Jetzt geht's mir an den Kragen - das Mahnungsbüro hat mich in seinen Klauen

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Samstag, 25. Oktober 2014 - 14:28

Telefon

Beim REWE in der Bruchsaler Innenstadt stand ich am heutigen Samstag - es war genau 10:59 Uhr - gerade vor der Wursttheke, die freundliche Fleischverkäuferin reichte mir soeben ein Scheibchen Mortadella zum Probieren über die Theke, als sich plötzlich mein in der Jackentasche verwahrtes Mobiltelefon mittels Ringtone und Vibration meldete. Ein Anruf aus Berlin, wie die angezeigte Vorwahl 030 bei einem kurzenBlick auf das Display des Telefons nahelegte. Genauer: vom Anschluss 030 36448444. Ich erinnerte mich. Bereits gestern versuchte dieser Teilnehmer, mich telefonisch zu erreichen.

Ein Anruf für mich aus Berlin? Das verwunderte mich schon, habe ich doch bis auf einen keinen Kontakt in die bundesdeutsche Hauptstadt; die Telefonnummer von Angela Merkel kenne ich mittlerweile jedoch auswendig.

Ich legte also die Wurstscheibe unangebissen auf die blanke Glasfläche der Wursttheke, entsperrte mein Mobiltelefon und meldete mich höflich: „Eberle“. Eine etwas herrische Frauenstimme am Apparat gegenüber erwiderte: „Mahnungsbüro, guten Tag. Spreche ich mit Edmund Eberle?“. Eingedenk der Tatsache, dass ich bereits gestern von dieser Nummer angerufen wurde, ich einen Tag Zeit hatte darüber nachzudenken und auch wegen des gebieterisch vorgetragenen „Mahnungsbüro“ entschied ich mich spontan, mich zu verleugnen: „Nein, mein Name ist Meier, Peter Meier“. „Aber Sie sagten doch eben, Sie heißen Eberle! In meinen Unterlagen steht Eberle bei dieser Telefonnummer“. „Eigentlich heiße ich aber doch Peter Meier.“ „Nein, Sie meldeten sich, als sie abgenommen haben, mit Eberle, also sind Sie auch der Herr Eberle.“ Ich ging jetzt davon aus, dass eine weitere Diskussion über meinen Namen sicher nicht weiter- und zielführend wäre und antwortete: „Also gut, Sie haben ja meinen Namen Eberle in Ihren Unterlagen, gehen Sie also davon aus, dass ich Eberle heiße und der Eberle bin und sagen Sie mir, worum es geht.“ Einen Moment herrschte Stille, dann kreischte die Dame am anderen Ende des Telefons in den Hörer: „Das sage ich Ihnen nicht, ich zeige Sie an wegen Verleugnung!“, schnaufte nochmals kurz auf und legte, wohl etwas erzürnt, den Hörer auf.

Nun sitze ich hier, grübele darüber, warum mich ein mir unbekanntes „Mahnungsbüro“ angerufen hatte. Was habe ich nur ausgefressen? Welche der vielen von mir nie beglichenen Rechnungen - auf die Schnelle fallen mir lediglich der letzte Autokauf, der bereits angemahnte Kredit beim Otto-Versand für meine Kücheneinrichtung oder der unbezahlte Besuch bei einer von Bruchsals Bordsteinschwalben ein - sollte wohl über das „Mahnungsbüro“ eingetrieben werden? Es ist zum Verzweifeln; diese Ungewissheit macht mich niedergeschlagen und missmutig.

Nie mehr werde ich wohl von meinen Verfehlungen erfahren, ist doch die Telefonnummer 030 36448444 nicht im Telefonbuch von Berlin eingetragen, wie eine Rückwärtssuche im Online-Telefonbuch ergab. Und auf den Versuch hin, von mir aus telefonischen Kontakt zu dem „Mahnungsbüro“ aufzunehmen teilte mir eine freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung mit: „Die von Ihnen gewählte Telefonnummer ist nicht vergeben. Bitte rufen Sie die Auskunft an.“

Epilog. Seit dem Anruf um 10:59 Uhr wurde ich vom gleichen nichtexistierenden Telefonanschluss um 12:09, um 13:07  und um 14:02 angerufen. Leider war das Mobiltelefon nicht dort, wo ich gerade war, so konnte ich nicht abnehmen. Das könnte noch ein langer Tag am Telefon werden.

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Online eintragen

Sie könnten die Rufnummer online bei einem der zahlreichen "Rufnummernwarndienste" - wie ich das mal so nenne - eintragen lassen, z. B. Bei Tellows, dann haben auch andere was davon!

http://www.tellows.de/num/03036448444

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