Langenbrücken: Halbe Badestelle weg?

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Kiesabbauplan hat viele Betroffene
Montag, 15. August 2011 - 21:32

Es ist halbwegs Sommer. Die Badestelle am Philippsee - auch bekannt als "Freizeitanlage Äußeres Fischwasser" - ist bei Einheimischen und Gästen beliebt.

Was kaum einer weiß: Mehr als die Hälfte der Badestelle soll nach dem Willen des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein früher oder später abgebaggert werden: Die Fläche 6717-9g ist ausgewiesen als Vorranggebiet zur Sicherung der Rohstoffe Kies und Sand.

Planungsunterlage des Regionalverbandes

Regionalverband Mittlerer Oberrhein - Präsentation für den Gemeinderat - Folie 21

Die beiden folgenden Bilder veranschaulichen den möglichen Flächenverlust:

Badestelle Blick nach Westen

Badestelle Blick nach Westen (rot die betroffene Fläche)

Badestelle Blick nach Südwesten

Badestelle Blick nach Südwesten (rot die betroffene Fläche)

Die Anlagen des DLRG Bad Schönborn, des Tauchklubs Blue Diver's Bad Schönborn und des Windsurfingvereins Bad Schönborn liegen alle im Planungsbereich.

Werden sich in zehn Jahren die Bade- und Wasserfreunde auf der Westseite mit dem Kiesbagger und auf der Ostseite mit dem Lärm der Umgehungsstraße K3575 bescheiden müssen?

Was kann getan werden?

Jeder Bürger kann noch seine Stellungnahme zu dieser Planung abgeben. Der Regionalverband hat aber den Zeitraum auf den 19. August 2011 beschränkt. Es ist leider auch hier so, dass die Offenlegungsfrist in die Urlaubszeit gelegt wurde. Alle Links zu Hintergrundinformationen und die Adresse für die Einwendungen sind in diesem Artikel zu finden.

Der Gemeinderat von Bad Schönborn wird als "Träger öffentlicher Belange" ebenfalls eine Stellungnahme zu dieser Planung abgeben. Er hat allerdings bis zum 1. Oktober 2011 dazu Zeit. Nehmen Sie Kontakt mit ihren Gemeinderäten auf, falls Sie von dieser Planung betroffen sind.

Laut Auskunft eines Mitglieds der Verbandsversammlung ist der Regionalverband in diese Anhörung mit einer Menge gegangen, die dreimal so hoch ist, wie das, was hinterher ausgewiesen werden soll. Das sei keine vernünftige Planungsgrundlage. D.h. zwei von drei geplanten Flächen könnten gestrichen werden, ohne die Sicherung des Rohstoffs Kies zu gefährden.

Sind noch mehr betroffen?

Natürlich hat das Kieswerk Philipp ein großes Interesse an der Erschliessung weiterer Vorkommen. Die Gemeinde Bad Schönborn ist an den stetigen Gewerbesteuereinnahmen interessiert (zum Kieswerk gibt es allerdings keine Umsatz- und Gewinnzahlen).

Lußhardtsiedlung Blick nach Westen

Lußhardtsiedlung Blick nach Westen

Direkt von den Abbauplänen betroffen ist die gesamte Lußhardt-Siedlung, die im Vorranggebiet liegt und damit als Erstes abgebaggert würde. Auch die Felder im Vordergrund, ebenso wie Waldgebiete im Hintergrund wären vom geplanten Flächenabbau am Philippsee deutlich betroffen.

Die Fahrrad- und Wanderwegverbindungen würden sich ändern. Die Kronauer Allee würde getrennt werden.

Welche der ausgewiesenen Flächen (rot, blau, grün umrandet) würde Ihrer Meinung nach am wenigsten Konflikte hervorrufen (siehe Folie 21 oben)?

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Kommentare

Mit dem See ums Dorf...

Aha, da wird sich also der Waldbesucher auch mal wieder umgewöhnen müssen. Nicht nur, dass man als Spaziergänger und Radfahrer jahrelang einen 500 m langen teilweise bodenlosen Schotterweg entlang des Zaunes benutzen musste - bis man sich halbwegs an diesen gewöhnt hatte, konnte man gleich auf den ca. 200 m entfernten und über das freie Feld verlaufende insgesamt ca. 1,3 km langen Asphaltweg ausweichen, wo das Zusammentreffen mit Autos und landwirtschaftlichen Fahrzeugen keine Seltenheit darstellt.

Nicht nur, dass es bei verschiedenen Witterungsverhältnissen (z. B. Sommerhitze oder auch kaltes Herbst-und Winterwetter) nicht gerade ein Vergnügen ist über das freie Feld zu laufen, hier gibts insgesamt glaube ich auf 1,3 km. genau 2 Bäume!!!???

Also sollen die Bad Schönborner demnächst lieber gleich nach Kronau oder Weiher fahren, wenn Sie im Lußhardt spazieren gehen wollen, oder nicht?

Einnahmen?

Wie hoch sind denn die Einnahmen, welche die Gemeinde aus diesem Kiesabbau erzielt? Und ist das nur Gewerbesteuer? Und wer profitiert von der Erweiterung der Abbauflächen? Welche Grundstückseigentürmer? Und so weiter.

Kiesabbau und Mit dem See ums Dorf...

Hallo Herr Harling,

generell sind Ihre Artikel ja nicht schlecht, doch sind sie mir zu polarisiert.
Von einer reinen Information kann man leider hinsichtlich des Artikels bzgl. des Kiesabbaus auch nicht sprechen, denn dort Schreiben Sie nur über eine Möglichkeit und auch schreiben Sie, dass die Höfer der Lußhardtsiedlung abgebaggert würden. Ich meine, wenn man solche Artikel in die Welt setzt, sollte man entweder klar Stellung beziehen, was man aber auch nur machen sollte, wenn man sich alle Information geholt hat und auch alles abgewogen hat, oder man sollte einen Artikel schreiben, der die Leser informiert und das bitte sachlich, neutral und gehalten an reinen Tatsachen.

Frage, ist das von Ihnen genannte Abbaugebiet auch wirklich die einzige Möglichkeit, oder gibt es auch noch eine andere?

Hat das von Ihnen genannte Unternehmen sich schon in irgendeiner Form geäußert, wie die Zukunft aussieht, wie man weiter vorgehen möchte, oder wie der Zeitplan aussieht?

Zur Zeit ist doch lediglich die Planung zur Ausweisung des Abbaugebietes, also im Grunde doch nichts anderes als Ausweisung von Baugebiet.

Herr Harling, jetzt schon die Pferde scheu zu machen, ist doch wohl etwas zu früh. Damit meine ich, Information ja, aber bitte kein Feuer entfachen, wo es nicht notwendig ist.

Das offene Feld ist zu kalt, der Schotterweg ist zu schmutzig und der Asphaltweg wird von landwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt.
Es ist ja schon allerhand, dass dort wo Landwirtschaft betrieben wird sich Felder befinden und sich die Landwirte auch noch anmaßen, mit ihren Machinen die landwirtschaftlichen Weg zu nutzen.

landw. Fahrzeuge

Mir gings nicht um die landw. Fahrzeuge, sondern um die Fussgänger und Radfahrer. Selbstverständlich muss man auf landw. Wegen mit landw. Verkehr rechnen. Mir wäre dennoch sehr daran gelegen, wenn andere ohne Polemik auskommen würden.

Ich kann mich noch erinnern, dass vor vielen Jahren der geteerte Weg schnurrgeradeaus in den Wald ging, hier gabs auch schattenspendende Bäume. Länge geschätzt, ca. 500 m.

Dann wurde der alte Weg abgerissen und es wurde ein schmaler Schotterweg angelegt, Länge ca. 650 m, dazu teils schlechte/unebene Bodenverhältnisse.

Jetzt gibts schon den Schotterweg nicht mehr, um als Radfahrer/Fussgänger/Erholungssuchender zum Wald zu kommen muss man auf dem Asphaltweg von Langenbrücken kommend einen Umweg in Kauf nehmen, einmal links und einmal rechts abbiegen. Gesamtlänge nun 1,3 km.

In naher Zukunft sollen jetzt also evtl. die Höfe verschwinden, die Kronauer Allee wird gekappt, evtl. verschwindet auch der bisherige Asphaltweg im See. D. h. es ist nur noch der Umweg über Weiher oder Kronau möglich. Geschätzte Länge des Weges als Langenbrückener zum Lußhardt dann 2-4 km.

Sind wir es uns als Langenbrückener/Bad Schönborner nicht wert, einen direkten Weg zu einem der schönsten Waldgebiete im Karlsruher Land zu erhalten? Ändern hier ein paar Euro Gewerbesteuer unsere Ansichten so, dass wir unser Landschaftsgebiet für Generationen unzugänglich machen?

Pferde scheu machen

Herr Wortmann, besten Dank für Ihren Kommentar.

1) Ich stimme Ihnen zu: jeder Artikel kann besser werden oder auch durch andere Informationen bzw. Sichtweisen ergänzt werden. Das gilt insbesondere auf dieser Plattform, wo jedermann in wenigen Schritten einen Beitrag leisten kann. So fallen mir spontan folgende Artikel ein:

  • Entwicklung des Kiesabbaus in Bad Schönborn inkl. Stellungnahme des Kiesunternehmens
  • Entwicklung der Landwirtschaft in und um die Lußhardtsiedlung inkl. Stellungnahme der Landwirte
  • Bedeutung des Lußhardtwaldes für die Region
  • Flora und Fauna am Philipp- und Reimoldsee
  • Entwicklung der Freizeitangebote am Philippsee inkl. Stellungnahme der Vereine
  • und und und

Ich bin sicher, dass es in Bad Schönborn und Umgebung Bürger gibt, die diese Informationen auf dieser Plattform beitragen können.

2) Ich stimme Ihnen auch zu, dass der Artikel nicht nur aus "reiner Information" besteht, sondern auch bewertet. Ein Plan zeigt, was der Vorhabensträger sich als Zukunft für das Gebiet vorstellt. In diesem Fall schlägt der Regionalverband vor, dass die ausgewiesenen Flächen früher oder später abgebaggert werden, um Kies und Sand zu gewinnen.

Da ich den Freizeitstandort Philippsee wie viele andere schätze, bewerte ich es z.B. als einen Planungsfehler, wenn die Hälfte der Badestelle in diesem Plan als Teil der Sicherungsfläche 6717-9g vorgesehen ist.

Die Lußhardt-Siedlung ist rot gekennzeichnet und das steht für "Vorranggebiet für den Abbau". In diesen Gebieten ist der Abbau in den nächsten 15 Jahren vorgesehen. Allerdings muss der Grundstückseigentümer dem Verkauf seiner Fläche zustimmen.

Wieso gerade diese Abbau- und Sicherungsflächen für den Standort Philippsee vorgeschlagen werden, steht in der Unterlagen des Regionalverbandes nicht. Daher habe ich den Regionalverband in meiner Stellungnahme u.a. auch gefragt: "Wie viele Jahre könnte der bestehende Betrieb auf der Fläche der aktuellen Konzession weiterarbeiten?".

3) Werden hier Pferde unnötig früh scheu gemacht? Keineswegs, denn der Regionalverband hat "jedermann" eingeladen, zum Kiesabbauplan Stellung zu nehmen. Die Frist zur "Öffentlichkeitsbeteiligung" ist diesen Freitag allerdings bereits abgelaufen.

Mit wem ich auch in Bad Schönborn gesprochen habe: keiner wusste über den Kiesabbauplan Bescheid. Nur wer an der Gemeinderatssitzung vom 19. Juli teilgenommen hatte, konnte von der Planung wissen. Auch im Amtsblatt der Gemeinde Bad Schönborn gab es keine Information über die konkret betroffenen Flächen. In der Monopol-Tageszeitung BNN wurde lediglich am 11. Juni in einem kurzen Artikel über diese Planung allgemein berichtet; ohne auch nur das Wort „Öffentlichkeitsbeteiligung“ zu nennen. Zudem lag die Offenlegungsdauer bei diesem Verfahren mehrheitlich in der Sommerurlaubszeit.

Diese Art von "Öffentlichkeitsbeteiligung" ist enttäuschend, da von dieser Planung viele Bürger betroffen sind. Die betroffenen Bürger und Vereine in einer frühen Phase zu beteiligen, böte Gewähr, dass die Planung im Sinne vieler Betroffenen verbessert werden kann.

Gemeinderat möchte ebenfalls die Freizeitflächen sichern

Positiv an der heutigen Gemeinderatssitzung ist der einstimmige Beschluß die Sicherungsfläche 6717-9g aus dem Kiesabbaugebiet auszuklammern sowie eine Wegenetzgarantie vom Kiesunternehmen einzufordern. Damit wären die Badestelle, die Freizeiteinrichtungen sowie die Spazier- und Radwege in der Fläche erhalten.

Jetzt liegt der Ball beim Regionalverband, der diese gewichtige Stellungnahme der Standortgemeinde neben den privaten Stellungnahmen für die weitere Planung berücksichtigen muss.

Es lohnt sich also doch Pferde scheu zu machen ;-) (natürlich wird eine Partei sagen: "das haben wir schon immer gefordert...")

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