Harry Ettlinger hat als Monuments Man Geschichte geschrieben

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– eine Geschichte, die zu lange verborgen war, eine Geschichte, der jetzt George Clooney mit seinem Film endlich ein weithin sichtbares Denkmal gesetzt hat
Freitag, 7. März 2014 - 10:56

Es war eine beeindruckende Veranstaltung, die vom Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg,der Kunsthalle Karlsruhe sowie dem SWR2 am Samstag, den 15. Februar 2014 ausgerichtet wurde. In einer anrührenden Feierstunde, wer die Lebensgeschichte von Harry Ettlinger kennt, ihn vielleicht sogar 2011 in Bruchsal anlässlich der Einweihung des Otto-Oppenheimer-Platzes persönlich kennen gelernt hat, weiß nachzuvollziehen, was dieses Ereignis ihm bedeutet haben muss, wurde Harry Ettlinger doch im Anschluss an eine Podiumsdiskussion in den Räumen der Karlsruher Kunsthalle noch die Staufer-Medaille in Gold des Landes Baden-Württemberg verliehen. Mit einer der höchsten Ehrungen, die das Land Baden-Württemberg zu vergeben hat wurde Harry Ettlinger in der Stadt ausgezeichnet, die ihn 1938 aus ihren Mauern vertrieben hat.

Im Weiteren sind die Ansprachen dieses bemerkenswerten Nachmittags dokumentiert. Zum einen der Vortrag von Frau Prof. Dr. Pia Müller-Tamm, der Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, zum anderen die Rede von Staatssekretär Jürgen Walter zur Überreichung der Staufermedaille in Gold an Harry L. Ettlinger. Staatssekretär Walter hielt seine Rede zu Ehren des Gastes aus den USA in englischer Sprache.

Der Bericht zur Veranstaltung wurde von Rainer Volk vom SWR verfasst und wurde von bruchsal.org mit freundlicher Genehmigung des Südwestrundfunks übernommen. Dank gilt auch Frau Prof. Dr. Pia Müller-Tamm sowie Herrn Staatssekretär Jürgen Walter, die bruchsal.org ihre Ansprachen zur Veröffentlichung überließen.


Besuch in der Heimatstadt Karlsruhe - „Monuments Man“ Harry Ettlinger

Von Rainer Volk

Am 19. Februar präsentierte SWR2 in der Schauburg in Karlsruhe in einer Vorpremiere mit anschließender Gesprächsrunde den Film „The Monuments Men“ von und mit George Clooney. Die „Monuments Men“ waren eine Sondertruppe der US-Armee, die ab 1943 versuchte, die von den Nationalsozialisten in ganz Europa geraubten Kulturgüter zu retten.

Einer der letzten Überlebenden der Einheit, der gebürtige Karlsruher Harry Ettlinger, besuchte am 15. Februar seine Heimatstadt. Bei einer SWR2-Veranstaltung in der Kunsthalle erhielt Ettlinger die Staufer-Medaille, eine der höchsten Kultur-Auszeichnungen des Landes Baden-Württemberg und nahm an einer Podiumsdiskussion teil.

Harry L. Ettlinger, ein Monuments Man mit familiären Wurzeln in Bruchsal

Kunststaatssekretär Jürgen Walter mit Harry L. Ettlinger. Foto: Kunsthalle Karlsruhe

Der große historische Bogen wurde deutlich, als Kunststaatssekretär Jürgen Walter Harry Ettlinger die Staufer-Medaille in Gold überreichte:

„Als Dank und Anerkennung um unser Land Baden-Württemberg ehre ich Herrn Harry L. Ettlinger, Rockaway/USA mit der Staufer-Medaille in Gold. Stuttgart, den 6.Februar 2014. Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg – Congratulations!“

Ehrungen enthalten oft Phrasen. Nicht so bei Harry Ettlinger: 1926 ein paar Häuserzeilen von der Karlsruher Kunsthalle geboren, das elterliche Modegeschäft in der Kaiserstraße sozusagen 'ums Eck', die Flucht vor den Nazis 1938 nach der Bar Mitzvah-Feier in der Karlsruher Synagoge. Nicht vergessen – aber vergeben. Er sei einfach „überwältigt“ im Mittelpunkt dieses Empfangs in der Heimatstadt zu sein: „I'm dumbfounded, that you make such a special event - Danke vielmals, thank you very much.“

Harry Ettlinger hat als Monuments Man Geschichte geschrieben

Die Direktorin der Kunsthalle Karlsruhe Pia Müller-Tamm, Kulturstaatssekretär Jürgen Walter, „Monuments Man“ Harry L. Ettlinger, SWR2-Redakteurin Dominique Wetzel, Provenienzforscherin Tessa Rosebrock. Foto: Kunsthalle Karlsruhe

Ettlinger gehört nicht zu denen, die sich zu den 'Helden' der Kunstgeschichte zählen. Seine eigene Rolle bei der Rettung europäischer Kunstgüter nach 1945 spielt der 88jährige eher herunter als dass er sich aufplustert:

„Ich lernte damals, mich zurechtzufinden und den Wert ordentlicher Arbeit im Leben. Es war produktives Arbeiten. Natürlich – weil man zuhause Kunst schätzen gelernt hatte, sagte mir diese Arbeit wirklich zu. Und weil ich wusste, dass wir die Rückgabe von Kunstgütern als Aufgabe hatten, war ich umso zufriedener gute Arbeit zu machen.“

Nur einmal deutet der bescheidene alte Herr an, dass die Arbeit im Salzstollen von Heilbronn, die Clooneys Film als kunterbuntes Abenteuer darstellt, nicht nur in der Phantasie von Hollywood-Drehbuchautoren lebensgefährlich war:

Staufermedaille für Harry L. Ettlinger

Harry L. Ettlinger und Dr. Jochen Wolf bei dem Podiumsgespräch. Foto: Martina Schäufele

„Ich erinnere mich an ein Erlebnis, das fast verhindert hätte, dass alles gut ging. Eine der Kammern im Stollen war verschlossen. Als wir sie öffneten fanden wir Nitroglyzerin. Hätten wir es nicht gefunden, wäre der Stollen – Boom – in die Luft geflogen – und von dem, was aus der Kunsthalle Karlsruhe dort gelagert war, wäre nichts übrig geblieben.“

So stand hinter dem Debatten-Panel der „Karlsruher Rembrandt“ auf einer Staffelei, eines der kostbaren Objekte, die Ettlinger in seine Heimatstadt zurück brachte.

Natürlich kam das Gespräch an diesem Nachmittag nicht an der 'Raubkunst'-Debatte vorbei, die seit Monaten durch die Medien geht. Tessa Rosebrock, Provenienzforscherin der Karlsruher Kunsthalle, kritisierte dabei, dass die Öffentlichkeit kaum differenziert zwischen Kulturgütern, die von Museen im Zweiten Weltkrieg zu ihrem Schutz eingelagert wurden, und den Kunst-Beutezügen der Nazis. Die „Monuments Man“ lobte Rosebrock:

„Die Arbeit der Amerikaner war großartig – es gibt sicherlich immer mal wieder eine Ausnahme. Wir haben in unserer Sammlung auch ein eingelagertes Privatobjekt gefunden, was wir letztes Jahr restituiert haben. Also da war etwas, was nach Karlsruhe gehörte – aber nicht dem Museum, sondern einer Person. Grundsätzlich sind aber problematischer die Akquisitionen der 60er und 70er Jahre. Weil da Kunstwerke angekauft worden sind und da die Provenienz oft nicht klar gewesen ist.“

Ob der Clooney-Film ihrer Arbeit langfristig nützt – da war Tessa Rosebrock skeptisch. Harry Ettlinger dagegen nannte den Film „highly educating“. Vielleicht wäre „späte Lektion“ für ein lang vernachlässigtes Thema in Deutschland in diesem Fall nicht die genaue, aber die beste Übersetzung.

Staufermedaille für Harry L. Ettlinger

Kunststaatssekretär Jürgen Walter mit Harry L. Ettlinger. Foto: Martina Schäufele

 

 

Veranstaltung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, vertreten durch Staatsekretär Jürgen Walter, des SWR2, vertreten durch den Programmchef Dr. Johannes Weiß, und der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe anlässlich des Besuchs von Harry Ettlinger in der Kunsthalle am 15.2.2014.

 

Begrüßung durch Prof. Pia Müller-Tamm, Direktorin der Staatlichen Kunsthalle im Namen aller drei Gastgeber.

Sie alle, meine Damen und Herren, sind heute in die Kunsthalle gekommen, um Harry Ettlinger persönlich kennen zu lernen und zu ehren, einen Menschen, der Herausragendes geleistet hat. Harry Ettlinger hat als Monuments Man Geschichte geschrieben – eine Geschichte, die zu lange verborgen war, eine Geschichte, der jetzt George Clooney mit seinem Film endlich ein weithin sichtbares Denkmal gesetzt hat.

Wir freuen uns, dass Sie – sehr geehrter Herr Ettlinger – die Einladung von Staatssekretär Walter, dem SWR und der Kunsthalle angenommen haben. Wir freuen uns, dass Sie heute hier an diesem Ort die Staufer-Medaille in Gold entgegen nehmen. Es ist mir eine Ehre, Sie in der Kunsthalle begrüßen zu dürfen.

Im November 1988 waren Sie erstmals in unserem Haus. Sie haben uns damals ein Dossier überreicht, in dem die Monuments Men ihren Einsatz für die Kunst dokumentiert haben. Annähernd 350 Männer – darunter auch einige Frauen – zählten zu den Monuments Men. Nur wenige von ihnen sind heute noch am Leben. Ihre Aufgabe war der Schutz von Kunstgut während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Schon dass es eine solche Abteilung innerhalb der amerikanischen Armee gab, muss uns mit Hochachtung und Bewunderung erfüllen. Denn die Monuments Men waren die historisch erste, institutionalisierte Abteilung eines Militärs, mit der sich ein Land während eines Krieges für den Erhalt der Kulturgüter seines Kriegsgegners eingesetzt hat.

Die Monuments Men waren Kunsthistoriker, Architekten und Restauratoren, sie waren Kunstkenner, manche vielleicht auch Idealisten, die 1943 mit einer hohen Mission nach Europa kamen und die sich plötzlich in Mitten des Kriegsgeschehens wiederfanden – mit allen Gefahren, die dies für ihr eigenes Leben bedeuten konnte. Sie verstanden sich als eine Art „Rotes Kreuz für die Kunst“.

Ihr Ziel war es, die Zerstörung von Baudenkmälern, Museums-, Archiv- und Bibliotheksbeständen sowie von privatem Kunstbesitz zu verhindern. Dafür markierten sie schützenswerte Gebäude und durchforsteten das Land nach Depots und Verstecken. Sie bargen unterirdisch eingelagerte Kulturgüter aus Salzminen, Bergwerken und Luftschutzkellern – darunter sowohl museale Sammlungen, als auch NS-Raubkunst.

Die geborgenen Kunstwerke und Archivalien kamen in Sammelstellen, sogenannte Collecting Points, wo sie nach Ländern sortiert und hinsichtlich ihrer Provenienzen überprüft wurden. Anschließend gab man sie ihren rechtmäßigen Eigentümern, den privaten wie den öffentlichen, im In- und Ausland zurück.

Wie alle großen Kunstmuseen hat auch die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe ihre Sammlungsbestände mit Ausbruch des Krieges aus den Galerieräumen entfernt. Unter der Regie des damaligen Direktors Kurt Martin wurde 1939 eine Auswahl großformatiger Altmeistergemälde ausgelagert; die kleineren Formate, das Kupferstichkabinett und die Bibliothek gelangten in den Luftschutzkeller des Museums. 1942 musste das Kunsthallengebäude geräumt werden, um öffentlichen Ämtern Platz zu machen.

Bis 1944 wurden die Bestände in verschiedenen Zwischenlagern untergebracht. Ab dann gab es zwei Hauptdepots: das Salzbergwerk in Heilbronn für die Gemälde und das Bergwerk von Kochendorf für die Bestände des Kupferstichkabinetts und die Bibliothek. Dort, in Heilbronn und Kochendorf, überlebten die kostbaren Sammlungen der Kunsthalle das Ende des Zweiten Weltkriegs. Beide Lager wurden 1945 von den „Monuments Men“ gefunden, die Bestände gesichert und geborgen: 700 Kisten mit Kunstwerken aus Heilbronn und 58 Kisten mit Zeichnungen, Grafiken und Bibliotheksbeständen aus Kochendorf wurden dank der Kunstschutzoffiziere über den Collecting Point in Wiesbaden unbeschädigt der Kunsthalle zurück gegeben.

Man vermag sich heute kaum vorzustellen, wie diese Mission in den Wirren der unmittelbaren Nachkriegszeit gelingen konnte. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen die vielfältigen Gefahren, die das sensible Kunstgut auf dem Weg von den Lagerstätten über den Collecting Point bis zum Museum bedrohten. Man kann den Mut und die moralische Integrität derer, die dies vollbracht haben, nicht hoch genug rühmen. Die Kunsthalle hat den „Monuments Men“ und insbesondere dem ehemaligen Gefreiten Harry Ettlinger sehr viel zu verdanken.

Denn Sie, sehr geehrter Herr Ettlinger, haben eine ganz besondere Verbindung zu unserer Region, zu Bruchsal, der Heimat Ihres Großvaters Otto Oppenheimer, und zu Karlsruhe, Ihrer Heimatstadt. Hier wurden Sie im Jahr 1926 geboren, Ihre Eltern hatten ein Bekleidungsgeschäft in der Kaiserstraße. Ihr Wohnhaus lag nur wenige Blocks von der Kunsthalle entfernt, zu der Sie gleichfalls eine besondere Beziehung haben. In der alten Synagoge in der Kronenstraße haben Sie 1938 die Bar Mizwa gefeiert – wenige Tage vor der erzwungenen Ausreise in die USA.

Die Liebe zur Kunst und das Sammeln hatten in ihrer Familie Tradition. Sie selbst haben seit Ihrer Jugend eine besondere Verbindung zu Rembrandts Selbstbildnis aus der Sammlung unseres Hauses. Das Werk hat sie in der grafischen Reproduktion Ihr ganzes Leben begleitet. Um dieses Bildnis rankt sich eine schmerzlich-berührende Geschichte, die wir gleich von Ihnen hören werden, eine Geschichte, in der sich die judenfeindliche Politik der Nazis und Ihre persönliche Erfahrung als kunstinteressierter Junge und mit dem Schicksal dieses epochalen Bildes verschränken.

Sie, sehr geehrter Herr Ettlinger, und Ihre Familie mussten all jene Kränkungen, Verfolgungen und Aggressionen erfahren, denen Juden in der NS-Zeit ausgeliefert waren. Aber Sie sind 1945 im Alter von nur 19 Jahren nach Europa zurück gekehrt und haben übermenschliche Größe bewiesen. Sie haben gemeinsam mit den Monuments Men unsere Bilder, unsere Kunstschätze, unser kulturelles Gedächtnis gerettet. Sie haben das Schicksal unserer Sammlung entscheidend geprägt, in dem Sie sie uns und allen künftigen Generationen zurück gegeben haben.

In der Tat: Bilder haben wie Menschen wechselvolle Schicksale. Kunstwerke wurden in Außenlagern gesammelt, um sie zu schützen; sie waren in der NS-Zeit aber auch Opfer von gewaltsamem Entzug, von Beschlagnahmung, erzwungenem Verkauf, Raub und Kriegszerstörung, ca. 5 Millionen Kunstwerke waren Teil einer gigantischen Plünderungsmaschinerie, die auch vor der aktiven Vernichtung nicht halt machte.

Bei allen Werken, die die Monuments Men retten und sichern konnten, waren sie angetrieben von der Frage nach der Herkunft. Woher kommt ein Kunstwerk? Was ist seine Geschichte?

Die Itinerare des 20. Jahrhunderts sind in Bezug auf die Werke der Kunst noch lange nicht zu Ende geschrieben. Den Auftrag der Monuments Men haben die deutschen Museen spät, sehr spät angenommen. Erst seit der Washingtoner Konferenz vom Jahr 1998 steht die Herkunftsforschung programmatisch auf der Agenda der Museen. Immer deutlicher tritt uns der immense Umfang der noch zu bewältigenden Aufgaben vor Augen. Immer mehr differenziert sich das Feld der historischen Forschung, immer mehr Grauschattierungen werden sichtbar, wo wir früher nur Schwarz und Weiß wahrgenommen haben.

Heute sind wir uns der Verantwortung bewusst, die wir als nachgeborene Generation für die Klärung von Provenienzen haben. Systematisch überprüfen wir – in der Kunsthalle tut dies Frau Dr. Rosebrock – alle Kunstwerke, die vor 1945 entstanden und nach 1933 in unsere Sammlung gelangt sind, und selbstverständlich werden all jene Werke rückerstattet, die sich zu Unrecht in unserem Haus befinden, wenn wir ihre rechtmäßigen Eigentümer bzw. deren Erben ausfindig machen können. Den Auftrag der Monuments Men haben sich die Museen dieses Landes mittlerweile ganz zu Eigen gemacht. Für ihre vorbildliche Arbeit danken wir den Monuments Men und Ihnen, lieber Herr Ettlinger, vielmals.

 

Rede von Herrn Staatssekretär Jürgen Walter zur Überreichung der Staufermedaille in Gold an Herrn Harry L. Ettlinger am 15. Februar 2014 in Karlsruhe

 

Lieber Herr Ettlinger,

sehr geehrte Frau Müller-Tamm,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

wie wir gerade gehört haben, ist Harry Ettlinger Baden-Württemberg und Karlsruhe in vielerlei Hinsicht entgegengekommen. Deshalb ist es mir ein großes Anliegen als Vertreter des Landes ihm heute auch entgegenzukommen. Die kleinste Geste des Respekts ist, ihn in seiner Landessprache ansprechen. Ich werde daher meine Rede auf Englisch halten.

First of all I would like to thank three persons: Of course Mr. Ettlinger who even changed his travel plans to be with us today. And as he told me at lunch he had a heart surgery last year to be able to travel overseas.

The second person I would like to thank is Dr. Tessa Rosebrock of the Kunsthalle. Without her we would not be here today. Because it was her who told me at a press conference on provenance research about the Monuments Men for the first time. Months later, when I heard that one of the last healthy living members of this group was born in Baden-Württemberg and that he will come to Karlsruhe, the idea to honor this person with the Staufer Medal came into my mind. To be true: This should have happened many years before.

I also would like to thank Mr. Wiedemann of the Staatsministerium in Stuttgart. Usually it takes weeks and even months to get a Staufer Medal confirmed. He achieved it within a few days!

Ladies and Gentlemen,

every year, millions of people from all parts of the world come to visit Baden-Württemberg. What attracts them to our country is our hospitality, our beautiful nature and - more than anything - our overwhelming and rich culture.

About 1300 museums are located in the south-west of Germany, and quite a few of them house gorgeous collections and enjoy worldwide renown - as for example the Kunsthalle Karlsruhe does.

To whom do we owe these magnificent treasures?

We owe them to the artists, of course, and to those who employed the artists. And no doubt we owe them to collectors, gallery owners and museum directors.

But this is not the whole story. Thanks to a movie coming to the screens these days more and more people are getting aware of a fact that up to now was widely unknown: A great deal of Germany’s and Baden-Württemberg’s cultural richness is due to the care and the wisdom of the United States administration during World War II!

Let us take a look back at the year 1943. World War II was raging through Europe, killing millions of people, devastating cities and regions, putting at risk our cultural heritage. Just think of the perverted idea of Hitler and the Nazis to destroy Paris! A story now told by Volker Schlöndorff in his latest movie. The movie was also shown at the Berlinale 2014.

Cathedrals, castles and other historic monuments were threatened by bombing and gunfire, and so were museums, archives and libraries. German authorities had evacuated countless works of art and stored them in mines and caves - sites that were often unsafe or improper for these precious goods.

The greedy Nazi regime had piled up masterpieces of unbelievable value in secret hideouts, after looting them from museums and private collections all across Europe.

Briefly speaking: Europe’s cultural treasure was in grave danger!

This was when US-President Franklin D. Roosevelt took a prudent and far reaching decision: He launched the MFAA - the Monuments, Fine Arts, and Archives section.

So the American forces formed a group of 345 men from 13 different nations, the so-called “Monuments Men”, many of them art historians, curators or museum directors. Their task was easy to define - but hard to fulfill:

To protect cultural and artistic goods from war damage, to track down hidden works of art and to return stolen objects to their rightful owners.

Dear Mr. Ettlinger, you were one of those 345 men taking up a challenging mission. In January 1945, shortly before the end of the war, you came to Germany - you were nineteen years old at the time and a sergeant of the U.S. Army. After only a few months you became a “Monuments Man”.

Being a member of Commander James Rorimer’s group was more than a mere job to you. It was rather … an emotional adventure.

It was an emotional adventure because you were born into an art loving family. Your grandfather, Otto Oppenheimer, owned a fine collection of prints and exlibris - parts of it, as I heard, are still to be seen in your storage room.

And it was an emotional adventure because you repaid evil with good. You committed yourself to saving the culture of a nation that years before had forced you to leave your home and emigrate.

Let us make a step further back into the past. In 1926 you were born into a Jewish family, and your first name was not Harry, but Heinz. Your family lived in Karlsruhe, not far from the Kunsthalle, ran a women’s fashion store and were well respected citizens.

That sounds like a promise for a safe and happy life, one would say. But things turned out differently.

Two days after your seventh birthday the Nazis seized power in Germany. It didn’t take long before their insane racist and anti-semitic ideology affected you and your family. You suffered severe discrimination - in school, in the sports club, wherever you went.

Your father was compelled to close down his business, and he soon realized that there was no future for a Jewish family in Germany. So the Ettlingers followed the example of the Oppenheimers, your grandfather’s family: They packed bags - and in September 1938, one day after your Bar Mizwa, left the country.

After an odyssey across Europe they finally reached the United States of America where they could live in freedom. The Ettlinger family settled in Newark, New Jersey, and adapted the American way of life. Heinz became Harry, went to high school and obtained U.S. citizenship.

It was in 1944, when you, Mr. Ettlinger, a fresh graduate from high school, were drafted into the U.S military. They urgently needed servicemen being fluent in German. So instead of sending you into combat they ordered you to serve as a translator and interpreter in the liberated area of Germany. Being able to speak German may have saved your life.

And then after seven years you were back, back to Germany. And you didn’t hesitate a single moment to help rebuild German civilization - by joining the Monuments Men. And all this happened in a time when a lot of people in the free world doubted if Germany could ever be part of the civilized world again.

The work in the salt mines in Heilbronn-Kochendorf was certainly your most important task when serving in the MFAA. As much as 40.000 boxes had been stored underground, a breathtaking number, and they were filled with works of art - most of them evacuated from museums, some plundered by the Nazis.

Thanks to the United States and its great MFAA section all these works of art refund their rightful owners. The United States were the first nation in history to fight a war with a cultural doctrine. This doctrine was:

Military operations have to respect the world’s cultural heritage. Of course art does not fit into the usual categories of military thinking. But if art is destroyed all of mankind loses its heritage. Therefore if it comes to destruction of art there are no winners, only losers. Culture is worth preserving, even and especially in times of war when the values of human life and society are mistreated.

And we should not forget that parts of the military were not amused of the Monuments Men’s actions. Which made their job even harder.

Nevertheless the MFAA managed to return about five millions works of art to their owners all over Europe.

Ladies and gentlemen, after World War II the United States of America and its allies gave Germany a second chance. I think we took this chance. Germany today is a free, democratic and peaceful nation, a reliable partner in the international community.

Dear Mr. Ettlinger, you yourself gave Germany a second chance, in a very personal respect. Being a Monuments Man you helped to safeguard our culture, to return stolen objects, to restore the rule of law. You were a soldier who did not come to destroy, but to preserve. Who did not come to oppress, but to encourage. Who did not come to take, but to give.

Doing so you have set an example for peace and forgiveness, an example for reconciliation between Germany and its Jewish citizens.

You once said in an interview: “All I wanted was to do a good job.” I can assure you: You did a great job. You did a great job for your new country - and for your old one.

Therefore Ministerpräsident Winfried Kretschmann decided to present to you the “Staufer Medal in Gold”. It is a high and seldom awarded decoration. And it honors not only you but all of the Monuments Men. Many of whom have risked their lives to protect Europe’s cultural legacy.

I congratulate you, also on behalf of the government of Baden-Württemberg and Ministerpräsident Winfried Kretschmann, and I hope you can accept this medal as a symbol for your life coming to full circle.

Concluding: I would like to ask you to do me a favor: Come back to Baden-Württemberg and the Kunsthalle Karlsruhe to look at ‘your’ Rembrandt as often as possible. We would be honored!

I hope we can welcome you again for the celebration of Karlsruhe’s 300 th anniversary next year.

I would like to ask you to come to me now. It is a great pleasure, thrill and honor to present to you the Staufer Medal in Gold! Thank you again for all you did for us.

The Ministry of Science, Research and the Arts Baden-Württemberg wants to thank Dr. Tessa Rosebrock from The Kunsthalle Karlsruhe for her support to this speech as regards content.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg dankt Frau Dr. Tessa Rosebrock für die inhaltliche Unterstützung beim Verfassen dieser Rede.

 

Harry L. Ettlinger, ein Monuments Man mit familiären Wurzeln in Bruchsal

Harry L. Ettlinger. Foto: Martina Schäufele

 


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Kommentare

Raubkunst in deutschen Wohnzimmern. Sensation:Aufklärung online.

Der Monument-Man könnte sich auf seine alten Tage für sein Durchhaltevermögen belohnt werden. Wie die FAZ am 28.5.2014 berichtet, werden die Geschäftsbücher des Kunsthändlers Adolf Weinmüller online veröffentlicht: Die FAZ schreibt, dass die von den "monuments man" geraubten Kunstwerke ("Raubkunst") jetzt online identifiziert und damit auch zurückgegeben werden können. Das Blatt schreibt von einer "Sensation" und einem mutigen Schritt.

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