Ge-scamt von Olga aus Omsk

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Oder From Russia with Love
Donnerstag, 8. Mai 2014 - 9:00

Da schaue ich in mein E-mail-Postfach und sehe, dass ich von einer sich lasziv am Strand räkelnden Schönheit namens Karalynn angeschrieben worden bin. Sie fragt mich gleich, ob ich sie kennenlernen will und denkt schon jetzt über eine gemeinsame Zukunft nach. In diesem Fall legt die Internetrecherche recht schnell offen, dass die Bilder von einem professionellen russischen Fotomodell stammen, dass hierzulande kaum einer kennt. 

Ich selbst suche aber gar keine Partnerin, ich bin bereits verheiratet und habe Kinder. Ich bin also auf das Geratewohl angeschrieben worden, ob ich vielleicht so blöd bin und darauf hereinfalle, womöglich einen Haufen Geld an eine "Zukünftige" zu überweisen, die ich gar nicht kenne. Aber machen wir uns nichts vor, jeden Tag steht sprichwörtlich ein Dummer auf - es gibt ja auch Leute, die für Autos die sie angeblich gewonnen haben Vorkasse leisten, nur um hinterher zu sehen, dass sie fast auf die gleiche Art und Weise betrogen wurden. Diese Masche mit Zusenden von Bildern und der lässigen Kontaktaufnahme nennt sich neudeutsch Romance-Scamming und heisst soviel wie moderner Heiratsschwindel.

Deswegen habe ich hier mal recherchiert, wie es in der Romance-Scamming-Branche so zugeht:

In solchen Fällen wie oben geschildert - bildhübsche Frau posiert vor der Kamera - fällt es nicht schwer, den eigentlichen Sinn dahinter zu erkennen. Der Adressat soll nach Strich und Faden abgezockt werden. Allgemein  kann man sagen, wenn die Bilder einen professionellen Eindruck machen und die Frauen aussehen wie Topmodels oder Spitzensportlerinnen, dann haben sie es nicht nötig im Netz auf Männerfang zu gehen.

Es gibt allerdings auch Partnerbörsen, welche die Frauen vorher professionell ablichten, allerdings haben aber Frauen, welche tatsächlich einen Partner suchen in der Regel keine perfekten Körper, sondern sehen irgendwie auch "normal" aus, mit kleinen Schönheitsfehlern - versteht sich.

Oft wird der Adressat aber gerade unter dem Deckmantel der vermeintlichen Echtheit der Avancen abgezockt.

Die "Masche" läuft immer nach dem gleichen Schema ab:

Zunächst werden scheinbar zwanglose Konversationen in holprigem Englisch oder Deutsch begonnen. Man möchte sich abtasten und kennenlernen. Dumm nur, dass von der anderen Seite nie eine gescheite Antwort kommt - kein Wunder, der männliche Absender (!) der Nachrichten sitzt in diesem Fall in Jordanien oder auch in Russland und beherrscht selbst kaum Englisch. Er verwendet Textbausteine, nur selten passen diese genau auf die Fragen des E-Mail-Kontaktes, oft ist es haarscharf am Thema vorbei oder verfehlt nicht selten gänzlich den eigentlichen Sinn des Fragestellers. Die E-mails der Scammer gleichen billigen Erlebniserzählungen oder Schilderungen des Alltags und wie froh diese Frauen sind bald in Deutschland zu sein und das Elend ihres Herkunftslandes hinter sich lassen zu können. Selbst wenn der Adressat antwortet, dass er nichts von dieser Frau will und beispielsweise selbst verheiratet ist - es kommen keine sinnvollen Antworten zurück. Irgendwann steht die Frau dann am Flughafen, plötzlich fehlt das Geld für das Ticket oder das Visum. In Ländern wo Korruption bei Behörden generell eine Rolle spielt, wird dies der Frau dann auch gern mal abgenommen. Manchmal wird auch mal die Mutter oder der Vater totkrank, eine Behandlung kostet einige Tausend Euro - wer will schon seinen künftigen Schwiegervater leiden lassen.... Eine Sofort-Überweisung über Western Union würde alles nochmal ins Lot bringen. Sobald es ums Geld geht, so wird es mit den Texten auch individuell. Die Damen geben sich dann auch gerne etwas freizügiger. Es kommt aber immer was dazwischen, die Frau kann letztendlich nie nach Deutschland reisen. Bis manche Opfer dies verstanden haben, sind Tausende Euro weg. Viele Opfer geben auch aufgrund des Urinstinkts nicht auf, dass man doch schon eine Menge investiert hat und jetzt nicht wegen weiterer 1.000 € alles aufs Spiel setzen möchte.

Um solchen Fässern ohne Boden vorzubeugen, wurde beispielsweise die Internetseite http://anti-scam.de von ehemaligen Opfern und Geschädigten eingerichtet um anderen potentiellen Opfern Hilfestellung zu geben. Hier wird die Herkunft der Mails gecheckt. nicht selten kommen Mails aus Afrika, obwohl die Absenderin sich als Russin ausgibt. Der Inhalt der E-mails wird überprüft. In die Kamera gehaltene Ausweise werden auf Echtheit überprüft (häufig werden bei der Pass-Fälschung peinliche Schreibfehler gemacht). Es ist möglich mit Hilfe dieser Organisation sogar die Abzocker international anzeigen. Es wird Hilfestellung bei Behördengängen und Geldgeschäften im Ausland gegeben. Man erhält auch Unterstützung von Muttersprachlern etc. Pp. 

In einer russischen Großstadt namens Yoskar-Ola scheint sich beispielsweise geradezu eine  Anhäufung von Banden zu befinden, welche partnersuchende Opfer um ihr Geld erleichtern. Die Urheber der Seite anti-Scam.de sind da schon einige Male auf eigene Kosten hingeflogen und konnten mit Hilfe der russischen Polizei zumindest einer Bande das Handwerk legen.

So manchem Teilnehmer muss aber erst noch erklärt werden, dass das Eingehen einer Beziehung im Allgemeinen und mit Personen aus einem anderen Kulturkreis im Besonderen doch auch im Erfolgsfall zu weiteren Schwierigkeiten führen kann. Viele Heiratswillige stellen sich dies dann doch auch insgesamt zu einfach vor. Es handelt sich hier eben um keine Katalogbestellung, wie dies sarkastisch manchmal ausgedrückt wird. Ehepartner aus fernen Ländern haben oft mit ganz menschlichen Problemen wie Heimweh, Sprachbarrieren, Krankheiten und auch Suchtproblemen zu kämpfen. 

Vielleicht kann mein Artikel vorbeugen, dass noch mehr Leute diesen Betrügern auf den Leim gehen, denn die Dunkelziffer ist hoch!

 

http://mvideos.daserste.de/videoportal/Film/c_360000/364765/format460286.mp4

 

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Kommentare

Olga aus Omsk..

... wird mir wohl auf ewig verborgen bleiben, denn ich sehe überhaupt keine Bilder.

Wenn man sich beim E-Mail-Verkehr dem Client Thunderbird bedient, der sich selbst und die E-Mail-Konten fast automatisch einrichtet, wenn man seinen Mailverkehr auf "reine Text"-Darstellung einstellt und vielleicht sogar nur die Header vom Server herunterlädt und nicht gleich die ganze Nachricht, dann wird man von diesen Offerten weitgehend verschont.

Aber sollten Sie Recht haben, Herr Becker, dass auch im Jahre 2014 die Dunkelziffer (und Erfolgsrate) bei derart plumpen Tricks so hoch ist, wie Sie es darstellen, dann ist das nur wieder ein Beleg dafür, dass man sich der Möglichkeiten, aber auch der Gefahren des Werkzeugs/Spielzeugs Computer nicht bewusst ist und dass man sich auch nach über 20 Jahren noch nicht damit hat beschäftigen wollen.

NAIS bietet PC-Kurse an, die Piraten helfen mit Tipps und wer sich ein bisschen müht, findet auch im Internet seriöse Tipps, wie man sich schützt. Es ist mitnichten damit getan, dass man halt irgendeinen Virenscanner, eine Firewall oder Spamfilter installiert, diese Tools noch nicht einmal richtig bedient und sich dann wundert, dass man nackerte Weiber, Potenzmittel, Bettelpost und was weiß ich noch alles zu sehen bzw. zu lesen bekommt.

Nur Beispiel

Olga ist in meinem Beitrag nicht zu sehen :-) Ob jetzt die Erfolgsrate so hoch ist, weiss ich selber nicht. Allerdings gibt es etliche Geschädigte auf der Plattform http://anti-scam.de/cgi-bin/yabb2/YaBB.pl , sowie auch aus dem eingebetteten Filmbeitrag hervorgeht, dass es zahlreiche Geschädigte gibt.

Fairnesshalber muss ich wohl anfügen, dass die meisten Geschädigten nicht gerade plump angeschrieben wurden, sondern auch tatsächlich vorher eine Partnerin online gesucht haben.

Wenn Hunderte angeschrieben werden und einer wie im Filmbeitrag ausgenommen wird wie eine Weihnachtsgans, hat sich dies zu einem gewissen Teil mit Sicherheit schon rentiert. Die Masche funktioniert ja nicht nur mit "nackerten Weibern" - wie Sie sagten, sondern auch mit Autos und anderen Begehrlichkeiten.

Übrigens gab es sowas schon in der Neuzeit, gegen horrende Summen wurden dort angeblich totsichere Liegeplätze von Schätzen "verkauft".

Bleibt die Frage, ob die Menschheit betrogen werden will ?

Frühzeitige Einsicht erforderlich!

Noch bevor sie Scam-Opfer werden,müssen die Betroffenen halt einfach kapieren,dass hinter solchen Fotos jede Menge Retusche,Beleuchtung,Schminke inkl.Körper-Makeup und ein kostspieliger Fotograf steckt,die sich eine arme Schönheit aus Russland oder sonstwo nicht leisten kann.
Vielleicht sind manche Opfer von der latenten Überzeugung getrieben,etwas Besseres als die graue Maus oder den dickbäuchigen Pantoffelhelden daheim verdient zu haben und daher besonders anfällig für Scam-Attacken.
Jedoch nutzen die Scanner mittlerweile teils Fotos von durchschnittlich gut aussehenden Leuten,da immer mehr Leute perfekte,attraktive Fotos einer/eines angeblichen Verehrerin/Verehrers als Scam-Attacke wahrnehmen.

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