KEIN Wort zum Montag

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... aber Hinweis auf erfreulich klare Kante
Sonntag, 22. September 2013 - 12:47

Allenfalls rätseln kann ich natürlich darüber, ob und wer von den Lesern hier jedenfalls gelegentlich Kirchgänger ist. Sollten Sie es nicht sein, ist es wohl nicht ausgeschlossen, dass dies mit daran liegt - wie es mir selbst auch eine Zeitlang und hier und dort gegangen ist - dass man des oft saft- und substanzlosen Salbaderns überdrüssig ist, das man dort gelegentlich zu hören bekommt.

Manchmal aber, ja manchmal hat man dann auch bemerkenswerte Sonntagserlebnisse und stößt unverhofft auf eine gerade im einschläfernd zurückliegenden Bundestagswahlkampft schmerzlich vermisste "klare Kante". Dies ist mir heute widerfahren und ich fände es außerordentlich schade, die Leser von bruchsal.org, die nicht live dabei waren, nicht daran teilhaben zu lassen.

Hört dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdrückt. Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen. Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld. Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen. (Am 8,4-7)

Das, was sie eben gehört haben, das war der biblische Kommentar.

Liebe Schwestern und Brüder,

in den vergangenen Tagen konnten Sie anderes lesen. In der Presse gab es die ein oder andere Berichterstattung, den ein oder anderen Kommentar zum verkaufsoffenen Sonntag vor einer Woche hier in Bruchsal.

Soeben haben Sie den biblischen Kommentar zu diesem Ereignis gehört. Und es ist gut, dass ausgerechnet heute dieser Abschnitt aus dem Buch des Propheten Amos von der Liturgie zum einen Brennpunkt des Wortgottesdienstes gemacht wird.

"Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen."

Amos prangert an, dass nur noch darauf gewartet wird, bis der Feiertag endlich zu Ende ist, damit sich wieder alles um den Profit drehen kann und von den Gesetzen der Ökonomie bestimmt wird.

Bei uns wartet man nicht einmal mehr auf das Ende des Ruhetages. Nein, wir verlegen den kommerziellen Rummel mittlerweile ja schon auf die Ruhetage selbst und lassen von ihnen kaum noch etwas übrig.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich will niemandem, der mit Jesus Christus nichts anfangen kann, unseren Glauben und unsere religiöse Ordnung überstülpen. Ich will niemanden zur Nachfolge Christi drängen und erst recht nicht dazu zwingen. Kein Mensch muss am Sonntag religiöse Gefühle entwickeln, wenn er es nicht wirklich will. Aber unsere Gesellschaft behauptet, dass sie ihre christlichen Wurzeln hochhalten möchte. Ganze Parteien berufen sich auf das christliche Erbe unserer Kultur. Und wenn es darum geht, dass bei uns Moscheen gebaut werden sollen, dann schreien die am lautesten, dass dadurch unser christliches Abendland an den Rand des Abgrundes gerate, die andererseits keinen Finger rühren, wenn unsere christliche Tradition tatsächlich zugrunde gerichtet wird.

Noch brüstet sich Baden-Württemberg damit, die strengste Sonn- und Feiertagsgesetzgebung zu haben, den Schutz des Sonntages anders als in vielen anderen Bundesländern von Gesetzes wegen sehr ernst zu nehmen. Und dann höhlt man durch eine Ausnahmegenehmigung nach der anderen, diesen Schutz dermaßen aus, dass vom Sonntag kaum noch etwas zu erkennen ist.

Wenn die Wirtschaft es fordert, laufen die Maschinen durch. Wenn das Budget es verlangt, dröhnen auch am Fronleichnamstag auf der Rathausbaustelle die Presslufthammer. Und wenn im Gesetz vorgeschrieben ist, dass bei jeder Ausnahmegenehmigung die Kirchen zu hören sind, dann hört man sie halt und macht am Ende doch, was die ökonomischen Zwänge vorgeben.

Das kann man ja gerne tun. Dann aber soll man auch so ehrlich sein, dann soll unsere Politik auch hinstehen und sagen, dass man den Sonntag dem Golden Kalb der Wirtschaft eben opfern müsse. Dann soll man ehrlich sein und nicht scheinheilig so tun, als würde man ein Gut hochhalten, von dem am Ende nur noch die Fassade übrig bleibt.

Noch ist es Gesetz in Baden-Württemberg, dass verkaufsoffene Sonntage nur in Verbindung mit örtlichen Festen, Märkten, Messen oder ähnlichen Veranstaltungen stattfinden dürfen. In Bruchsal wurde der Verkaufssonntag bislang mit dem Jahrmarkt gerechtfertigt.

War Jahrmarkt letzten Sonntag? Und was ist zukünftig? Ich bin mal gespannt, wie da argumentiert werden wird, da der Jahrmarkt bei uns in der gewohnten Form ja nicht mehr stattfindet. Man wird schon ein Fest'chen backen, um die Läden trotzdem öffnen zu können und die viel beschrieene christliche Tradition weiter mit Füßen zu treten.

Keine Frage, ich verstehe die Nöte und Sorgen des Einzelhandels sehr wohl. Um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es aber andere Möglichkeiten, andere Möglichkeiten als dies auf dem Rücken des Sonntages auszutragen. Ganz zu schweigen, von den Angestellten und Bediensteten im Einzelhandel und ihren Familien, die den gemeinsamen Ruhetag - wie jeder andere auch - bitter nötig haben.

Zwei Verkaufssonntage in Bruchsal, sind für Christen zwei zu viel. Und wenn jetzt bereits über einen dritten spekuliert wird, wenn man vorhat, selbst in der Weihnachtszeit, am 29. Dezember ein weiteres Mal den Sonntag einem Verkaufsevent opfern zu wollen, dann darf ich meinen ganz persönlichen Widerstand dagegen schon jetzt öffentlich ankündigen.

Und ich möchte Sie alle ausdrücklich dazu aufrufen: Lassen wir uns die letzten Reste unserer christlichen Gesellschaft nicht auch noch kaputt machen. Sorgen wir dafür, dass das ach so geschundene Weihnachtsfest durch solch ein unmögliches Ansinnen, nicht noch weiter zur einer Farce gemacht wird. Und wehren wir uns, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, gegen dieses unsägliche Vorhaben.

Und sollte diesem Antrag tatsächlich stattgegeben werden, sollte es diesen dritten Verkaufssonntag tatsächlich geben - ich kündige es heute schon an - ich werde am 29. Dezember dann mit Sicherheit, und sei es mit Kreuz und Fahnen und hoffentlich nicht allein, auf dem Marktplatz vor dem Rathaus stehen. Und ich werde ihnen die Worte des Propheten Amos lesen:

"Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen."

Amen.

(Pfarrer Dr. Jörg Sieger, gehalten am 21./22. September 2013 in den Kirchen der Pfarrei St. Peter, Bruchsal)

 Er wird nicht allein sein.

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Kommentare

KEIN Wort zum Montag

Wenn Dr. Sieger der Ansicht ist, o.k. Ob er pauschal für Christen sprechen kann möchte ich bezweifeln. Wie viel haben es denn im Gottesdienst gehört?

Und da die katholische Kirche ja so attraktiv ist sollen nun alle bruchsaler Pfarreien zusammengelegt werden.

Wie wäre es denn mit einer Volksabstimmung. Wem der verkaufsoffene Sonntag nicht passt, bleibt einfach zu Hause. Wenn ihn die Christen nicht wollen, wird er wohl einen Pleite.

Man kann es auch anders sehen

Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen. Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld. Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen. (Am 8,4-7)

Ich würde den Text dahingehend interpretieren, wie er ganz klar da steht. Der Herr wird es nicht vergessen, dass sie die Armen und Hilflosen bescheißen mit gefälschten Gewichten, mit Wucher und mit Abfall. Dass sie die mit ein wenig Kleidung (Schuhe) die Armen und Hilflosen versklaven.

Dass Sonntags gearbeitet wird ist normal. Sollen die Züge und Busse stehen bleiben? Ausflugsdampfer sind leer, Vergnügungsparks geschlossen. Soll das Kino dicht machen?  Die Theater sind endlich sonntags dicht. Soll der Wirt seine Gaststätte schließen? Die Flugzeuge bleiben am Boden, die Fluglotsen zu Hause. Die Eisdiele wird Sonntags geschlossen. Soll der Bauer seine Kühe nicht füttern und melken? Ärzte und Krankenschwester bleiben Sonntags zu Hause? Altenpfleger lassen die Alten in Ruhe? Chemische Anlagen, die keine Unterbrechung dulden werden abgestellt? Fernsehen und Rundfunk wird abgeschaltet? Die höchstbezahlten Fußballer und Rennfahrer sollen nicht ihrer Arbeit nachgehen? Die Politiker sollen keine Sonntagsreden mehr halten, oder ist das vielleicht keine Arbeit? Beispiele lassen sich ohne Ende aufzählen.

Mehr als Hälfte der Menschen muß Sonntags arbeiten, damit die andere Hälfte den Sabbat heiligen kann, lachhaft! Das hat mich schon immer an den orthodoxen Juden gestört, welche Tricks sie erfunden haben um ein Auto zu starten. Das Fahren war dann keine Arbeit mehr!

Hätte der Pfarrer nicht klare Kante gegen Ausbeutung und Unterdrückung zeigen können? Nein, ihn interessiert es nur, ob etwas Sonntags geschieht oder nicht. Kein Mensch hindert einen Christen daran, Sonntags nicht einzukaufen. Lange Zeit gab es vor Weihnachten 4 verkaufsoffene Sonntage, (zumindest im christlichen Abendland in Bayern) das war schon fast Tradition. Also so neu ist das nicht. Wenn Herr Sieger keine anderen Sorgen hat, na dann!

Olaf is back :-)

Als ich heute Morgen deinen Namen gelesen habe, da freute ich mich sehr. Schee das wieder do bisch.

@ filou Ich muss für Pfarrer Sieger jetzt gleich mal ne Lanze brechen. Ich habe noch nie einen Pfarrer erlebt, der so deutlich die täglichen Sorgen und Nöte der kleinen Leute anspricht, wie er. Er ist auf alle Fälle, ein Verfechter der Unterdrückten und Ausgebeuteten. Und spricht den Grosskopferten schon mal sehr deutlich ins Gewissen.

Vielleicht sollten Sie öfters seine Gottesdienste besuchen?

Ich bin auch ein Sonntagsarbeitnehmer, und es macht mir nichts aus Sonntags zu arbeiten. Diese verkaufsoffenen Sonntage versuche ich zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Die sind grauenhaft.

Freiwilligkeit

Grundsätzlich habe ich nichts gegen Verkaufsoffene Sonntage, solange der Ruhe Suchende dabei nicht gestört wird.

Aber wer will denn Verkaufsoffene Sonntage überhaupt? Der Handel? Wohl kaum, denn die meisten, die nicht gerade mit Würstchen und Limo oder Eis handeln, legen drauf, zumal viele meinen, am Verkaufsoffenen auch noch Schnäppchen und Geschenke anbieten zu müssen. Soweit überhaupt irgendwas eingekauft wird, verlagert sich oft der Umsatz nur vom Wochen- auf den Sonntag.

Allenfalls könnte man den Verkaufsoffenen noch als Werbeveranstaltung sehen. Wir selbst haben an Verkaufsoffenen selten eine echte Rendite erwirtschaftet und sind nur deshalb auch "da", damit man uns nicht nachsagt, man hätte es nicht nötig.

Wollen ihn die Bürger? Wahrscheinlich! So voll die die Stadt bei schönem Wetter ist, muss man das wohl annehmen. Niemand, der nicht ein Event sucht oder dringend am Sonntagnachmittag noch ein Hemd oder einen Dosenöffner kaufen muss, wird gezwungen, in die Innenstadt zu gehen.

Das sollte mal jemand dem Pfarrer sagen, dass es vorrangig seine Schäfchen sind, die dem Sonntags(verkaufs)treiben Vorschub leisten, auch wenn tatsächlich garnichts gekauft wird außer einer Bockwurst und einer Limo.

Beifall, Herr Dr. Sieger!

Ich bin auch dabei.
Und über die Argumentation von Klaus Schmidt und filou bin ich schon etwas erschüttert.

„Wer Ohren hat zu hören ...“

„Wer Ohren hat zu hören ...“

Warum geht es denn Dr. Sieger eigentlich? Hat er das nicht im folgenden klar ausgesprochen:

„Nein, wir verlegen den kommerziellen Rummel mittlerweile ja schon auf die Ruhetage selbst und lassen von ihnen kaum noch etwas übrig.“

Daraus habe ich entnommen, dass er eine jahrtausendealte Tradition, nämlich den Wochenrhythmus, der zutiefst dem menschlichen Bedürfnis entspricht, verteidigt. Mit keinem Wort spricht er sich gegen Tätigkeiten aus, die aus Zwängen, gleich welcher Art erwachsen.

Hätte der Pfarrer nicht klare Kante gegen Ausbeutung und Unterdrückung zeigen können? Nein, ihn interessiert es nur, ob etwas Sonntags geschieht oder nicht.

Wie bei vielen Kommentaren wird hier einfach etwas unterstellt. Man könnte sich stattdessen auch besser informieren. Predigten von Dr. Sieger zeigen durchaus, was ihn sonst noch interessiert. Da sie alle im Internet nachlesbar sind, muss man dafür noch nicht mal Christ sein oder gar in die Kirche gehen.

http://www.joerg-sieger.de/predigt.htm

Mag schon sein

Ich habe noch nie einen Pfarrer erlebt, der so deutlich die täglichen Sorgen und Nöte der kleinen Leute anspricht

Und was nützt es? Wem nütz es? Was ändert es?

Die Kirche war schon immer der Unterdrücker der Menschen. Die Kirche hat sich in ihrer Geschichte nie für die kleinen Leute eingesetzt. Sie hat die Obrigkeit immer über die Freiheit gesetzt.
Prunk und Pomp zum Beiendrucken, ja, das gibt es leider auch heute noch, s. Bischof von Limburg, da rebellieren selbst die katholischen Christen.

Erst ein Papst hat neue Töne angeschlagen. Nein, nicht der hochgejubelte deutsche, nein Papst Franziskus. Der erste, der mir Respekt abgewinnt.

Vielleicht sollten Sie öfters seine Gottesdienste besuchen?

Nein, ich würde es nicht aushalten. Es ist zwar so, dass das gesprochene Wort schneller flüchtig ist als man alles verarbeitet hat. Aber wenn es in Schriftform vorliegt .......

@Rocko
Es tut mir leid. Mit Ihren Kommentaren kann ich leider nichts anfangen. Liegt vermutlich an meiner Niedrigschulbildung.

Daraus habe ich entnommen, dass er eine jahrtausendealte Tradition, nämlich den Wochenrhythmus, der zutiefst dem menschlichen Bedürfnis entspricht, verteidigt.

Skilift, Rummelplatz, Freizeitpark, Kirchweih ...... alles kommerzieller Rummel, aus meiner Sicht nicht notwendig, aber auch nicht weg zu denken.
Ja wen es stört, der braucht doch Sonntags in kein Geschäft zu gehen. Ich würde mir nie anmaßen, einem anderen vorzuschreiben, was er am Sonntag tun darf.
Aber laßt auch den anderen die Freiheit, auch am Sonntag zu tun und zu lassen was sie wollen. Auch ein Pfarrer sollte in der heutigen Zeit angekommen sein.

Auf Opposition gebürstet

@Filou

Es tut mir leid. Mit Ihren Kommentaren kann ich leider nichts anfangen. Liegt vermutlich an meiner Niedrigschulbildung.

Damit kokettieren Sie aber gerne! Sagen Sie's doch ehrlich, dass es Ihnen zu heikel ist, auf meine Kommentare einzugehen. Allerdings glaube ich nicht, dass es Ihren an Schulbildung fehlt, sondern Sie eher von eingefahrenen Denkstrukturen blockiert werden. Aber sei's drum! Meine Kommentare richten sich nicht nur an Sie.

Daraus habe ich entnommen, dass er eine jahrtausendealte Tradition, nämlich den Wochenrhythmus, der zutiefst dem menschlichen Bedürfnis entspricht, verteidigt.

Wenn ich Ihr Zitat aus meinem Kommentar und Ihre Entgegnung dazu richtig einordne, haben Sie die Aussage tatsächlich nicht verstanden. Beides hat nämlich gar nichts miteinander zu tun. Da Sie aber mit meinen Kommentaren ohnehin nichts anfangen können, erspare ich mir dazu aber jede weitere Erklärung.

Ich kann mich nur voll und

Ich kann mich nur voll und ganz hinter die Aussagen von Pfarrer Sieger stellen. Nein, es werden keine verkaufsoffenen Sonntage gebraucht, ja, das Tanzverbot an manchen hohen Kirchentagen (die ich nicht mal mit Namen benennen kann) ist richtig. Und ob Geschäfte bis tief in die Nacht offen haben müssen? Ich weiß nicht. Aber das ist wieder eine andere Baustelle. Ich halte es für richtig, dass an einem Tag der Woche, und das ist in der abendländisch-christlichen Tradition der Sonntag, innegehalten wird. Und dies Innehalten soll für alle gelten, die keine gesellschaftlich unverzichtbare Tätigkeiten durchführen müssen. Und vielleicht gehört zum gleichen Thema der viel gescholtene Veggie-Day der Grünen. So wie die Grünen diesen Tag propagierten, konnte der Schuss nur nach hinten los gehen. Eine Lachnummer. Sollte man aber nicht ganz bewusst an einem Tag kein Fleisch essen? Traditionell an einem Freitag so wie früher? Sei's aus christlichen Gründen, sei's aus Gründen der Gesundheit oder Gründen des Tierschutzes? Danke Herr Sieger für diese tolle Predigt! P.S.: Ich bin kein Christ. Ich gehöre KEINER Religionsgemeinschaft an. Ich gehe nicht in die Kirche.

ok ok

"sondern Sie eher von eingefahrenen Denkstrukturen blockiert werden".
Jetzt wird mit endlich vieles klarer. Danke!

Rudimentäre Recherche ist von Vorteil

Die Kirche war schon immer der Unterdrücker der Menschen. Die Kirche hat sich in ihrer Geschichte nie für die kleinen Leute eingesetzt. Sie hat die Obrigkeit immer über die Freiheit gesetzt.

Lieber Filou,

sosehr ich ihren Zorn über die Kirche (welche eigentlich) nachvollziehen kann, wird ihre Position durch ihre offenkundige Unkenntnis nicht nachvollziehbarer. Ein flüchtiger Blick in die Bibel und sogar in 2000 Jahre Kirchengeschichte genügen, um ihre Aussagen ad absurdum zu führen.
Die Option für die Armen und Unterdrückten ist zentrale Botschaft Jesu. Zugegebenermaßen von den Kirchen (wie andere zentrale Aussagen) allzu oft schmählich missachtet, aber erestaunlicherweise immer wieder aufs Neue entdeckt. Mich befremdet ihr Stil Andersdenkende bzw. ihnen fremde Denkhaltungen zur Gänze zu verdammen. Wenn das ihr persönlicher Stil ist, sollten sie zumindest historische Tatsachen beachten, sonst wird es schnell peinlich.
Zur gelegentlichen Lektüre sei Ihnen (nur beispielsweise) Lukas 4, 16-21, Jakobus 5,4 oder wenn es alttestamentlich sein soll 2. Mose 22,20-21
empfohlen

Lieber Gast,

wenn ich von Kirche spreche, meine ich den katholischen Klerus. Ich nehme die Gläubigen von aller meiner Kritik aus. Ich verdamme keine Andersdenkenden - ich bin nur bezüglich des Katholizismus anderer Meinung.

Gerne dürfen Sie mir Bibelzitate um die Ohren hauen, ich habe meine Jugendzeit als Ministrant und gläubiger Katholik gelebt. Ich nahm den "Schott" mit in die Kirche. Mea culpa, ich war unkritisch.

Als Kind und Jugendlicher habe ich nicht nur einen "flüchtigen Blick" in die Bibel getan. Später habe ich mich auch für die 2000 Jahre Kirchengeschichte interessiert. Ich mußte feststellen, wie schnell internen Kritikern wie Hans Küng http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_K%C3%BCng
die Lehrerlaubnis entzogen wurde. Nein, die Wahrheit darf nicht ans Licht kommen.

Kein Buch ist in der Frühzeit der katholischen Kirche (und später) so gefälscht worden, wie die Bibel (Übersetzungen, Auslassungen, Interpretationen, Zusätze). Da sind ganze Inhalte auf den Kopf gestellt oder verdreht worden. Ich will Ihnen Karl-Heinz Däschner gar nicht ans Herz legen (oder vielleicht doch "Die Kriminalgeschichte des Christentums" Band 1 bis 3)

Markus ist wahrscheinlich der erste Evangelist, der das Leben Jesu dokumentierte. Wie bei Matthäus geht die Forschung davon aus, dass das Markus-Evangelium etwa zu der Zeit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem entstand, also um 70 nach Christus niedergeschrieben wurde. Vermutlich entstammt Markus der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem und verfasste sein Buch in Rom.
Das Lukas-Evangelium datiert aus der Zeit 80 bis 90 nach Christus und ist vermutlich in Kleinasien, der heutigen Türkei oder Griechenland entstanden. Er schildert in allen Einzelheiten die Geburt Jesu. Die Erzählung der Weihnachtsgeschichte, wie wir sie kennen, entnehmen wir dem Lukas-Evangelium.
Das vierte und letzte Evangelium ist das Johannes-Evangelium, das etwa um 100 nach Christus entstand, vermutlich in Ephesus, der heutigen Türkei. Das Johannes-Evangelium unterscheidet sich ganz erheblich von den drei übrigen synoptischen Evangelien (Quelle: Planet Wissen).

Keiner der Evangelisten ist Augenzeuge. Alles ist aus Überlieferung oder abgeschrieben. Das Johannes-Evangelium entstand 63 Jahre nach dem Tod Jesu Christi!
Ich gebe jedoch doch zu, all das ist ein eine Form gebracht, die Lebenshilfe sein kann, die dem abendländischen Menschen Anleitung für sein Leben geben kann. Nichts an den Gleichnissen ist auszusetzen. Jedes kann (besser noch konnte) den (ungebildeten) Menschen erklären was Recht und was Unrecht ist.

Und trotzdem: Meine Großmutter ist 1879 geboren. Ich kann es beurteilen, wieviel Pein, Angst und Sorge ihr die katholische Lehre gemacht hat. Da war wenig von Trost und Hilfe. Diese Generation hat sich tatsächlich vor einem Fegefeuer, in dem die Seele brennt, gefürchtet. Und das Blaue, die Atmosphäre über uns, das war der Himmel. Mit einer leibhaftigen (mit Leib und Seele) in den Himmel aufgefahreren Maria, mit Petrus an der Pforte und den Engeln - da wurde nichts von Symbolik erzählt, das musste man glauben. 

Der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel ist seit dem 6. Jahrhundert bezeugt und wurde 1950 von Papst Pius XII. in der Apostolischen Konstitution Munificentissimus Deus für die römisch-katholische Kirche zum Dogma erhoben (Wiki), was für Katholiken glaubensverpflichtend ist. Dogmen sind unfehlbare Entscheidungen des Papstes (was du auf Erden binden wirst, wid auch im Himmel gebunden sein).

Da gibt es die heilige Vorhaut (lateinisch: sanctum praeputium) als christliche Reliquie, bei der es sich um die Vorhaut Jesu von Nazaret handeln sollte neben anderen Reliquen, die auch zweifelhaften Ursprungs sind. Aber wer daran glauben will - ich habe nichts dagegen.

Nein, jeder soll mit seinem Glauben selig werden. Aber, ich möchte auch nicht mehr missioniert werden. Von keiner Religion. Nicht von den Christen, nicht vom Islam, nicht von den Jehovas, nicht vom Buddhismus.

Und wenn es jemand versucht, mit dem Mäntelchen der Religion mir die Welt zu erklären, dann bin ich allergisch dagegen.

Übrigends, das Reichskonkordat, also ein völkerrechtlicher Vertrag der Kirche mit einem Verbrecherstaat gilt immer noch. Und warum? Weil die Kirche die Geldeintreibung durch den deutschen Staat nicht riskieren will.

"Jeder soll nach seiner Facon selig werden"

Lieber Filou,

selbst wenn sie den Begriff "Kirche" auf "Katholischen Klerus" eingrenzen und weitere skandalöse Beispiele aus der Kirchengeschichte erwähnen, wird die Aussage, dass Kirche n i e auf Seiten der Armen stand nicht wahrer.

Es macht mich aber betroffen, wie sehr Kirche an Ihnen schuldig geworden ist. Ich kann ihre Reaktion nachvollziehen und will jetzt auch meinen "Klugscheissmodus" ausschalten. Wir haben ja mit dem Grundsatz "Jeder soll nach seiner Facon selig werden" einen kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden.
Mir ist es einfach ein Anliegen, dass die Fehler der Kirchen nicht auf den Christlichen Glauben projeziert werden.
Als notorischen Optimist halte ich selbst die Kirche nicht für einen hoffnungslosen Fall.
Einen schönen Abend noch.

Nur weil es so gut zu ihrem Ausflug in die Evangeliengeschichte passt:
01.10.13 19.30 h
Impulsabend im Kath. Pfarrzentrum in Untergrombach:
"Begegnung mit dem historischen Jesus" Pater Janzer SAC

Könnten wir bei einem Gläschen Wein im Anschluß unseren kleinsten gemeinsamen Nenner vertiefen ;-)

Mein liebes Gretchen...

....wenn ich Gott wäre, dann würde kein Kind Hungers sterben.

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