Es war einmal...(11)

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Lokales Bruchsal vor 20 Jahren. Heute: Faschingsumzug 1992
Montag, 4. Februar 2013 - 23:16

Motto

Anspielung auf RTB

Also, ich denke, dieses Video ist wirklich ein zeitgeschichtliches Dokument über die Brusler, es zeigt nämlich, daß diese nicht so humorlos sind, wie allgemein vermutet.

Dieser Fasnachtsumzug war unglaublich, nie habe ich vorher und hinterher mehr Menschen in Bruchsal gesehen als damals - und alle gingen begeistert mit. Ich bin eigentlich kein Freund des Straßenfaschings, aber dieser Umzug konnte es an Stimmung und Ausgelassenheit mit den Umzügen in Mainz und Köln aufnehmen.

Zigtausende säumten die Straßen, jubelten, sangen, tanzten, ich hatte das schon fast vergessen, bis ich diesen alten Film wieder sah. Diese Farbenpracht und diese Geräuschkulisse.

Hexe
Musikgruppe
Faschingsgruppe

Es waren über 20 Musikgruppen unterwegs, Fanfahrenzüge, Guggemusiken, Spielmannszüge, allüberall lag Musik in der Luft, die Mikrophone der Kamera waren gar nicht mehr in der Lage, zu orten, woher die Musik kam. Dazu noch das Geschrei der Menge, kurz und gut: Eine Bombenstimung, die sich vom Beginn des Zuges bei der Post bis zur Kaiser- und Huttenstraße steigerte und in der "Kloschdergass" ihren absoluten Höhepunkt fand. Dort war kaum mehr ein Durchkommen möglich, weshalb sich unser Kameramann auf den Motivwagen des Bouleclubs über RTB (Radio Tele Bruchsal) geflüchtet hatte.

d'Kloschdergass in Brusl

Die Kamera war mitten im Geschehen zwischen den Gruppen und konnte so tolle Bilder liefern, z.B. die ca. 40 Beinpaare einer rein weiblichen Musikgruppe in der Huttenstraße, die im Gänsemarsch an der Kamera vorbei defilierten - eine Augenweide für Männer (war das jetzt "sexistisch"?). Auf jeden Fall war das von den Damen bestimmt so so gewollt.

Beine

Schauen sie sich den Film ruhig mal an, vielleicht entdecken Sie alte, nun noch ältere Bekannte oder gar sich selbst, ich habe jede Menge entdeckt, besonders in dä Kloschdergass. Viel Spaß!

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.7 (6 Bewertungen)

Kommentare

Filmbeiträge "Es war einmal"

Lieber Herr Zimmermann,
vielen Dank für die interessante historische Serie "es war einmal ..."
Auch wenn ich mit Fastnacht wenig am Hut habe muss ich feststellen, dass das Niveau und die Kreativität der Fastnachter vor zwanzig Jahren wesentlich besser war als heute. Der diesjährige Fastnachstumzug ähnelte weitestgehend dem des Vorjahres: Lauter Rambazambagruppen oder kommerzielle Teilnehmer und wenig aktuelle Themen. Nichtregionale Gruppen waren auch dieses Jahr attraktiver als die heimischen Gruppen, die in der Minderheit waren. Außer den Teilnehmern der närrischen Veranstaltungen (Monsterkonzert, Rathausstürmung) gab es nur wenige sonstige Zuschauer. Da war früher mehr los in der Innenstadt wie Ihr Filmbericht beweist.

Sicherheitsauflagen

Wer sich die damals geltenden und dagegen die heute geltenden Sicherheitsbestimmungen anschaut, wird schnell dahinter kommen, warum es immer weniger Gruppen werden.

Nur um den Wagen selbst auf die Strecke zu bringen, sind schon 5 Leute notwendig. 4 Posten Sicherung, 1 Fahrer.

Dazu kommen Kosten für Unterstellung, Aufbau, Reparatur, usw...

Sponsoren finden sich immer weniger und das "Geschrei" über die 2,50 € für die Zugplakette wird auch immer lauter.

Warum geht der Zug z.b. nicht mehr durch die Klostergasse? Bestimmt nicht, weil die Narren es nicht mehr wollten. Es war einfach Sicherheitstechnisch nicht mehr zu bewältigen, von den Beschwerden der Anwohner wegen Zerstörung, Belästigung usw. mal ganz zu schweigen. 

Es sind nicht die Narren, die solche Umzüge zerstören, sondern die Unvernunft und das Verhalten einiger Zuschauer.

In vielen anderen Orten wurden dieses Jahr bereits die Umzüge abgesagt, unter anderem in Landau, da sich die Organisatoren ausser Stande sehen, die Auflagen zu erfüllen.

Wer sich mal die Pöbeleien des "Publikums" anhören "durfte", weil man sich weigert, Wein und andere alkoholische Getränke vom Wagen zu geben oder die Karamelle einen "armen Unschuldigen" am Kopf getroffen hat, der fragt sich, warum sich die Narren das immer wieder antun.

Es wurden sogar Zugbegleiter schon angegriffen, weil sie angetrunkene mit mühe davor zurückhalten konnten, dass diese ins Fahrzeug oder sogar unter den Wagen laufen.

Fragen sie mal beim Veranstalter, dem KBF Bruchsal nach, was diese alleine als Sicherheitsleistung vorhalten müssen um diesen Umzug veranstalten zu dürfen.

Werter Unbekannter,

Wir sind nicht einfallsloser als unsere 'Mentorengeneration'. Nur sollte man bedenken, dass beispielsweise zu Beginn der 1990er Jahre viele Guggenmusiken gegründet wurden. Damit war es leicht, Leute zu begeistern und sie auf den Rathausplatz zu locken. Leider nutzt sich auch diese Facette der Fasnacht nach 20 Jahren langsam ab.

Dies ist keine Wertung über die Qualität der Gruppen, es ist aber einfach so, dass der Reiz des Neuen nach dieser Zeit nicht mehr gegeben ist. Mittlerweile haben sich auch schon einige der Gruppen aufgelöst, gerade in den letzten Jahren.

Die, die heute Fasnacht organisieren, müssen sich mit Dingen rumschlagen, die vor 20 Jahren einfach nicht notwendig waren. Wir müssen zusehen, dass wir denen, die unserem Treiben zusehen wollen nicht durch alkoholisierte, agressive Jugendliche und junge Erwachsene der Spaß verdorben wird.

Ich bin mir nicht sicher, ob ihnen bewusst ist, welch ein Aufwand dahinter steckt einen Umzug in der Größenordnung von Bruchsal oder überhaupt einen Fasnachtsumzug zu stemmen, aber ich kann ihnen versichern, dass es wesentlich mehr bedarf, als nur ein paar Zugteilnehmer in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Vor 20 Jahren haben die Kommunen noch sehr großzügige Unterstützung gewährt, was heute auch oft dem allgemeinen Sparzwang zum Opfer fällt, wobei hier erwähnt sei, dass Bruchsal uns dankenswerter Weise noch immer sehr großzügig hilft. Aber eben nicht mehr in dem Maße, wie es vor 20 Jahren noch möglich war.

Wie Michael schon erwähnte sind die Auflagen heute um ein vielfaches anders als noch vor 20 Jahren.

Dazu kommt, dass damals noch alle eine etwas gemütlichere Gangart in ihrem Leben hatten, die heute durch immer höhere Belastungen im Beruf und im Finanziellen häufig nicht mehr möglich ist.

Trotzdem wird es uns, denen, die hier und überall Fasnacht organisieren nicht zu viel. Wir würden uns auch manches anders wünschen, doch ist vieles einfach nicht mehr ohne Weiteres realisierbar.

Markus Böhmer

Vorsitzender des Narrenrates

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