"Die große Vergiftung"

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DIE ZEIT sieht den Untergang der Debattenkultur durch Blogs und Social Media
Sonntag, 9. Juni 2013 - 17:22
Blogs und Social Media

Gerd Altmann / pixelio.de

Von einem "Debattenklima der Hysterie" durch Blogs und Facebook spricht ein Artikel in der ZEIT. Politiker und traditionelle Medien ließen sich einschüchtern und es sei an der Zeit sich zu wehren. Grund: Der Gesellschaft seien durch die Umgehung der Meinungsfilter, wie sie die Redaktionen von TV und Zeitungen von jeher dargestellt haben, die Filter abhanden gekommen, die Qualität von Nicht-Qualität trennten. Das Internet, das allen das Mitschreiben und damit das Mitreden erlaube, habe somit nicht nur keinerlei Fortschritt in der Debattenkultur gebracht, sondern diese nachhaltig beschädigt.

Zum Artikel in DIE ZEIT

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Kommentare

Debattenklima

"Wird hier, das ist die Frage, noch ein Prominenter," (gemeint ist Hoeness) "der sich mutmaßlich strafbar gemacht hat, von Publikum und Presse in Grund und Boden verdammt, so wie vorher Wulff und Guttenberg und die Bischöfin Käßmann und andere?", fragt die Zeit.

Gegenfrage: Wer hat jahrelang gegen Wulff recheriert, die Fahrt von Frau Käßmann auf allen Kanälen verbreitet, Guttenbergs Aussagen nachgeprüft?

Dass die Bildzeitung beispielsweise jemals auf einen (un)schuldigen Menschen Rücksicht genommen hätte, nicht vorverurteilt hätte, nicht Hass gesät hätte, das wäre mir neu.

"Im Netz und durch das Netz sind der öffentlichen Kommunikation die Filter abhandengekommen. Die technischen Filter, die sozialen, die institutionellen."

Mag sein, aber das ist doch so gewollt. In den Anfängen gab es Moderatoren, die mehr oder minder die Seite sauber von übler Nachrede und Beleidigungen hielten. Die Filter sind nicht einfach abhanden gekommen, es hat sich eine neue Un(Kultur) entwickelt, jeder darf fast alles sagen, was er will.

Jeder Betreiber eines Blogs kann für den Inhalt verantwortlich gemacht werden. Er könnte dafür sorgen, dass beleidigende Inhalte ausgefiltert werden.

Die Frage stellt sich (wenn man beleidigende Inhalte und Verunglimpfungen ausnimmt), ist es für die Gesellschaft besser, ungefilterte Wahrheit vorgesetzt zu bekommen, oder ist sie noch zu unreif und braucht langweilige Debatten im Parlament, ausgewogene und zurückhaltende Kommentare in den Zeitungen, im Radio, im Fernsehen, sterile und weitgehend vorhersehbar Talkshowrunden?

Ehrlich gesagt...

ich benötige kein "Filter" durch die Medien. Was die "Filter" nennen, nenne ich "Manipulation".

Meinung und Meinungsbildung

@Filou

Das Problem ist mindestens zweischichtig

1.) die Medien informieren gerne in skandalträchtiger, weil lukrativer Aufmachung

2.) der Bürger liest und versteht, was er lesen und verstehen will

Ein Beispiel, das mir spontan einfällt:

Behandlungsfehler der Ärzte!

Z.B. der Aufmacher

"WEITERHIN HOHE ZAHL VON BEHANDLUNGSFEHLERN IN DEUTSCHLAND

Rund 23.000 Mal ist dies im letzten Jahr basiert(sic!!), zählt man die Beschwerden bei den Ärztestellen mit."

[Quelle]

deutet eine unglaublich hohe Zahl an Kunstfehlern an, verschweigt aber, dass es jährlich weit mehr als 400 Millionen Behandlungsfälle gibt und somit die Zahl der Fehler in einem lächerlich niedrigen Promillebereich liegt.

Diskutiert man nun, ohne weitere Informationen einzuholen, über das Thema ärztliche Versorgungsqualität, werden sich unschwer Millionen Leute finden, die auf den Ärzten, bzw. ihrer Kunst herumhacken. Und das in diesem Falle völlig zu Unrecht, sofern die Zahl stimmen würde, was niemals der Fall sein kann!

Aber ein angebliches Skandälchen verkauft sich halt besser.

Bevor sich die ZEIT also über eine angeblich nachlassende Debattenkultur aufregt, sollte sie erst einmal die Qualität ihrer journalistischen Arbeit und die ihrer Wettbewerber überprüfen und nicht von Leuten faire Debatten verlangen, die man "zweckdienlich" informiert hat.

Ich bin bestimmt niemand, der Twittbook und Konsorten das Wort redet, aber der Vorwurf der ZEIT ist m.E. nichts als Pfründeschutz und die versteckte Behauptung, es würde dort erstklassige journalistische Arbeit abgeliefert

Nun ja

Manchmal ärgert es den gebildeten Zuschauer, wenn sich (scheinbare Eliten) im TV über Themen streiten, wo diese selbst wenig Ahnung haben, oder von ihren Mitarbeitern vorher mit Infos versorgt wurden, oder ......... Eine Streitkultur wie in den 60ern, als nur Willy Brandt und Herbert Wehner oder FJ Strauss was sagen durften will ich auf alle Fälle nicht zurück.

Wenn ich aber auf Facebook Kommentare lese, dass Leute wg. Der Flutkatastrophe auf den Zug der NPD oder der REP aufspringen, da wünsche ich mir andererseits die Zensur wieder....

Man kann es mir einfach nicht recht machen....

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