In Gedenken an einen großen Künstler | 120 Jahre Karl Hubbuch

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Dienstag, 8. November 2011 - 18:44

Kraichtal (sn). Der Name Karl Hubbuch wird heute meist mit dem Stilbegriff „Neue Sachlichkeit“ in Verbindung gebracht. In kühler Malweise und sachlicher Themenauffassung schuf der Künstler Gemälde und Zeichnungen, die als Ikonen dieser Epoche gelten.

Hubbuch-Ausstellung in Gochsheim am Montag, 21. November, geöffnet / auch Münchner Stadtmuseum widmet dem Karlsruher Künstler eine Ausstellung

Hubbuch

Für alle Kunstliebhaber, die nicht mehr bis zur Museumssaisoneröffnung im April 2012 in Gochsheim warten möchten, haben wir gleich zwei gute Nachrichten parat. Anlässlich des 120. Geburtstages des Künstlers Karl Hubbuch öffnet das Graf-Eberstein-Schloss - ausnahmsweise auch nach dem offiziellen Ende der Saison - seine Tore. Am Montag, 21. November, von 14.00 bis 18.00 Uhr, sind Interessierte recht herzlich eingeladen, den runden Hubbuch-Geburtstag in Gochsheim mit Gleichgesinnten zu feiern. Als Höhepunkt findet gegen 17.00 Uhr eine Sonderführung von Traute Hubbuch-Pfefferle durch die Sammlung statt.

Darüber hinaus können in der Ausstellung „Karl Hubbuch und das Neue Sehen“ im Münchner Stadtmuseum vom 28. Oktober 2011 bis 4. März 2012 diverse Fotografien, Gemälde und Zeichnungen Hubbuchs begutachtet werden. Im Fokus der Ausstellung, stehen zwei thematische Schwerpunkte: das Modellbildnis und das Straßenleben mit Stadtansichten. Einzelnen fotografischen Sequenzen beziehungsweise Serien des Künstlers sind Zeichnungen und/oder Gemälde des Künstlers gegenübergestellt. Es zeigen sich dabei motivische Schwer-punkte aber auch spannende stilistische Wechselwirkungen, die einen neuen Blick auf Karl Hubbuch versprechen.

Wie die Hubbuch-Werke nach Gochsheim kamen

Im Jahre 1985 übergab die Witwe von Karl Hubbuch, Ellen Hubbuch, der Stadt Kraichtal eine großartige Stiftung mit etwa 100 Werken ihres 1979 verstorbenen Mannes. Damit wird die Verbundenheit Hubbuchs mit Neuenbürg, dem Heimatort seiner Eltern, dokumentiert. Die Stiftung steht heute - auch räumlich - im Mittelpunkt des städtischen Museums im Graf-Eberstein-Schloss Gochsheim. Die ungeheure Produktivität und technische Vielseitigkeit von Karl Hubbuch wird bereits in dieser kompakt gehängten Sammlung deutlich. Ländliche Motive von seinen Besuchen im Kraichgau und Strandszenen aus Frankreich finden sich hier ebenso wie eindrucksvolle Portraits der Eltern und seiner Frau. Die Kreidezeichnung „Die Hände der Eltern“ gehört der neusachlichen Phase des Künstler an. Besonders prägnant erscheint das Selbstportrait des jungen Hubbuch. „In der Konzentration auf die großen umrandeten fragenden Augen kündet sich bereits der wachte Beobachter Hubbuch an“, schreibt Wolfgang Hartmann hierzu im Katalog.

Während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 sind eine Fülle kleiner Zeichnungen, häufig auf der Rückseite von Feldpostkarten, entstanden. Diese sensiblen, „gänzlich unheroischen Darstellungen“ (Wolfgang Hartmann) weisen Hubbuch bereits als kritisch-pazifistischen Künstler aus, der er zeitlebens geblieben ist. Auch in dem scheinbar harmlosen Bild „Kinderschule in Neuenbürg“, 1953, bezieht er gesellschaftspolitisch Stellung. Als Zeichen der Hoffnung nach der Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges, wo Hubbuch selbst mit Berufsverbot belegt war, ist das ebenfalls in den 50er Jahren entstandene Werk „Der alte Jakob baut auf“ anzusehen.

In Freiburg im Breisgau befasst sich die „Karl Hubbuch Stiftung“ mit Hubbuchs Lebenswerk. Die Professor-Hubbuch-Straße im Kraichtaler Stadtteil Neuenbürg ist nach dem Maler benannt.

Biografisches

Karl Hubbuch

Karl Hubbuch - Selbstportrait

Karl Hubbuch wird am 21. November 1891 in Karlsruhe geboren und besucht dort von 1908 bis 1912 die Staatliche Akademie der Bildenden Künste. Er wechselt dann an die Schule des Museums der angewandten Künste in Berlin und wird Schüler Emil Orliks. Ein vierjähriger Kriegsdienst unterbricht seine Ausbildung. Hubbuch setzt sie ab 1920 an der Landeskunstschule Karlsruhe als Meisterschüler in der Radierklasse von Walter Conz fort. Hubbuch kommt mit den Werken von Georg Scholz und George Grosz in Berührung. Parallelen gibt es hier vor allem auf formaler Ebene - der kombinatorische Bildaufbau aus Elementen in unterschiedlichen Maßstäben und Perspektiven und die Vereinzelung der Motive sind durchaus vergleichbar. 1922 geht der Künstler nach Berlin. Hier wendet sich Hubbuch, angeregt von Orlik und Grosz, der Schilderung des großstädtischen Lebens zu, wobei seine Arbeiten nun auch eindeutige sozialkritische und politische Standpunkte verraten. Von der Landeskunstschule Karlsruhe erhält er 1925 das Angebot, eine Lehrtätigkeit zu übernehmen und wird 1928 zum Professor ernannt. Der Künstler kann sich nun auch der Ölmalerei widmen, es entstehen betont sachlich aufgefasste, alltägliche Szenen. Während der 1920er und frühen 1930er Jahre sind Hubbuchs Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen, unter ihnen 1925 „Neue Sachlichkeit“ in Mannheim, zu sehen. Schon gegen Ende der zwanziger Jahre ändert sich Hubbuchs Stil wieder.

1933 wird er in Karlsruhe entlassen und muss sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen. 1947 nimmt er sein Lehramt wieder auf. Nach einem Jahr wechselt er an die Akademie und wird dort Professor. Ab 1957 arbeitet der Künstler wieder freischaffend. Hubbuch setzt sich in den 1950er Jahren intensiv mit dem Werk Max Beckmanns auseinander und entwickelt eine expressive Formensprache. Parallel dazu wendet er sich verstärkt dem Holzschnitt zu. In seiner letzten Stilphase ab den späten fünfziger Jahren knüpft Hubbuch wieder an die 1930er Jahre an. Außerdem arbeitet er an Wiederholungen und Überarbeitungen früherer Arbeiten. 1961 wird er mit dem Hans-Thoma-Preis ausgezeichnet. Dieser Staatspreis des Landes
Baden-Württemberg wird an bildende Künstler vergeben, die bereits ein anerkanntes Werk aufweisen oder eine Weiterentwicklung zu hohen Leistungen erwarten lassen. Am 26. Dezember 1979 stirbt Hubbuch in Karlsruhe.

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