Güllebetriebene Biogasanlagen stehen nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion

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PM Landesregierung Baden-Württemberg
Mittwoch, 10. Juli 2013 - 19:52

„Die Förderung für kleine güllebetriebene Biogasanlagen kommt in Baden-Württemberg gut an. Unsere Landwirtinnen und Landwirte leisten mit dieser Alternative zu rein maisbetriebenen Anlagen einen wertvollen Beitrag zur Energiewende“, sagte Verbraucherminister Alexander Bonde.

„In den ersten 18 Monaten seit Inkrafttreten dieser Sonderregelung sind landesweit insgesamt 28 landwirtschaftliche Biogasanlagen in Betrieb gegangen, die Strom überwiegend aus Gülle erzeugen. Diese Art der Biogaserzeugung passt zur kleinstrukturierten landwirtschaftlichen Viehhaltung in Baden-Württemberg. Nicht umsonst habe ich mich bei der letzten Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) für diese Sonderregelung stark gemacht“, so Bonde weiter. In der Rangliste der Bundesländer sei Baden-Württemberg vorne dabei.

Keine Konkurrenz zu Nahrungsmittelproduktion

Nach Angaben der staatlichen Biogasberater sollen in den nächsten 18 Monaten noch einmal Biogas-Kleinanlagen in mindestens der gleichen Größenordnung hinzukommen. „Diese erfolgreiche Entwicklung war im letzten Jahr noch nicht absehbar. Es ist umso erfreulicher, als die Erzeugung erneuerbaren Stroms größtenteils aus Gülle erfolgt. Gülle fällt ohnehin an und ist anders als beispielsweise Mais keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Kleine Anlagen sind auch nachhaltig, weil sie an die Betriebsgröße angepasst sind und sich in den Wertstoffkreislauf eines Hofes einfügen. Durch die energetische Nutzung der Gülle beteiligen sich die baden-württembergische Landwirtinnen und Landwirte in hervorragender Weise an der klimaschonenden Stromerzeugung“, so Bonde.

Durch den vorgeschriebenen Masseanteil der Gülle von mindestens 80 Prozent am gesamten Substrateinsatz würden nur verhältnismäßig geringe Mengen an Energiepflanzen benötigt. Zudem gebe es beim Ausbau dieser Biogasanlagenart noch hohes Wachstumspotenzial. Nach Schätzungen der staatlichen Biogasberater liege der Anteil der Gülle, die zunächst energetisch verwertet wird, bevor sie als wertvoller Dünger in der Landwirtschaft zum Einsatz kommt, derzeit erst bei rund 15 Prozent der in Baden-Württemberg insgesamt anfallenden Gülle.

Biogasanlagen in Baden-Württemberg

Seit dem Inkrafttreten des novellierten EEG am 1. Januar 2012 ist der Zuwachs an Biogasanlagen in Baden-Württemberg deutlich abgeschwächt. Grund hierfür sind die zurückgenommenen Stromeinspeisevergütungen für die meisten Biogasanlagentypen. Aus Sicht des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz war die Abkühlung des vorher überhitzten Zubaus dringend notwendig. In einigen Regionen im Land kam es bereits zu einer starken Konkurrenz mit der Nahrungsmittelerzeugung um die vorhandenen Ackerflächen.

Umso erfreulicher ist deshalb nun die Entwicklung bei den kleinen güllebasierten Biogasanlagen mit einer Leistung von bis zu 75 Kilowatt. Die EEG-Sonderregelung sieht für kleine Hofanlagen mit mindestens 80 Prozent Gülleeinsatz (massebezogen) eine Einspeisevergütung von 25 Cent pro Kilowattstunde vor. Für andere Anlagen liegt die Einspeisevergütung zwischen 14 und 22 Cent pro Kilowattstunde.

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Kommentare

Glühbirnen und nachwachsende Energie

Wie von der Obrigkeit in der PM verlautbart: "Aus Sicht des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz war die Abkühlung des vorher überhitzten Zubaus dringend notwendig. In einigen Regionen im Land kam es bereits zu einer starken Konkurrenz mit der Nahrungsmittelerzeugung um die vorhandenen Ackerflächen."

Wer propagierte denn einstmals diese (für den grünen Landesminister scheinbar völlig überraschende...?) Überhitzung, die nun offensichtlich einer entgegengesetzten Abkühlung (mit all den damit verbundenen Subventionsgräbern und Mitnahmeeffekten...) bedarf? 

U.a. Oberdosenrecycler Jürgen Trittin und dessen kämpferische, ja fast verbissene Mitstreiterin Renate Künast. Biomasse galt als Erlösung von (fast) allen `energetischen` Qualen im `nachwachsenden` Dieseits.

Damalige Staatssekretäre, hatten ihre wahre Freude und singen auf diese unvergessenen (hoffentlich unwiederbringlichen...!) Zeiten noch heute Loblieder.

Denn damals war großes, mächtiges, ja futuristisches geplant; Visionäre waren eben am Ruder! Es stand vor rund zehn Jahren (seltsamerweise waren sich nur wenige darüber bewusst...) für Deutschland Spitz auf Knopf - Biomasse oder Siechtum und Untergang:

Selbst Peter Altmaier könnte wohl bei einigen Reden von damals das Gras (nachhaltig) wachsen hören:

http://www.nova-institut.de/news-images/20040603-02/2004-06-03-Tag%20der...

Glücklicherweise hat uns nun unsere Landesregierung bestätigt, dass nicht wir, sondern nur die damaligen Visionen offensichtlich `perishable` waren!

Aufatmen, wohl auch bei den Visionären...; ...hurra, wir leben noch!

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Ähnliche Unausgegorenheiten und Inkonsistenzen verhageln auch den Bundestagswahlkampf des gewitzten und schlagfertigen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück immer wieder. Wahlkampf verkommt zu Wahlkrampf.

Hatte er doch, kurz bevor er unsere Schloßstadt am Montag besuchte, noch werbewirksam gegen die EU-Regulierungwut hergezogen und eingestanden, Glühbirnen zu hamstern (wohl aber für weniger finanziellen Einsatz als Helmut Schmidts Ziggi-Hamsterkäufe für überschlägig schlappe 10.000 € - ob Schmidts Zigaretten durch die Hausratversicherung abdeckt sind...?).

Und dann das für Steinbrück:

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/spd-im-wahlkampf-peer-steinbrueck...

Was sagte Hans Apel einst gleich noch mal...?

Heute verstehe ich

Ihre Kritik nicht ganz, werter huhi. Es ist doch die BW-Landesregierung, die eben in diesem Artikel ein Loblied auf die Gülle-Gasanlagen singt und deren flächendeckende Verbreitung befördert.

"Umso erfreulicher ist deshalb nun die Entwicklung bei den kleinen güllebasierten Biogasanlagen mit einer Leistung von bis zu 75 Kilowatt. Die EEG-Sonderregelung sieht für kleine Hofanlagen mit mindestens 80 Prozent Gülleeinsatz vor". Also bei den kleineren Anlagen bis zu 20% Getreideeinsatz? Da wäre z.B. die in Heidelsheim angedachte Anlage mit etwa 4% NawaRo wesentlich kleiner im Verbrauch von zugesetztem Getreide.

" In einigen Regionen im Land kam es bereits zu einer starken Konkurrenz mit der Nahrungsmittelerzeugung um die vorhandenen Ackerflächen." Wenn ich das richtig deute, benötigen kleinere Anlagen im Verhältnis mehr Getreidezuzatz als größere Anlagen. Also würde auch die Beförderung der kleinen Anlagen insgesamt zu einer größeren Konkurenz mit der Nahrungsmittelproduktion führen?

"Nach Schätzungen der staatlichen Biogasberater liege der Anteil der Gülle, die zunächst energetisch verwertet wird, bevor sie als wertvoller Dünger in der Landwirtschaft zum Einsatz kommt, derzeit erst bei rund 15 Prozent der in Baden-Württemberg insgesamt anfallenden Gülle." Hier wird doch impliziert, dass 15% noch viel zu wenig sind und fleißig zugebaut werden müßte.

Ich halte die PM für sehr widersprüchlich in sich. Dass Sie Trittin und Künast angreifen, kann ich ja verstehen, aber dann die Landesregierung außen vor lassen, verstehe ich nicht.

Die Seitenhiebe auf Glühbirnensammler und Mentholverdampfer hätten m.E. "Satire" als "Tag" gerechtfetigt.

Kleinvieh macht auch Gülle

@Filou
Nun ja, ich dachte, gewisse ministeriell betriebene, propagandistische Winkelzüge erschlössen sich implizit aus der PM.

Sagt uns die PM doch, so ziemlich alle bisherigen Biogas/masseträumereien - und nicht nur die - lösten sich bisher in (Bio-?) Luft auf.

Aber warum deshalb verzagen in BW?

Also auf zu

Schritt eins:

Perspektivisch Denken.

Ergebnis: Noch ist ja nicht jeder universell vorstellbare EEG-Unsinn ausprobiert worden!

Schritt zwei:

EEG-Projektsuche unter der Nebenbedingung von maximalen Subventionsmöglichkeiten. Ökologische Aspekte werden gerne berücksichtigt, sind aber notfalls zu vernachlässigen.

Ergebnis: Weshalb nicht mal einen auf sondersubventionierte Klein-Anlagen-Biogas-Gülle machen. Motto: Kleinvieh macht auch Gülle.

Schritt drei (da sind wir gerade angelangt):

Propagandamaschine anwerfen und dabei ggf. allgemeine Verwirrung stiften.

Ergebnis: PM-Lobhudeleien und rhetorische Klimmzüge:

"Es ist umso erfreulicher, als die Erzeugung erneuerbaren Stroms größtenteils aus Gülle erfolgt. Gülle fällt ohnehin an und ist anders als beispielsweise Mais keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion."

Wäre die Angelegenheit nicht so unappetitlich, man wollte sich diese neue, profunde PM-Erkenntnis zu Gülle als Nahrungsmittel gerne auf der Zunge zergehen lassen...

Dreist wird die Sache dann aber im Zusammenhang mit der PM-Überschrift:

"Güllebetriebene Biogasanlagen stehen nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion".

Denn diese Aussage ist logisch schlichtweg aus der PM nicht abzuleiten und daher blödsinnig, wahrscheinlich aber eher absichtlich täuschend.

(Schritt vier ist übrigens: Probleme kleinreden, finanzielle Auswirkungen unterschlagen bzw. kaschieren/Schritt fünf: Projekt einschlafen lassen oder zusammenfalten, aber dies nur simultan mit Schritt eins - s.o.).

Daneben, Filou, Sie haben völlig recht mit Ihrer Beobachtung: Nur schlappe 15% der Gülle landet in energetischen Aufbereitungsanlagen. Das mahnt die Landesregierung offensichtlich an und sieht (subventionierten) Nachholbedarf.

Daher wäre es schon möglich, dass es ministerielle Zielvorgabe ist, sämtliche BW-Gülle energetisch zu "nutzen", dies vielleicht sogar langfristig zu 100% nur in kleinen Biogasanlagen (natürlich unter "möglichst geringer" - was immer das bedeutet - Beimischung "nachwachsender" Getreidesorten, die dann leider nicht mehr auf den Teller kommen...; aber wenigstens bitte bitte bitte nicht zu viel Mais...).

Man darf die visionären Gaben mancher MinisterInnen keinesfalls unterschätzen. Auch derartige Leute schlafen manchmal schlecht…

Und warum die Schallmauer von 100% nicht gar durchbrechen? Was hindert daran, Visionen zu Leben, solange die Kosten vergesellschaftet werden.  

Gerüchteweise stehen, die Minister Hermann, Untersteller und Bonde mit Wiesenhof sowie norddeutschen Schweinemastbetrieben in Verhandlungen, um auf dem kurzen Dienstweg eine recht anrüchige Netzverbindung ins Ländle legen zu lassen.

Es ist angedacht, den Nord-Süd-Dialog, der seit Oettinger und Wulff im Argen liegt, wieder anzukurbeln und eine Güllepipeline - ggf. neben den unteririschen Windenergiestromnetzen - zu installieren.

Stichwort: Importgülle, landesintern auch gehandelt unter dem Codewort „Duftnote“.

Wie gehabt, sollen diese Gülleröhren über Bürgerbeteiligungen der (betuchteren) Bevölkerung „schmackhaft“ gemacht werden; wobei der Begriff „schmackhaft“ auf Abteilungsleiterebene noch auf Vorbehalte trifft…

PS- gendersensitiven Menschen fiel in der PM sicherlich auf: Biogasberaterinnen? Fehlanzeige! Da PMs aus Stuttgart zwar nicht notwendigerweise logisch sinnvoll sind, immer aber - es gilt Prioritäten zu setzen - genderneutral verfasst werden: Stuttgart hat scheinbar tatsächlich keine Biogasberaterin! Ein weiterer, recht unappetitlicher Aspekt...

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