Kennen Sie Banksy?

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Exit through the gift shop. Eine Filmbetrachtung.
Montag, 1. November 2010 - 13:53

 

Lovers

Street Art wird, meist unter der Bezeichnung Graffiti, oft nur als Vandalismus und unmotivierte Schmiererei wahrgenommen. Doch wer die Auseinandersetzung mit dieser Kunst wagt, muss entdecken, dass neben all den bunten, grellen Fassadenbildern gelegentlich höchst hintergründiges Kreativpotential zu entdecken ist. So kämpfen viele dieser Künstler an gegen die Vereinnahmung des öffentlichen Raumes durch Werbebotschaften, indem sie ihre als Kommentar zu lesenden Arbeiten dagegen setzen. Auch die Kommerzialisierung der Kunst selbst ist ein immer wieder kritisch betrachtetes Thema. So erklärt sich auch der Titel dieses Filmes „exit through the gift shop“, da heute in vielen Museen der Weg zum Ausgang zwangsläufig durch den Souvenirladen führt.

 

Dieser Film ist jedoch weder eine Einführung in die Geheimnisse von Street Art, noch das Portrait eines Künstlers. Er erzählt vielmehr die Geschichte eines talentfreien Filmemachers und ist in gewisser Weise eine Dokumentation, die ihr eigenes Entstehen zum Thema hat. Doch so abschreckend das klingen mag, so brillant ist es umgesetzt.

Kissing_Policemen

 

Thierry Guetta, ein in Los Angeles lebender Franzose, der seit dem frühen, unerwarteten Tod seiner Mutter jede noch so unbedeutende Situation auf Video mitschneidet - ein hilfloser Akt das vorbei fließende Leben festhalten zu wollen - entdeckt über seinen Cousin, der durch bunte Kachelbilder im Stile des Spieleklassikers „Space Invaders“ seine Spuren in der Öffentlichkeit hinterlässt, die vielfältige Welt der Street Art und wird schließlich mitsamt seiner Kamera ein selbstverständlicher Teil dieser Szene. Den Künstlern erklärt er an einer Dokumentation zu arbeiten, doch in Wahrheit sammelt er die Bänder kistenweise, ungeordnet, unbeschriftet und ohne sie je wieder zu betrachten. Doch er ist fasziniert von dieser Subkultur und süchtig danach alle Großen dieser Zunft zu treffen, zu begleiten und zu filmen. Einer fehlt ihm jedoch noch auf dieser Liste: Banksy. Der ist der bekannteste und doch auch unbekannteste Künstler dieser Gattung, denn kein Außenstehender kennt seine wahre Identität. Banksys Werke sind mal poetisch, mal voll feinsinniger Ironie, aber auch geprägt von bissigem Sarkasmus. Dabei meist politisch, gesellschaftskritisch, immer überraschend und hoch kreativ. Die „Welt“ schrieb einmal: „In einer Zeit, der die politische Aktion und der selbstlose Witz eigentlich fremd sind, hat Banksy zuerst verwirrt und dann jeden sensiblen Stadtbewohner ins Herz getroffen.“

Mild_Mild_West


 

Für seine Arbeiten bereist er die ganze Welt und es wurde schon zum Politikum wenn versehentlich eines seiner Werke entfernt wurde. Dem sogenannten Guerilla-Künstler ist es sogar gelungen Bilder und Ausstellungsstücke in die renommiertesten Museen zu schmuggeln und unbemerkt in die Sammlung zu integrieren.

Pollard-Street

 

Durch glückliche Umstände treffen Thierry und Banksy schließlich doch aufeinander und der Zuschauer darf nun den „Meister“ bei der Arbeit beobachten und auf seinen Streifzügen begleiten. Auf Nachdruck von Banksy sieht sich Thierry aber schließlich gezwungen seine Dokumentation zu vollenden. Doch das Ergebnis fällt derart ernüchternd aus, dass Banksy nun höchstpersönlich das Heft in die Hand nimmt. Er ermutigt Thierry sich derweil selbst als Künstler zu erproben. Eine Aufforderung, die er bald bereuen wird...

Dieser Film ist eine rasante und amüsante Achterbahnfahrt durch die Welt der Street Art, die ich wärmsten empfehlen möchte.

Noch bis kommenden Mittwoch in der Schauburg Karlsruhe zu sehen.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (3 Bewertungen)

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