Große Sonderausstellung im Schloss Karlsruhe: „Glasmalerei der Moderne. Faszination Farbe im Gegenlicht"

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Freitag, 8. Juli 2011 - 18:57

Badisches Landesmuseum Karlsruhe
9. Juli bis 9. Oktober 2011

 

Jean Cocteau: Probefenster für die Grabkapelle Saint Blaise

Jean Cocteau: Probefenster für die Grabkapelle Saint Blaise des Simples in Milly-la-Forêt, 1958, Glasmalerei D. H. Oidtmann GmbH Littich, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Karlsruhe, 8. Juli 2011 (BLM) - Wie keine andere Kunstgattung kann sie hohe Leuchtkraft entwickeln und das Licht als Element der künstlerischen Darstellung nutzen. Und wie keine andere Disziplin steht sie dabei zumeist im Dienst der Architektur: die Glasmalerei. Dieser Kunst widmet das Badische Landesmuseum Karlsruhe seine neue große Sonderausstellung „Glasmalerei der Moderne. Faszination Farbe im Gegenlicht" (9. Juli bis 9.Oktober 2011). Sie legt den Fokus auf eine ganz besondere Epoche dieser Malerei: das 20. und das 21. Jahrhundert.

Hat sich die Glasmalerei in der Moderne von ihren sakralen Bildprogrammen befreit? Wurde sie zu einer freien Kunstform, die ihre Techniken fortentwickelte und auch im profanen Raum zunehmend an Aufmerksamkeit gewann? Was fasziniert Maler wie Neo Rauch und Gerhard Richter, was Glaskünstler wie Johannes Schreiter, Bernhard Huber oder Raphael Seitz an einer handwerklich aufwändigen Gattung, die durch Farbe und Licht im Raum wirkt?

Diesen Fragen geht die große Sonderausstellung anhand von 95 Exponaten von Leihgebern aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz nach, indem sie erstmals eine Zusammenschau zentraler Kunstwerke moderner Glasmalerei wagt - und mit ihr den epochalen Vergleich. In neun Kapiteln stellt sie die Entwicklungen der sakralen wie profanen Glasmalerei im 20. und 21. Jahrhundert dar und kommt dabei zu mehr als sehenswerten Ergebnissen. Zu den bekanntesten gezeigten Künstlern zählen Karl Schmidt-Rottluff, Otto Freundlich, Johan Thorn Prikker, Frank Lloyd Wright, Theo van Doesburg, Maurice Denis, Georg Meistermann, Otto Dix, Jean Cocteau, Fernand Léger, Le Corbusier, Victor Vasarely, Hans Gottfried von Stockhausen und Emil Wachter, Gerhard Richter, Neo Rauch, Johannes Schreiter und Ludwig Schaffrath.

Auch im 20. Jahrhundert bot der sakrale Raum der Glasmalerei das größte Wirkungsfeld. Im Rheinland erneuerte der Glasmaler Johan Thorn Prikker ab 1910 die kirchliche Glasmalerei, in Paris gründete 1919 der im Symbolismus verwurzelte Maler Maurice Denis sein „Atelier d'Art Sacré"; in der Schweiz der 1920er-Jahre organisierten sich Glaskünstler in der St. Lukasgesellschaft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland im Rahmen des Wiederaufbaus einen enormen Bedarf an Glasmalerei, der Raum für figürliche wie ornamen-tale und abstrakte Kunst bot. Für diese steht Georg Meistermann, dessen Werk zum Inbegriff der Nachkriegsmoderne wurde. In Frankreich sorgte die Bewegung der „Art Sacré" für eine Erneuerung der religiösen Kunst: Sie lud Vertreter der Avantgarde wie Fernand Léger und Le Corbusier ein, Kirchenbauten mit hochrangigen Werken auszustatten. Die Künstler der „Nouvelle École de Paris", unter ihnen Alfred Manessier und Jean René Bazaine, führten diesen Dialog in den 1970er-Jahren fort.

Stockhausen

Hans Gottfried von Stockhausen, Glasbild „Daphne“, 1984, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Mit dem kleinformatigen Glasbild, das in den 1970er-Jahren der Stuttgarter Akademie-Professor Hans Gottfried von Stockhausen entwarf, entstand eine von der Architektur unabhängige Form der Glasmalerei. Die durch Technik, Sujet und Raum im 20. Jahrhundert entstandenen Spielräume regen auch in der Gegenwart zahlreiche Künstler zu ihren individuellen Konzepten an. Bedeutende Künstler wie Bernhard Huber, Raphael Seitz oder Thomas Kuzio schaffen Glasmalereien im sakralen wie im profanen Raum. In Karlsruhe werden ihre Arbeiten erstmals gemeinsam gezeigt. Sie alle eint die Faszination für die Farbe des Lichts.

Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Themenführungen, Museums- und Künstlergesprächen, Werkstattvorführungen, Workshops, Vorträgen und Diskussionen sowie „After Work"-Führungen „Glas & Kunst" außerhalb der regulären Öffnungszeiten entführt die Besucher in das spannende Sujet der Glasmalerei.

Katalog

Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Katalog im Info Verlag, Karlsruhe, zahlreiche Abbildungen und Texttafeln, 272 Seiten, 26,90 Euro, ISBN 978-3-937345-50-5.

Eintrittspreise

Einzelbesucher 8 €, erm. 6 €
Gruppen ab 10 Personen 6 € pro Person
Schüler 2 €
Familien 16 €
Jahreskarte BLM 30 €

Öffnungszeiten

Di - So, Feiertage 10 - 18 Uhr
Öffentliche Führungen (2 €)
So und Feiertage 11 Uhr
Themenführungen (2 €)
31.7., 28.8., 18.9., 11 Uhr
Fremdsprachige Führungen (2 €)
Französisch: Sa, 16.7. / 10.9., 15.15 Uhr 6.8., 18.30 / 19.30 Uhr (KAMUNA)
Englisch: Sa,13.8., 15.15 Uhr
Weitere Sprachen auf Anfrage | Saaltexte in deutscher Sprache

Schulklassen: Anmeldungen für Führungen und Aktionen:

Tel.: 0721 / 926 6520

Fax: 0721 / 926 6549

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