Eine Enthüllung

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Lächelt sie wie Mona Lisa?
Donnerstag, 10. Oktober 2013 - 16:28

Skulptur, verhüllt

Dies hier soll keine Meldung werden, sondern ein Video/Bericht aus der Sicht eines teilnehmenden Bürgers, weshalb Bericht und Video auch etwas ausführlicher ausfallen, um eben jenen, die nicht dabei waren, einen Einblick in das Geschehen zu vermitteln.

Bei dem Geschehen handelt es sich um die Enthüllung der Babette-Ihle-Statue auf dem gleichnamigen Platz neben der Stadtkirche.

Enthüllung der Babette-Ihle-Statue

Nun sitzt sie da, die Bronzefigur der Babette Ihle, dem Bruchsaler Original, der Marktfrau und Heimatdichterin, im Schatten der Kirche. Sie sitzt da ein bisschen exponiert und verlassen, vielleicht hätte sie besser auf eine Bank in einer Nische der Stadtkirche Richtung Marktplatz gepasst, das ist aber meine einzige “Kritik” an der Figur.

Über Kunst kann man sich natürlich streiten. Was für die einen wie ein Lächeln der Mona Lisa aussieht, ist für die anderen eher das verschmitztes Lächeln einer geschäftstüchtigen Marktfrau, vgl. auch:

http://www.bruchsal.org/story/eine-interessante-frauengestalt-der-stadtgeschichte-von-bruchsal-babette-ihle

Der Künstler selbst, Pieter Sohl aus Heidelberg, der aus einer Künstlerfamiie stammt (vgl. auch Video unten)

Pieter Sohl

und schon viele Skulpturen geschaffen hat (u.a. den “Zeitungsleser” in Heidelberg), betonte denn auch, dass die Figur kein Porträt der Babette Ihle sei, sondern ein Bildnis, ein bisschen wie Eulenspiegel, fast “verklärt, vergeistigt”, denn schließlich “habe sie den Bruchsalern einen Spiegel vorgehalten”.

In Auftrag gegeben wurde die Figur von Frau Rosemarie Ihle, einer Großnichte von Babette Ihle.

Rosemarie Ihle

Diese hat die Statue der Stadt Bruchsal als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Die Entstehungsgeschichte des Denkmals schilderte Rosemarie Ihle in einer launigen Festansprache, auf die ich noch kommen werden.

Die Enthüllung  der mit großer Spannung erwarteten Figur fand vor einer großen Menge interessierter Bruchsaler statt. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Trio “Schneeberger” der Musik- und Kunstschule

Trio

sowie von Charlotte Saphire Alten von der Badischen Landesbühne.

Charlotte Saphire Alten

Charlotte Saphire Alten, Badische Landesbühne

Die Oberbürgermeisterin konnte eine ganze Menge hochkarätiger Gäste aus Politik und Wirtschaft begrüßen sowie Vertreter der Kirche, Pfarrer Edgar Neidinger und Parrer Dr. Jörg Sieger, welcher auch eine sehr nachdenkliche Rede zur Person der Babette Ihle hielt.

Doch zunächst oblag es Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, die Feierlichkeiten zu eröffnen. Sie betonte, dass der Babette-Ihle-Platz mit der neuen Skulptur “einen wichtigen Beitrag” leiste, “um der Innenstadt ein Stück Heimatgefühl zurückzugeben, das nach dem Krieg verloren war” und würdigte in einem kurzen Abriß das Leben der Babette Ihle sowie die Leistung deren Großnichte Rosemarie Ihle, welcher es zu verdanken sei, dass die Erinnerung an Babette Ihle wach gehalten wird und mit dieser Feier eine zentrale Würdigung erfährt.

Sodann schritt man zur Tat, die Stifterin Rosemarie Ihle, der Künstler Pieter Sohl und die Oberbürgermeisterin enthüllten gemeinsam die bis dahin unter weißem Leinen verborgene Figur der Babette Ihle.

Skulptur

Mona Lisa oder verschmitztes Lächeln einer Marktfrau?

Die Skulptur scheint Gefallen gefunden zu haben beim Bruchsaler Publikum, denn sie wurde mit viel Beifall bedacht. Man mag geteilter Meinung sein, einige hätten sich eher die etwas realistischere Darstellung einer Bauersfrau gewünscht, andere finden die Mischung aus realistischer Darstellung und vergeistigtem Sinnbild gelungen. Über Kunst kann man sich eben streiten, und der Künstler Pieter Sohl hat ja im Anschluss der Enthüllung auch seine Intentionen dargelegt (s. oben und Video), die man durchaus respektieren muß und die auch bei der Stifterin Rosemarie Ihle offenbar gut angekommen sind und nun auch beim Publikum.

Nach den Ausführungen des Künstlers Pieter Sohl ergriff “Peterspfarrer” Dr. Jörg Sieber das Wort, auch aus dem Grund, da die Peterskirche “ihre Kirche” war.

Pfarrer Dr. Jörg Sieger

Sehr nachdenklich reflektierte Pfarrer Sieger über das Leben der Babette Ihle, welches von einer Zeit zeuge, in der “Menschen bettelarm gewesen sind”. Das große Verdienst von Babette Ihle sei, dass sie “Menschen, an die eigentlich niemand denkt, ein Gesicht, und vor allem eine Stimme gegeben hat, und in diesem Sinne steht sie für uns auch als Mahnung, dass ein solches Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Schichten, dass eine solche Armut, wie sie Menschen damals erlebt haben, bei uns niemals mehr Wirklichkeit werden wird. Dafür gilt es zu kämpfen und allen Einsatz zu bringen. Das müssen wir tun.”

Die Chronistin Babette Ihles, Ilse Kölmel vom Arbeitskreis “Bruchsaler Frauengeschichte”, würdigte Babette Ihle, ihr Leben und ihre Zeit sehr kompetent, gewürzt mit kleinen Anekdoten.

Ilse Kölmel

Ilse Kölmel, Zeitzeugin und Chronistin von Babette Ihle

Ilse Kölmel ist sogar eine Zeitzeugin, denn sie kannte Babette Ihle noch persönlich. Ich verweise auf ihren sehr sehenswerten Beitrag und ein Kurzinterview im Video unten.

Rosemarie Ihle, Großnichte und Stifterin der Statue, hielt sodann eine launige Festansprache und würdigte den Schöpfer des Kunstwerks, Pieter Sohl, noch einmal ganz besonders. Auch wenn der Künstler schon immer mit den größten seiner Zunft verglichen worden sei, so sei sie doch froh, dass er noch nicht den Marktwert Picassos erreicht habe, denn sonst hätte sie sich das Werk nicht leisten können.

Sie wünsche sich für die Bruchsaler Frauen dass, einfach immer wenn sie an der Figur vorbeikommen, “sie [...] und etwas selbstbewußter weitergehen und sich sagen, wenn dieses Bauernmädchen aus der Obervorstadt so viel Mut, Zivilcourage und soviel Humor aufbringen konnte, dann kann ich das auch.”

Elisabeth Rieger und Stefan Schuhmacher vom Amateurtheater Koralle gaben zwischendurch Kostproben,

Elisabeth Rieger u. Stefan Schuhmacher

Elisabeth Rieger u. Stefan Schuhmacher, Amateurtheater "Die Koralle"

Gedichte von Babette Ihle, bevor Oberbürgermeisterin Petzold-Schick in einem abschließenden Interview feststellte,

Oberbürgermeisterin Cornelia petzold-Schick

dass dieser Festakt kein Abschluss der in den letzten beiden Jahren erfolgten Platzeinweihungen sei, sondern eher ein Ansporn für zukünftige Aktivitäten ähnlicher Art auf anderen Plätzen. 

Sehn Sie nun ins Video rein, für eine bessere Wiedergabequalität nach dem Start des Videos auf das Zahnradsymbol klicken, dann auf 720 oder 1080p:


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Kommentare

denn sie wurde mit viel Beifall bedacht

Schade, dass der Beifall so leise und zaghaft ausgefallen ist, aber vielleicht entstand dieser Eindruck im Filmbericht nur, weil das Aufnahmegerät dies nicht erfassen konnte.

ZSchade, dass der Künstler mehr Worte über sich und seinen Clan, als über sein Kunstwerk verloren hat. Kunst steht für sich und bedarf in vielen Fällen keiner Erklärung. Auch wenn die Figur eine realistische Darstellung ist, muss sie keine Ähnlichkeit aufweisen. Aber wenn sie Besonderheiten hat, hätte mich schon interessiert, weshalb.

Weshalb liegt die rechte Hand auf dem Knie? Im Allgemeinen würde niemand  ein Buch so halten, da die Gefahr des "Zuschlagens" besteht. Also muss diese Haltung doch eine künstlerische Bedeutung haben, oder nicht? Ob die Marktfrau aus Büchern vorgelesen hat oder nur aus ihren selbstbeschriebenen Heftchen, sei dahingestellt.

Weshalb neigt sich die Figur leicht nach rechts? Es ist ja nicht nur die Kopfhaltung, nein die ganze Körperhaltung. Welche Bedeutung hat dies?

Oder muss man das alles unter: "So isch's worra, des isch halt Kunscht" ablegen und vergessen? Aber, woher soll ein uneingeweihter Betrachter, und solche soll es ja auch sicherlich geben, das verstehen?

Wenn ein Künstler zur Zufriedenheit seines Auftraggebers gearbeitet hat, dann mag auch leise Kritik unberechtigt sein. Aber laut Nachzudenken muß erlaubt sein. Zu dem Ort, an den die Figur plaziert wurde, sagt man besser nichts, das muss künstlerische Freiheit sein. Stünde da nicht nicht ein Korb, man könnte die Statue auch für ...................................

Wenn schon jemand zur Bereicherung des Stadtbildes ein Denkmal stiftet, so würde ich etwas mehr Aufwand für die "Sitzordnung" von der Stadt erwarten. Aber auch dazu gibt es sicherlich verschiedenen Antworten.

Besten Dank auch für den Filmbericht an W.Zimmermann, der vielen Bruchsalern, die nicht an der Einweihung teilnehmen konnten, einen Eindruck von dem Festakt ermöglicht hat.

Beifall

Tatsächlich war der Beifall lauter und anhaltentender als im Videobericht. Beifall kommt in Tonaufnahmen immer viel lauter rüber als andere Töne, so daß der Tonpegel übersteuert und bei der Bearbeitung deshalb abgesenkt werden muß, damit er zu den anderen Tönen paßt. Auch habe ich die Beifallsphase verkürzt, da ich anschließend selbst einen kurzen Kommentar gab und deshalb nochmals um 6 Dezibel absenken mußte. Manches wird halt der Bearbeitung geschuldet, weil es nicht anders geht :-)
Wie sich ein kleines Versehen auswirkt, ist bei der Rede der OB zu hören: In ihren letzten Sätzen sprach sie lauter und ging näher an das Mikrophon ran, was ich vergessen habe, auszusteuern. Das Ergebnis ist deutlich zu hören: Passt nicht zum allgemein eingestellten Tonpegel - kann mal vorkommen...

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