Kritik oder Antisemitismus?

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Sehen wir nur noch die Politik und nicht mehr die Menschen?
Mittwoch, 23. Juli 2014 - 15:28

Kritik am Verhalten Israels muss zulässig sein. Das hat nichts mit Antisemitismus zu tun. Im Gegenteil: Je mehr berechtigte Kritik unterdrückt wird, umso mehr wird sich Unverständnis in Antisemitismus äußern.

Es ist richtig, dass die Hamas mit dauernden Nadelstichen Israel provoziert. Aber es ist auch richtig, dass hier zwei verschieden starke Mächte aufeinander treffen. Israel kann aufgrund seiner Waffentechnik nahezu alle Raketen aus dem Gaza-Streifen schon in der Luft unschädlich machen. Die israelischen Projektile treffen mit voller Wucht die zivile Bevölkerung.

Es ist blauäugig zu glauben, man könne mit dem Terror der Bevölkerung die Hamas in die Knie zwingen. Es ist die zivile Bevölkerung, die leidet. Sowohl unter dem Bombardement des israelischen Militärs als auch unter den Pressionen der Hamas.

Aber wen interessiert dies denn überhaupt? Vor lauter Angst, antisemitisch zu wirken, traut sich kaum jemand zu kritisieren.

Der Gazastreifen ist seit der Gründung des israelischen Staates eine politisch und staatsrechtlich fehlerhafte Konstruktion. Auf der Landseite Israel, auf der Wasserseite Israel und auf der Schmalseite im Süden Ägypten, das seine Verantwortung für die Bewohner nicht wahrnimmt. Zwei Drittel bis drei Viertel der Bevölkerung sind Flüchtlinge, die vor dem Palästinakrieg in Jaffa und Umgebung lebten.

In der Zeit nach der Gründung des Staates Israel bis zum Sechstagekrieg wurde der Gazastreifen von Ägypten verwaltet, jedoch nicht annektiert. Im Gegensatz zu den Palästinensern des damals von Jordanien besetzten Westjordanlandes erhielten die Bewohner des Gazastreifens keine staatsbürgerlichen Rechte von Ägypten und blieben somit staatenlos. 1956 wurde der Gazastreifen im Sinaifeldzug (Suezkrise) von Israel vorübergehend militärisch besetzt, fiel jedoch aufgrund internationalen Drucks wieder an Ägypten.

Hier ist es wieder: Internationaler Druck hat nach dem Versagen bei der Gründung Israels 1956 wieder verhindert, dass ein Konflikt gelöst werden kann. Wieso können sich fremde Staaten herausnehmen zu bestimmen, was mit einem Land geschieht? Weshalb kann die Ostukraine kein eigener Staat werden? Muss deshalb ein neuer Ost-West-Konflikt angezettelt werden? Weshalb können die Basken nicht ihr Baskenland haben? Weshalb kann Nordirland nicht frei von der englischen Krone sein? Weshalb ist die englische Königin heute noch Oberhaupt von Kanada, Südafrika, Neuseeland, Australien u.a.?

Weshalb hat man Jugoslawien in anerkannte Kleinstaaten zerfallen lassen? Mit derselben Begründung lassen sich auch andere Landesgrenzen verändern.

Die politischen Führer, nicht die Menschen (das Volk), sind verantwortlich für unendliches Leid auf der Welt. Und die Betroffenen können sich nicht wehren. Nicht im Gazastreifen, nicht in Israel, nicht im Irak, nicht in Syrien, nicht in Afghanistan, nicht in der Ukraine.

Nicht in Griechenland, nicht in Spanien oder sonst wo auf der Welt, wo einige, so genannte Experten wissen, was gut ist, für die Wirtschaft, für arbeitslose Jugendliche, für hungernde Familien. Kaltherzig nennen sie es Kollateralschaden. Sie selbst sind ja nicht betroffen. Sind wir wirklich schon weiter entwickelt als im Mittelalter? Oder ist alles nur diffiziler geworden?

s.a. http://de.wikipedia.org/wiki/Gazastreifen

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Kommentare

Kritik ist auch unser Recht.

Kritik ist nicht gleich Anitsemitismus. Auch wenn einige der sogenannten Volksvertreter es so gerne hätten.
Man sollte sich folgendes auf der Zunge zergehen lassen: ALLE Mitarbeiter des Medienkonzerns Springer werden vertraglich verpflichtet sich für jüdischen Staat einzusetzen. Diese Weisung geht auf Axel Cäsar Springer zurück.
Doch das war nicht immer so Bis 1945 gehörte Springer dem nationalsozilistischen Reichsverband der deutschen Presse an. Eine Bewältigung dieser NS Vergangenheit hat bis heute nicht statt gefunden.
Auch 70 Jahren nach Kriegsende fließen noch immer Gelder für Hinterbliebene und Waffensysteme, wie U-Boote, nach Israel. Damit wir uns richtig verstehen: was in diesem Teil der deutschen Geschichte passierte ist durch NICHTS zu rechtertigen !!! Aber irgendwann sollte endlich gut sein, die Frage darf in diesem Zusammenhang gestellt werden: wie lange hat das deutsche Volk noch im Büsserhemd gehen.
Israel hat ein Krankenhaus beschossen, wohl wissentlich, dass hier Zivilisten hier Zuflucht suchten. Auch wenn sich Isarel gegen die Hamas verteidigt, so sind sie, nach Auffassung des Völkerrechtlers Hans-Joachim Heintze auf Grund der vielen zivilen Opfer unzulässig.
Hierzu habe ich noch einen Link auf nachdenkseiten entdeckt:

http://www.deutschlandfunk.de/anti-israelische-proteste-wer-hat-uns-das-...

Hintertür

Interessant wie sich hier, bewußt oder unbewußt doch wieder alte Ressentiments durch die Hintertür einschleichen.
Jaja, Kritik an Israel muss erlaubt sein, das liest man allüberall nun in den Kommentaren. Aber man muss es NATUERLICH vom bösen antisemitismus trennnen. Natürlich, wir sind ja keine alten Nazis mehr.
Dabei muss man sich als aufmerksamer Leser aber dennoch fragen, was den Schreibern wohl durch den Sinn geht. Schuldbewußtsein, dass sie gern etwas anderes geschrieben hätten, wäre sicher eine zu oberflächliche Erklärung.
Es fällt jedenfalls auf, dass es immer eine wohlfeile Israelkritik gibt, aber praktisch nie eine Palästinenserkritik (die ja bekanntermaßen auch nicht die Ureinwohner von Palästina sind), sondern bestenfalls eine Feigenblattkritik, keine Syrien/Assadkritik, keine Putinkritik (da gäbe es wohl genug zu sagen), keine Kritik an den Zuständen in China, keine Kritik an der rechtsgerichteten ungarischen Politik, keine Kritik am kenianischen Umgang mit dem hausgemachten Terror etc. etc.
Nein, es ist seltsamerweise immer nur diese Israelkritik. Und das ist es, was ich euch zum Denken mitgeben möchte.
Meiner Meinung nach hat Israel das gleiche Recht auf territoriale Unversehrtheit wie jeder andere Staat auch. Und noch was: Raketen sind keine Nadeln; und sie stechen nicht!

Laut einem Bericht von Focus Online...

... betete Sheikh Abu Bilal Ismail in der Berliner Al-Nur-Moschee offen für die Tötung der israelischen Juden. In vielen Städten Deutschlands bricht nun offen aus, was seit Jahrzehnten von den Islamappeasern in diesem Land genährt, gepäppelt und gezüchtet wurde: Die islamische Kultur. Wesentlicher Bestandteil dieser Kultur und der Lehre Mohammeds ist die Vernichtung der Juden. Obwohl dies lange bekannt ist und Islamkritiker aller Art mehr als deutlich seit Jahren darauf aufmerksam machen, reagieren Politiker in Deutschland nun entsetzt, als sei dies alles erst seit den aktuellen Kriegshandlungen in Nahost der Fall. Es rächt sich nun die Toleranz für das Böse, die laut einem Zitat Thomas Manns ein Verbrechen ist.

Dankschreiben für diese Zustände richten sie bitte an Politiker, die der Meinung sind, der Islam gehöre zu Deutschland. An die Systempresse, die das Thema seit Jahrzehnten totschweigt, an Polizei und Justiz für ihren Kuschelkurs gegen kriminelle Muslime, die über hiesige “Strafen” und “Deeskalation” nur lachen und an die linken und linksextremen Helfershelfer, die die Islam-Aufklärer lieber verprügeln und verfolgen und denunzieren, anstatt ihren Verstand einzuschalten.

Nicht nur in Deutschland wird

Nicht nur in Deutschland wird Israelkritik gnadenlos niedergebrüllt.

https://www.youtube.com/watch?v=hrlUzkd8Z8g#t=11

Schade,

von Dujardin hätte ich eigentlich mehr erwartet. Niemand hat das Recht Israels auf territoriale Integrität bestritten. Niemand hat behauptet, Raketen seien die Nadelstiche, man bedenke, dass der Konflikt schon lange vorhanden ist und dass eben viele Maßnahmen und Vorkommnisse, auch die politischen, Nadelstiche sind.

In meinem Artikel war kaum Kritik an Israel. Vielmehr an der Art, Kritik zu unterdrücken, was, wie zu beobachten ist,  genau in die falsche Richtung umschlägt. Wenn Sie sich als aufmerksamer Leser bezeichnen, dann kann ich Ihren Kommentar nicht verstehen. Alles das, was Sie anmahmen, habe ich angesprochen. Nur Putin habe ich nicht explizit erwähnt, das ist richtig, weil ich diesen Hype absolut schwachsinnig finde. Im Übrigen möchte ich nicht wissen, was passiert, wenn Russland nicht mehr von starker Hand regiert wird, man erinnere sich nur an Jugoslawien nach Tito!

Was Menschenrechte in andern Staaten anbelangt, so werden diese von den besuchenden Politikern zwar angesprochen, aber das betroffene Volk (zB China) kriegt das sowieso nicht mit. Wichtiger sind doch die Verhandlungen über die geschäftlichen Beziehungen, die wird man doch nicht wegen ein paar Menschenrechten platzen lassen.

Mischt sich Russland in der Ukraine ein, dann dann ist großes Geschrei, tut Russland nichts, dann ist großes Geschrei. Sind russische Truppen an der ukrainischen Grenze, dann müssen sie weg. Sind keine Truppen dort, dann sollen sie die Grenze sichern. Statt den Ost-West-Konflikt zu entschärfen, sehe ich nur Scharfmacher nach Obamas Gnaden. Wie lang ist eigentlich die Grenze zwischen der USA und Russland?

Reden wir doch lieber von den Menschen. Von den Israelis und von den Palästinensern. Das sind nicht die Leute, die aufeinander losgehen, nein es sind die politischen Führer, die Radikalen und Scharfmacher auf beiden Seiten. Die zivile Bevölkerung muss es ausbaden, ob sie will oder nicht.

Im Gaza-Streifen eingesperrt wie in einem Gefängnis. Zwei Drittel bis drei Viertel der Bevölkerung sind dort Flüchtlinge und deren Nachkommen, die vor dem Palästinakriegvor allem in Jaffa und Umgebung lebten.

Und die Welt schaut zu. 

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