Jetzt geht's mir an den Kragen - Teil 2

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Das Mahnungsbüro hat mich in seinen Klauen - und lässt mich nicht mehr los
Sonntag, 26. Oktober 2014 - 14:43

Es war ja fast schon zu fürchten. Das „Mahnungsbüro“ lässt mich nicht mehr aus seinen Klauen.

Callcenter

Von links nach rechts: Herr Groß, Frau Kaolitz und Frau Meyer

Bereits wenige Stunden nach dem ersten Anruf am Vormittag des Samstags, rief mich um 14.39 Uhr ein freundlicher Herr an, der sich am Telefon als Stefan Groß vorstellte. Er fragte mich, ob ich am 11. Dezember 2013 eine Zeitschrift abonniert hätte und nannte auch den Titel. Meine Antwort war, dass ich mich nicht erinnern könne, dies aber möglich sei. Daraufhin redete er weiter davon, dass mittlerweile aus diesem meinem Zeitschriften-Abonnement einschließlich Inkassokosten ein Betrag von 352,-- Euro aufgelaufen sei. Diesen Betrag solle ich sofort begleichen, damit „die Akte geschlossen“ werden könne. In den nächsten drei bis vier Werktagen bekäme ich ein entsprechendes Schreiben vom „Mahnungsbüro“. Den in dieser Mahnung aufgeführten Betrag solle ich dann sofort überweisen.

So einfach wollte ich es dem lieben Herrn Groß aber nicht machen und fragte, von wem denn das Schreiben käme. Ich wolle nicht, dass dieser Brief im Wust meiner anderen Post unterginge und ich irgendwelche Fristen versäumte. Die Antwort des sympathischen Herrn Groß war – überraschenderweise wenig erhellend – dass der Absender des Briefes das „Mahnungsbüro“ sei – eine doch eher unbefriedigende Antwort, wusste ich ja bereits, dass sich der gute Herr Groß mit „Mahnungsbüro“ meldete. Der grundsolide Herr Groß wies mich auch noch auf einen von mir gemachten Fehler hin; ich bekäme gar keinen Brief sondern ein Einschreiben.

Ich wollte es doch ein wenig genauer wissen und fragte, ob ich mich denn auf einer Internetseite über das „Mahnungsbüro“ kundig machen könne. Jetzt wurde der liebenswürdige Herr Groß ganz wuschelig. Er stakste und stotterte herum und erzählte dann davon, dass das „Mahnungsbüro“ international tätig sei und natürlich eine Internetseite habe, diese sei aber noch nicht veröffentlicht, da „im Interesse des Kunden“ der Internetauftritt „werkseits“ verbessert würde.

Nach dieser kleinen Episode wollte mich mein Fachberater Herr Groß wohl von der Backe haben denn er beeilte sich mir zu vermitteln, dass er mich jetzt ganz schnell an die Buchhaltung weiter leiten müsse. Mit der Buchhaltung sollte ich klären, wie ich die Mahnung vermeiden könnte. Der nette Herr Groß verabschiedete sich von mir mit einem recht ostdeutsch klingenden „een kleenen Moment“.

Ohne Verzögerung war die freundliche Dame von der Buchhaltung am Apparat, sie wusste sofort über mich Bescheid und kannte den Inhalt des bisherigen Telefonats mit dem absolut sozialverträglichen Herrn, der sich Stefan Groß nannte. Da die Dame etwas nuschelte, auch ein kleiner fremdländischer Akzent war herauszuhören, der auf eine Sozialisation im russischen Sprachbereich schließen ließ, fragte ich nach ihrem Namen. Sie sagte mir, sie hieße Kaolitz, Frau Kaolitz.

Die Buchhalterin Frau Kaolitz begann sprach dann davon, dass ich durch Zahlung von 222,-- Euro die Mahnung verhindern könne. Sie beendete ihre Sätze mit der Frage: „Können Sie bezahlen?“ Ich erwiderte, das weiß ich nicht, worauf die gute Frau Kaolitz etwas ungehalten sagte, sie bräuchte schon ein explizit ausgesprochenes „Ja“ oder „Nein“ von mir, worauf ich darauf verwies, dass ich doch erst die Mahnung sehen müsse, bevor ich irgend eine verbindliche Antwort geben könne. Wohl etwas entnervt, das war unzweifelhaft aus ihrem Tonfall zu entnehmen, sagte die Dame dann zu mir, „ich sehe, Sie haben nichts verstanden. Legen Sie auf, Herr Groß wird sich nochmals bei Ihnen melden.“ Ich legte gerne auf.

Tatsächlich meldete sich wenigen Minuten später wiederum das „Mahnungsbüro“. Aber nicht der wohlbekannte Herr Groß war am Apparat, sondern eine Dame, die sich als Vorgesetzte von Frau Kaolitz und Herrn Groß vorstellte und sich selbst Frau Meyer nannte. Sie fragte zunächst säuselnd, ob ich mit der Beratung durch Herrn Groß und Frau Kaolitz zufrieden gewesen sei. Eine Antwort schien sie nicht zu zu erwarten, denn gleich im Anschluss erklärte sie mir in eindringlichen Worten, wie wichtig es sei, dass ich der Buchhaltung als „Beweis für die Inkasso“ mein Einverständnis für die Zahlung der Gebühren in Höhe von 222,-- mit einem deutlich ausgesprochenen „Ja“ bestätige. Sollte ich das nicht tun, kämen auf mich, was sie sehr bedauern würde, Kosten in Höhe von 650,-- Euro zu.

Ich nahm an, dass Frau Meyer als Leiterin einer Abteilung etwas besser über die Firma informiert sei als die ihr unterstellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und wollte erneut den Namen des Unternehmens wissen, worauf sie ebenso wie ihr Kollege nur sagte, das Unternehmen hieße „Mahnungsbüro“ und arbeite international. Irgendwie erschien mir diese Antwort etwas unbefriedigend, so dass ich eine weitere Frage nachschob: „Heißt das „Mahnungsbüro“ also „Mahnungsbüro International“? Nach einer kurzen Denkpause bestätigte Frau Meyer freudig dieses Ergebnis meiner detektivischen Suche nach dem Namen der Firma, die von mir entweder 352 Euro oder 222 Euro oder 650 Euro fordert – so ganz klar ist mir die tatsächliche Höhe des geforderten Betrages bis jetzt noch nicht.

Da ja auch ein „Mahnungsbüro International“ in irgendeiner Rechtsform betrieben werden muss, fragte ich jetzt nach dieser: „Handelt es sich beim Mahnungsbüro International um eine GmbH oder eine AG?“. Ich spürte, wie Frau Meyer ins Schwimmen geriet, sich eine längere Pause zum Nachdenken gönnte und dann ein sie sicher erlösendes „GmbH“ in das Sprechteil ihres Headsets ächzen ließ. Somit war dann auch diese Frage zu meiner Zufriedenheit geklärt. Frau Meyer fand jetzt wieder ihre Fassung und verwies, um die Seriosität des Unternehmens zu unterstreichen, auf die Telefonnummer 030 36448444, unter der das Mahnungsbüro International GmbH doch telefonisch zu erreichen sei – eben diese Telefonnummer die nicht im Telefonbuch erfasst ist und die laut Sprachansage nicht erreichbar ist: „Die von Ihnen gewählte Telefonnummer ist nicht vergeben. Bitte rufen Sie die Auskunft an“. Den von mir gemachten Einwand der Nichterreichbarkeit ließ Frau Meyer nicht gelten. Sie belehrte mich, dass die Firma „Mahnungsbüro“ international tätig sei, viel zu tun habe und die Leitungen halt manchmal überlastet seien.

Jetzt hatte ich wirklich keine Lust mehr mit dieser Dame oder einem Herrn Groß oder einer Frau Kaolitz zu telefonieren. Ich sagte Frau Meyer, dass meine Frau im Türrahmen stehe und mich vehement drängele das Telefonat zu beenden, wollten wir doch auf eine Geburtstagsfeier und das Geburtstagskind nicht warten lassen. Dies wollte Frau Meyer nicht gelten lassen. „Hätten Sie nicht noch 30 Sekunden? Ich werde Sie mit der Buchhaltung verbinden, damit Sie dort Ihr Einverständnis für das Inkasso geben können.“ Ich erläuterte Frau Meyer, dass ich jetzt unbedingt auflegen müsse. Wenn sie meine Frau kennen würde, könnte sie sicher verstehen, dass die Beendigung des Telefonats jetzt sofort erfolgen muss. Frau Meyer verstand vielleicht nicht. Sei's drum. Wir vereinbarten jedoch, dass der herzensgute Herr Groß mich kommenden Montag wieder anruft.

Das äußerst Merkwürdige an dieser Angelegenheit ist jedoch, dass ich wirklich zu dem Zeitpunkt, den mir der impertinente Herr Groß nannte, die von ihm genannte Zeitschrift tatsächlich abonnierte.

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Kommentare

Nächstes Mal

sagen Sie doch einfach, Sie arbeiten bei der Polizei, und ob Sie den netten Damen und Herren noch irgendwie helfen könnten.

Wenn das nicht hilft, teilen Sie beim nächsten Anruf mit, Sie hätten schon einmal 10 Jahre wegen Mordes eingesessen und wären nicht wegen guter Führung vorzeitig entlassen worden, ob sie sonst noch Fragen hätten.

Am erfolgreichsten ist eigentlich eine kurzatmige, prägnante Kommunikation bei solchen Leuten. Sie diskutieren zu lange und werfen Köder aus, wenn Sie sagen, Sie seien nicht sicher, ob Sie etwas abonniert haben.

Wenn jemand Geld von mir will oder mir Leistungen aufschwatzen will, sage ich gerne, dass ich sowieso schon in der Privatinsolvenz stecke und das vielleicht jetzt nicht sinnvoll ist, wenn ich mir noch einen weiteren Gläubiger aufhalse. Auf diese Weise beendete mein Gegenüber in der Bruchsaler Innenstadt kürzlich sein Gespräch sehr schnell und drehte sich sogar demonstrativ weg von mir, als er mich am nächsten Tag wieder sah.

Mit Google finden sich andere Belästigte (potentielle Opfer)

Der beste Treffer ist der hier:

http://www.tellows.de/num/03036448444

Willkommen im Club.

Tja, Herr Eberle ich oute mich als "Geschädigter". Seit ich bei einem Gewinnspiel mitgemacht habe, steht mein Mobiltelefon NICHT mehr still - abgesehen vom Wochenende. Ich werde angerufen und es wird umgehend wieder aufgelegt. Es sind immer wiedre die selben Nummern. Eben habe ich Planet49 so heißt der Gewinnspielveranstalter ein Mail geschickt mit dem Hinweis, dass ich keine Werbeanrufe mehr wünsche. Mal sehen was passiert.
Ich habe ihnen übrigens bei erneuten Anrufen mit einer Schadenersatzforderung gedroht. Ob sie sich davon beeindrucken lassen?
Die dame hat sehr interessante Vorschläge gemacht, die sehr interessant sind.
Hilfreich wäre auch eine Trillerpfeife.
Wie kommen die denn zu Ihrer Mobifunk-Nummer?

Ich hoffe, dass Sie nicht mehr belästigt werden.

Grundsätzlich...

...geh ich nicht sofort ans Telefon. Schon gar nicht, wenn mir die Nummer nicht bekannt ist. Dafür habe ich einen Anrufbeantworter. Damit bin ich all die Jahre immer gut gefahren. Wenn es etwas Wichtiges ist, kann auf die Box gesprochen sprechen.

The answer you entered for the CAPTCHA was not correct. Grausam diese Eingabe...Nach dem 5. Versuch werde ich blind

Am gestrigen Montag hat

Am gestrigen Montag hat dieses obskure "Mahnungsbüro" mich wiederum einige Male angerufen, heute zweimal. Mittlerweile habe ich Strafanzeige gegen das "Mahnungsbüro" erstattet. Der nette Beamte wies aber darauf hin, dass die Anzeige eher doch ins Leere gehen könnte. Sei's drum. Seitdem ich weiß, dass eine betagte Nachbarin über einen längeren Zeitraum durch solch eine Bande aus der Türkei um mehrere Tausend Euro betrogen wurde, bin ich etwas weniger nachsichtig.

http://www.tellows.de/num/03036448444

In Bruchsal und Karlsruhe

In Bruchsal und Karlsruhe bringt es sowieso nichts, etwas der Polizei zu melden. Die Polizei ist schon nicht einmal sofort angerückt, wenn in Bruchsal eine Leiche aufgefunden wurde.

Einer Leiche...

... ist ja nicht mehr zu helfen - weshalb dann beeilen?

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