Die Energie des Gegners zur eigenen Verteidigung nutzen

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Stadtwerke-Auszubildende begaben sich auf den Weg zur Harmonie ihrer Kräfte*
Dienstag, 12. Februar 2013 - 15:51

Sportzentrum, 1. Bruchsaler Budo Club e.V. (1.BBC), Dienstagnachmittag: Langsam füllt sich das hell erleuchtete Dōjō, der mit weichen Übungsmatten ausgelegte Trainingsraum für japanische Kampfkünste, mit Leben. Aikidō-Meister Lothar Weis stimmt die Schüler/-innen seines Anfängerkurses, die derzeit 18 Auszubildenden des Unternehmensverbundes Stadtwerke Bruchsal, mit einer kurzen meditativen Begrüßungszeremonie ein. Danach folgen Aufwärm-, Schritt- und Schlagübungen. Unterstützt wird er beim heutigen Training von den Aikidōka Manfred Kübler und Attila Sparapan. Als Krönung der Stunde wird der Meister zusammen mit ihnen ein paar beeindruckende Übungen der sanften fernöstlichen Kampfkunst zum Besten geben, mit der man von außen betrachtet ein ritualisiertes tänzelndes Miteinander assoziiert. Doch der Schein trügt, wie Cheftrainer Jürgen Preischl in seinem Buch „Aikidō und Physik“ andeutet: „Die natürliche Haltung eines Aikidōka besteht in einer gelassenen Körperhaltung (die blitzschnell die nötige Körperspannung abrufen kann) und einem aufmerksamen Geist.“

Aikidō entwickelt sich aus einem disziplinierten Geist/Willen als lenkende Kraft (KI) und der Absicht, Gedanken und Handlungen harmonisch anzupassen (AI). Im Aikidō trainiert man Körperhaltungen und mentale Einstellungen, die diesen Weg (DO) fördern und erleichtern. Fachleute sind sich sicher, dass ein gestärktes Selbstbewusstsein und ein gesundes Selbstvertrauen dazu beitragen, sich vor gewaltsamen Übergriffen erfolgreich zu schützen und auch in kritischen Situationen effektiv zu wehren“ (Homepage 1.BBC). – Uwe Kapp, Schwimmmeister und Ausbilder der Stadtwerke Bruchsal GmbH (SWB), der ebenfalls der Meinung ist, ein gesundes Selbstbewusstsein im Auftreten könne „seinen“ Auszubildenden nicht schaden, die im SaSch! zudem immer mal damit rechnen müssen, auf streitsuchende, weil alkoholisierte Badegäste zu treffen, kam auf die Idee mit dem Aikidō-Anfängertraining für die Auszubildenden. Er war ohnehin auf der Suche nach einer neuen Idee für eine gemeinsame Aktivität der Auszubildenden. So fühlte er in der Aikidō-Abteilung des benachbarten 1.BBC vor, kam mit Lothar Weis ins Gespräch, man war sich schnell sympathisch und wenig später einig: Hier würden die Azubis in eine Kampftechnik hineinschnuppern können, die es ihnen ermöglicht, sich selbst zu verteidigen, ohne dabei unnötig Gewalt anwenden zu müssen. Im Rahmen der regelmäßig mit ihren Ausbildern Rita Rauch, Uwe Kapp und Dragan Pavlovic stattfindenden Azubi-Sitzung waren die Auszubildenden gleich Feuer und Flamme für Kapps Vorschlag.

Kurzer Step, gerader Schlag, Stirn nach vorn…!“ Nicht nur die Judoerprobten unter den Azubis bringen vollen Körpereinsatz und erwecken den Eindruck, schon erheblich länger zu trainieren. Lothar Weis ist voll des Lobes: „Ihr seid super!“, spart der frühere Realschullehrer nicht mit motivierenden Zwischenrufen. Lothar Weis, dem man seine 75 Jahre nicht ansieht, ist mit großer Begeisterung seit fast 30 Jahren Mitglied im 1.BBC. Seit 1999 ist er Träger des 1. Dan, 2004 erreichte er mit dem 2. Dan die nächste Stufe. Er war 10 Jahre Aikidō-Abteilungsleiter. Die Stadtwerke-Auszubildenden trainierte er – ehrenamtlich! – immer dienstags, 15.00-16.00 Uhr. Sein Fazit nach sieben von neun Unterrichtsstunden: „Es macht mir unheimlich viel Spaß! Die Rolle vorwärts können die meisten, die Rolle rückwärts klappt bei allen.“ Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Es ist interessant, was man als Senior den jungen Menschen noch vormachen kann!“ Im Prinzip lernen sie, die Energie des angreifenden Gegners geschickt für die eigene Verteidigung zu nutzen. „Das ist pure Physik“, erklärt Weis, der als ehemaliger Techniklehrer seinem Cheftrainer Jürgen Preischl bei dessen Buch beratend zur Seite stand.„Die Bewegungen des Aikidō sind durch dynamische, natürliche Kreis- und Spiralbewegungen gekennzeichnet. Im Aikidō gilt als Grundsatz: Drehe Dich weg, wenn Du gestoßen wirst, und trete ein, wenn Du gezogen wirst" (Homepage 1.BBC). In der letzten Stunde trainierten die Stadtwerke-Azubis noch einmal gezielt mit Werner Dietrich, Karate-Meister (2. Dan) und Zweiter Vorsitzender des Vereins, konkrete Situationen der Selbstverteidigung. Er machte ihnen noch einmal deutlich, wie wichtig nonverbale Kommunikation im Alltag ist: selbstbewusste Körperhaltung, angemessene Distanz zum Gegenüber, Dauer des Blickkontakts oder allgemein wache Aufmerksamkeit. – Nach neun Wochen endeten die ersten Aikidō-Erfahrungen der Stadtwerke-Azubis. Meister und Schüler/-innen waren voll gegenseitiger Bewunderung und bedankten sich am Ende beim jeweiligen Gegenüber für "unheimlich viel Spaß", den sie miteinander hatten.

 

Aikido

Gehen seit dem Aikidō-Schnupperkurs aufrechter, wachsamer und selbstbewusster durchs Leben: die Stadtwerke-Azubis mit ihren Aiki

 

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