ewb übernimmt die Ersatzversorgung der FlexStrom-Kund(inn)en

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Billiganbieter-Töchter Löwenzahn Energie und OptimalGrün sind ebenfalls pleite
Donnerstag, 25. April 2013 - 16:26

Wieder kommt ein Billig-Energieanbieter die Verbraucher/-innen und die lokalen Energieversorger teuer zu stehen: Der „unabhängige Energieversorger im Herzen Berlins“, die FlexStrom AG, die ihr Geschäftsmodell („verboten günstig“) schon im Logo plakativ beworben hatte, ist insolvent. Und mit ihr deren Tochtergesellschaften Löwenzahn Energie GmbH und OptimalGrün GmbH. Mittlerweile hat die FlexStrom AG von sich aus die Belieferung ihrer Kunden eingestellt. Auf ihren Internetseiten waren die Kund(inn)en zunächst informiert worden, dass trotz der Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen von FlexStrom und deren Töchtern am 12. April der Geschäftsbetrieb vorläufig weiterlaufe. Für die Kund(inn)en hätte dies laut FlexStrom bedeutet, dass der Energieversorger weiterhin Strom für sie ins Netz einspeist, sie weiterhin fällige Beträge zu begleichen haben, und ihr Vertrag unverändert weiterläuft. – Erst wenn FlexStrom aufgrund der Liquidation durch den Insolvenzverwalter keine Energie mehr liefern sollte, so die Verbraucherzentralen, dürfen Kund(inn)en alle weiteren Zahlungen an FlexStrom einstellen.

Diese Situation ist seit dem 19. April gegeben: Da die vier überregionalen Netzbetreiber Tennet TSO, 50Hertz Transmission, Amprion und TransnetBW ihre Verträge mit Flexstrom fristlos gekündigt haben, wie der vorläufige Insolvenz- verwalter Christoph Schulte-Kaubrügger gegenüber dpa angab, kann der insolvente Energiehändler FlexStrom seine rund 500.000 Kunden nicht mehr mit Strom beliefern. Im ewb-Versorgungsgebiet sind rund 120 Privathaushalte von der FlexStrom-Insolvenz betroffen.

„Niemand, der bisher von der FlexStrom AG oder deren Töchtern mit Strom und/oder Erdgas beliefert wurde, muss jetzt aufgrund des Insolvenzantrags Versorgungsengpässe oder gar Versorgungslücken befürchten“, so Stefan Baumann, ewb-Abteilungsleiter Kundenservice. Im Rahmen der so genannten Ersatzversorgung werden die bisherigen Kunden des privaten Energiedienstleisters zunächst von der Energie- und Wasserversorgung Bruchsal GmbH (ewb) mit Energie beliefert. Als Grundversorger ist die ewb nach dem Energie- wirtschaftsgesetz (§ 38 EnWG) verpflichtet, bei Ausfall eines Lieferanten die betroffenen Kunden längstens drei Monate im Rahmen der Ersatzversorgung mit Energie zu beliefern. Dadurch ist deren Versorgung mit Energie zumindest für die kommenden drei Monate sichergestellt.

Für die Ersatzversorgung zu den aktuellen ewb-Preisen der Grundversorgung für Strom und Erdgas müssen die Kunden jedoch finanziell selbst aufkommen. Sie haben die Möglichkeit, sich innerhalb der Dreimonatsfrist einen neuen Energielieferanten zu suchen, oder können sich für ein günstiges Produkt der ewb entscheiden. Unternehmen sie nichts oder finden sie keinen neuen Lieferanten, werden sie in der Folge von der ewb als ihrem örtlichen Grundversorger mit Energie beliefert. Mit der Kündigung des Vertrages zwischen der ewb (Netzbetreiber) und der FlexStrom (Lieferant) endet allerdings nicht automatisch der Liefervertrag zwischen den Kunden, die meist in Vorleistung getreten waren, und dem privaten Energieversorger, der erklärtermaßen Liquiditätsprobleme hat.

Die Verbraucherzentralen empfehlen Kund(inn)en, die noch Forderungen gegen FlexStrom haben, beispielsweise aus geleisteten Vorauszahlungen oder Kaution, sich an das Insolvenzgericht in Berlin zu wenden. Betroffene sollten ihre Forderungen in die Insolvenztabelle des Insolvenzverwalters eintragen lassen. Nach der FlexStrom-Insolvenz können die Kund(inn)en problemlos zur ewb zurückkehren. Dort waren die meisten von ihnen nämlich, bevor sie das Angebot der Billig-Lieferanten wahrgenommen hatten. Allerdings müssten die Betroffenen sich darüber im Klaren sein, dass sie am Ende Geld verlieren werden. Die Restsumme sei zwar beim Insolvenzverwalter einklagbar, aber bei in der Regel ein paar hundert Euro sei eine solche Klage kaum erfolgreich.

Nach der jetzt erfolgten Liefereinstellung seitens FlexStrom können deren Kunden ein außerordentliches fristloses Kündigungsrecht (§§ 314, 323 BGB) aus wichtigem Grund geltend machen. Für weitere Fragen ist der ewb-Kundenservice unter der kostenlosen Servicenummer 0800 706 04 44 oder per E-Mail unter kundenservice [at] ewb-bruchsal [dot] de zu erreichen.

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Kommentare

Für die Kunden

Ist das natürlich schade.... Dass die zum Grossteil per Vorkasse gezahlten Gelder weg sind, aber solche Unternehmen haben auf dem Deutschen Strommarkt oder auf anderen Märkten dieser Welt nix verloren. Das Schlimme ist, dass dieser (Insolvenz-) Ruf dem "Unternehmen" bereits seit Jahren vorauseilte und keine Behörde sich - trotz vielfacher Hinweise - bemüßigt gefühlt hat einzugreifen. Jetzt haben die aktuellen Kunden halt den Salat....

Nach Teldafax

hätten die Leute mit Vorauszahlungen kritischer sein müssen. Aber nach dem Motto abgeschlossen: "Mir passiert schon nix", wird danach lamentiert. Im Übrigen, sind die Schäden die uns die "Bankberater" zugefügt haben wesentlich schmerzhafter.

Aber Filou

dass die Kunden selbst schuld sind an der Insolvenz (wg. der schlechten Zahlungsmoral) hat bereits Flexstrom auf der eigenen Homepage veröffentlicht.

Da ich Insider bin, kann ich Ihnen noch ein paar nähere Infos geben, wie hier gearbeitet wurde:

Es wurde den Kunden häufig im Voraus ein Strompreis mit einberechnetem Bonus angeboten. Dieser Bonus bezog sich aber auf die Kundentreue sprich ein 2. Vertragsjahr. Wenn man nach einem Jahr kündigte, zahlte Flexstrom den Bonus nicht aus, bzw. forderte diesen vom Kunden nochmals nach. Durch den eingerechneten Bonus rutschte Flexstrom aber erst auf die vorderen Ränge in den entsprechenden Vergleichsportalen. D. h. ohne Bonus hätten sich viele Verbraucher garantiert einen anderen Stromlieferanten gesucht. Da dies in den AGB teils stark verklausuliert dargestellt wurde, bekamen die Kunden vor dem einen Amtsgericht beispielsweise einen Anspruch auf den Bonus, beim anderen Amtsgericht allerdings nicht, so dass hier eine ständige Rechtsunsicherheit herrschte. Zudem waren die Stromkosten im 2. Jahr häufig so hoch, dass viele Kunden vor der weiteren vertraglichen Bindung zurückschreckten. Kunden welche diese Bedingungen dennoch erfüllten, wurde der Bonus häufig vorenthalten, nach dem Motto:"Schwups, haben wir vergessen..."

Vielen Kunden wurden Rechnungen entweder ganz oder anteilig gleich doppelt gestellt. Nicht häufig flatterte einem nach dem ersten Vertragsjahr und erfolgter Kündigung eine nachträglich korrigierte Rechnung ins Haus (dies bezieht sich nicht auf etwa zusätzlich verbrauchten Strom, sondern lediglich auf die bereits im Voraus bezahlten Kontingente). Es wäre z. B. noch etwas nachzuzahlen, nicht selten wurde nochmal der gesamte Jahresbetrag gefordert. Aufgrund der Vielzahl der Fälle kann man hier prinzipiell nicht mehr von einem Versehen ausgehen. Ich möchte nicht wissen, wieviele Kunden hier evtl. im Glauben es habe alles seine Richtigkeit ihre Rechnung zumindest teilweise unnötigerweise noch einmal bezahlt haben.

Auch Guthaben wurden von diesem Unternehmen grundsätzlich so lange verwaltet, bis man entweder die Vorstände anschrieb oder sich einen Rechtsanwalt nahm ( mir selbst erging es so).

Der Kundenservice war unterste Schublade. Beim Vertragsabschluss wurde man noch hofiert, danach war man nur noch Kunde 2. Klasse. Die Einwahl in den Kundenbereich war stets kostenpflichtig, die Betreuer schienen normale Call-Center-Mitarbeiter zu sein. Sie hatten über die Rechnungslegung hinaus oft kein Hintergrundwissen und taten sich allgemein mit Service schwer. Eine Mitarbeiterin erschien mir am Telefon so überfordert, dass sie ihr Heil in der Offensive sprich - Rumschreien - suchte.

Dies nur mal als Hintergrund zu den Geschäftspraktiken; ich bin froh, da mit einem blauen Auge davongekommen zu sein und hoffe, dass sich viele das vorher überlegen, ob sie zu solch zwielichtigen Anbietern wechseln wollen. Dann lieber EnBW ein Leben lang....

Hier ein schöner Link zum Thema

Schlechte Erfahrung mit FlexStrom AG

Hall zusammen,
Ich würde gerne wissen, welchen Stromanbieter habt ihr. Ich bin mit FlexStrom absolut unzufrieden. Beim Wechsel in Tarif 1833 wurde mir nicht bekannt gegeben, daher wurde der Erhöhung rückwirkend widersprochen. zweitens, bei der Abrechnung fehltemir der Bonus über 100,00 €, dass mir versprochen wurde. Ich habe mich tausendmals an FlexStrom gewendet, hat mir aber nichts gebracht. Dann habe ich auch, nach der Empfehleung von einer Frau in diesem Forum, meine Beschwerde auf http://de.reclabox.com/firma/133-FlexStrom-AG publiziert. Kurz danach habe ich die Antwort bekommen. Ich wollte, dass sie mir den Mehrverbrauch vertragsgemäß abrechnen und den Bonus berücksichtigen. Die Sache hat sich nicht gross geändert, aber meine Beschwerde wurde mindestens in Betracht genommen.

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