Gibt es Megalithmonumente im Kraichgau, Zabergäu und Stromberg?

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Steinerne Stufenpyramiden: Eine Weltsensation, die von der staatlichen Archäologie noch nicht begriffen wird
Samstag, 10. Juli 2010 - 14:23

Die alten Kulturlandschaften Stromberg-Heuchelberg, Zabergäu und Kraichgau zeichnen sich durch einen Reichtum an Kulturschätzen aus, der einzigartig ist. Denn dieser Reichtum reicht in seinen Anfängen nachweislich der archäologischen Forschungen weit in die Jungstein- und Bronzezeit zurück.

Versetzen wir uns einmal in die Ursprünge unserer Zivilisation, als die Metallurgie sich zu entwickeln begann und die wertvollen Roh- und Halbstoffe erstmals über weite Entfernungen hinweg gehandelt wurden. Zinn aus Cornwall in Wales und Kupfer aus dem Erzgebirge mussten zusammengebracht werden, um die wertvolle Bronze zu legieren, die dann – nachweislich der Isotopen-Bestimmung – bis ins rohstoffarme Ägypten transportiert wurde.

Keiner denkt, dass ausgerechnet die Gegend zwischen Schwarzwald und Stromberg die entscheidende Region in diesem interkontinentalen Netz von Handelsrouten darstellte.

Vermutlich schon im Neolithikum kamen Kaufleute über das Mittelmeer, landeten im antiken Massilia (Marseille), zogen entlang der Rhone und durch die Burgundische Pforte ins Rheintal und weiter nach Norden. Über 160 km hinweg hinderten sie die Höhenzüge des Schwarzwalds nach Osten, also nach Zentraleuropa und zu den Kupferminen des Erzgebirges vorzudringen. Erst im Kraichgau, der schon seit der Jungsteinzeit dank seiner fruchtbaren Böden dicht besiedelt war, im Pfinzgau, Kraichgau, Enzgau und Zabergäu gibt es eine erste halbwegs ebene Lücke in der Landschaft, welche die Weiterfahrt mit Scheiben- oder auch schon Speichenrädern ermöglichte.

Gerade Bruchsal dürfte das Tor zum Kraichgau gewesen sein. Entlang des Saalbachs gelangte man mit den Fuhrwerken ebenerdig bis nach Maulbronn, das sich nun als prähistorisches Zentrum der südwestdeutschen Pyramidenkultur herausstellt. Bruchsal gibt mit seinem Namen schon die ursprüngliche Bedeutung zu erkennen. Hier öffnet sich ein großer Saal bzw. Raum, in dem sich Brüche, Steinbrüche befinden. Und gerade diese, bis jetzt verkannten Steinbrüche rücken nun ins Zentrum des archäologischen Interesses.

Wer in dieser Region regierte, konnte durch Zölle enormen Reichtum anhäufen. Außerdem verfügte man durch die Eisenerzminen im benachbarten Schwarzwald (z. B. Neuenbürg) über das effektivste Metall überhaupt, das wehrtechnisch zudem die größten Vorteile bot.

Eisen ermöglichte aber überhaupt erst die Bearbeitung von Stein im großen Stil. Alle Hochkulturen sind aufgrund ihrer steinernen Monumente (Paläste, Tempel, Mausoleen, Pyramiden, etc.) bekannt. Ausgerechnet von den Kelten, den Meistern der Eisenverhüttung und -verarbeitung sind aber außer gallischen Mauern keine steinernen Bauten bekannt. Ein großes Rätsel der Archäologie!

Wer jedoch glaubt, dass ein angeblicher Keltenfürst, wie der von Hochdorf, der zwar über goldene Trinkhörner und Kleider aus chinesischer Seide verfügte, mit seinem irdenen Grabhügel das Non-Plus-Ultra dieser Zeit darstellt, der dürfte sich dennoch täuschen.

Es gibt Relikte in den Steinbrüchen unserer Landschaften, die nach jahrzehntelanger Erforschung, nach internationalem Standard der Archäologie und natürlich vom gesundem Menschenverstand her eigentlich nur als Pyramiden bezeichnet werden können, so groß und gewaltig sind diese Bauwerke.

Forschungen kann zwar jedermann durchführen, das garantiert uns das Grundgesetz. Eine andere Frage ist, ob die Ergebnisse auch allgemein anerkannt werden. Man denke an die alternativen Heilmethoden in der Medizin, die von der Schulmedizin oft immer noch angefeindet werden.

Ähnlich verhält es sich in der Archäologie. Das hört sich nach einer Glaubensfrage an. Doch tatsächlich ist das größte Hindernis der wissenschaftliche und kulturelle Provinzialismus unserer föderalen Republik. Die Landesdenkmalämter sind finanziell und personell meist völlig unterversorgt und überwiegend nur mit Notgrabungen beschäftigt um zu retten, was gerade noch zu retten ist. Neue Projekte oder Kooperationen über die Landesgrenzen hinweg sind deshalb – notgedrungen – eher selten. Baden-Württembergische Archäologen müssen sich auch nicht mit den Megalithmonumenten Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns beschäftigen und haben deshalb wenig Vergleichsmöglichkeiten, wenn ihnen ähnliche Bauwerke plötzlich hierzulande, z. B. in Schmie bei Maulbronn, gezeigt werden (Bild 1 = Sylt, Bild 2 = Schmie). Entsprechendes gilt in/für Bayern.

Denghoog

 

Schmie Cairn V Totale Portal

Das Gangportal in der Mitte ist bis fast unter die Decke verschüttet

 

 

Bauliche Strukturen in Steinbrüchen des Kraichgaus und Zabergäus und darüber hinaus, deren tatsächliches Alter viel höher zu sein scheint, als die dörfliche Überlieferung zu wissen meint, werden von Mitgliedern der Cairn-Forschungsgesellschaft zum Teil schon seit 1990 erkundet und jetzt auf www-megalith-pyramiden.de der Internet-Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Es handelt sich um große Aufschichtungen von Bruchsteinen und Steinplatten, die ganz erstaunliche Höhen (30 m und mehr) und maximale Ausdehnungen (250 – 470 m) erreichen können. Ein schönes Beispiel ist Cairn IV der Steingrube in Schmie, der eine Länge von über 80 m und eine Höhe von über 10 m hat (Bild 3 = Cairn IV Schmie). Diese Bauwerke findet man hier tatsächlich nur in Steinbrüchen. Also denkt jeder, da erodierte Steine und Humus auf den Mauern liegt, es handle sich um Abraumhalden. Das ist auch die Meinung der Landesdenkmalämter.

Cairn IV in Schmie

 

Doch das ist, gelinde gesagt, völliger Schwachsinn. Schutthalden sind, wie das Wort schon sagt, geschüttet und nicht aufgemauert. Wenn zwischen Sand und Geröll dort Steine zu finden sind, liegen diese schräg auf der Halde und nicht im horizontalen Mauerverbund. Jeder, der eine dieser fraglichen Hügel inspiziert, erkennt sofort, dass hier kein Schutt vorhanden ist sondern Bruchsteine ordentlich gesetzt und aneinander gefügt wurden, und dass diese Hügel nur aus Mauerwerk bestehen und sonst gar nichts. Schutt liegt, wenn überhaupt, nur auf diesen Mauern, und diese können jederzeit von jedermann freigegraben werden. Man versteht als Laie, und natürlich erst recht als Privatforscher, nicht, wie die Landesarchäologie sich derart irren konnte. Den einmal gemachten Fehler eingestehen will man offenbar auch nicht. So macht man sich lächerlich, ohne Ende.

Wie Cairns in anderen Ländern Europas haben auch diese Megalithmonumente Grabgänge und -kammern. Alle architektonischen Charakteristiken der Mauer- und Grabgangkonstruktionen weisen darauf hin, dass es sich um diese Grabform des Megalithikums handelt. Der Begriff „Cairn“ stammt aus dem keltischen Sprachsubstrat des Kontinents und bezeichnet sowohl in Frankreich als auch in Großbritannien große steinerne Grabbauten der Jungstein- und Bronzezeit, die mit Ganggräbern ausgestattet sind und eine Art von Stufenpyramiden des Nordens darstellen. Das Wort scheint sich auch im deutschen Sprachraum von der Keltenzeit bis heute überliefert zu haben. Kärner heißt heute noch das Beinhaus, insbesondere in Österreich, ein starker Hinweis, das tatsächlich jede betretbare Kammer eines „Kärns“ einst mit Skeletten belegt war. Gewöhnen wir uns dennoch an Cairn, denn das ist die internationale Schreibweise und ein archäologischer Fachterminus.

Vor allem die Franzosen vergleichen ihre Cairns gerne mit den Königspyramiden Ägyptens, da ähnliche, wenn nicht übereinstimmende Bau- und Konstruktionsprinzipien festgestellt wurden. Schöne Beispiele sind der Stufen-Cairn von Bougon in der Bretagne (Bild 4 = Bougon) – Teil einer größeren Nekropole – und der Stufen-Cairn von Mousseaux (Bild 5 = Mousseaux).

Stufenpyramide in Bougon

 

Stufenpyramide in Mousseaux

 

Weltbekannt ist auch das Megalithmonument New Grange in Irland (Bild 6 = New Grange).

 

Megalithmonument New Grange

 

Unsere Cairns jedoch wurden überwiegend nicht in der Ebene sondern, da die Landschaften ja überwiegend hügelig sind, auf Felsterrassen errichtet, d. h. in die Berghänge hinein gebaut und zwar immer an deren Rand, an allerhöchster Stelle, wo sie atemberaubende Blicke in die Landschaft boten (und immer noch bieten). Das macht verständlich, dass man den Eindruck von Steinbrüchen erhält, vor allem, da die ursprünglichen Felswände sehr oft seit dem Mittelalter zu regulären Steinbrüchen erweitert wurden.

Es ist eigentlich nicht nachzuvollziehen, dass man unseren Vorfahren, den Kelten und auch den Kulturen davor, den Abbau von Stein und seine Verarbeitung zu baulichen Zwecken nicht zugesteht, da doch die Öffnung eines Steinbruchs bergbautechnisch gesehen sich nicht viel unterscheidet von der Öffnung einer Erzmine. Für beide Unternehmen sind Steine brechende Werkzeuge nötig, die also offenbar vorhanden waren. Kupfer- und Zinnabbau sind seit der Jungsteinzeit in Nordeuropa nachweisbar, Eisenerzminen seit der Keltenzeit. Viele kommerzielle und zwischenzeitlich wieder aufgegebene Steinbrüche der Gegenwart dürften also aus ursprünglichen Felsgräbern entstanden sein. Dort, wo die ursprünglichen Felswände noch stehen, finden wir Hinweise auf eine der ältesten Hochkulturen. Die Felsoberfläche ist nämlich, wie z. B. in der Zwerchhälde von Sternenfels (Bild 7 = Felswand), durchgehend über eine Höhe von mehr als 10 Metern mit Meißeln geglättet, ein Vorgehen, das man sich steinbruchtechnisch nicht vernünftig erklären kann.

Felswand mit Meißelspuren in Sternenfels

 

Solche geglätteten Felswände findet man hierzulande im keltisch-römischen Steinbruch Kriemhildenstuhl bei Bad Dürkheim, aber auch in ägyptischen Pyramidensteinbrüchen (Bild 8 = Ägypten).

gemeißelte Felswand in Ägypten

 

Wie seltsam dekorativ wirken die horizontalen „Zierstreifen“, die offensichtlich gezielt von vorne an die Felswand angebracht wurden! Man findet sie z. B. auch in Schmie, hier sogar Spuren von Flach- und Spitzmeißel, die alternieren (Bild 9 = Schmie).

Felswand gemeißelt bei Schmie

 

In Ägypten entstanden aus den pharaonischen Pyramiden-Steinbrüchen Felsfriedhöfe, wo die Toten in Bodenschächten oder Wandstollen beerdigt wurden. Auch dort am Nil im Steinbruch Gebel El-Silsila findet man riesige Halden dicht an dicht zwischen den Felswänden, die der Geologe Dr. Klemm als „ordentlich gemauert und gefügt“ beschreibt (1) und die wohl noch keiner nach Gräbern untersucht hat. Vermutlich handelt es sich um eine Cairn-Nekropole, denn eine Sphinx, die Wächterin des Totenreichs, wurde aufgestellt (Bild 10). Das aber macht in einem regulären Steinbruch keinen Sinn.

Feslnekropole Gebel El-Silisila Ägypten

 

Anders jedoch hier im Südwesten. Hier werden die Cairns erforscht.Wir kennen nach gründlicher Untersuchung inzwischen eine große Anzahl von Megalithmonumenten, die z. T. in ihrer Ausdehnung so gewaltig sind, dass sie sogar die Fläche der Cheops-Pyramide weit übertreffen, z. B. die Paradies-Pyramide beim Jägerhaus/Heilbronn, sowie inzwischen 16 Ganggräber und Kammern in Megalithbauweise in insgesamt 12 Cairns Baden-Württembergs und Bayerns.

Eines der schönsten Beispiele ist die Steingrube von Schmie bei Maulbronn (Bild 11). Gerne möchte man eine solche Felsnekropole in ihrer Gesamtheit abbilden. Das wäre mittels Luftbild auch gut möglich. Jedoch sind die meisten Cairnfriedhöfe dicht mit Bäumen bewachsen, so dass selbst auf winterlichen Aufnahmen keine Details zu erkennen sind.

Felsnekropole von Schmie

 

Hier haben wir eine derart umfangreiche Ansammlung von Cairns vor uns, dass man sie nur als Nekropole bezeichnen kann, eine, die in ihrer landschaftlichen Eingebundenheit ein wahres Juwel darstellt. Hoch über dem Quelllauf der Schmie erheben sich auf mehr als 700 Meter Länge Cairn an Cairn, insgesamt 20 Exemplare. Eine breite und lange Auffahrtrampe, die aber heute durch einen hohen Steingrabhügel versperrt ist, führte einst vom heutigen Talgrund direkt in den Felsfriedhof.

Eine talbreite Kuhle beweist, dass hier irgendwann nicht einfach nur ein Damm gebaut wurde, um das kleine Bächlein unterhalb zu einem Heiligen See aufzustauen. Nein, tausende Tonnen von Erde mussten einst ausgegraben werden, um den Seegrund zu schaffen, auf dessen Wasseroberfläche sich wohl einst die gewaltig aufragenden Grabbauten gespiegelt haben (Bild 12).

Nekropole von Schmie Ansicht

 

Die Heiligen Seen waren für unsere Vorfahren, die Kelten, das Tor zur Anderswelt. Nur durch sie konnten die Toten in das Reich der Feen gelangen. Wohl deshalb findet man an fast jedem Megalithmonument des Südens einen heute noch oder einstmals aufgestauten See.

Die Steingrube, auch Sommerhälde genannt, birgt 4 gut erkennbare Portale zu Megalithgräbern (Bild 13, 14, 15, 16 = 4 Steingrube-Portale).

 

Portal 1 Schmie

 

Ganggrab bei Schmie Maulbronn

 

Ganggrab 3 in Schmie

 

Portal 4 in Schmie

 

Die sind allerdings nicht, wie anderswo (z. B. am Marsberg bei Randersacker), betretbar, da sie, wohl aus Sicherheitsgründen, mit Geröll zugestopft wurden. Ihre Architektur jedenfalls ist eindeutig megalithisch, d. h. auf das trocken gesetzte Mauerwerk der parallelen Wände wurden tonnenschwere Felsplatten hoch gewuchtet und aufgelegt, welche die Decke bilden. Damals gab es noch keinen Mörtel, denn erst die Römer führten diese Bauweise ein. Jeder, der sich mit dem Megalithikum auskennt, erkennt diese typische Architektur sofort.

Natürlich wurden in Zeiten moderner Steinbruchtätigkeit die schon Jahrtausende stehenden Kammern und Gänge als Lagerräume benutzt und dementsprechend mit Türen gesichert. Die eisernen Beschläge dieser Zeit sind immer wieder zu finden. Auch heute noch wird eine der bedeutendsten Kuppel-Grabkammern der Etrusker mit 9 Metern Durchmesser, die Tomba della Mula bei Quinto Fiorintino (Toscana), von einem Villenbesitzer als Weinkeller missbraucht. Verständlich, dass er seinen Vorrat auch mit Tür und Schloss gesichert hat.

Diese ständige Betretbarkeit führte dazu, dass Schatzräuber schon früh sich dieser Ganggräber annahmen und sie plünderten. Was der schöne Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ zum Ausdruck bringt, betrifft die Cairnforscher hierzulande ganz besonders. Bei drei Grabungen konnten bisher keine Funde gemacht werden. Die Ablagerungen waren durchweg bis zum Boden abgetragen worden. Kein Wunder, denn die wieder genutzten Räume, die meist als Lagerräume der Steinbrucharbeiter dienten, mussten ordentlich hergerichtet werden. Da man die Werkzeuge zum Freischaufeln immer bei sich hatte, investierte man diese halbe Stunde Arbeit und beseitigte damit alle archäologisch relevanten Stratigraphien. Bedauerlich, aber nicht zu ändern. Keine Relikte mehr, nur noch die blanke Architektur. Doch die müsste den staatlichen Archäologen eigentlich reichen, um die Anerkennung auszusprechen.

In Italien finden wir übrigens eine weitere Parallele zur Steingrube, die Banditacci-Nekropole bei Cerveteri, ca. 80 km nördlich von Rom. Dieser riesige etruskische Friedhof aus steinernen Grabhügeln (Tumuli) erstreckt sich über 1,2 km (Bild 17 = Cerveteri/Gesamtbild), eine Nekropole, die komplett in einem Steinbruch errichtet wurde und die man ähnlich groß hierzulande nur noch auf dem Marsberg bei Randersacker/Würzburg findet.

Nekropole von Cerveteri

 

Wer nicht an deutsche Grabhügelfelder in Steinbrüchen glauben mag, sieht in Cerveteri die archäologische Realität in ausgegrabenem und konserviertem Zustand. Die im Verhältnis zu Schmie eher niedrigen Felswände aus Tuff umschließen die ganze Anlage. Auch der Kern jedes Tumulus besteht aus diesem weichen Fels, in den eine oder auch mehrere Grabkammer/n hinein gehauen wurde.

In Freudenstein stehen auf dem Burgstall noch 4 halbwegs intakte Cairns, ein fünfter wurde bis zur Hälfte abgetragen. Auch die anderen wurden z. T. bis zum Kern abgetragen, und auch dort kommt hinter den äußeren Mauern der Felskern zum Vorschein. Im Felskern befinden sich bei etruskischen Tumuli die Grabhöhlen, meist durch eine steile Treppe erreichbar, tief im Erdinnern.

Offensichtlich gab es in der Keltenzeit nicht nur archäologisch reichhaltig belegte Handelsbeziehungen, sondern auch enge Kulturkontakte zu Italien und den Etruskern (was auch der Vergleich der Nekropolen von Cerveteri und Schmie nahelegt), denn manche der Grabkammern in Cerveteri zeigen deutlich die Nachahmung von Holzarchitektur, also Pfosten, Deckenbalken und Dachsparren (Bild 18 = Cerveteri/Holzarch.).

Grabkammer bei Cerveteri

 

Und Ähnliches zeigt auf dem Stromberg die Grabkammer im Weißen Steinbruch von Eibensbach/Pfaffenhofen. Hier ersetzen mächtige Steinbalken und -platten die hölzernen (Bild 19, 20 =Pfaffenhofen/Dach und Nische). Sogar die Aufleger der Dachbalken sind naturgetreu in Stein nachgebildet worden und erfüllen dieselbe konstruktive Funktion. Eine große und tiefe Nische ist in die hinterste Wand eingebettet. Sie erinnert an ähnliche Nischen in den Katakomben Roms, die sogenannten „loculi“.

Grabkammer von Eibensbach Decke
Grabkammer von Eibensbach Nische

 

Manch einer hält es für völlig ausgeschlossen, dass unsere Steinbrüche so alt sein und Gräber aus keltischer Zeit beinhalten können. Doch der Fund eines „römischen“ Grabes im Steinbruch des E. Stahl bei Lauffen a. N., das 1936 beim Abbau von „Abraumhalden“ (vermutlich also Cairns!) in der Nordostecke des Bruchs zufällig zutage kam, also in einem Gebiet, das gar nicht weit entfernt von den von uns erforschten „Steinbrüchen“ liegt, bestätigt unsere Ergebnisse (2). Ob es sich tatsächlich um eine römische Bestattung handelt ist gar nicht sicher gesagt. Das Gerippe lag auf einer großen Felsplatte, die man als römische Grabplatte interpretierte. Doch die Grenze zwischen römischen und etruskischen Artefakten ist oft kaum zu ziehen. So kann es sich durchaus auch um eine keltenzeitliche Bestattung auf einer möglicherweise aus Etrurieren importierten Grabplatte handeln, denn der Import und Export zwischen beiden Ländern blühte in der keltischen Eisenzeit (700 – 100 v. Chr.), was die reiche Fundlage eindrücklich dokumentiert. Man denke an die sicher ebenso schwere bronzene Liege aus Etrurien, auf welcher der Keltenfürst von Hochdorf bestattet lag und die einen genauso langen Weg hierher zurücklegen musste.

Wenn es sich bei der Grabplatte um einheimisches Gestein handelt, könnte auch ein etruskischer Künstler hier gearbeitet haben. Was in der Römerzeit gang und gäbe war, kann auch schon vorher in der keltisch-etruskischen Zeit geschehen sein.

Der zur Verfügung stehende Raum erlaubt leider nicht hier weitere der vielen, in Zabergäu und Kraichgau entdeckten Cairns zu erläutern; jeder, der über Internetanschluss verfügt, kann sich auf der eingangs genannten Web-Adresse über die wichtigsten Vorkommen anschaulich informieren oder das Buch des Autoren über die unten genannte Adresse bestellen (3). Da die „Schularchäologie“ sich leider nicht in der Lage sieht, den megalithischen Spuren zu folgen, bleiben wohl die wertvollsten Schätze der Vorgeschichte unseres Landes vorerst ungehoben. Die goldenen Trinkhörner und chinesische Seide des Fürsten von Hochdorf könnten ein Klacks gegen das sein, was sich tief verborgen in Pyramiden mit bis zu 470 Metern Nord-Süd-Ausdehnung verbergen kann (Paradies-Pyramide Heilbronn). Interessierte jedoch können sich jederzeit vor Ort (z. B. in Schmie!) selbst ein Bild machen, die steilen Bauwerke hinauf kraxeln, darüber nachdenken und urteilen – und womöglich von der Erkenntnis zündendem Funken ergriffen werden.

 

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“ (Victor Marie Hugo).

 

  1. R. u. D. Klemm (1993), „Steine und Steinbrüche im alten Ägypten“, Springer Verlag.

  2. Erklärender Aushang im Eingangsbereich des Römermuseums in Pfaffenhofen, im selben Jahr (1936) wohl in „Germania“ oder "Germanien" veröffentlicht.

  3. K. Walter Haug (2003): „Die Entdeckung deutscher Pyramiden – Ein archäologischer Reiseführer“, Cernunnos Verlag, Wössinger Str. 100, 75045 Walzbachtal, walha1a [at] aol [dot] de

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