Marketingveranstaltung mit Herumgeeiere?

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Will und/oder kann Bruchsal die Wünsche von Landkreis und Gemeinden erfüllen?
Samstag, 4. Dezember 2010 - 14:30

Stadtbahn durch Bruchsal

Mögliche Trassen durch die Innenstadt

Es ist wohl notwendig, daß für das Stadtbahnprojekt kräftig die Werbetrommel gerührt werden muß, weshalb manche Zuschauer diese Information als Marketingveranstaltung der AVG und KVV auffassten.

Werbung für dieses Projekt ist durchaus legitim, zumal die Veranstalter in der Zwischenzeit gemerkt haben, daß ihnen der Wind ins Gesicht bläst. Dieses nicht nur, weil so manch ein Anwohner persönlich von einschneidenden Maßnahmen betroffen sein wird, sondern auch, weil der Bürger seit Stuttgart 21 sensibilisiert im Hinblick auf "demokratische" Verfahren und Entscheidungen ist. Denn einen gravierenden Mangel weist auch die Verfahrens- und Vorgehensweise der Verantwortlichen nach Meinung einiger Bürger bezüglich der Planung dieses Stadtbahnprojekts auf: Die Betroffenen seien nicht früh genug eingebunden worden. Diese Argumentation ist den Planern sehr wohl bewußt und man eierte demzufolge herum, um die Brisanz etwas zu entschärfen: Es seien bisher ja gar keine richtigen Detailplanungen durchgeführt worden, lediglich Untersuchungen zur Machbarkeit, und es sei ja noch gar nicht entschieden, ob es überhaupt zum Bau einer Stadtbahn komme, da noch das Standardisierte Verfahren abgewartet werden müsse,

Insofern wäre eine Bürgerbeteiligung verfrüht gewesen und könne erst nach der Standardisierten Bewertung so richtig angegangen werden, falls diese für den Bau der Stadtbahn positiv ausginge. Deswegen sei zum jetzigen Zeitpunkt lediglich eine Bürgerinformation passend, damit die Bürger auf den Stand gebracht werden, um später mitreden zu können, weshalb sich vorläufig auch Grundsatzdiskussionen erübrigen, es ginge aktuell nicht darum, Ja oder Nein zur Stadtbahn zu sagen, so sinngemäß die Oberbürgermeisterin, man könne die Probleme, die sicherlich auftauchen werden, erst nach einer "Detailplanung" diskutieren, die nach einem positiven Ausgang der Standardisierten Bewertung angegangen werden wird, erst dann könne man über eine Beteiligung der Bürger nachdenken.

Diese Aussage verwundert. Die Oberbürgermeisterin spricht von "Noch-Nicht-Planungen", während den ganzen Abend jede Menge - auch sehr detaillierte Planungen - vorgestellt wurden. Dieser Eiertanz wäre nicht notwendig gewesen, hätte man schlicht und einfach eingeräumt, daß eine Bürgerbeteiligung schon im frühen Stadium versäumt wurde. Ein Bürger brachte es auf den Punkt: Warum gibt man hunderttausende Euro für Planungen aus, anstatt schlicht und einfach vorher den Bürger zu befragen, ob er überhaupt eine Stadtbahn wolle.

Die Antwort liegt auf der Hand: Man befürchtet eine Ablehnung, und wie die bisherige Resonanz auf die Vorstellungsrunden in Forst und Hambrücken sowie nun in Bruchsal und die Diskussionen in Bruchsal.org zeigen, wohl zu Recht. Denn eines ist klar: Der Landkreis will diese Stadtbahn, da ja nur Politker Visionen haben, wie sich der Verkehr entwickelt und der schienengebundene öffentliche Nahverkehr das Verkehrsmittel der Zukunft sein wird, um den schädlichen Individualverkehr mit dem Auto zu begrenzen, die Menschen komfortabler zu befördern, keine überfüllten Busse mehr, Sicherheit und Verläßlichkeit beim Transport sowie den Fahrzeiten und - da die Menschen immer älter werden, auch mehr und mehr Senioren als Fahrgäste. Man führt sogar einen Gewinn für die Umwelt und in städtebaulicher Hinsicht an, denn so eine Stadtbahn verschönert ihr Umfeld durch gepflegtes Grün, renovierte Straßen usw., wozu einige Photos von Blankenloch, Leopoldshafen und Bad Wildbad gezeigt wurden - man weiß halt, daß man in Bruchsal eine harte Nuß zu knacken hat. Es wurden weitere Vorteile eines schienengebundenen Verkehrsmittels aufgezeigt sowie auf die Steigerungsraten nach Einführung von Stadtbahnen hingewiesen. Soviel zum "Marketing".

Ein weiterer Knackpunkt war die schon so oft beschworene "Standardisierte Bewertung". Viele erhofften sich hierzu Aufklärung, doch dieses Verfahren sei derart "kompliziert", das es nur schwer zu vermitteln sei, es sei quasi eine "Black Box" (so ein Zitat aus der Veranstaltung in Forst), bei der man Eingaben mache, aber nicht wisse, was herauskomme. Das wurde dem Vertreter der AVG nicht so ganz abgenommen, ein Zuschauer meldete sich hierzu und meinte, es wäre doch sehr "verwunderlich", wenn die AVG mit ihrer Erfahrung nicht zu dem Ziel käme, das sie wolle, und ein anderer fragte nach den Eingaben, ob das Wünsche oder Hoffnungen seien, denn genaue Zahlen habe man doch zu gar nichts. Hierzu möchte ich ergänzen, daß dargelegt wurde, daß Bau- und Betriebskosten zwei Eckpfeiler der Eingaben seien sowie auf Nutzenseite Entlastung des Straßenverkehrs, Verkürzung der Reisezeiten, Entlastung der Umwelt usw. Es stellte sich aber heraus, daß man noch nicht einmal die genauen Baukosten kennt. Man sprach von 200 Millionen für das Gesamtprojekt, in der TV-Diskussion im Schlachthof wurde von 250 Mio Minimum gesprochen, es könnten auch 500 Mio werden, Herr Schäfer aus Karlsdorf-Neuthard erklärte in der TV-Diskussion, die Betriebskosten seien nicht bekannt und ergäben sich erst im Laufe der Nutzung und auch heute konnten keine genauen Angaben zu den Betriebkosten gemacht werden.

Ich frage mich, wie will man da eine Kosten-Nutzen-Abwägung durchführen? Zumal auch nahezu alle anderen Eingaben aus Prämissen und Variablen zu bestehen scheinen. Jeder Firmenneugründer muß, will er Geld von der Bank oder Förderung durch öffentliche Mittel in Anspruch nehmen, einen detaillierten Geschäftsplan mit Hunderten von Angaben vorlegen, solch ein Plan, auch für eine kleine Firma, kann schon mal locker auf über 100 Seiten kommen, wobei z.B. die Geschäftsidee, die Konkurrenzsituation, die Produkte, die Finanzierung, die Gewinnaussichten (Kosten-Nutzen) bei schlechtem Geschäftsgang, normalem Geschäftsgang und optimalem Geschäftsgang auf Jahre hinaus dargelegt werden müssen, rudimentäre Fragmente reichen da nicht aus. Bei den vorliegenden Voraussetzungen gibt es doch genug Stellschrauben, an denen man in der Mitte drehen kann, damit das, was man oben reintut, unten richtig herauskommt: Nämlich eine Zahl über 1. Das wird natürlich von der AVG aufs heftigste dementiert - wen wunderts?

Solange auch hierzu keine Erläuterungen auf den Tisch gelegt werden, bleibt das "Volk" mißtrauisch, zumal auch der Eindruck entsteht, als daß die zwei am besten frequentierten Buslinien des Landkreises, nämlich die Linien 123 und 125 mit über 3500 bzw. 5500 Fahrgästen am Tag, das eigentliche Ziel der AVG sind, denn hier liegen beträchliche Gewinnmöglichkeiten, und die kann der Landkreis gut gebrauchen, subventioniert er den Öffentlichen Personennahverkehr doch mit über 8 Mio Eu jährlich.

Nun komme ich noch kurz auf die Planungen zu sprechen, welche Sie im 2. Video genauer verfolgen können. Es sind zwei Trassenvarianten vorgesehen: Von Karlsdorf kommend durch das Gewerbegebiet "Am Mantel" bis zum Media-Markt, von wo aus es verschiedene Möglichkeiten gibt, zum Beispiel am Saalbach entlang über eine Brücke südlich des Bahnhofs in die Viktoria-Anlage oder über die Industriestraße und der alten Panzerstraße (ehemaliger Verladebahnhof der Bundeswehr) über eine Brücke zur Prinz-Wilhelm-Straße, eine weitere Variante soll die Südstadt erschließen, es ist aber nicht sicher, ob diese kommt. Auch vom Bahnhof aus gibt es zwei Möglichkeiten, um letztendlich zum Krankenhaus und von da aus nach Forst zu gelangen:

 

Trassenführung Stadtbahn Bruchsal

Trassenführungen

 

Zu den Favoriten gehört die Linienführung über die Luisenstraße, Schloßstraße, Kaiserstraße, Friedrichstraße, Schönbornstraße. In Anbetracht der Wichtigkeit des Themas habe ich insgesamt 4 Videoclips gefertigt, wobei der erste vorwiegend der Oberbürgermeisterin und ihren Ausführungen gewidmet ist, der zweite und dritte dem "Marketing" sowie der Trassenführung und der vierte den Fragen der Bürger. Für bessere Wiedergabequalität auf 720 oder 1080p klicken oder auf Full HD:

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.7 (21 Bewertungen)

Kommentare

Danke Herr Zimmermann,

für diesen informativen Bericht. Auch ich habe diese Veranstaltung als Herumgeeiere empfunden. Und schlimmer noch. Den ganzen Abend und bis heute noch werde ich das Gefühl nicht mehr los: Hätte Herr Rupalla von der FDP vor Wochen nicht eine Informationsveranstaltung für die Bruchsaler Bürger zum Thema veranstaltet, hätte es dann diese Werbeveranstaltung der Stadt und der AVG zur Stadtbahn gegeben? Oder wäre nicht gleich die Standardisierte Bewertung durch den Bruchsaler Gemeinderat in Auftrag gegeben worden? Die Mitglieder des Gemeinderates scheinen sich ihre Meinung bereits gebildet zu haben.

Die Standardisierte Bewertung schlägt lediglich Trassenvarianten durch die Bruchsaler Innenstadt durch. Die von vielen Bruchsaler Bürgern favorisierte Trasse an der Bahnlinie entlang wird nicht untersucht. Warum wohl?

Gehen wir davon aus, dass die Standardisierte Bewertung den magischen Wert von 1 erreicht bzw. überschreitet. Wird es dann nicht so sein, dass dann alles seinen Weg geht, ohne die Möglichkeit der Umkehr? Den Weg hin zur Straßenbahn in Bruchsals Innenstadt. Einen Weg, den ich nicht gehen will und, wie ich in vielen Gesprächen festgestellt habe, den viele andere Bruchsaler auch nicht mitgehen wollen.

Was können wir jetzt tun? Die Oberbürgermeisterin, der Landrat, die AVG, die Planungsbüros und der Gemeinderat sollten wissen, dass dieses Projekt nicht so einfach gegen den Willen der Bürger durchgewunken werden darf.

Ich werde Unterschriften gegen das Projekt sammeln. Wer ist dabei?

Stadtbahn durch Bruchsal

Frau Schott ich bin der gleichen Meinung, die Variante entlang der Bahn muss auch Untersucht werden. Bei der Sammlung von Unterschriften gegen die Durchschleifung von Bruchsal bin ich dabei.
Was Stuttgart kann, können wir in Bruchsal auch.
Also Bürger von Bruchsal rafft Euch auf.
Klaus Rafflenbeul

Ettikettenschwindel und die Folgen

Ich erlaube mir, hier meinen Beitrag von dieser Stelle http://www.bruchsal.org/story/personenrettung-%C3%BCber-drehleiter-bruch...
im Wesentlichen zu wiederholen:

Meine Informationen stammen vom Besuch der Informationsveranstaltungen in Forst und Bruchsal.

Dass der Begriff "Stadtbahn" eine Mogelpackung ist, wurde mir
erst bei der Informationsveranstaltung in Bruchsal klar. Nun erschließt sich mir auch der nicht vorhandene Wille bei den Planern, eine gemeinsame Gleisbenutzung mit den übrigen Stadtbahnzügen auf DB-Gleisen in Erwägung zu ziehen.
Die Erklärung folgt hier:

Wenn die Stadtbahn - Verzeihung, man muss es ja jetzt Straßenbahn nennen, weil es eine ist, denn die projektierten Fahrzeuge sind NICHT entsprechend dem erfolgreichen KVV-Modell MEHRSTROMFÄHIG und so auch NICHT auf DB-GLEISEN ZU BETREIBEN- kommt, fangen die wirklichen Probleme in der Innenstadt Bruchsals erst an.

Im Bereich Schlossstraße und Friedrichstraße zum Beispiel.
Ein Stadtbahnwagen -so wurde es in Forst und Bruchsal dargestellt- ist 2,65m breit und rund 40 m lang.
Wo soll da in den engen Straßen ein Umzugswagen geparkt oder gar ein Baukran gestellt werden, wo wird dort die Feuerwehr unbehindert löschen können?

Herr Bickelhaupt, Planer bei der AVG, ist über diese Fragen bei der Bruchsaler Informationsveranstaltung leichtfertig hinweggegangen, wieder besseres Wissen.
Er argumentierte bei der Informationsversammlung am 2.12.2010 im Bürgerzentrum Bruchsal, in Karlsruhe gäbe es damit überhaupt keine Probleme.

Herr Bickelhaupt unterschlägt dabei die Tatsache, dass die Straßenbahn in KA sich in einem innerstädtischen Netz mit Ausweichmöglichkeiten bewegt, während in Bruchsal mehrfach eingleisige, lineare Strukturen vorhanden sind, die ein Ausweichen an diesen Stellen NICHT zulassen.

Auch in einem ernsthaften weiteren Punkt, der bei der Trassenplanung fahrlässigerweise übersehen wurde, bemüht Herr Bickelhaupt den Vergleich von Äpfeln mit Birnen:

Das Krankenhaus Bruchsal ist im nördlichen Landkreis Karlsruhe die zentrale Stelle, zu der schwer Verletzte oder akut Erkrankte
gebracht werden. Nun ist nach den in Forst wie auch Bruchsal vorgestellten Trassenplanungen eine Streckenführung der Bahntrassen sowohl über die Forster Straße in Bruchsal als auch durch die Bruchsaler Straße in Forst vorgesehen. Beide Straßen werden heute von den Rettungsdiensten zur Autobahn, zu den Forster Ortsteilen, nach Hambrücken usw. befahren.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass mit den Einrichtungen einer Straßenbahn, die etwa durch Forst im Wesentlichen ZWEI-GLEISIG projektiert ist, mit 70 Meter langen Haltestellen, mit Bahnbegegnungsverkehr,es NICHT zu Beeinträchtung des Rettungsverkehrs kommen wird.

Der AVG-Planer Bickelhaupt argumentiert(e), das sei alles kein Problem, "in Karlsruhe fahre die Straßenbahn auch an der Feuerwehr und an Krankenhäusern vorbei."

Betrachtet man die seltsame Streckenführung von Spöck über Bruchsal nach Waghäusel, fällt sofort auf, dass nach der derzeit favorisierten Trasse zumindest in Bruchsal (und in Forst )"Flaschenhälse" - eingleisige Streckenführung im Ortszentrum umgeben von enger Bebauung - in Kauf genommen werden.

Kommt es in diesen Bereichen zu einer Betriebsstörung, ist eine Umfahrung NICHT MÖGLICH und der gesamte planmäßige "Straßenbahn"verkehr zwischen Bruchsal und Waghäusel bricht zusammen.

Was sich mir nicht erschließt ist, dass derartige Schwachstellen im Konzept von den Planern wissentlich den Gutachtern für die "Standartisierte Bewertung vorgelegt werden, im Vertrauen darauf, dass diese die Kröten schon schlucken werden.

Was sich mir weiterhin auch nicht erschließt, ist, dass die unmittelbaren Folgen für die vom projektierten Straßenbahnbau und -betrieb betroffenen Anlieger (in der Schlossstraße gibt es schließlich Arztpraxen und die Ausfahrt einer Tiefgarage) offensichtlich nicht zur Kenntnis genommen werden.

Nachtrag...

Ich muß meinen Bericht zu Info-Veranstaltung Stadtbahn um eine aktuelle Meldung ergänzen: Beim heutigen SonnTALK im Schlachthof - OB Petzold-Schick im Gespräch mit Rainer Kaufmann - wurde auch das Thema Stadtbahn angeschnitten. Was sich bisher andeutete, nämlich daß die Obberbürgermeisterin eine Verfechterin der Stadtbahndurchfahrung Bruchsals sein könnte, wurde hier bestätigt: Frau Petzold-Schick war schon an der Stadtbahneinschleifung in Wildbad an wesentlicher Stelle beteiligt. Das erklärt auch ihre bisherige Haltung, lediglich das Positive einer solchen Einschleifung zu sehen (s. auch Bericht oben) und auf die Gegenargumente, vorläufig wenigstens, nicht einzugehen. Da ist es schon folgerichtig, zunächst auf die Standardisierte Bewertung zu verweisen. Im Vorfeld die Frage Ja oder Nein zu klären, ist nicht opportun, man will ja dem Landkreis nicht "in den Rücken fallen". Zeigt sich das Ergebnis der Bewertung positiv, und ich gehe davon aus, daß alle Beteiligten davon überzeugt sind, mögen sie auch noch so sehr den ungewissen Ausgang betonen (die zwei gewinnträchtigen Linien 123 und 125 sprechen für sich, ebenso die vielen Stellschrauben, an denen man drehen kann, s. Bericht oben), dann ist es sehr viel leichter, mit dann stärkeren Argumenten für eine Stadtbahneinschleifung an die Bevölkerung heranzutreten. Aus diesem Grund - die Stadtbahn ist politisch gewollt, verwirklicht kann sie nur werden bei einer Einschleifung - sage ich jetzt schon voraus, und ich bin bereit, die Häme auf mich zu nehmen, sollte ich falsch liegen, daß bei der Standardisierten Bewertung ein Wert über 1 herauskommen wird. Auf die Frage Rainer Kaufmann's, ob sie auch die Bürger mitentscheiden lassen wolle, meinte die OB, sie sei "für alles offen" und auf Nachhaken Kaufmann's, ob notfalls auch für einen Bürgerentscheid, meinte sie, daß diese Frage mit ihrer Antwort sie sei "für alles offen" schon beantwortet sei ("Ein Bürgerentscheid ist ein Instrument der direkten Demokratie auf kommunaler Ebene. Mit ihm können die Bürger in einer kommunalen Gebietskörperschaft...über Fragen des eigenen Wirkungskreises entscheiden....Der Bürgerentscheid steht dem Beschluß der gewählten Kommunalvertretung gleich"...Wikipedia). Nun ja, ich versuche, mich mal in die Position der OB mit der eindeutigen Haltung "pro Stadtbahn" hineinzuversetzen. Wie würde ich handeln? Ich würde klare Aussagen im Vorfeld ebenfalls vermeiden, bis mit der Standardisierten Bewertung das erwartete positive Signal für die Stadtbahn gegeben wäre. Sodann würde ich viele Informationsveranstaltungen durchführen, um die positiven Ergebnisse dem Bürger nahe zu bringen und diese in den Vordergrund zu stellen. Auch würde ich versuchen, die Mehrheitsverhältnisse in der Bruchsaler Bürgerschaft zu eruieren und bei nicht klar erkennbaren Mehrheitsverhältnissen das Projekt durchziehen. Einen Bürgerentscheid würde ich erst dann in Erwägung ziehen, wenn sich eine große Mehrheit als dagegen erweist und es Proteste hagelt. Mit so etwas wird in Bruchsal nicht zu rechnen sein. Tatsache ist aber: Soll das Projekt Stadtbahn noch verhindert werden, muß sich in der Bevölkerung gezielt Widerstand bilden, es müssen Aktionen durchgeführt und durch Unterschriftensammlung die formalen Voraussetzungen für einen Bürgerentscheid geschaffen werden, Frau Schott, Herr "Rafflenbeul" und viele andere. Ansonsten läuft es ab wie gehabt in Bruchsal: Es wird etwas durchgezogen, was viele nicht wollen und was der Stadtsubstanz nicht gut tut.

Variante parallel DB-Gleis

Diese Möglichkeit wird doch deswegen nicht diskutiert, weil deren Bewertung klar unter 1 liegen würde - schon mangels Einzugsgebiet.
Das ist doch am 2.12. mehrfach gesagt worden - der 300 m-Radius, die trennende Bahnlinie, die fehlenden Zugänge zu den Haltestellen - man erinnert sich?
Untersucht wurde diese Trassenführung natürlich - wenn auch die Ergebnisse nicht weiter ausgebreitet werden, vor allem nicht evtl. positive Aspekte. Das ist einfach nicht gewünscht - warum sollte AVG/KVV da viel Energien hineinstecken, wenn das Ergebnis der StandBew vorhersehbar ist?
Also bitte nicht auf Nebenkriegsschauplätzen verzetteln.
Die "Stadtbahn" fährt entweder durch das Stadtzentrum oder überhaupt nicht.

Standardisierte Bewertung

Soviel ich mitbekommen habe, wird die Standardisierte Bewertung nicht von einer übergeordneten Stelle des Bundes oder des Landes durchgeführt, sondern sie wird vom Landkreis an ein Ingenieuerbüro (wahrscheinlich aus dem Landkreis) in Auftrag gegeben. Alles klar? Alles klar! Das Ergebnis wird dann an die Förderstelle weitergereicht. Diese kann die Fakten selbst nicht überprüfen, höchstens schauen, ob richtig gerechnet wurde.

Standardisierte Bewertung gegoogelt

Sehr aufschlussreich:

http://de.wikipedia.org/wiki/Standardisierte_Bewertung

und

http://www.initiative-bonn-west.de/inhalt/hintergrund/inhalt_standardbew...

und viele Hinweise mehr, zu denen Herr Bickelhaupt einmal etwas sagen sollte.

Nun, mir persönlich fällt es

Nun, mir persönlich fällt es schon schwer, mich in dieser Sache in die OB hineinzuversetzen. Es interessiert mich auch nicht, ob sie persönlich dafür oder dagegen ist.

Wichtig wäre doch, daß die Bruchsaler endlich einmal wirklich in eine Entscheidungsfindung einbezogen werden (vielleicht ausnahmsweise mal bevor selbige getroffen ist). In dieser Hinsicht denke ich auch, daß mit der ev. positiven standartisierten Bewertung das Ding nur noch sehr, sehr schwer aufzuhalten ist.

Für mich ist die neue OB in punkto Öffentlichkeitsarbeit (die nach wie vor nur mühsam und widerwillig vorangeht) eine riesige Enttäuschung.

Vom wöchentlichen Grußwort und anderen wohlfeilen Reden kann ich mir nichts kaufen, wenn sich in der Substanz nichts ändert. Die Videos der Veranstaltung sprechen für sich, ein wirklicher Dialog mit den Bürgern scheint nach wie vor nicht erwünscht, sonst hätte man schon längst eine breitere Öffentlichkeit gesucht und die Veranstaltungen (wie von Herrn Wolf angemerkt) ergebnisoffener gestaltet.

Ein Widerstand der betroffenen Bürger wäre wünschenswert, wird aber schon angesichts der Medien in Bruchsal schwierig werden, denn die werden wohl nicht so schnell vom alteingesessenen Kurs abweichen...;-)

 

 

Sehr aufschlußreich...

Vielen Dank lieber Gast für den Google-Hinweis. Nun wird meine auf dieser Seite schon seit Wochen vertretene Theorie (s. auch Bericht oben und Kommentare oben) auf eindrucksvolle Weise bestätigt. Ich habe immer gesagt, daß der Auftraggeber der Stand. Bewertung die Stadtbahn unbedingt will, den Auftrag dazu selbst vergibt und vielerlei mit eigenen Prämissen und Variablen gearbeitet wird, welche sich hervorragend als Stellschrauben anbieten). Wenn ich daran denke, wie der Vertreter der AVG in Forst betont hat, daß die Initiatoren der Bahn überhaupt keinen Einfluß auf das Ergebnis der Stand. Bewertung haben, daß diese einer "Black Box" gleiche, in die man etwas eingebe, aber überhaupt nicht wisse, was herauskomme, dann fühle ich mich, mit Verlaub, "verarscht", wenn ich jetzt folgendes lese: "Dies (die Stand. Bew.) ist ein Verfahren, das durch seine bundesweit geltende Methodik zwar einen theoretisch objektiven Ansatz vorgibt, in der Praxis aber "Schönrechnerei" im Sinne des Zuschuß-Beantragenden nicht verhindern kann. Dies ergibt sich im Wesentlichen daraus, daß es
1. keine bundesweit zuständige Prüfstelle gibt, sondern daß der Projektbetreiber selbst ein Ingenieurüro seiner Wahl (s. mein Kommentar oben) mit der Durchführung der SB beauftragt
2. der Projektbetreiber wesentliche Grundlagen der Bewertung selbst ermittelt oder als Ergebnis wiederum anderer Studien beisteuert
3. sich dem Projektbetreiber somit reichlich "Stellschrauben" (von mir als Prämissen und Variablen bezeichnet) anbieten, das Ergebnis in seinem Sinne zu beeinflussen."

Dazu werden eine Menge Beispiele angeführt, wie man willkürlich Fakten schönen kann und wichtige Fakten einfach nicht einfließen läßt.

Auf dem Begriff "Reisezeitengewinne" wird auch in Bruchsal als "wichtigstem Faktor" immer wieder herumgeritten. Das verwundert mich jetzt nicht mehr. Gerade dieser Begriff ist so schwammig und dehnbar, daß er in jede Richtung gebogen werden kann. Nur mit beträchtlichen Summen aus diesen Berechnungen als Gegengewicht können die enormen Gesamtkosten eines Projekts rechnerisch ausgeglichen werden (wenn man nicht schon die Gesamtkosten und die Betriebskosten herunterrechnet, was auch möglich ist. Dann erfolgt hinterher halt eine "Kostensteigerung", S21 läßt grüßen). Es erfolgen dann noch einige Beispiele, wie an "Stellschrauben" gedreht werden kann, Sie sollten den von Gast verlinkten Beitrag
(http://www.initiative-bonn-west.de/inhalt/hintergrund/inhalt_standardbew...) unbedingt lesen.
Ich habe jetzt noch mehr das Gefühl, man will uns mit der SB eine Mogelpackung verkaufen. Diese Bewertung sollte der Landkreis zur Überprüfung öffentlich machen, will er sich nicht diesem Vorwurf aussetzen.

Morticia

Das "Hineinversetzen" in die Position der OB sollte lediglich einen Versuch darstellen, das mögliche kommende Szenario zu schildern.

Kein Thema - War schon

Kein Thema - War schon klar...:-)

Ich sollte mich auch in Zukunft bemühen, von standardisierter und nicht von standartisierter Bewertung zu schreiben, Aussetzer meinerseits, das aber nur am Rande :-)

 

Enttäuschung

Es wird immer klarer. Wir haben nicht eine Oberbürgermeisterin gewählt, der die Meinung der Bürger wichtig ist sondern eine erste Dienerin unserer Gemeinde, die mit autokratischem Gehabe der Stadt ihren persönlichen Stempel aufdrücken will.

Wo ist der Unterschied zu 24 Jahren Bernd Doll? Es gibt nur einen Unterschied: Bernd Doll setzte mit seiner Basta-Politik seine Interessen durch. Die jetzt gewählte Dame lächelt, laviert um eine klare Antwort herum (Auf die Frage Rainer Kaufmann's, ob sie auch die Bürger mitentscheiden lassen wolle, meinte die OB, sie sei "für alles offen" und auf Nachhaken Kaufmann's, ob notfalls auch für einen Bürgerentscheid, meinte sie, daß diese Frage mit ihrer Antwort sie sei "für alles offen" schon beantwortet sei) - und setzt das durch, was sie persönlich will.

Ich habe gehofft, in Bruchsal weht ein neuer Geist. Nein, dem ist so wohl nicht.

Stuttgart 21 hat gezeigt, dass Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg nicht mehr opportun sind. In Bruchsal ist dies wohl noch nicht verstanden worden.

Die Verwerfungen, die das SEPA-Projekt in Bruchsal angerichtet hat, wurden von Ex-Oberbürgermeister Bernd Doll verursacht. Die neue Oberbürgermeisterin versteht es bestens, in die Fußstapfen ihres Vorgängers zu treten und eben so wie dieser keinen Versuch auszulassen, ihre Missachtung des Souveräns, also des Bürgers, zu zeigen.

@Gast Seh ich genauso. Die

@Gast

Seh ich genauso. Die Antwort "für alles offen" klingt eben nicht nach einer Selbstverständlichkeit, die es eigentlich sein sollte...

Es stimmt m. E. auch, daß der Unterschied zu Doll nicht sehr groß ist, nur eben netter verpackt.Es wird aber noch ne Zeit dauern, ehe das ankommt, gerade bei denen, die sich von diesem Wechsel wirklich viel erhofft haben.

Nur: Für einen echten Politikwechsel brauchts etwas mehr. So kanns nicht gehen.Entweder es findet wirklich ein Umdenken statt oder auch das sind für Bruchsal wieder verlorene Jahre.Gerade die Stadtbahneinschleifung wäre eine tolle Chance, Änderungen anzugehen, ich versteh nicht, warum man das nicht versucht, genausowenig verstehe ich im Übrigen, warum man nicht direkt nach Amtsantritt einen "Kassensturz" gemacht hat, sondern das erstmal noch ein Jahr mitschleppt (ok, anderes Thema).

Ne, unter "Neuanfang" versteh ich was anderes, Reden hab ich mittlerweile auch zur Genüge gehört, jetzt wären mal Taten gefragt (und Versprechungen waren da, auch von dieser Kandidatin), sonst frag ich mich, obs nicht vielleicht auch mal ein Kandidat sein könnte, der mit den Bruchsalern mehr am Hut hat. Mir würden da ein, zwei einfallen nach den letzten Terminen ;-)) 

 

 

 

 

 

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