Gefährdet durch Erfolg?

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Erneut schwere Schäden durch Orchideen-"Liebhaber" in wertvollen Biotopen am Michaelsberg
Montag, 24. Juni 2013 - 17:04

Seit über 30 Jahren pflegt die AGNUS am Michaelsberg, unterstützt von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern und der Stadt Bruchsal, einen Großteil der wertvollen Magerrasen. Seit 1984 wurden dabei viele fast zugewachsene Flächen unter Einsatz von viel Schweiß und Muskelkraft von Sträuchern befreit. Jeden Winter gibt es mehrere Einsätze "am Berg". Anschließend holt die Stadt Bruchsal, die mittlerweile die Flächen von der Kirche gekauft hat, das Mahdgut ab. Am benachbarten Kaiserberg pflegt die staatliche Naturschutzverwaltung mit genauso großem Engagement.

Der Erfolg war zunächst spektakulär: zahlreiche Orchideen- und Enzianarten wachsen wieder am Michaelsberg oder haben ihre Populationen von wenigen, höchst gefährdeten Exemplaren auf einigermaßen stabile Größe erweitert. Viele eigentlich verschollen geglaubte Arten - wie der Deutsche Enzian oder der Kamm-Wachtelweizen - sind aus der Diasporenbank, also aus im Boden schlafenden Samen, wieder aufgetaucht. Aber auch viele Orchideen sind plötzlich da, bei deren Herkunft der Verdacht besteht, dass jemand nachgeholfen hat. Das sogenannte "Ansalben" ist eigentlich illegal, aber kaum nachweisbar.

Jedes Jahr denken wir von der AGNUS eigentlich, uns über die Erfolge freuen zu können. Aber dann kommt es dicke: täglich stehen "Orchideenfreunde" mit ihren Kameras mitten im empfindlichen Lebensraum, photographieren, was das Zeug hält, liegen längelang auf dem Bauch und lichten immer wieder die gleichen Orchideen ab, die schon Hunderttausende von Malen in Deutschland abgebildet worden sind. Wozu das alles gut sein soll, bleibt rätselhaft.

Kahle Flächen

Kahle Flächen im Magerrasen breiten sich rund um seltene Orchideen aus (Foto: M. Hassler)

Ganze Busse halten mittlerweile am Michaelsberg, im Internet wuchern die "Geheimtipps" über den Biotop und selbsternannte "Experten" führen ohne Absprache Führungen vor Dutzenden von Leuten durch, bei denen fröhlich die erlaubten Pfade (und von diesen gibt es durchaus einige) verlassen werden und herumgetrampelt wird. Kein einziger dieser "Orchideenfreunde" meldet sich aber jemals bei der AGNUS, wenn es im Herbst und Winter ans Mähen gehen soll.

In diesem Jahr war es schlimmer denn je: zum ersten Mal blühten wenige Exemplare des violetten Dingels, einer recht spektakulären Orchidee. Rund um diese beiden Exemplare breiten sich jetzt quadratmeterbreite kahle Flächen aus (Bild), die eigentlich Heimstatt der seltenen Hummelorchis waren. Ganze Netzwerke von Trampelpfaden durchziehen den empfindlichen Rasen.

Was ist zu tun? Irgendwann wird notwendig werden, mit vielen Kosten einen Zaun oder eine Absperrung anzubringen. Am idyllischen Michaelsberg eine Horror-Vorstellung. In der Zwischenzeit denken wir für 2014 darüber nach, für die kritische Zeit von 4-6 Wochen vielleicht einen Ranger zu finanzieren, der den Michaelsberg besser überwacht.

Gleichzeitig gehen überall auf der Gemarkung die wertvollen Lebensräume weiter zurück, Böschungen wachsen zu, artenreiche Wiesen werden durch eintönige Maisfluren ersetzt, Streuobstwiesen verbuschen oder wandeln sich in Freizeitgärten, Bruchsal betoniert seinen Grüngürtel weiter zu, Schmetterlinge verschwinden rapide.

Der Michaelsberg bekommt immer mehr die Bedeutung eines Museums für die Artenvielfalt und wird immer wichtiger. Dass dann verantwortungslose Zeitgenossen unter dem Stichwort "Liebhaberei" ohne wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn dort wildern, kann und darf nicht toleriert werden. Es gibt genügend legale und bequeme Spazierwege mitten durch die Biotope, bei denen jeder Naturfreund die prächtigen Blumen - auch aus der Nähe - bewundern kann.

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Kommentare

Planetenrettung statt Naturschutz

Klimaschutz!  Das Zauberwort des Jahres. Charmant an dem Thema ist, dass durch Wärmedämmung, Bau von Windrädern und Photovoltaik-Anlagen Geld verdient werden kann. Was der Wirtschaft nützt, ist allemal einfacher durchzusetzen, als schlicht  die vorhandene Natur zu schützen. Letzteres kostet Geld und das wird dem aktuellen Wirtschafts- und Konsumkreislauf entzogen. Bruchsal wird jetzt seine Kindergarten-Kinder klimaschützen lernen lassen, während die Kleinen eine Eiche nicht mehr von einem Löwenzahn unterscheiden können, sprich den Kontakt zur Natur immer mehr verlieren. Zwar kaufen wir unsere Klamotten in China und lassen uns von Pharmazie-Rohstoffen aus Indonesien beliefern, aber das spielt sich nicht in Sichtweite ab und lässt Gutmenschenillusionen ungestört. Denn: beispielsweise China baut jeden zweiten Tag ein neues Kohlekraftwerk und beispielsweise Indonesien fackelt geradezu alles ab: Soja statt Natur. Um das auszugleichen, müsste ganz Europa seiner Industrie eine komplette Pause gönnen.

Singapur, der Nachbar von Indonesien erstickt im Rauch und leidet  sosehr, dass sogar der Staatschef wütend Bilder ins web stellt (allerdings gibt es in Singapur selbst wenig zu roden).

Diese Länder, und natürlich nicht nur diese,  zerstören Natur und Umwelt in unglaublichem Ausmaß, natürlich auch um unsere Bestellungen preisgünstig und komplett ausführen zu können. Das trägt mit entscheidend dazu bei, dass die Temperaturen auf dem Globus weiter steigen. Wir Bruchsaler sollten deshalb lieber das retten, was wir selber haben und nicht meinen  das retten zu wollen, was leider nicht zu retten ist:

 Es gibt schon den neckischen Begriff der sogenannten "rising powers", also "aufstrebender" Staaten, wie Rußland, Brasilien, Türkei und Co, die sich anschicken unser Lebensmodell komplett zu kopieren und dabei brutaler vorgehen, als es sich der Bruchsaler Normalo vorstellt. Aber dagegen hat die deutsche Industrie nichts: das produziert ein enormes Exportvolumen. Zetsche beispielsweise jubelt über den Absatz seiner Mercedes-Fahrzeuge in China und hat Umsatzziele im Auge, die dem deutschen Aktionär Freude machen. Zwar sehen die Chinesen täglich trüber in den Pekinger Smog - das ist allerdings weder Zetsches, noch unser Bier. Derweil rettet Bruchsal den Planeten.

Mit anderen Worten:

Ihr deutschen Dösköppe, was kümmert ihr euch noch um Klima-, Umwelt- Natur- und sonstigen Schutz und gebt Riesensummen dafür aus, ist doch eh alles für die Katz' ....

Also in Zukunft

Falschparken, Müll auf die Strasse werfen, überhaupt alles tun, was Andere ja auch machen...

Und... wenn wir schon dabei sind... Drogen für alle! Schliesslich gibt es ja Länder, in denen dies auch der Fall ist.

Sollte man Jemand mit dem Kopf gegen die Wand rennen... bitte sofort mitmachen! Wenn derjenige es tut, MÜSSEN wir es auch machen!

Wer jahrelang trommelt

braucht sich nicht zu wundern, wenn der Erfolg ein riesiger Zulauf ist. Wenn jeder die berühmten Orchideen sehen will.

Unabhängig davon, ob diese Pflanzen in Deutschland selten geworden sind ist mir noch nicht klar, worin diese gerühmte Schönheit bestehen soll. Scheinbar ist es nur die Seltenheit, um die so viel Aufhebens gemacht wird.

Es gibt so viele Gräser und  blühende Wildpflanzen, denen kein Mensch so viel Aufmerksamkeit schenkt. Ist das nicht Natur? Sind sie nicht schön?

Und wenn man schon von Naturschutz spricht: Ich hätte schon gerne gewußt, was der künstliche Erhalt einer Magerwiese mit Natur zu tun hat. Es ist gärtnern auf eine andere Art und Weise. In der Natur bleibt sie nicht mager.

Natürlicherweise würde sich auf dem Michaelsberg ein Biotop einstellen, das völlig natürlich ist, abhängig von Hanglage, Sonneneinstrahlung, Wasserhaltung usw.

Aber nein, da entdeckt jeman etwas, das von selbst dort gewachsen ist und macht ein großes Bohai darum und wundert sich irgendwann über die Busse, mit denen Fototouristen zu Hauf angekarrt werden.

Ja, der violette Dingel, Hauptverbreitungsgebiet ist der Mittelmeerraum. Logisch, dass er als wärmeliebende Pflanze in Deutschland selten ist und nur an wenigen Standorten (Oberrhein, Eifel) anzutreffen ist. Aber spielt das eine Rolle? Im Hauptverbreitungsgebiet ist er nicht selten, ein Aussterben ist nicht zu erwarten. Warum muss er bei uns wachsen?

Natur-, Klima- und Umweltschutz beginnt ganz wo anders und nicht auf einer Magerwiese. Wir retten den Michaelsberg und fliegen drei mal jährlich in den Urlaub und jedesmal, wenn es uns Spass macht, nach Malle zum Frühstück, kostet ja nur einen Fuffi.

Die Autoindustrie jubelt jedes Jahr über neue Umsatzrekorde. Und der LKW-Verkehr auf den Straßen wird immer dichter, weil wir Produkte dorthin karren, wo sie noch billiger hergestellt oder verarbeitet weden können.

Wir lassen Nordseekrabben in Nordafrika pulen, wen interessiert hier schon der Umwelt- oder Naturschutz? Ja, ja, ich weiß, man muß im Kleinen anfangen, jeder bei sich. Dafür kann man dann in großem Stil den Naturschutz vergessen.

Mit unserer Massen-Viehhaltung zerstören wir die Natur in fernen Landen und die Lebensgrundlage vieler Menschen, in dem wir in anderen Ländern das Viehfutter anbauen lassen und per Schiff zu uns holen. Wen interessiert der Umwelt- und Naturschutz, wenn er ein billiges Schnitzel haben will?

Dies sollte kein Kommentar sein, der die Arbeit von engagierten Menschen klein reden soll. Aber, über den Tellerrand sollte man schon hinausschauen. 

 

Es geht um unsere Heimat

@Jürgen: Dein Beitrag hat offensichtlich thematisch nicht allzuviel mit meinem Artikel zu tun, oder? Ich kann jedenfalls den Zusammenhang nicht erkennen.

@Filou: Sie haben es offensichtlich nicht ganz verstanden. Es geht eben gerade nicht um die Orchideen, sondern um die vielen anderen Tiere und Pflanzen, die in diesem Lebensraum (noch) überleben. Und wegen denen pflegen wir diesen Biotop. Wenn wir könnten und die Mittel und Helfer hätten, würden wir noch viele andere schöne Stellen auf der Bruchsaler Gemarkung pflegen und damit auch uns allen einen Gefallen tun. Sind Sie in letzter Zeit mal zum Eisenhut durchs Rohrbachtal gelaufen? Haben Ihnen die eintönigen Maisäcker gefallen? Mit ein paar "hübschen Gräsern" am Rand? Ohne Schmetterlinge und Insekten? Oder die Betonwüste in der Innenstadt ohne Stadtgrün? Wenn ich Ihren Kommentar lese, dann scheinen Sie das hinzunehmen.

Naturschutz vor der Haustüre dient uns allen und nicht nur den seltenen Arten. Ohne Naturschutz ist unsere Heimat nicht mehr lebenswert. Kann man vielerorts schon besichtigen.

Doch Michael

Lies mal genauer: Heimat statt Sumatra und China. Realer Naturschutz statt irrealem Planetenschutz.

 

Na dann,

Herr Hassler, muss ich mir tatsächlich eine neue Brille kaufen.
"Es geht eben gerade nicht um die Orchideen"
Seltsam, ich habe in ihrem Artikel nur von Orchideen, von Touristen und niedergetrampelten Pflanzen gelesen. Von einem Biotop, das ohne Eingriffe nicht so bleibt wie es ist. Aber was wollen Sie? Bekanntheit des Biotops, dann kommen auch entsprechent viele Schaulustige, Amateure und Profis. Ein Kleinod in der Natur bewahren? Dann darf man nicht klappern.

"Sie haben es offensichtlich nicht ganz verstanden"
Das gebe ich gerne zurück. Ich bin keineswegs gegen Naturschutz vor der Haustüre, weshalb sollte ich? Ich bin nicht für großflächigen Maisanbau oder Rapsanbau, aber ich kann es nicht verhindern. Es sind ausgewiesene landwirtschaftliche Flächen. Natürlich kann man für Flächenstilllegungen bezahlen und danach für die Landschaftspflege. Dann wird der Mais und der Raps für uns eben in einem anderen Land angebaut.

Aber wer Naturschützer sein will, der darf seinen Naturverbrauch auch nicht in andere Länder tragen. Wollen Sie bei uns lauter Blumenwiesen haben und alles Getreide und Viehfutter importieren, weil man von hier aus den Naturverbrauch nicht mehr sieht?

Und eines dürfte doch klar sein: Je mehr homo sapiens die Erde besiedeln, um so mehr an Natur wird verbraucht!

Natürlich ist es schade, dass Bruchsal so wenig Grün im Kern hat. Aber wäre es besser, die Stadt hätte sich noch weiter ausgedehnt? Wollen Sie zurück zur armen Großfamilie, wo 3 Generationen in zwei Zimmern hausen? Wenn jeder Single seine eigene Großraumwohnng haben will, das verbraucht Naturräume.

Wenn das Leben "auf dem Land" immer unattraktiver wird, dann wachsen die Städte. Wenn nur noch Maschinen die wesentliche Arbeit in der Landwirtschaft verrichten, dann müssen die zusammenhängenden Anbauflächen vergrößert werden. Monokulturen verlangen dann mehr Pestizide und Insektizide.

Ich bin sicher, dass dies kaum einer will. Aber ich bin auch sicher, keiner ist in der Lage, dies zurück zu drehen. Ja, ich weiß, fangen wir im Kleinen an, das wird die Welt retten.

Und dann sagt mir noch einer: "Stirbt die Biene, strirbt der Mensch" und schreibt dies auch noch Einstein zu, damit dieser Spruch Gewicht bekommt. Ich frage mich nur, wie haben die Indianer vor der Einfuhr der europäischen Honigbiene gelebt? Auch um das Bienensterben wird ein Wirbel gemacht. Dabei sind Imker, die ihr Handwerk verstehen, sehr viel weniger betroffen und haben kaum Ausfälle.

Naturschutz beginnt bei uns selbst, aber er beschränkt sich nicht nur auf unsere Umgebung sondern auch auf die fernen Bereiche, auf die wir gerne zurückgreifen. Und um unser Gewissen diesbezüglich zu beruhigen, greifen wir zu Siegeln, die selten das Wert sind, was sie bedeuten sollen.

Natur braucht den Menschen überhaupt nicht. Was sich der Mensch wünscht, ist eine "gepflegte Landschaft", wo er dann "die Natur" bewundern kann.

"Es geht um unsere Heimat", schreiben Sie, aber bedenken Sie, ein kleines Stückchen weiter weg ist schon die Heimat von jemand anderem. Und um dessen Heimat geht es auch.

Wir Bruchsaler

"Wir Bruchsaler sollten deshalb lieber das retten, was wir selber haben und nicht meinen  das retten zu wollen, was leider nicht zu retten ist"

Ein markiger Spruch. Die Welt ist nicht mehr zu retten. Retten wir Bruchsal und seine Umgebung. Sind wir eine Insel? Ist Deutschland eine Insel? Je öfter ich mir diesen Gedanken durch den Kopf gehen lasse, um so absurder erscheint er mir.

malbaisé?

Die bislang abgegebenen Kommentare zu M. Hasslers Zustandsbeschreibung der Situation auf dem Michaelsberg sind wohl ein Spiegel der derzeitigen Witterungslage. Sie erinnern in ihrer Argumentation der einer alkoholisierten Stammtischrunde kurz vor Beginn der Sperrstunde.
Dabei war M Hassler noch gnädig und hat sich nicht über die impertinenten Downhillradler, die dort durchs Gelände pflügen, und nicht über die großen Buben ausgelassen, die mit ihren Flugzeugmodellen den Greifvögeln innerhalb des Naturschutzgebietes die Lufthoheit streitig machen. Es wäre doch schön, wenn die hier auf Bruchsal.org versammelte Intelligenz sich um konstruktive Lösungen für den uns umgebenden Nahbereich bemühte anstatt sich gegenseitig ans Hosenbein zu pinkeln.

Orchideen am Michaelsberg

Ich habe gerade heute wieder eine kleine Wanderung am Michaelsberg gemacht, so wie jedes Jahr mehrmals. Im Prinzip muss ich dem Verfasser des Artikels völlig Recht geben. Natürlich hatte ich auch den violetten Dingel mit großem Erstaunen gefunden, so wie viele andere Arten auch. Schockiert war ich, wie die wertvollen Wiesen im Laufe der Jahre immer mehr zertrampelt und wichtige Orchideen vernichtet werden. Das weiße Waldvöglein war an einer Stelle spurlos verschwunden, vermutlich abgerupft oder von bekloppten Radfahrern umgemäht worden. Eine Woche zuvor stand es noch in voller Blüte.
Im Prinzip würde ich auch zu einer schärferen Kontrolle raten, notfalls auch mit Strafen. Und bitte, bitte verratet keine weiteren Fundstellen von Orchideen mehr. Ich wüsste noch einige, werde diese aber niemanden mehr kund tun. Ich finde, egal wie viele Umweltdiskussionen man anstreben kann: die einheimischen Naturschutzgebiete müssen besser geschützt werden, da sollte es keine Diskussionen geben!!

Der Kommentar

von Gastritis beginnt mit einer Überschrift, für die ich nur eine Übesetzung kenne. Sollte ich mich irren, bitte ich um die zweite, nicht anstößige Übersetzung.

Es geht weiter mit einer Beleidigung, wie ich sie von gekränkten "Naturschützern" kenne. Weshalb eigentlich? Weil dem Autor nicht recht gegeben wird? Weil Widerspruch kommt? Weil es nichts zu diskutieren gibt?

Wenn sich einer länge lang ins Gras legt, der rottet noch lange keine Orchideen aus. Und diese Orchideen waren da, bevor die Agnus das Gelände begärtnert hat.

Alles, was andere tun, stört. Die mit den Flugmodellen, die zu Fuß, die mit dem Rad und die mit dem Foto. Nicht zu vergessen, die leinenlosen Hunde. Ja, und dann noch die Rehe.

Alle Schutzmaßnahmen laufen doch ins Leere. Weder Sheriff noch Zaun sind für mich vorstellbar. Aufklärung nutzt nur bei Einsichtigen, Tafeln nur bei solchen, die des Lesens kundig sind.

Wer tagtäglich im Verkehr durch Regelübertretung sein und anderer Leben aufs Spiel setzt, weshalb sollte der plötzlich im Naturschutzgebiet sittsam sein?

Zu bedauern ist ...

... das Niveau der meisten dieser Kommentare und die darin geäußerte Nichtachtung der Michaelsberg-Naturschützer bzw. der Aktivitäten von AGNUS.

Und das ist noch freundlich ausgedrückt ...

 

Es ist völlig klar,

wer die Aktivitäten der AGNUS nicht achtet ist, freundlich ausgedrückt, zu bedauern, meint ein Kommentator.

Nichts anderes ist zu erwarten. Da tut jemand etwas und ein anderer bezweifelt die Richtigkeit. Eine unemotionale Diskussion ist auch nicht zu so kurz vor der Sperrstunde zu erwarten .

Man unterstellt, dass jemand, der gegen Magerwiesen argumentiert, gegen den Naturschutz ist. Wieso eigentlich? Weshalb sagt mir Herr Hassler: "Sind Sie in letzter Zeit mal zum Eisenhut durchs Rohrbachtal gelaufen? Haben Ihnen die eintönigen Maisäcker gefallen?" Es ist nichts, das ich unterstütze und nichts, das ich in meinem Kommentar vertreten habe. Es ist auch keine Alternative zu den Magerwiesen auf dem Michaelsberg.

Michael Hassler argumentiert: "Es geht eben gerade nicht um die Orchideen, sondern um die vielen anderen Tiere und Pflanzen, die in diesem Lebensraum (noch) überleben". Damit gehe ich völlig konform. Läßt man den Michaelsberg in Ruhe, dann stellt sich dort ein Biotop mit vielfältigen Lebensformen ein. Auch die Orchideen werden überleben, das haben sie schon lange vorher getan.

Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, ob jemand vom Weg abweicht. Da kann auch ein Downhillfahrer mal toleriert werden. Diejenigen, die bislang so intensiv diskutiert haben, frage ich jetzt: Gehen sie zum Skifahren?

Auch in Untergrombach mißbrauchen mehr als 95% der Besucher des Michaelsbergs nicht die geschützten Naturbereiche. Die restlichen 2-5% sind nur mit sehr restriktiven Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Wollen wir das wirklich?

Wollen wir die Bereiche sperren, nur weil einige Unverbesserliche sich nicht an übliche Gepflogenheiten und Vorschriften halten?

Was ist die Alternative? Wenn man es nicht ändern kann, lebt man mit dem, wie es ist. Kompromisse einzugehen, scheint mir immer das schwierigste zu sein.

Es würde mich freuen, wenn einmal stichhaltige Argumente kämen.

Aber in Untergrombach gibt es noch ein Thema. Krötentransport. Gaaaanz wichtig! Und jetzt frage ich: kann mir jemand folgendes Problem erklären:

In einem Gewässerbiotop können eine bestimmte Menge Amphibien aufwachsen. Wenn die ersten Quappen geschlüpft sind, sondern sie ein "Hormon" ab, das die restlichen Quappen am Wachstum hindert. Schließlich genügt der Lebensraum nicht dem gesamten Laich. Haben sich die Jungkröten entwickelt, klingt das Hormon ab und die nächste Generation ist dran.

Auf Grund der fortscheitenden (Jahres)Zeit wird nur ein Teil des Laichs zur Quappe und schließlich zur Jungkröte werden.

Nehmen wir einmal an, die Kröten, die über die Bundesstraße "müssen", würden irgendwann aussterben. Die Entwicklung der Population im Teich würde sich aber nicht ändern, sie würde sich in Richtung Straße vermindern aber in den anderen Ausbreitungsrichtungen  verstärken.

Das einzige Problem wäre, in den Bereichen über der Bundesstraße gäbe es kaum noch Kröten, mit all den möglichen, nachteiligen Folgen für diese Bereiche. Aber auch mit Vorteilen.

Mit Krötenschutz hat diese Aktion des Krötentragens also nichts zu tun, sondern mit .................

Vielleicht wäre die Anlage eines Feuchtbiotops "über" der Bundesstraße sinnvoll. Ich weiß allerdings nicht, ob man sich derartige Gedanken schon einmal gemacht hat.

Ich habe allerdings festgestellt, macht man einen kleinen Gartenteich, schon sitzt ein Frosch drin und quakt. Obwohl er dort nicht "geboren" ist. Also auch dieses Argument der Orientierung ist nur ein temporäres.

Sehr geehrter Herr Hassler, ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr Naturschutzgedanke sich nur auf Untergrombach beschränkt und dass die "Werbung" Michaelsberg = Orchideengebiet Sie besonders erfreut. Ich glaube auch nicht, dass die Zweischneidigkeit "Naturschutz durch Gärtnern" Sie wirklich befriedigen kann. Natürlich ist es ein Erfolg, wenn man die Zahl und Vielfalt bestimmter Pflanzen erhöhen kann, aber wie Sie sehen, hat die Popularität auch Nachteile.

Naturschutz, eine seltsame Geschichte. In naturschutzmäßig am stärksten belasteten Gebieten (Übungsplätze der Militärs) wachsen die seltensten Pflanzen. Die Abholzung der Bäume zur Salzgewinnung hat in Norddeutschland zu einem einziartigen Biotop, der Heide geführt.

Insofern kann man über das Thema gerne diskutieren. Aber wenn es geht, ohne Emotionen.

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