einsatz gekommen, z. B. beim Sonnenbühl in Uitikon-Waldegg (Schweiz). Auf Wikipedia steht hierzu: „Zum Zeitpunkt der archäologischen Untersuchungen im Sommer 1979 hatte der Grabhügel noch eine Höhe von drei Metern und einen Durchmesser von 20 Metern. Der vollständig aus Lehm aufgeschüttete Grabbau war spärlich, aber gleichmäßig mit Steinen bedeckt, die bei seiner Errichtung über die ganze Hügeloberfläche verteilt gewesen sein müssen, und von denen die größeren infolge der Erdgravitation im Verlauf der Jahrtausende nach unten gesunken waren“.

Zur Urgeschichte Westfalens schreibt Kai Niederhöfer im Internetportal „Westfälische Geschichte“:

In der frühen Bronzezeit wurden offenbar nur die Angehörigen einer Oberschicht individuell unter monumentalen Grabhügeln aus Steinen, Lehm oder Sand bestattet“.

Das Großsteingrab „Teufelskeller“ von Drosa (Sachsen-Anhalt) besteht aus einem großen Dolmen aus tonnenschweren Felsplatten und besaß bis 1904 einen Baukörper aus Lehm. „Die Tragsteine waren von einer bis zu 1 m hohen Lehmschicht umgeben. Die Fugen zwischen den Tragsteinen füllten kleine Steine und Erde. An der südlichen Längsseite (des ca. 20 m langen Grabhügels, d. V.) befand sich ein 3 m langer und 90 cm breiter Gang, durch den die Toten zur Beisetzung hineingetragen wurden. Ein Schwellenstein trennte Gang und Grabkammer. Den Boden des Grabes bildete eine Kalksteinplattenschicht, auf der die Skelettreste in zwei Bestattungsschichten übereinander lagen“ (www.terraner.de).

Auch das Großsteingrab in Wulfen, das heute als nackter Dolmen dasteht, war ursprünglich bis zur Ausgrabung 1912 von einem 34 x 16 x 4,5 m großen Hügel bedeckt gewesen. Bei all diesen stein- und bronzezeitlichen Grabhügeln Norddeutschlands handelt es sich um Ganggräber wie hier bei uns.

Das „Hüvelken in dem Felde“ beim Kloster Dalheim nahe Paderborn wird nach neuesten Untersuchungen (2008, Dr. Reinhold Busse) auch als Grabhügel mit einem Durchmesser von 67 m betrachtet. Zutage kam eine Bausubstanz, die der hier vorhandenen sehr ähnelt. Allerdings handelt es sich dort um Kalkstein, hier um Sandstein. „Die Untersuchung ergab, dass der Hügel zwar aus dem gleichen Kreidekalkstein wie die Schichtstufe besteht, dass aber die in einen gelblichen, tonig-kalkigen Lehm eingebetteten, bis zu 30 cm großen Gesteinsbrocken teils ungeregelt aufgeschüttet, teils lose aufgeschichtet sind und sich leicht aus dieser Matrix herauslösen lassen... Um das Material hierfür zu gewinnen, wurde seinerzeit etwa 150-200 m nordöstlich ein heute fast verschütteter Steinbruch angelegt, noch deutlich als ca. 75 m lange, 30 m tiefe und 5 m hohe Auskehlung in der ansonsten hier gradlinig verlaufenden Schichtstufe zu erkennen...Der überschlägige Vergleich des hier herausgewonnenen Gesteins von 6900 m3 zeigt mit den 6700 m3 des für den Bau des Hügels verbrauchten Materials eine gute Übereinstimmung!“

Die Mondpyramide von Visoko/Bosnien liefert genau dieselbe Schichtenfolge von aneinander gefügten Steinen und Lehm (Bild 5).

Mondpyramide in Bosnien, der Baukörper aus Sandsteinplatten und Lehmschichten

Mondpyramide in Bosnien, der Baukörper aus Sandsteinplatten und Lehmschichten

 

Hier ist es Sandstein. Kritiker aus Reihen der Geologen behaupten, es handle sich um geologische Verwerfungen; nur, die geologischen Quellen, also Untersuchungen, die bereits dort stattgefunden haben, können das nicht bestätigen. Es ist schlichtweg unmöglich, dass Sandstein und Lehm in Schichtenfolge vorkommen, denn zur Entstehung von Sandstein ist sehr viel Druck und Hitze erforderlich. Unter solchen Bedingungen aber würde auch der umgebende feuchte Lehm aushärten und sich in Stein verwandeln.

 

Ganz anders als Grabhügel aus Stein und Lehm schauen echte Schutthalden aus. Diese werden in der Regel von oben eine Felswand hinunter geschüttet und die Schichten kommen, wie schon erläutert, schräg zu liegen. Andere Halden haben in Steinbrüchen selten eine lange Lebensdauer. Meist benutzt man das Schüttgut um Kuhlen aufzufüllen, Löcher in der Landschaft zu stopfen und ist grundsätzlich bestrebt, die aufgeschütteten Schuttmassen in irgendeiner Weise horizontal zu verbreiten.

So wird grundsätzlich mit dem Schutt in Steinbrüchen verfahren. Wie der Steinbruchbesitzer Herr Frick aus Freudenstein dem Autoren mitteilt und auch schon von dem Steinbruchmeister Michael Frey vom Natursteinwerk in Eppingen-Mühlbach anlässlich der Besichtigung der Zwerchhälde von Sternenfels im Sommer 2007 bestätigt wurde: Derartig große „Abraumhalden“, wie wir sie kennen, können in einem normalen Steinbruch nicht entstehen. Der Schutt wird horizontal in den Boden des Steinbruchs eingearbeitet. Ein großer Teil des Abraums wird zudem mit Lkws ins Schotterwerk geschafft und dort weiter verarbeitet. Schon im 19. Jahrhundert war der Verkauf des Abraums eine nicht unerhebliche Gewinnquelle der Steinbruchbesitzer, wie auch schon der Großvater von Rolf Burrer in seinem Büchlein „Der Steinhauer an der Arbeit“ (1911) mittels einer Kostenkalkulation ausführte.

So große raumfüllende „Abraumhalden“, wie wir sie in den zur Diskussion stehenden Steinbrüchen finden, können und konnten also niemals während des Steinbruchbetriebs entstehen. Wir sprechen von Volumina, die, wie im Fall Kloster Dalheim (s. o.), in Gänze dem ausgebrochenen Material eines Bruchs entsprechen, z. B. die Steingrube in Schmie, die Zwerchhälde von Sternenfels, die Paradies-Pyramide von Heilbronn (wo auch Lehm hinter den äußeren Bruchsteinmauern auftaucht), die Kruschhälde von Sulzfeld u.s.w.

Wozu also diese ganze schweißtreibende Schwerarbeit? Hatten die Arbeiter nur geschuftet, um Abraum herzustellen, den sie dann im Steinbruch hermetisch zu großen Halden aufschütteten?

 

Wissenschaftlicher Sachverstand – beim LAD vorhanden?

Ein Schwachsinn, der aber von den amtlichen Stellen, einigen ehrenamtlichen Helfern des LAD und selbst von Studenten der Uni Freiburg und Mitgliedern des Internet-Forums arch.de ständig und immer wieder verbreitet wird. Niemals wurde die einmal aufgestellte Hypothese hinterfragt, erst recht nicht, als der Autor mit der Entdeckung von Grabgängen in diesen angeblichen Halden an das Amt herantrat.

Spätestens seit im Jahr 2000 die ersten Megalithgänge und -kammern zutage kamen, hätte die zuständige Behörde reagieren müssen. Aber nun redete man sich neuerlich heraus. Erst wenn datierbare Funde gemacht seien, bestünde Gewissheit. Doch die Grabungen des Jahres 2003 brachten nur leere Gänge und Kammern zutage. Zu lange schon waren diese der Allgemeinheit offen gestanden. Zuletzt hatten die Steinbrucharbeiter bei der Plünderung der Megalithmonumente (schließlich liefern sie noch heute brauchbare Mauersteine) diese als Lagerräume für ihr Werkzeug benutzt und für diesen Zweck ordentlich hergerichtet. Wenn nicht die Schatzgräber des Mittelalters und der Neuzeit schon alle Ablagerungsschichten beseitigt hatten, diese letzte Nutzung tat es gewiss.

Es ist also eine schwere, wenn nicht fast aussichtslose Suche nach Beweisen, die das LAD hohnlachend verfolgen kann. Denn diese, vom Gesetz eigentlich zur Aufklärung und Forschung verpflichtete Behörde hat bis heute keine einzige Minute Forschungsarbeit investiert.

Man fasst es nicht. Jeder, der das hier Geschilderte zur Kenntnis nimmt und sich selbst ein Bild von den Architekturen macht, kann es eigentlich nicht verstehen, dass von staatlicher Seite überhaupt nichts geschieht.

Wir kennen jetzt etwa 18 Gangportale mit z. T. sehr gut begehbaren Gängen, die unter www.megalith-pyramiden.de jederzeit in guter Fotoqualität zu besichtigen sind. Jeder kann sich dort oder auf entsprechenden Internetseiten selbst davon überzeugen, dass diese Gänge architektonisch völlig übereinstimmen mit Grabgängen, die man in der Bretagne oder Großbritannien gefunden hat und dort in die Zeit ab 5800 v. Chr. datiert.

Diese Informationen wurden schon 2001 in Buchform herausgegeben und dem zuständigen Landeskonservator in Stuttgart zur Kenntnis gebracht. Dr. Biel hatte sich aber schon Anfang der 90er Jahre negativ zu den Entdeckungen geäußert und seither seine Meinung nie wieder geändert. Seit 1990 nun sind die Entdeckungen dem Amt bekannt gemacht worden. Das Amt weiß, dass es eine Homepage mit allen relevanten Entdeckungen gibt, aber man antwortet nicht einmal auf eingesandte E-Mails und Grabungsberichte, jedenfalls bis heute nicht. Unsere Forschungen existieren für das Amt offenbar überhaupt nicht.

Man fühlt sich in Kafkas Schloss versetzt.Geschildert wird darin der vergebliche Kampf des Landvermessers K. um Anerkennung seiner beruflichen und privaten Existenz durch ein geheimnisvolles Schloss und dessen Vertreter. Aber diese übermächtige Behörde werkelt völlig sinnfrei vor sich hin mit einer beängstigenden Monotonie und Sturheit, die nichts aber auch gar nichts an sich herankommen lässt. Noch immer regiert Dr. Biel, noch immer lacht man über unsere Entdeckung, über eine Jahrtausendsensation, die unser völlig überholtes Geschichtsbild total über den Haufen wirft.

Dabei sind diese Bauwerke andernorts auf dem Kontinent schon lange bekannt, werden dort seit Jahrzehnten intensiv erforscht und mit viel Aufwand so getreu wie möglich rekonstruiert. In Frankreich, Großbritannien, Schottland und Irland ist man stolz auf seine steinernen Architekturen aus Urzeiten, die man dort Cairns nennt und oft genug als Stufenpyramiden wieder erstehen lässt, denn sie beweisen den hohen zivilisatorischen Stand der Stein- und Bronzezeitkulturen. In Deutschland glaubt man immer noch den antiken Autoren, die unsere Vorfahren, ihre damaligen Feinde, zu tumben Idioten und Barbaren erklärten.

 

Neueste Entdeckungen in „Steinbrüchen“

Wer die vielen bereits gefundenen Monumente in ihrer großen Ansammlungen nicht selbst gesehen hat, welche gewaltigen Bauquader dabei zum Teil verarbeitet wurden (Marsberg Würzburg-Randersacker), der kann´s nicht glauben. Ständig werden neue Funde gemacht. Allein in diesem Sommer 2010 fanden wir eine Steinkiste (Bild 6), die in ihrer perfekten Form einem antiken Sarkophag gleicht (Heilbronn), entdeckten eine komplette Felsnekropole (Bild 7) mit unglaublich gut erhaltenen Cairnfassaden und mindestens einem Gangportal (Sonnenstuhl Nord Würzburg-Randersacker) und gruben eine Kammer mit Gang (Bild 8a+b) aus (Freudenstein), und das alles in Steinbrüchen!

Heilbronn Jägerhaus, Sarkophag an der Paradies-Pyramide

Heilbronn Jägerhaus, Sarkophag an der Paradies-Pyramide

Würzburg-Randersacker Sonnenstuhl, Cairn in der Nordnekropole

Würzburg-Randersacker Sonnenstuhl, Cairn in der Nordnekropole

Cairn 1 im Burgstall von Freudenstein, Satellitengrab im Vordergrund

Cairn 1 im Burgstall von Freudenstein, Satellitengrab im Vordergrund

Grabkammer mit Gang, Satellitengrab an Cairn 1 von Freudenstein

Grabkammer mit Gang, Satellitengrab an Cairn 1 von Freudenstein

 

Gerade die letzte Entdeckung in Freudenstein brachte endlich datierbares Material. Am Boden der Kammer fand sich eine Setzung aus römischen Ziegeln, römisch deshalb, weil die Ziegel nicht die knackige Röte heutiger Ziegel besitzen, sondern mit niedrigeren Temperaturen gebrannt wurden und deshalb eine mehr gelbliche Farbe besitzen. Man kann daraus schließen, dass der Boden der Kammer mit eben diesen Ziegeln belegt war. Eine konstruktiv sehr ähnliche Steinkiste wurde im Jahr 2009 in Biengen bei Bad Krotzingen freigelegt. Auch dort fanden sich römische Ziegel als Bodenbelag, allerdings quadratische Hypokaustziegel. In Freudenstein kam nur ein einziger zum Vorschein (Bild 9).

Grabkammer von Freudenstein, römische Ziegel zu Herdstelle aufgebaut

Grabkammer von Freudenstein, römische Ziegel zu Herdstelle aufgebaut

 

Merowingische/alemannische Steinkiste von Biengen/Bad Krotzingen

Merowingische/alemannische Steinkiste von Biengen/Bad Krotzingen

Theoretisch möglich wäre, dass die Franken aus den Ruinen römischer Villen diese Ziegel nahmen.

Alle aufgefundenen Steingrabhügel beweisen das unglaublich hohe Niveau der süddeutschen Megalith-Hochkultur. Dabei sind die bis jetzt erfolgten Funde nur dem Zufall geschuldet. Eine systematische Suche hat es noch gar nicht gegeben. Anrufe erreichten mich, die von geheimnisvollen Steinbrüchen und Ganganlagen in Bayern und im Bergland an der Donau berichten. Das Bergische Land hat neben römischen Hinterlassenschaften offenbar auch solche Felsausbrüche aufzuweisen. Im Schwarzwald fanden wir Cairns in einem Steinbruch.

Es eröffnet sich eine komplette vorgeschichtliche Hochkultur, die vermutlich flächendeckend über das ganze Mittelgebirge Deutschlands verbreitet war – aber nicht einmal die Presse berichtet darüber.

Schlechte Prognose

Die Macht der hohen Herren scheint einfach unüberwindbar. Wenn einmal das Los gefallen ist, mahlen die Mühlen der Bürokratie mit unerbittlicher Strenge. Jeder Journalist, der sich über diese Entdeckungen beim Amt informieren möchte, bekommt die immer gleiche (falsche!) Auskunft, „nichts dahinter“, „keine Beweise“, „Unsinn“.

Dabei könnten die hiesigen Spezialisten, wenn sie nur wollten, sich jederzeit Informationen beschaffen in anderen Bundesländern, wo Megalithmonumente, auch Hünengräber genannt, schon seit langem erforscht werden, z. B. in Niedersachsen und in Mecklenburg-Vorpommern. Sie könnten sich informieren, wie die Steingrabhügel z. B. der Denghoog auf Sylt aufgebaut ist, wie dessen Grabgang und -kammer konstruiert sind. Sie würden erkennen, dass es keinen großen Unterschied zu den hier gefundenen Grabanlagen gibt. Sie könnten auch jederzeit einen Fachmann aus einem anderen Bundesland einladen, der sich mit Megalith-Architekturen auskennt, z. B. Dr. Diether Ziermann, Archäologe am Landesamt für Kultur und Archäologie in Stade/Niedersachsen. Der schrieb seine Doktorarbeit über stein- und bronzezeitliche Grabarchitekturen und kann diese also beurteilen.

Ich kontaktierte ihn schon im Jahr 2000 und zeigte ihm Fotos der ausgegrabenen Gangportale. Ziermann konnte allerdings nicht selber vor Ort urteilen, da er schon damals chronisch erkrankt war, er sah aber, anders als unsere Archäologen im Ländle, Forschungsbedarf! Nur, dieser wahrhaft kompetente Fachmann hat in unserem Bundesland überhaupt nichts zu sagen. Hier kann die Bürokratie ungehindert durch die Läufte der Zeiten weiter wursteln wie zu Kaisers Zeiten. Die Selbstherrlichkeit eines einzelnen Amts-Regenten kann die Erforschung der wohl bedeutendsten Entdeckung seit Einführung der Archäologie in Deutschland auf ewig verhindern. Man glaubt´s nicht, aber so geschieht das tatsächlich seit nun schon 20 Jahren . Und wird wohl auch noch die nächsten 20 Jahre so weiter gehen,, wenn nichts geschieht, oder einen neue Generation das Ruder übernimmt. Nichts lässt derzeit hoffen, dass eine höhere Einsicht sich breit machte und die Beamten endlich ihren Dienstpflichten nachkommen würden.

Man weiß nicht, wie Kafkas verzweifelt das Schloss durchirrender Held endet, da Kafka den Roman unvollendet ließ. Max Bord rekonstruierte aus Erzählungen des Schriftstellers, dass K. nach 7 Tagen an Erschöpfung starb, er aber seine Anerkennung posthum doch noch erhielt, weil seine Bewerbungen stets tadellos und fehlerfrei waren. Schöne Aussichten, denn dessen hoffnungsloses Schicksal trifft heute noch, im 21. Jahrhundert, ambitionierte und selbstlos initiativ werdende Menschen mit derselben grausamen Gleichgültigkeit, die Bürokraten überall auf der Welt, aber besonders in Baden-Württemberg, eigen ist. Es ist ein seltsamer Geist der Unbeweglichkeit und Starre, der nur dort sich verbreitet, wo eine Partei über all die Jahre hinweg unangefochten regieren kann. Ein Schreckensbeispiel des Föderalismus.

Gäbe es ein Bundesamt für Archäologie, wo alle Bundesländer mit ihren jeweils eigenen prähistorischen und historischen Kulturen vertreten wären, die typisch megalithischen Charakteristika wären sofort erkannt worden, einen solchen Skandal hätte es nie gegeben.

Es ist sicher nicht das übersteigerte Geltungsbedürfnis eines verkannten Privatforschers, das hier nach gerechter Beurteilung und Handhabe eines wissenschaftlichen Streitfalls ruft, eben weil hier eine bahnbrechende Entdeckung so schnöde behandelt und zurückgewiesen wird, viel mehr schmerzt, dass eine ganze Region, die nicht gerade zu den wirtschaftlich bevorzugten Baden-Württembergs gehört, ihrer Entwicklungsmöglichkeit hin zu Tourismus und regionaler Kultur mit Museumsbetrieb und frequentierten Ausflugslokalen schlichtweg beraubt wird. Dabei gehört das LAD seit einigen Jahren nicht mehr zum Kultusministerium, sondern zum Wirtschaftsdezernat. Bei ständiger Deindustrialisierung und zunehmender Massenarbeitslosigkeit sollte man sich diese Zukunftschance auf keinen Fall entgehen lassen.

Kein Mensch kann begreifen, warum das Land und seine Archäologen das durchweg Positive der Entdeckungen stets so brüsk zurückgewiesen haben. Eine Erklärung dafür zu finden, bedarf wohl viel psychologischem Gespür und soziologischem Sachverstand. Wissenschaftler, in ihrem Sachgebiet bewanderte Spezialisten, lassen sich schlechterdings etwas von Außenstehenden sagen. Dem nicht in der Fakultät Studierten wird einfach die Kenntnis abgesprochen, obwohl diese Spezialisten selbst keine oder keine genügende Kenntnis vom speziellen Forschungsgegenstand „megalithische Cairns“ besitzen. Diese Erfahrung musste der Autor machen. Diese Kenntnis war bislang auch nicht erforderlich, da es ja bis zur Entdeckung von Cairns in „Steinbrüchen“ offiziell keine Megalithmonumente in Baden-Württemberg gab, die größer als flache Steinkisten waren. Herausgefordert durch Kenntnisse, die ihnen nicht eigen waren, verlegten sie sich sogleich auf Zurückweisung der neuen Ideen. Mangels kargem Forschungsbudget und fehlender Zeit selbst nicht in der Lage, die Theorie zu überprüfen, verschob man die wissenschaftliche Auseinandersetzung auf den St. Niemehrleinstag.

Es wundert den Normalsterblichen natürlich, dass Forschungsgelder reichlich fließen, wenn es um Projekte im Ausland geht, um Troja, Karthago, Gebökli Tepe, in Ägypten, Südamerika u. s. w. Der eigenen Hochkultur widmet keinen einzigen Cent. Die Idee muss wohl so lächerlich auf die „Hochgebildeten“ wirken, dass sie vielleicht nicht einmal zum „running gag“ in den Amtsstuben taugt. Man stelle sich das vor. In jedem anderen Land würde man die Verantwortlichen für solch einen Kulturskandal mit Schimpf und Schande aus dem Amt jagen, hier in unserem von historischer Schuld belasteten, durch historische und politische Indoktrination verwirrten Volk, wo der letzte Rest an Nationalstolz mit künstlich aufgeplusterten Gewissenskonflikten ausgetilgt wird, leidet jede Diskussion, die sich mit der möglichen Existenz einer vorgeschichtlichen Reichsarchitektur im eigenen Land befasst, von vornherein an ideologischen Verdächtigungen. Das Reich der Kelten in Europa und Asien ist eine historische Tatsache. Ihre faktischen Hinterlassenschaften, die Hünengräber, Cairns und Kurgane aber verteilt eine völlig missratene Chronologie über Jahrtausende und verschiedene Kulturepochen. Man stelle sich dieses bizarre Vorgehen in der ägyptischen Geschichte vor. Dort gesteht man den Pharaonen die Existenz ihres Reiches ohne weiteres über gut und gerne 3000 Jahre zu, was an sich völlig verrückt klingt und natürlich auch ist. Aber die Archäologie ist auch keine exakte Wissenschaft, sondern baut auf Geschichten, die man glauben kann oder auch nicht. Da über die Kelten nur wenige glaubhafte überliefert wurden, reichte es hierzulande nicht einmal zu einer eigenen Fakultät der Keltologie.

Die Archäologie und Geschichtswissenschaft beschäftigt sich nicht nur mit Ruinen, sie liegt selbst in Trümmern. Basierend auf Fundamenten, die tatsächlich aus nichtwissenschaftlicher Zeit stammen, ist sie nicht in der Lage, die Grundlagen ihres eigenen Denkgebäudes zu hinterfragen. Kritik findet, wenn überhaupt, an partiellen Problembehandlungen aber nicht grundlegend statt. Die Wissenschaft von außen zu kritisieren ist noch weniger Erfolg beschieden, denn gleichsam im Elfenbeinturm sitzend, erreicht die gottgleich sich Wähnenden kein wirklicher Impuls aus anderen Sphären.

Was bedeutet das für die Erforschung der Megalithmonumente hier im Land? Objektiv betrachtet sind die Strukturen der staatlichen Forschung im Land als feudalistisch zu bezeichnen. Eine demokratische Transparenz der Entscheidungen ist nicht wirklich vorhanden. Im Zweifelsfall entscheidet der oberste Chef, also der Landeskonservator, der auch im vorliegenden Fall sofort alle Kompetenzen von Karlsruhe zu sich nach Stuttgart zog und über alle Schritte und Vorgehensweisen informiert sein wollte. Da die Gefolgschaftstreue im Amt besonders ausgeprägt ist - nur wenige Auserwählte schaffen es überhaupt, eine Anstellung als Wissenschaftler zu bekommen – wagen es auch die Untergebenen kaum, der vorgefassten Meinung des obersten Vorgesetzten zu widersprechen. Dieser Kadavergehorsam setzt sich bis hinunter zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern, also den kleinen Privatforschern und Freizeitbuddlern fort, die, um ihre Privilegien beim Amt nicht auf´s Spiel zu setzen, es kaum wagen, Außenseitermeinungen wie die der Cairn-Forschungsgesellschaft zu unterstützen.

Der alternativ Forschende also ist zu einer Paria-Existenz verdammt, die ihm keine wirklichen Freiräume eröffnet, da potentielle Unterstützer sich durch die negativen Kommentare der angeblich allein kompetenten Fachleute im Amt irritieren und abschrecken lassen. Um von den eigenen gravierenden Fehlern abzulenken wird der lästige Konkurrent als nicht Ernst zu nehmend und als Spinner diffamiert, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den objektiv überprüfbaren Fakten zu einer Glaubensfrage herunter gespielt. Das alles sind lange bekannte Verhaltensmuster und Vorgehensweisen, die neuen Ideen von den konservativ verharrenden Kräften entgegen gesetzt werden. Das macht zwar alles begreiflicher, aber gibt dem vergeblich sich Abmühenden wenig Trost. Dem bleibt nur, ob all der unbegreiflichen Dummheit an oberster Stelle, still zu Verzweifeln und unter dem Druck der Verhältnisse irgendwann zusammenzubrechen.

Kann der derart Gedemütigte irgendwann überhaupt auf gerechte Behandlung hoffen? Dazu müssten völlig neue Instanzen der Überprüfung geschaffen werden, die im gegenwärtigen Wissenschaftsbetrieb nicht vorgesehen sind, und wenn doch, dann nur über den Rechtsweg eingeklagt werden können. Doch wie soll ein Mensch, der durch die jahrelange Grabungs- und Forschungsarbeit selbst keine bürgerliche Karriere aufbauen konnte, mit dem HarzIV-Regelsatz einen derartigen Prozess bestreiten?

Kann man es nicht nachvollziehen, wenn der ständig Abgewiesene und Verachtete die Schnauze jetzt gründlich voll hat und diesen doofen Deutschen, die nicht einmal fähig sind, ihre eigene Hochkultur zu erkennen, lieber Tschüs sagt und dem ganzen Irrsinnsland zukünftig lieber von außen zuschauen möchte? Sponsoren für eine zweckfreie Existenz in irgendeinem Lummerland des Südens sind herzlich willkommen! Und vermutlich findet sich eher ein solcher, als dass wirklich etwas getan würde für den Erhalt und die Rekonstruktion unserer glorreichen Vergangenheit.

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Kommentare

Cairns und Nekropolen in BaWü

War gestern selbst in Schmie um mir ein Bild von der Sache zu machen.
Zwar bin ich kein ausgebildeter "Wühlgräber" aber was dort zu sehen ist gibt einem mehr als zu denken. Das Gelände mit dem Titel "Abraumhalden" zu bezeichnen ist nicht nur mehr als frech, es zeugt von ikonoklastischer Ignoranz der verantwortlichen Behörden.

Daher bin ich froh, diesen Artikel gefunden zu haben und, angeregt davon, einen Urlaubstag für einen Besuch genommen zu haben um nun auch anhand eigenem Augenschein selbst mitreden zu können. Sollen doch die Herren des LAD auch mal in natura sehen was sie unter www.megalith-pyramiden.de als Bilder zu sehen bekommen. Aber wahrscheinlich nützt das auch nix, hätten sie die Himmelsscheibe von Nebra doch sicher auch als einen "spätrömischen Gullideckel" abgetan und vorsichtshalber gleich entsorgt.

Ich bedaure unsere LAD-Mitarbeiter ob ihres ignoranten Charakters.
Ebenso bedaure ich, dass Lotto-Millionen in Kunstwerke investiert werden, die nacher in einem Keller gelagert werden und nie zu sehen sind, während die Forschung für solche Monumente nicht mit einem Cent bedacht wird.

Mögen uns unsere Vorfahren verzeihen!

Micha

Offizielle Stellungnahmen?

Gibt es zu diesem Thema eigentlich irgendwo eine Stellungnahme eines anerkannten Fachmannes? Es kann doch eigentlich nicht sein, dass sich damit nicht irgendein Lehrstuhlinhaber mal auseinandergesetzt hat?

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