Lohnt sich ein Auftritt der Stadt Bruchsal bei der Offerta?

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Ein Rechenexperiment
Donnerstag, 4. November 2010 - 10:07

Nein, ich war kein guter Schüler. Meine Lehrer schlugen die Hände überm Kopf zusammen wenn ich an der Tafel stand und beispielsweise ein klein wenig mit Sinus und Kosinus rechnen sollte. Beide Funktionen sind ebenso wie Tangens und Kotangens oder Sekans und Kosekans bis heute Böhmische Dörfer für mich geblieben. Kurz gesagt: Mehr als die Grundrechenarten zusammenzählen, abziehen, malnehmen und teilen sind nicht drin. Und hierzu nutze ich meinen Taschenrechner.

Dieses Rüstzeugs habe ich mich jetzt bedient, um eine Antwort auf diese Frage zu finden: Lohnt sich ein Auftritt der Stadt Bruchsal bei der Offerta? Hier das Ergebnis meines Versuchs einer Analyse:

Offerta

Jedes Unternehmen, das sich für einen Messeauftritt interessiert, lässt von seiner Marketing- und Werbeabteilung vor einer Entscheidung erst einmal die Besucher, deren Herkunft und Interessen analysieren. Normalerweise ist das ganz einfach, da die Messegesellschaften hierfür entsprechendes Material zur Verfügung stellen. Auch für die Offerta gibt es Informationen auf der Basis einer Besucherumfrage der Offerta 2009. Diese Besucherumfrage ist als Anhang beigefügt.

Demnach hatte die Offerta 2009 130.427 Besucher. Aus Karlsruhe kamen 27 %, die sind sicher nicht für Bruchsal als Einkaufsstadt zu begeistern. Verbleiben also noch 95.211 Besucher. Diese kamen aus allen Himmelsrichtungen rund um Karlsruhe, also von Wörth bis Walzbachtal, von Hambrücken bis Durmersheim. Nach meiner Schätzung dürften nicht mehr als 10 % von ihnen in dem Einzugsbereich leben, in dem Bruchsal als Einkaufszentrum punkten kann. Das wären dann noch genau 9.521 Offerta-Besucher, die man eventuell als Kunden für Bruchsals Einzelhandel gewinnen könnte.

Wer meint, es wären mindestens 15 % der 130.427 anvisierten Besucher (Besucherzahl 2009), also 14.281 Personen, darf die folgenden Überlegungen auch auf dieser Basis anstellen, das Ergebnis wird nicht wesentlich anders sein.

Der Umfrage entnehmen wir an einer anderen Stelle, dass sich das Hauptinteresse der Besucher auf Culinaria/Esskultur und Lebensart (42 %), und auf Neuigkeiten für Haus und Haushalt (Wohntrend 31 %) fokussiert. Ein guter Teil der Besucher betrachtet die Offerta anscheinend eher als Einkaufs- und Bestellmesse denn als Informationsmesse.

Für den Ausstellungsteil „Nah & Fern", in dessen Rahmen sich Bruchsal präsentiert, interessieren sich nach Angabe der Messegesellschaft lediglich noch 11 % aller Besucher, das wären von unseren 9.521 Besucher also also 1047 Personen an neun Tagen, das sind 116 pro Tag. Mit dieser Zielgruppenstärke ist noch lange nichts darüber ausgesagt, wie viele der so erreichbaren Menschen dann tatsächlich auch motiviert werden können, in Bruchsals neuer Innenstadt einzukaufen. Ob die Praxis wesentlich günstigere Ergebnisse zeitigt, ist kaum nachzuprüfen.

Welcher Privatunternehmer, ob Besitzer eines Baumarktes oder einer Cateringfirma, um nur zwei Beispiele zu nennen, würde bei Prüfen dieser Besucher-Statistik für diese relativ überschaubare Zielgruppe für neun Tage eine Messe buchen, sie mit Personal beschicken und entsprechende Drucksachen zum Verteilen erstellen?

Oder anders gefragt: Wieviel Personal, egal ob städtisch oder von den beteiligten Firmen, tummelt sich jetzt eine Woche auf dem Bruchsal-Stand, um theoretisch 116 Personen pro Tag mit Informationen zu versorgen? Dieses Zahlenverhältnis müsste jeden Controller an seinem Beruf verzweifeln lassen.

Oder noch anders gefragt: Welche Kosten pro Kontakt stehen zu Buche? Oder: Wieviel Euro werden pro Kunde aufgewendet, der dann tatsächlich in Bruchsal einkaufen geht?

Alles Fragen, auf die natürlich niemand eine Antwort weiß. Denn der Erfolg eines Messeauftritts lässt sich selbstverständlich nur dann messen, wenn man auf dieser Messe etwas zum Verkauf anbietet oder Abschlüsse tätigen kann. Die Zahl verteilter Prospekte und Flyer alleine, das weiß jeder, der einige Messen als Beschicker erlebt hat, ist kein Gradmesser für den Erfolg eines Messeauftritts. Sie ist nichts anderes als ein Kostenfaktor.

Um die Beantwortung der Frage also, ob ein Auftritt auf der Offerta für Bruchsal wirklich Sinn macht, werden sich die Stadtverwaltung, die von ihr motivierten Sponsoren und vor allem der Gemeinderat nicht herumdrücken können. Die beteiligten Firmen werden ihre eigene Messebilanz ganz von alleine aufmachen. Aber die verbraten ja kein öffentliches Geld.

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Kommentare

Macht die Stadt Bruchsal nichts,

.... ist es nicht recht.
Macht die Stadt Bruchsal was, ist es auch nicht recht.

Man kann aber auch alles in Frage stellen.

Macht die Stadt Bruchsal...

Es kommt halt immer darauf an, was sie macht...

Macher

Lieber Karl S., "die Stadt Bruchsal" soll nicht nur was machen, um was zu machen, sondern sie soll was Rechtes machen. Sonst soll sie besser nichts machen. Denn nichts machen kostet meistens weniger Geld, als Mist zu machen.
Kann man das auch in Frage stellen?

Was Rechtes machen..

Sie sprechen mir aus dem Herzen, besonders im Hinblick auf die geplante Stadtbahnausschleifung in Bruchsal...

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