Klaus Staeck und Bruchsal und eine Ausstellung in Heidelberg

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Im Kurpfälzischen Museum, um genau zu sein.
Freitag, 8. Januar 2010 - 10:03

Es war in den 70ern. Die Blütezeit der Nach-68er. Auch in Bruchsal waren Menschen unterwegs, die den Geist der 68er verinnerlicht hatten und diesen auch in ihrer Heimatstadt leben und verbreiten wollten.

Diese Personen veranstalteten in der Aula der Bruchsaler Albert-Schweitzer-Schule ein Musikevent. Wahrscheinlich hieß die auftretende Gruppe Techtelmechtel und war aus Bruchsal. Aber so ganz sicher bin ich mir da nicht mehr.

Eine reine Musikveranstaltung war diesen Menschen jedoch wohl nicht genug. Es musste noch mehr Kultur bei. Und so entschloss man sich, zusätzlich eine Kunstausstellung zu präsentieren – mit Plakaten des Heidelberger Künstlers Klaus Staeck, damals und heute Mitglied der SPD,

Amtsarsch

Konturen eines Amtsarsches (1974)

Man garnierte entsprechend die Räume mit den Plakaten des Künstlers, insbesondere das Treppenhaus, und gab dem Plakat Konturen eines Amtsarsches einen besonders prominenten Platz. Denn man war aufmüpfig und auf Menschen, die in irgendwelchen Verwaltungen saßen, nicht so gut zu sprechen.

Nun geschah folgendes: Ein Besucher der Veranstaltung sah sich bemüßigt, den Namen eines Mitarbeiters der Stadtverwaltung Bruchsal in das dafür vorgesehene Feld im Poster Konturen eines Amtsarsches zu schreiben. Eigentlich eine gute, folgerichtige Idee; denn wofür gibt es denn das Feld für eine Widmung? Er hatte nicht lange damit zu tun, da der Name des Bediensteten recht kurz war bzw. ist.

Zu allem Unglück für die Veranstalter erschien fraglicher Amtsträger der Stadtverwaltung Bruchsal selbstpersönlich bei der Veranstaltung, um nach dem Rechten zu schauen. Er beschaute sich allerdings auch die Plakate der Ausstellung – und durfte seinen Namen unter dem Text Konturen eines Amtsarsches - Gewidmet Herrn/Frau/Frl. lesen. Er lief recht rot an – und riss erzürnt das Plakat von der Wand und zerriss es in Hunderte von Schnipseln.

Somit hatte auch Bruchsal seinen Bildersturm. Der Urheber des Skandals ist leider bereits in jungen Jahren verstorben. Der reißende und schnipselnde Bilderstürmer wurde im Bruchsaler Rathaus sehr, sehr weit nach oben gespült.

Warum ich das schreibe, ist doch eigentlich gar nicht sooooo prickelnd? Nun, derzeit findet im Kurpfälzischen Museum unter dem Titel Nichts ist erledigt eine Ausstellung statt mit frühen Plakaten von Klaus Staeck aus der Zeit von 1969 bis 1989. Diese Ausstellung ist noch bis 11. April 2010 geöffnet und dürfte auf jeden Fall für jeden zeitgeschichtlich Interessierten sehenswert sein.

Ausstellung Staeck

 

WWW.MUSEUM-HEIDELBERG.DE

Und was macht Klaus Staeck? Der wurde im Jahre 2006 zum Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin gewählt.

Seine Plakate darf man mittlerweile als E-Card versenden: E-Cards von Klaus Staeck

P.S.: Das in Heidelberg ausgestellte Plakat Konturen eines Amtsarsches bitte NICHT beschreiben!!!

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