Harry L. Ettlinger, ein Monuments Man mit familiären Wurzeln in Bruchsal

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"Man kann Menschen einer ganzen Generation auslöschen, ihre Häuser niederbrennen, sie werden immer einen Weg zurück finden. Vernichtet man aber ihre Geschichte, ihre Errungenschaften, ist es, als hätten sie nie existiert. Das will Hitler erreichen - und genau dagegen kämpfen wir" (Filmzitat)
Donnerstag, 30. Januar 2014 - 16:32

Bereits am 19. Januar 2014 berichtete das renommierte Kulturmagazin "Titel - Thesen - Temperamente" (ttt) der ARD über den Film "Monuments Men", der ab Ende Februar auch in deutschen Kinos aufgeführt wird.

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Harry Ettlinger erzählt von seiner Tätigkeit im Salzbergwerk. Foto: privat

Zu Wort kommt in diesem Beitrag auch Harry L. Ettlinger, einer der letzten noch lebenden Monuments Men, der in Bruchsal kein Unbekannter ist. Harry L. Ettlinger ist ein Enkelsohn des Bruchsalers Otto Oppenheimer, der vor über 100 Jahren die lokale Hymne "De Brusler Dorscht" verfasste. Anlässlich der Einweihung des Otto-Oppenheimer-Platzes im Mai 2011 besuchte Harry L. Ettlinger, der 1938 zusammen mit seiner jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen musste, erstmals wieder Bruchsal.

Bei seiner Flucht war der gebürtige Karlsruher Harry (Heinz Ludwig) Ettlinger 13 Jahre alt. Sieben Jahre später, im Januar 1945, kehrt er wieder nach Europa zurück, um in Belgien gegen die Nazis zu kämpfen.

Im Filmbeitrag des Kulturmagazins ttt erzählt Harry Ettlinger: "Kurz vor Ende der Ardennen-Offensive saß ich als einfacher Soldat auf einem Truck zusammen mit acht Kumpels. Ein Sergeant stoppte den Konvoi. Drei von uns mussten runter vom Truck, ich war einer von ihnen." Denn der Sergeant wusste, dass Harry fließend Deutsch spricht - und solche Leute wurden dringend gebraucht bei den Monuments Men. Die Monuments Men sollten in Schlössern, Minen und Bergwerken suchen und Raubkunst finden, um sie den wahren Eigentümern zurück zu geben. 

Harry Ettlinger erinnert sich weiter: "Viele von uns standen vor der Wahl: Sterbe ich, um die Kunst zu retten oder rette ich sie eben nicht. Diese Frage hat uns alle beschäftigt. Als ich anfing, waren gerade zwei von unseren Männern getötet worden."

In der Salzmine von Heilbronn-Kochendorf finden die Monuments Men, einer von ihnen ist Harry Ettlinger, 40.000 Kisten randvoll mit Kunstwerken, darunter ein Rembrandt-Selbstporträt aus der Kunsthalle Karlsruhe. Harry Ettlinger hält es in Händen. Sein Großvater, der Bruchsaler Otto Oppenheimer, ein großer Kunstliebhaber, hatte eine Druckgrafik eben dieses Gemäldes besessen. Das Original durften Juden seit 1933 nicht mehr anschauen. So war auch Ettlinger der Zutritt zur Karlsruher Kunsthalle verwehrt - er wohnte nur einen Block von der Staatlichen Kunsthalle entfernt.

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Harry Ettlinger als Soldat in Heilbronn. Foto: privat

Harry Ettlinger beschreibt seine Gefühle, als der den Rembrandt in Händen hielt: "Dieser Rembrandt stammt aus der Kunsthalle Karlsruhe. Unter Hitler durfte ich als jüdisches Kind das Museum nicht betreten. In der Salzmine in Heilbronn habe ich dieses Gemälde dann zum ersten Mal gesehen. Ein ganz besonderer Moment für mich, ich war sehr stolz, dass ein Jude jetzt endlich ein Kunstwerk aus einem deutschen Museum betrachten darf."

Dass es sich bei den Monuments Men auch um eine Schar von Idealisten handelte, zeigt diese von Harry Ettlinger erzählte Begebenheit: "Ich werde nie diese Schatulle voller lupenreiner Diamanten vergessen, die auf dem Schreibtisch unseres Lieutenant stand. Jedem von uns, der in der Mine gearbeitet hat, war klar: Diese Schatulle bleibt verschlossen, rühr sie nicht an - sie gehört nicht dir! Das war unser eiserner Grundsatz." 

Mehr zu Otto Oppenheimer, Harry L. Ettlinger und die Monuments Men im Buch "Oppenheimer - Eine jüdische Familie aus Bruchsal". verlag regionalkultur, 328 Seiten, EUR 22,80.

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