Erste Notfallbox an Kreisarchiv übergeben

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Sicherung von Kulturgut ist Pflichtaufgabe | Archive und Bibliotheken arbeiten künftig in einem Notfallverbund zusammen
Freitag, 2. März 2012 - 13:51

Notfallkoffer

Die Notfallbox enthält alles, um im Notfall sofort mit der Rettung beschädigten Archivgutes beginnen zu können.

 Kreis Karlsruhe. Eine stabile Aluminiumkiste, vollgefüllt mit Folien und Tüten, Packschnur, Schutz- kleidung, Gummistiefel, Kabeltrommel und Hand- lampe stand am ver- gangenen Donnerstag im Mittelpunkt des Interesses einer Pressekonferenz, zu der Landrat Dr. Christoph Schnaudigel ins Landrats- amt Karlsruhe geladen hatte. Sie wurde anlässlich der Gründung eines Notfall- verbundes übergeben, in dem sich elf Karlsruher Archive und Bibliotheken zusammengeschlossen haben, um im Notfall wertvolles Kulturgut zu retten.

Zum Einsatz kommen die Materialien, wenn Archiv- oder Bibliotheks-bestände zu Schaden gekommen sind, zum Beispiel, wenn Wassereinbrüche Archiv- räume unter Wasser gesetzt haben, wie Kreisarchivar Bernd Breitkopf anhand des Hochwassers von 2002 aufzeigte, das den Archivkeller von Sulzfeld zwei Meter unter Wasser setzte. „Es muss nicht immer ein großes Unglück wie der Einsturz des Kölner Stadtarchivs oder der Brand der Anna Amalia Bibliothek in Weimar sein“, bestätigte Archivdirektor Dr. Jürgen Treffeisen vom Generallandesarchiv und zeigte anhand eines Rohrbruches im eigenen Hause auf, dass auch kleinere Schadensereignisse wertvolles Archiv- und Bibliotheksgut schädigen können. Sind Druckwerke mit Wasser vollgesogen zählt jede Stunde; es gilt, die Bestände möglichst schnell zu trocknen, um Schimmel zu verhindern, der sich bereits nach 24 Stunden bildet. Ein Wettlauf gegen die Zeit also, der nicht gewonnen werden kann, wenn die Archivbediensteten zunächst Materialien zusammenkaufen müssen.

„Der Koffer enthält alles, um sofort mit der Sicherung des geschädigten Kulturgutes beginnen zu können“, erläuterte der Archivleiter des Karlsruher Instituts für Technologie Dr. Klaus Nippert und demonstrierte an einem Testobjekt, wie im Notfall vorgegangen werden muss: sind Folianten oder Akten lediglich feucht, genügt bereits das Auslegen oder Auffächern der Seiten. Sind sie dagegen komplett durchnässt, müssen sie schnellstmöglich luftdicht in Folie verpackt werden, um danach abtransportiert und in einer speziellen Einrichtung schockgefrostet zu werden. Nur dies verhindert, dass die Seiten völlig aufquellen und schließlich zerstört werden. Der Notfallkoffer enthält alle Utensilien, um sofort mit der Sicherung beginnen zu können. Das bezieht sich sowohl auf die Sicherungsmaßnahmen an den Druckwerken selbst, wie auch auf die Ausrüstung, um geschädigte Räume überhaupt betreten zu können.

Vier Kisten enthält ein Notfallset, das künftig an jedem der elf Archive und Bibliotheken im Landkreis Karlsruhe stationiert werden. „Im Notfall helfen sich die Verbundpartner gegenseitig aus, so dass sehr schnell vorgegangen werden kann“, verdeutlichte der Leiter des Stadtarchivs und der historischen Museen Karlsruhe Dr. Ernst-Otto Bräunche, der seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, dass dieser Notfallverbund in einen bundes- und landesweiten Zusammenhang eingebettet ist und damit als nationale Aufgabe anerkannt ist.

Landrat Dr. Christoph Schnaudigel bekräftigte, dass die Sicherung von Kulturgut eine Pflichtaufgabe sei, der man sich ernsthaft stelle. Wichtig sei, dass man im Notfall Hand in Hand zusammenarbeite, wobei er ausdrücklich begrüßte, dass Kreisbrandmeister Thomas Hauck die Unterstützung der Feuerwehren zusicherte.

Im Karlsruher Notfallverbund haben sich die Badische Landesbibliothek, das Generallandesarchiv, das Stadtarchiv, das Kreisarchiv, das Landeskirchliche Archiv mit der Landeskirchlichen Bibliothek, das Karlsruhe Institut für Technologie mit seinem Archiv, dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieursbau sowie der Bibliothek, das Oberrheinische Literaturarchiv des Museums für Literatur am Oberrhein, die Staatliche Kunsthalle und das Badische Landesmuseum zusammengeschlossen.

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