Fotografischer und schriftlicher Nachlass von Artur Haßler an Stadtarchiv übergeben

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Wiederaufbau des Bruchsaler Schlosses ist akribisch dokumentiert
Freitag, 7. September 2012 - 11:06

Bruchsal (pa.). Über den Dächern der Stadt Bruchsal stehen zwei Männer und unterhalten sich. Das Bild erinnert an die berühmt gewordenen „Skywalker“, die das Empire State Building in New York erbaut haben. Die Szene ist jedoch nicht im fernen Amerika, sondern im heimischen Bruchsal entstanden und zeigt den Bauingenieur und Architekten Artur Haßler bei einer Baumaßnahme in der Bruchsaler Innenstadt – im Hintergrund ist deutlich der Bergfried zu erkennen.

Hassler Stadtkirche

Artur Haßler (rechts) mit einem unbekannten Gesprächspartner auf dem Dachgerüst der Stadtkirche während des Wiederaufbaus 1954. Foto: Haßler

Haßler ist in Bruchsal bekannt geworden durch die Betreuung des Wiederaufbaus des Bruchsaler Schlosses und der Stadtkirche. Das Bild entstammt seinem privaten Nachlass, der bisher unter Verschluss gehalten wurde und nach dem Tod der Witwe jetzt durch die Söhne Dr. Michael und Dr. Dieter Haßler an die Stadt Bruchsal übergeben wurde.

Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick und Stadtarchivar Thomas Moos nahmen die besondere Sammlung, die rund 6000 Schwarzweiß-Bilder, über 2000 Farbdias sowie ca. 30 Schmalfilme umfasst, bei einem Termin im Rathaus am Marktplatz entgegen. „Ich weiß sehr genau, welche Schätze Sie uns überreichen“, sagte Petzold-Schick bei der Übergabe im kleinen Kreis und dankte den Söhnen Michael und Dieter Haßler für die Bereitschaft, diesen wertvollen Nachlass in städtische Obhut zu geben. Die Sammlung von Artur Haßler wird ergänzt durch einen umfangreichen schriftlichen Nachlass, der unter anderem akribisch den Wiederaufbau des Bruchsaler Schlosses dokumentiert. „Zum Nachlass zählen unzählige bisher nicht bekannte Fotos, Pläne, Skizzen und handschriftlicher Schriftverkehr“, schwärmt Stadtarchivar Moos. Dabei handele es sich um nie gesehene Motive, die nicht nur das Bruchsaler Schloss, sondern auch die Innenstadt und die Stadtkirche, einige Faschings- und Sommertagszüge aus den 1950er Jahren sowie die Ortsteile und weitere Gemeinden im Landkreis umfassen.

Haßler-Nachlass

Stadtarchivar Thomas Moos, Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, Dr. Dieter Haßler und Dr. Michael Hassler bei der Nachlass-Übergabe im historischen Sitzungssaal des Bruchsaler Rathauses. Foto: pa

Artur Haßler (geb. 1908) hat von 1947 bis 1976 als Bauingenieur und Architekt gewirkt. Bis 1954 war er zunächst freiberuflich tätig. In dieser Zeit ist u. a. der Wiederaufbau des Europakinos – heute bekannt als Cineplex – oder der „Möbel-Hoffmann“ entstanden. Ab 1953 war Haßler bei der Staatlichen Hochbauverwaltung, Außenstelle Bruchsal, mit dem Wiederaufbau der Stadtkirche und ab 1957 des Bruchsaler Schlosses betraut. Im April 1976 verunglückte der „Architekt des Wiederaufbaus“ tödlich. Der größte Publikumsmagnet Bruchsals erinnert heute noch an seine langjährige Wirkungszeit. Ohne die Beharrlichkeit Artur Haßlers wäre das Schloss möglicherweise nicht so detailliert in der originalen Form rekonstruiert worden. Durch die Übergabe des Nachlasses an die Stadt Bruchsal besteht nun die Möglichkeit, wichtige Stationen des Wiederaufbaus von Schloss und Stadtkirche, aber auch des Bruchsaler Stadtlebens der 1950er und 1960er Jahre in unbekannten Perspektiven nachzuvollziehen.

Wie geht es nun weiter? Während die Schwarzweiß-Fotos bereits digitalisiert sind, wird das Stadtarchiv Bruchsal nun die Farbdias digital erfassen. Aus einer repräsentativen Auswahl von Fotos soll dann ein Buchband, editiert von Dr. Michael Haßler, entstehen. Es wäre keine Überraschung, wenn darin auch wieder das Foto zu finden wäre, das den jüngeren Artur Haßler über den Dächern Bruchsals zeigt.

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Kommentare

Bleibt zu hoffen...

daß Stadtarchivar Thomas Moos Auszüge aus dem Bild- und Filmnachlaß wieder in einer Vortragsreihe der Öffentlichkeit nahe bringt... Übrigens: Auf dem Holzgerüst der Stadtkirche sind wir Kinder damals herumgeklettert bis auf die Betonplatform des Turms hinauf, bevor die Haube aufgesetzt wurde. Es war eine traurige Aussicht auf das zerbombte, sich im Wiederaufbau befindliche Bruchsal, die wir Kinder (9 bis 11 Jahre alt) tonpfeifchenrauchend genossen.

Vortragsreihe

Klar, Vortrag (oder Reihe?) kommt, sobald die Farbbilder digitalisiert sind, das dauert noch ein paar Wochen. Ein paar Beispielbilder aus dem S/W Archiv stelle ich demnächst mal hier ins Netz.

Übrigens, vielleicht kennt ja jemand den Gesprächspartner von dem oben gezeigten Bild auf der Stadkirche?

Gruß,

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