Große Sonderausstellung „Kykladen - Lebenswelten einer frühgriechischen Kultur“

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| Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Schloss 17.12.2011 – 22.4.2012 | Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Zentrum für Altertumswissenschaften der Universität Heidelberg.
Sonntag, 6. November 2011 - 17:45

Auf einer Inselgruppe inmitten der Ägäis wurde vor 5000 Jahren ein neues Kapitel der europäischen Menschheitsgeschichte aufgeschlagen. Mit der Kultur der Kykladen begann ein neues Zeitalter, das schließlich den gesamten europäischen Raum prägte: die Bronzezeit.

Fundgruppe Thera

Fundgruppe „Thera“: zwei Harfenspieler aus Marmor, zwei kleine Marmorkelche, eine Marmorschale, Frühkykladisch II (2700-2300); angeblich gemeinsam gefunden auf der Insel Thera, ehemals Sammlung Maler, seit 1853 in der Karlsruher Sammlung.

Auslöser dafür war die Einführung technischer Innovationen, welche die Lebensumstände auf den zahlreichen Inseln maßgeblich veränderten: darunter die Verwendung des neuen Rohstoffs Bronze für Werkzeuge und Waffen. Die Kenntnisse erwarben sich die Kykladenbewohner durch den regen Austausch mit benachbarten Völkern. Die Reisen zu ihnen unternahmen sie mit ihren Langbooten, mit denen sie nicht nur von Insel zu Insel, sondern sogar bis zur Küste Kleinasiens fuhren.

Berühmt ist die Kultur der Kykladen für ihre wunderbaren Idole aus Marmor, deren abstrakter Stil große Künstler der Moderne wie Picasso und Brancusi faszinierte. Heute weiß man von den Idolen, dass sie einst bemalt waren. Doch welchen Zweck erfüllten sie? Mit dieser und anderen Fragen hat sich die archäologische Forschung jüngst beschäftigt. Die beeindruckenden Ergebnisse werden in der Ausstellung erstmals anhand von bedeutenden Exponaten aus ganz Europa vorgestellt. Es entsteht ein neues Bild der Kykladen, in dem sich Kunst und Kultur konkret mit der Frage nach den damaligen Lebenswelten verbindet.

 

Zum Konzept der großen Sonderausstellung in Karlsruhe:

Kykladen. Lebenswelten einer frühgriechischen Kultur“

Dr. Katarina Horst, Dr. Bernhard Steinmann, Kuratoren

1. Inseln und Idole: Die Kykladen. Melos, Naxos, Paros

Der Hellas-Reisende weiß: Griechenland besteht, geographisch gesehen, nahezu ausschließlich aus Bergen, Meer und Inseln. In seiner neuen Sonderausstellung befasst sich das Badische Landesmuseum eben damit – mit Bergen, deren Spitzen aus der Meeresoberfläche der Ägäis ragen und Inseln bilden. Diese wiederum sind um die Insel Delos kreisförmig gruppiert, weswegen diese Inselgruppe schon in der Antike den Namen Kykladen erhielt – von griechisch Kyklos, Kreis.

Die Kykladen sind karge, regenarme, sonnige, isolierte Inseln, die nahezu ganzjährig von heftigen Winden umweht werden. Auf diesen Inseln traten Objekte zu Tage, die nicht nur die archäologische Fachwelt staunen ließen, sondern auch das Interesse der Öffentlichkeit erregten: Menschengestaltige Idole, gefertigt aus Marmor, wurden zu Hunderten, ja Tausenden, auf diesen Inseln gefunden. Bis heute sind 1600 Kykladenidole bekannt, doch ist davon auszugehen, dass es sehr viel mehr waren. Bald nach ihrer Entdeckung wurde klar, dass man es mit Artefakten einer vorhistorischen Kultur zu tun hatte. Heute setzt man die Kernzeit dieser Kultur in der frühen Bronzezeit zwischen 3100–2000 v. Chr. an.

Griffschale

Griffschale („Kykladenpfanne“) aus Chloritschiefer mit komplexem Spiralmustervauf der Unterseite, Frühkykladisch II (2700-2300)

Bevor wir uns mit den Idolen näher befassen, kommen wir noch einmal auf den Anfang zurück: Man fragt sich, was die Menschen der Prähistorie dazu verleitet hat, diese Inseln zu besiedeln. Eine Ursache könnten die Bodenschätze, etwa der Obsidian, gewesen sein. Obsidian ist ein vulkanisches Produkt, das wie zu Stein gewordenes Glas aussieht, und das, wenn man es bricht, sehr scharfe Kanten hervorbringt. Es war ein wichtiges Schneidewerkzeug in einer Zeit, in der das Herstellen von Metallklingen noch unbekannt war. Die Insel Melos, die westlichste der Kykladen, ist Lieferant für den Obsidian, der dort im lockeren Gestein an den Abhängen ansteht und aufgesammelt werden kann. Obsidianklingen findet man auch in weiten Gebieten Kleinasiens – Melos besaß also ein wichtiges Handelsgut. Ein weiterer Bodenschatz war etwa das Silberblei auf Siphnos.

Die zentralen Kykladeninseln Paros und Naxos sind für ihren außergewöhnlich qualitätvollen Marmor bekannt. Aus ihm fertigten die Menschen des 3. Jahrtausends v. Chr. Gefäße und auch jene Marmoridole, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts wegen ihrer „abstrakt-schematischen Form“ hoch geschätzt sind.

2. Das Badische Landesmuseum und seine Sammlung

Seit etwa 1840 brachten Griechenlandreisende von den Kykladeninseln die ersten Beispiele der urtümlichen Marmoridole mit, die zunächst als „kleine Scheusale aus Marmorsplittern“ gescholten wurden. An ihren Fundorten wurden gegen 1900 Ausgrabungen mit wissenschaftlichen Methoden unternommen. Erst die modernen Künstler haben die Schönheit dieser Werke entdeckt; Picasso schwärmte, solche Idole seien „noch schöner als ein Werk von Brancusi“, den er selbst als Bildhauer seiner Zeit hoch schätzte. Das Badische Landemuseum besitzt eine der traditionsreichsten und ältesten Sammlungen von Kykladenidolen außerhalb Griechenlands mit zahlreichen bedeutenden Stücken.

3. Die Kykladen-Ausstellung 1976 im Badischen Landesmuseum

Bereits 1976 organisierte das Badische Landesmuseum eine große Kykladenausstellung mit dem Titel „Kunst und Kultur der Kykladen“. Die Ausstellung fand große Beachtung. Dem Zeitgeist der 1970er-Jahre entsprechend, nahm sie eher eine kunsthistorische Position ein: Es galt, Objekte in Typen zu ordnen, Bildhauerhänden zuzuweisen und eine chronologische Einteilung aufzustellen. Das Betrachten der abstraktschematischen Figuren diente dem ästhetischen Genuss und der geistigen Erbauung.

Dreiergruppe

Dreiergruppe: zwei männliche Kykladenidole tragen ein weibliches, Marmor, Frühkykladisch II (2700-2300)

Die Figuren erfuhren eine künstlerische Renaissance, nachdem sie von großen Künstlern der Moderne wie Picasso und Henry Moore hoch geschätzt und zum Teil selbst gesammelt worden waren. Arbeiten dieser und anderer Künstler, die sich von Kykladenfiguren inspirieren ließen, werden im Badischen Landesmuseum präsentiert.

Allerdings fand man die Figuren der Kyklaen nicht immer vorbildhaft schön. In einer Textpassage aus seinem Vortrag von 1878 beschreibt der Altphilologe Ulrich Köhler einen eben gefundenen Kopf der Insel Amorgos, der sich heute im Athener Nationalmuseum befindet:

Es ist ohne weiteres klar, dass dieser abstossend hässliche Kopf von einem besonders grossen Exemplar jener primitiven Marmorfiguren stammt, die vor allem von den Kykladen bekannt sind.“

Die Gelehrten des 19. Jahrhunderts stießen auf die Überreste der Kykladenkultur, als sie auf der Suche nach den Wurzeln, der „Stammeszugehörigkeit“ der großen Griechen der homerischen Epen, waren. Sie konnten die vorhellenischen Objekte noch nicht zuordnen. Trotzdem schenkte man ihnen Beachtung. Unter den Forschern dieser Epoche ist Friedrich Thiersch für das Badische Landesmuseum besonders wichtig. Er verkündete bei einem Vortrag in der Sitzung der ersten Classe der königlichen Akademie der Wissenschaften am 4. Mai 1834:

“Ich erwarb bei meinem Aufenthalte (in Griechenland) daselbst zwei Bilder
(Figuren) aus parischen Gräbern von ganz eigentümlicher, barbarischer Gestalt, ein männliches und ein weibliches, von denen jedes eine kleine Figur
von gleicher Beschaffenheit auf dem Kopfe sitzen hat. Sie sind von dem in
Paros einheimischer Marmor, und gehören offenbar jener vorhellenischen
Zeit an. Daher erachte ich für zweckmäßig, diese Gelegenheit zu benutzen,
und sie hier als eines der ältesten Denkmale der auf griechischen Boden
schon von vorhellenischen Stämmen versuchten Sculptur bekannt zu machen.“

kykladenidol

Kykladenidol, Marmor, Frühkykladisch II (2700-2300), ehemals Slg. Thiersch, seit 1860 in der Karlsruher Sammlung

 Thiersch irrte mit der Angabe, dass beide Figuren eine weitere auf dem Kopf hätten; nur eine war so beschaffen. Er legte die Figuren in einem Aquarell vor. Diese Figuren wurden 1860 der Großherzoglichen Sammlung in Karlsruhe übergeben und sind bis heute hier ausgestellt. Sie stellen die ältesten Stücke der Kykladensammlung dar, zusammen mit den beiden berühmten Harfenspielern aus der Sammlung von Friedrich Maler, der die Figuren 1840 in Italien erwarb. Die Entdeckungsgeschichte der Kykladenkultur wird ebenso Thema der Ausstellung sein wie die Geschichte vom Sammeln von Kykladenobjekten; auch das Thema Raubgrabungen und illegaler Kunsthandel wird nicht umgangen.

4. Bemalungen, Rituale, Lebenswelten: Die neue Kykladen-Ausstellung

Die neue Ausstellung im Badischen Landesmuseum befasst sich, wie es der Untertitel sagt, auch mit den „Lebenswelten“ der Kykladenbewohner des 3. vorchristlichen Jahrtausends. Das Hauptaugenmerk gilt den Fragen: Wovon haben die Menschen damals gelebt? Was haben sie gegessen? Was haben sie hergestellt? Womit und mit wem haben sie gehandelt, und wie sind sie dorthin gekommen? Wo und wie haben sie gewohnt, woran haben sie geglaubt, und wie sahen ihre Kulte aus?

Glauben und Kult in der Kykladenzeit bilden einen Schwerpunkt der Ausstellung. Schon immer haben die Sammler und wissenschaftlichen Bearbeiter gewusst, dass einige Gefäße und Figuren der Kykladen Farbspuren aufweisen – so auch zwei Figuren des Badischen Landesmuseums. Der Kopf des Kykladen-Idols (70/550) zeigt Punkte rechts und links der Nase und Lockensträhnen auf dem Hinterkopf. Und auch der Kopf des großen Idols (75/49) weist Spuren einer ehemaligen Bemalung auf:  das linke Auge mit Pupille, die Augenbraue und die Haarkappe sind noch zu erkennen. Es sollen noch mehr Figuren mit sehr gut erhaltenen Farbspuren in der Ausstellung gezeigt werden, anhand derer die Frage gestellt wird: Warum wurden die Figuren bemalt? Spiegeln sie wider, was die Menschen an Ihren eigenen Körpern vorgenommen haben, etwa Körpermalerei, Tätowierung? Waren die Idole ausschließlich als Grabbeigabe gedacht? (Dort hat man sie hauptsächlich gefunden.) Oder hatten sie vorher noch eine andere  Verwendung, und wenn ja, welche? Die Bemalungen sind in drei Kategorien einzuteilen und drei Zwecken zuzuordnen:

Kykladen-Idol

Kykladenidol mit einst bemaltem Auge

 Nach Fertigstellung einer Figur, die von spezialisierten Handwerkern mit äußerster Vorsicht und großem Aufwand betrieben wurde, wurde die Figur mit dem Auftragen der Augen quasi zum Leben erweckt. Verblich mit der Zeit die Wiedergabe der Augen, so erneuerte man die Malerei, auch wenn sie nicht an der gleichen Stelle wie die ursprüngliche saß.

Wenn die besitzende Person einen neuen gesellschaftlichen Status bekam, etwa, wenn sie verheiratet wurde, erhielt sie eine Punkttätowierung im Gesicht. Ebenso wurden Attribute des neuen Status angegeben, wie Diademe, Halsketten oder Armschmuck. Diese Punkte und Schmucksachen sind auf den Idolen sehr sorgfältig aufgetragen.

Eine dritte Kategorie der Bemalung zeichnet sich durch fahrige, unpräzise Linienführung, schnell verbleichende Farben und flüchtig aufgemalte Motive unterschiedlichster Art aus: Zickzacklinien, parallele Streifen, Augen auf unterschiedlichen Stellen des Körpers.

Vermutlich wurden die Figuren bei Ritualen benutzt, die man bei bestimmten Anlässen beging, zum Beispiel einschlägigen Ereignissen wie Hochzeit, Geburt, Tod, Krankheit, Wiederkehr nach langer Fahrt, besonderen Naturerscheinungen. Während der Rituale wurden die Figuren (und eventuell auch die Menschen) bemalt, vielleicht sogar von einem Priester oder Schamanen (Medizinmann).

harfespieler

Zwei frühkykladische Marmorfigurinen, die Harfenspieler darstellen; 2700-2400 v. Chr. Foto: Badisches Landesmuseum

Wie sahen die Figuren in der Antike tatsächlich aus, wenn sie bemalt waren? Das Badische Landesmuseum wagt das Experiment und wird beide Figuren in einer farbigen Rekonstruktion zeigen: aus naxischem Marmor angefertigte Duplikate werden die mineralischen Farben aus Azurit, Zinnober und Kohle tragen, an den Stellen, an denen Farbe nachgewiesen ist, und darüber hinaus noch an anderen Stellen. In einer multimedialen Schau werden alle bisher bekannten Malereien auf Kykladenidolen präsentiert, um das breite Spektrum der Bemalungstypen darzustellen.

5. Provenienzen und Grabkomplexe: Das Rätsel der Idole

Die Artefakte der Kykladenkultur stammen zum größten Teil aus dem Kunsthandel, aus alten Erwerbungen und leider auch von illegalen Ausplünderungen antiker Friedhöfe. Das Badische Landesmuseum wird erstmals einen der wenigen Grabkomplexe, sonst auf zwei Museen verteilt (Ashmolean Museum in Oxford und Nationalmuseum in Kopenhagen) komplett darstellen. Es handelt sich um ein reiches Grab der späten Kykladenzeit: Grab G von Arkesine auf Amorgos. Gezeigt wird auch das enorm reiche Grab D von Kapros, ebenfalls Amorgos, mit seiner kostbaren Silberschale. In Aussicht steht noch eine weitere berühmte und reiche Grabausstattung aus Amorgos, Grab 14 von Dokathismata, das von dem bekannten griechischen Archäologen Christos Tsountas 1895 ausgegraben wurde.

Die Kultur der Kykladen ist trotz der intensiven und fruchtbaren Forschungsarbeit der vergangenen Jahre in vielen Bereichen noch ein Rätsel. Was für eine Verwendung hatten zum Beispiel die flachen und reich verzierten Griffschalen, die unter der Bezeichnung „Kykladenpfannnen“ bekannt geworden sind? Wie konnten die Menschen in dieser frühen Zeit aus dem Material Marmor eine Vielzahl an Figuren herstellen, die so zeitlos schön und quasi nach der Regel der Harmonie genormt erscheinen, dass man unweigerlich zu dem Ausspruch gelangt: die „Klassik der Griechen begann im 3. vorchristlichen Jahrtausend“? Warum verschwand die Kultur der Kykladen so sang- und klanglos im Nichts? Solche Fragen werden in der Ausstellung diskutiert und Lösungen angeboten.

Becher

Großer Becher aus Marmor, typisch für die Stufe Frühkykladisch I (3200-2800)

 6. Rezeption der Kykladen-Kultur in der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts

Neben der Darstellung der neuesten archäologischen Erkenntnisse wird auch die Forschungs- und Rezeptions-geschichte der Kykladenkunst ein großes Thema der Ausstellung sein. Noch im 19. Jh. wenig geschätzt, wurden im 20. Jh. mit der wachsenden Beliebtheit der abstrakten Kunst die Kykladenidole zu regelrechten Ikonen für ursprüngliches, abstraktes Kunstschaffen. Davon ließen sich auch große Künstler wie Henry Moore oder Pablo Picasso beeinflussen. Wie die abstrakte Formgebung des Kykladenidols Einfluss auf modernes Kunstschaffen hatte und den Zeitgeschmack unserer Epoche soweit traf, dass diese Artefakte einer vergangenen Zivilisation ihre Betrachter immer noch ansprechen, soll durch zahlreiche Beispiele vor Augen geführt werden. Originalwerke von Henry Moore, William Turnbull, Hans Arp, Alexander Archipenko, Lothar Fischer und Wilhelm Loth sind zu sehen und stehen in direktem Dialog mit ihren prähistorischen Vorbildern.

Arp Idol

Hans Arp, Holzschnitt „Idol“ von 1961; Arp Museum Bahnhof Rolandseck

7. Leihgaben und Gestaltung: Internationale Exponate der neuen Ausstellung

Dank seiner Sammlung besitzt das Badische Landesmuseum bereits bedeutende Exponate. Weitere wichtige Objekte aus deutschen Sammlungen (Berlin, München, Dresden und Bonn) sowie aus dem europäischen Ausland (Oxford, Kopenhagen und Paris) werden präsentiert. Darüber hinaus hat sich das Badische Landesmuseum das ambitionierte Ziel gesetzt, die wichtigsten Objekte aus griechischen Museen zu zeigen, so aus dem Kykladenmuseum in Athen, aus dem Benaki Museum und dem Nationalmuseum in Athen mit seiner außerordentlich reichen Sammlung. Auch die Museen auf den Kykladeninseln Naxos, Syros und Melos wurden um wichtige Stücke angefragt.

Die Ausstellung wird durch große textile Fahnen strukturiert. Drei attraktive Modelle werden zu sehen sein: die Rekonstruktion eines Kykladenschiffs und der Siedlung „Kastri“ auf Syros sowie ein Oberflächenmodell der Ägäis und der Kykladen. Das erste Modell vergegenwärtigt, dass sich die Menschen in schmalen langen Paddelbooten zwischen den Inseln bewegten und sogar die Küsten Kleinasien und des griechischen Mutterlandes damit erreichten. Diese Schnellboote konnten mit bis zu 40 Männern besetzt werden und dienten wohl nicht dem Warentransport, sondern zu Exkursionen oder Raubzügen. Dass die Zeiten alles andere als friedlich waren und die Kykladen keine „Inseln der Seeligen“, zeigt das zweite Modell. Es rekonstruiert „Kastri“ auf Syros, das einer Festung gleicht: In einem mit Mauern stark befestigten Gipfel wohnte die Bevölkerung, allzeit bereit, sich vor Raubzügen zu schützen. Den weiten steinigen Weg zu den fruchtbaren Äckern musste man in Kauf nehmen. Das Oberflächenmodell der Ägäis und der Kykladen, führt mit einer Beamer-Animation den Besuchern die Naturgegebenheiten der antiken Zeit vor Augen, wie damals der Meeresspiegel stand, wie die Winde wehten, wie die Seefahrtrouten angelegt waren etc.

Kastri

Holzmodell der Siedlung Kastri auf der Insel Syros im Maßstab 1:200. Stark befestigte Höhensiedlungen dieser Art sind typisch für die Kykladen um 2300 v. Chr. (Frühkykladisch II/III), dem Ende ihrer Blütezeit. Gebaut von B. Steinmann 2011

 Das Modell des Kykladenschiffs und das Ägäis-Oberflächenmodell sind Teile einer kleinen Ausstellung, die derzeit im Antikenmuseum der Universität Heidelberg gezeigt wird und die Ergebnisse einer Forschungsarbeit des Archäologischen Instituts zum Thema „Seefahrt in der ägäischen Bronzezeit“ präsentiert. Teile dieser akademischen Ausstellung werden in die große Karlsruher Kykladenausstellung integriert. Wie eine „Insel der Wissenschaft“ präsentiert sich der Ausstellungsteil und gibt dem Besucher Einblicke in die aktuelle Forschungsarbeit der Universität. Mit dem Archäologischen Institut der Universität Heidelberg pflegt das Badische Landesmuseum eine langjährige Kooperation zur praxisnahen Ausbildung der Studenten und damit des Nachwuchses für die Kustodenarbeit. Auch zur aktuellen Ausstellung wird ein gemeinsames Seminar durchgeführt. Die Ergebnisse der Studenten werden in der Ausstellung als Saaltexte präsentiert.

 

Das Begleitprogramm zur Sonderausstellung in Karlsruhe:

Kykladen. Lebenswelten einer frühgriechischen Kultur“

Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Schloss

17.12.2011 – 22.4.2012

Werkstattgespräche

Aktenzeichen: Antikenhehlerei und Geldwäsche ungelöst

mit Polizeioberkommissar Eckhard Laufer, HLKA Wiesbaden. – Die nicht geklärte Herkunft archäologischer Objekte beschäftigt immer wieder Zoll, Polizei, Staatsanwaltschaft und die Medien. Der Vortrag skizziert – basierend auf polizeilichen Erkenntnissen – Indizien für eine illegale Herkunft, den Weg der „heißen Ware“ und die Rolle bestehender Kulturgüterschutzgesetze. Do, 26.1., 19 Uhr, 4 € / erm. 3 €, Gartensaal.

Einem Restaurator über die Schulter geschaut

mit Detlef Sippel, Fachrestaurator Metall sowie Europäische Ethnologie und Technikgeschichte, BLM. – Das Aufgabengebiet eines Restaurators ist vielseitig: die Arbeit mit kostbaren Originalen, die Herstellung von Kopien, das Präsentieren der Exponate in der Ausstellung oder die Betreuung von Kurieren – viele knifflige Probleme, die schlaue Lösungen verlangen, prägen den Berufsalltag. So, 12.2., 16 Uhr, Kosten: Eintritt in die Ausstellung.

Diebe – Fälscher – Hintermänner: Der Handel mit Kunst und Fälschungen

mit Kriminalhauptkommissar Ernst Schöller, LKA Stuttgart. – Da die Zahl begehrter Kunstwerke begrenzt ist, haben Fälscher „Hochkonjunktur“. Der Vortrag beleuchtet die internationalen Verflechtungen des Kunstmarktes und zeigt die Verbindungen zum Handel, den Auktionshäusern, zu den Gutachtern und sogenannten Experten auf. Abschließend wird ein kleiner Leitfaden vermittelt, worauf man beim Kunstkauf achten sollte. Do, 8.3., 19 Uhr, 4 € / erm. 3 €, Gartensaal.

Von der Ritzzeichnung zum Bootsmodell

mit Diplom Designer Thomas Guttandin, Hattersheim. – Nur durch Ritzzeichnungen und einfache Tonmodelle wissen wir von der Existenz frühkykladischer Langboote. Doch viele Fragen dazu sind ungelöst. Thomas Guttandin stellt am Modell seinen Rekonstruktionsansatz vor. Ihm lieferte der Blick in vergleichbare maritime Kulturen Antworten zum Bau der bronzezeitlichen Schiffe. So, 1.4., 16 Uhr, Kosten: Eintritt in die Ausstellung.

Vorführung: Von wegen weiß! Die Farbigkeit der Idole

Im „Haus der Inseln“ zeigt Kira Kokoska M.A. verschiedene Varianten der Farbherstellung und welche Motive auf den Idolen zu finden sind. So, 8.1., 5.2., 4.3., 8.4., jeweils 15.30 Uhr, Kosten: Eintritt in die Ausstellung.

 

Events

Exklusive Abende

Ein intensives Eintauchen in die Inselwelt der Kykladen: Außerhalb der regulären Öffnungszeiten führt der antike Geschichtsschreiber Strabon die Besucher auf unterhaltsame Weise in die Kykladenkultur der Bronzezeit ein. Danach gibt es im Schlosscafé Spezialitäten aus der griechischen Küche zu genießen. Fr, 6.1., 27.1., 10.2., 24.2., 9.3., 30.3., 13.4., jeweils 18.30 Uhr Kosten: 40 € pro Person. Infos und Buchung: Tel. 0721 / 926 6517 oder events [at] landesmuseum [dot] de

Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien

Haus der Inseln – Aktionsraum

Hier können Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf spielerische oder experimentelle Art und Weise mehr über Seefahrt, Rohstoffe oder die Verwendung der Kykladenpfannen erfahren. Die Besucher arbeiten in Speckstein, bemalen Idole oder stellen eine Panflöte her. Zur Faschingszeit können Masken aus Papier gestaltet werden. Termine: www.landesmuseum.de

Familienführungen

Sa, So, Feiertage 14.30 Uhr täglich in den Schulferien Baden-Württembergs 14.30 Uhr

Winterweiße Idole

Bauen von „Schnee-Idolen“ auf der Wiese vor dem Schloss. Infos und Termin unter: www.landesmuseum.de

Workshops

Workshop: Inseln voller Geheimnisse

Wir erforschen die Welt der Kykladen (7-10 Jahre) mit Alexandra Neuner M.A. und Ute Schmidt-Kuhn, Keramikerin Sa, 28.1.12, 14-16.30 Uhr Infos und Anmeldung unter www.vhs-karlsruhe.de

Osterferienaktion

Auf zu den Kykladen (8-12 Jahre) Mit Sabine Massoth M.A. 10. – 13.4.12, 9.30 – 13 Uhr

Infos und Anmeldung: 0721/926-6520 oder www.landesmuseum.de


Geburtstag im Museum

Dauer: 2,5 Std., max. 15 Kinder Kosten: Di - Fr 65 € / Sa, So, Feiertage 75 €, zzgl. Materialkosten pro Kind Infos und Anmeldung: 0721/926-6520 oder www.landesmuseum.de

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