Gelatine im Saft, Schweineborsten in der Brotherstellung, Milchzucker für Veganer:

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Versteckte Tierprodukte bei Valensina, Ritter Sport, funny frisch & Co. - foodwatch: Aigner muss Gesetzeslücke schließen
Mittwoch, 1. August 2012 - 18:16

Multivitaminsäfte mit Gelatine, Fisch und Wild in Kartoffelchips: Viele vermeintlich vegane oder vegetarische Lebensmittel enthalten Tierprodukte, ohne dass dies auf der Verpackung angegeben werden muss.

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) mit einer heute gestarteten E-Mail-Aktion unter www.foodwatch.de/aktion-versteckte-tiere aufgefordert, die Gesetzeslücke zu schließen: "Der Gesetzgeber macht es den Verbrauchern nahezu unmöglich, Tierprodukte in Lebensmitteln zu meiden", erklärte Oliver Huizinga von foodwatch. "Das ist eine Zumutung für Vegetarier und Veganer, aber auch für alle anderen Verbraucher, die gerade bei tierischen Lebensmitteln bewusste Kaufent- scheidungen treffen, den Konsum reduzieren wollen oder nur bestimmte Formen der Tierhaltung unterstützen möchten." foodwatch hatte zuletzt vor allem über das soziale Netzwerk facebook eine Reihe von Anfragen zu einzelnen Produkten mit versteckten Tieren erhalten und dies zum Anlass für eine Recherche genommen.

Ohne Deklarationspflicht kommen tierische Bestandteile als Trägerstoffe von Aromen und Vitaminen in Lebensmittel. Zum Beispiel befindet sich in den Multivitaminsäften Valensina und hohes C (Eckes Granini) Gelatine als Träger von zugesetzten Vitaminen, wie die Hersteller auf Anfrage bestätigten. Chips-Produzent funny-frisch gab gegenüber foodwatch an, dass weite Teile seines Sortiments tierische Bestandteile enthalten, je nach Sorte Wild, Fisch, Geflügel, Rind oder Schwein. In der Zutatenliste muss dies nicht aufgeführt werden.

vegan

In anderen Fällen kommt es zu produktionsbedingten Verunreinigungen, so genannten Kreuz-kontaminationen. So bietet die Schokoladenfirma Ritter Sport Sorten an, die gemäß Rezeptur frei von Milch- bestandteilen sind - da in denselben Produktionslinien jedoch auch Milchschokolade hergestellt wird, kommt es zu Verunreinigungen. Ritter Sport hat solche selbst gemessen und gibt für die - eigentlich milchfreien - Sorten Halbbitter und Marzipan auf seiner Internetseite daher einen Milchzuckeranteil von 0,3 bis 0,4 Gramm pro 100-Gramm-Tafel an. Dennoch empfiehlt Ritter Sport die beiden Sorten im Firmenblog an die "lieben Freunde veganer Schokolade" - und zwar mit den Worten: "Diese enthalten keine Milchbestandteile". "Das ist so falsch wie irreführend", kritisierte Oliver Huizinga von foodwatch. Bei Katjes müssen Verbraucher ebenfalls damit rechnen, dass es bei den Fruchtgummis aus der aktuellen "Veggie"-Kampagne des Unternehmens zu Gelatine-Verunreinigungen kommen kann. Katjes wollte die Anfrage von foodwatch nicht beantworten, ob der Hersteller diese ausschließen kann.

Auch bei technischen Hilfsstoffen kommen Tierbestandteile zum Einsatz, ohne dass dies für Verbraucher erkennbar ist. Zum Klären von Wein und Saft setzen einige Anbieter auf Gelatine. Die Aminosäure L-Cystein dagegen kommt in Bäckereien zum Einsatz, sie macht Mehl leichter knetbar - gewonnen wird sie zum Beispiel aus Schweineborsten oder Federn.

Um Transparenz und Wahlfreiheit zu erreichen, fordert foodwatch eine gesetzliche Klarstellung:

1. Wo Zutaten oder Verarbeitungshilfsstoffe tierischen Ursprungs eingesetzt werden, muss dies deutlich erkennbar sein. Das gilt auch für tierische Bestandteile in Aromen, Zusatzstoffen und technischen Hilfsstoffen, die während des Produktionsprozesses zum Einsatz kommen. Wer vollständig auf Zutaten tierischen Ursprungs verzichten möchte, muss die Möglichkeit dazu haben.

2. Die Begriffe "vegan" und "vegetarisch" müssen wie folgt rechtlich definiert werden:

  • Vegetarisch: Ohne Zutaten, die von einem toten Tier stammen, hergestellt (Ovo-Lacto-Vegetarismus) - erlaubt sind Ei- und Milchprodukte
  • Vegan: Ohne tierische Lebensmittel (einschließlich Milch- und Eiprodukte) hergestellt

Wird ein Produkt ausdrücklich als "vegan" oder "vegetarisch" ausgelobt oder beworben, muss der Hersteller auch jegliche Kreuzkontamination ausschließen können.

Links:
. Mehr zum Thema: www.foodwatch.de/versteckte-tiere
. E-Mail-Aktion: www.foodwatch.de/aktion-versteckte-tiere

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Kommentare

Verunreinigungen

Das nenne ich mal jammern auf hohem Niveau.
Da ist das Essen von Veggi-Jüngern mit 0,3 Prozent Milchzucker "verunreinigt". Was machen die denn, wenn dann noch eine Fliege über die Schokolade läuft?
Mich stört es viel mehr, dass regelmäßig das Schnitzel, das ich im Restaurant bestelle mit mehr als 50% vegetarischem Essen verunreinigt ist. Nicht nur, dass mir da der Appetit vergeht, bezahlen muss ich das auch noch.
DAS wären mal Mißsstände, die die Glaubenskrieger von Foodwatch angehen müßten.
Mann Mann ... "0,3%", "könnte eventuell vielleicht daran gerochen haben", "kann nicht ausschließen, dass doch noch eventuell ..."
Und äh, ja, Vegetarier essen auch Honig. Das den Vegetariern auch noch zu verbieten finde ich dann schon hart.

Verunreinigungen

Das nenne ich mal jammern auf hohem Niveau.
Da ist das Essen von Veggi-Jüngern mit 0,3 Prozent Milchzucker "verunreinigt". Was machen die denn, wenn dann noch eine Fliege über die Schokolade läuft?
Mich stört es viel mehr, dass regelmäßig das Schnitzel, das ich im Restaurant bestelle mit mehr als 50% vegetarischem Essen verunreinigt ist. Nicht nur, dass mir da der Appetit vergeht, bezahlen muss ich das auch noch.
DAS wären mal Mißsstände, die die Glaubenskrieger von Foodwatch angehen müßten.
Mann Mann ... "0,3%", "könnte eventuell vielleicht daran gerochen haben", "kann nicht ausschließen, dass doch noch eventuell ..."
Und äh, ja, Vegetarier essen auch Honig. Das den Vegetariern auch noch zu verbieten finde ich dann schon hart.

Milchzuckeranteil

@Dujardin forever: Bleiben Sie bitte bei Ihrem Weinbrand!

Meine Frau reagiert leider sehr allergisch auf Milchzucker, das hat bei Ihr schon nichts mehr mit Laktoseintoleranz zu tun, somit sind wir für solche Angaben dankbar, auch wenn es in diesem Fall von Schokolade logisch ist, dass "Verunreinigungen" im Produkt vorkommen können. Genaue Inhaltsangaben sind wichtig, schon deshalb, weil ich gerne lese, was sich später evtl. in meinem Verdauungstrakt befindet. Ist z. B. die Liste der E's zu lang, kommt das Produkt schon gar nicht in die Tüte und bei Wurst kann ich auch gerne auf Milchzucker verzichten, so Zeugs hat darin nichts zu suchen, ebenfalls Zusätze von Farbstoff in Weinbränden ;-)

@Dujardin forever Sie zeigen

@Dujardin forever

Sie zeigen mal wieder sehr eindrucksvoll, wie intolerant Menschen sein können. Es gibt in Deutschland über 6 Millionen Vegetarier und geschätzte 800.000 Veganer. All diese Menschen dürfte sehr wohl interessieren, was in Lebensmitteln so versteckt drinsteckt, wie erwähnte Schweineborsten oder auch Gelatine in vielen Säften (zur Klärung).

Die meisten davon haben sich entschieden durch ihr Konsumverhalten nicht weiter zur Ausbeutung von Tieren und zur Umweltzerstörung beizutragen.

Sie sind leider ein typischer Vertreter der Spezies "homo ismirdochwurscht". Inhaltsdeklaration? Wer braucht sowas, da steht doch Schnitzel drauf also wird auch nur das drin sein (genau...). Umwelt? Mir doch egal. Tiere? Sind da um von uns versklavt zu werden, jawoll. Natur? Steht mir nur im Weg, ich brauch Platz für meinen Humvee. Zukunft? Brauch ich nicht.

Ein Glück sind solche kleinen Lichter eben - klein.

Im Übrigen dürfte die Aktion von Foodwatch durchaus auch für die vielen Muslime und Juden im Land wichtig sein, das mal nur am Rande.

Wehret den Anfängen..

@Dominik

Bei allem Verständnis und bei aller Toleranz denen gegenüber, die kein Fleisch und keine tierischen Produkte essen wollen, sind solche Standardargumente bald nicht mehr auszuhalten.

Wer Tiere schützen will lässt seinen Garten verwildern, damit allerorten Biotope entstehen können. Er schlägt auch nie nach einer Fliege, er benützt nichts aus Horn oder Leder, er verwendet keine Produkte, die auch nur im Ansatz den Verdacht aufkommen lassen könnten, man hätte sie an Tieren getestet.

Trotzdem gebe ich Ihnen recht. Nur geht es mir um etwas anderes als nur um tierische Produkte. Mir geht es um nicht erwünschten Kontent eines Lebensmittels, von dem sich schon heute z.B. Nestle´ vorstellen könnte, dass man es als Arznei "ausbaut". 

Da regt sich ein Nestle-Chef über die Deutschen auf, weil kein Volk in Europa so ein Geschiss um genmanipulierten Kram machen würden, wie die Deutschen. Dabei könnte das doch soooooo ein Segen sein.

Und da hört für mich der Spaß auf...! Bevor ich irgendeinen Retortenfraß akzeptiere, futtere ich lieber ein paar Borsten im Landbrot.

Seien Sie sich als Veganer oder Vegetarier bewusst, dass Sie MINDESTENS so ungesund essen (werden) wie der Carnivore unter den Homo sapiens sapiens.

Ungesundes Essen

was soll denn das sein? Entweder der Mensch ist gesund oder er ist krank. Aber das Essen kann weder gesund noch ungesund sein. Die Ernährung eines Menschen kann falsch zusammengestellt sein. Es können essentiellle Stoffe fehlen, aber die Nahrungsmittel selbst sind nicht ungesund. Es gibt Menschen, die manche Nährstoffe nicht vertragen, deswegen ist doch der Nährstoff an und für sich nicht ungesund.

Es gibt Glaubensbekenntnisse wie BIO oder Veggi und Trennkost. Wem es hilft, der mag das durchführen, ich esse was mir schmeckt. Und in den meisten Fällen, tut mir auch gut, was mir schmeckt :-))

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