Elektroauto im Praxistest

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Der Stromos und ich - ein Erfahrungsbericht
Dienstag, 24. Mai 2011 - 17:23
Stromos 2

Der Stromos

Da steht er nun also in meiner Einfahrt, der Stromos von German E-Cars (warum eigentlich nicht „Deutsche Elektroautos"?)

Stromos ist ein Auto, das vollelektrisch fährt, also kein Hybrid. Ich darf das Fahrzeug als Teilnehmer einer Testreihe meines Arbeitgebers von Montag bis Freitag dieser Woche vollumfänglich testen, für betriebsbedingte Fahrten ebenso wie für private. 

Ich habe den Stromos gestern Abend im Parkhaus in Walldorf mit voll geladenen Batterien übernommen und mich auf den Heimweg gemacht. Nun, das war schon etwas ganz Besonderes das erste Mal mit einem völlig abgasfreien Fahrzeug zu fahren, bei dem man nicht einmal hört oder merkt, ob es betriebsbereit ist. Nun zum ersten Eindruck beim Fahren: Irgendwie finde ich es genial! Nun müssen Sie wissen, daß ich an sich schon ein wenig Autonarr bin, für mich ist ein Auto nicht nur Fortbewegungsmittel und ja, ich fahre auch mal gerne schneller auf der Autobahn. Der Stromos hat eine offizielle Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, ist also nicht gerade etwas zum Rasen. Aber wissen Sie was?

Das macht nichts! 120 km/h sind die meiste Zeit sowieso das Maximum auf der A5 zwischen Bruchsal und Walldorf und daher ist dies nicht wirklich ein Problem. ABER eines weiß ich schon jetzt: Das einzige Auto im Haushalt könnte der Stromos nicht sein, denn zum einen habe ich Bedenken ob der Sicherheit, säßen meine Frau und meine beiden Kinder mit drin und zum anderen ist das Auto selbst und vor allem der Kofferraum schon recht klein. Dennoch denke ich, daß der Stromos ein perfekter Zweitwagen für die Stadt und kürzere Strecken sein könnte.

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Kürzere Strecken wegen der dann doch geringen Reichweite von 120 km bei voll geladenen Batterien, d.h. ein Radius von 60 km ist denkbar - wenn man auch wieder zurück möchte- oder man muß zwischenladen.

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Display im Cockpit

 Das soll 2 Stunden dauern, ich werde das aber mal noch gesondert probieren und dann berichten. Ich weiß allerdings schon jetzt, daß ich -sollte das Display (siehe Bild) einen geringen Prozentsatz anzeigen- sicherlich recht schnell ins Schwitzen käme.
Apropos Schwitzen. Das Auto hat keine Klimaanlage, und Gimmicks wie elektrische Fensterheber und elektrische Sitze sucht man -jedenfalls in meinem- vergeblich. Es ist aber ein voller 4 Sitzer und einen MP3 Radio mit AUX-In Anschluß gibt es auch.
Das Fahrzeug hat manuelle 5 Gang Schaltung mit Kupplung (was mich verblüfft hat, denn ich rechnete eher mit einer Art Vario Automatik), wobei man an sich immer im 2. Gang fahren kann, von 0 bis 120 km/h, den ersten Gang braucht man nur bei Berganfahrten. Wofür Gang 3, 4 und 5 gebraucht werden, versuche ich noch bis Freitag zu ergründen.
Heute Abend werde ich mal nach Karlsruhe zu einem Termin fahren und HOFFENTLICH auch wieder zurückkommen.
Einen Arztbesuch in Bruchsal am frühen Nachmittag, den ich normalerweise mit dem Fahrrad erledigen würde, habe ich mal mit dem Stromos erledigt, lief alles wie geschmiert. Auch ja, das Ding hat den sogenannten Coolness Faktor, denn entweder wird man von Jugendlichen oder von älteren Menschen auf das Auto angesprochen, die sich nach den Details, insbesondere dem Preis für das Auto erkundigen.
Dieser liegt bei ca. 42.000 EUR als Grundpreis, also ne ganze Menge Geld für ein solch kleines Auto.

ddd

"Motorraum"

Nun noch ein paar Worte meinerseits zum Gesamtkonzept Elekrtoauto:
Ich persönlich denke nicht, daß dies ein zukunfträchtiges Konzept ist, sprich wir in Zukunft alle mit Fahrzeugen unterwegs sein werden, die rein batteriebetrieben sind. Dies kann aus meiner Sicht aus u.a. folgenden Gründen nicht funktionieren:

1. Noch immer ist nicht geklärt, wie all der Strom produziert werden und zur Verfügung gestellt werden soll, den zig Millionen Fahrzeuge verbrauchen werden.
2. Das Reichweitenproblem (hier gibt es verschiedene Lösungsansätze wie z.B. das Vertrauen auf technischen Fortschritt bei der Batterietechnologie oder das Batteriewechselkonzept von www.betterplace.com)
3. Der wirkliche CO2 Verbrauch des Fahrzeuges über den kompletten Produkt Lebenszyklus unter besonderer Berücksichtigung des Herstellungsprozesses der Batterien (meist in Asien)
4. Zu wenig Platz im Fahrzeug und zu hohes Gewicht.

So, nun habe ich mal ein paar Denkanstöße gegeben, vielleicht entwickelt sich ja eine lebhafte Diskussion. Ich jedenfalls werde mindestens noch einmal über meine weiteren Stromos Erlebnisse berichten. Sollten Sie nähere Infos haben wollen, oder vielleicht das Auto mal genauer unter die Lupe nehmen wollen, schicken sie einfach eine e-mail an info [at] bruchsal [dot] org oder mich direkt.

Hier noch ein paar interessante Links zu den verschiedenen Themen:

Das Future Fleet Project: http://www.futurefleet.de

Der Autohersteller German e-Cars: http://www.german-e-cars.de und seine Preisliste: http://www.german-e-cars.de/fileadmin/user_upload/Download/GEC_Preisliste-Stromos_2010.pdf

Das Better Place Project: www.betterplace.com

sded
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Kommentare

Reichweite

Hallo,
erstmal, sehr anregender Artikel. Ich selber interessiere ich sehr für Elektroautos. Bin allerdings eher der Meinung, man sollte sie noch nicht zu schnell abschreiben, da die Probleme auf Dauer doch lösbar scheinen. Allerdings dauert dies bestimmt noch ein paar Jahrzehnte. Auch für das Aufladen sind ja ein paar neue Technologien in den Startlöchern, wie zum Beispiel Induktion an Parkplätzen. Ich denke das das größte Problem eher das Geld sein wird. Denn die 42.000 für das kleine Auto machen natürlich keine Spaß.....

Totgeburt

e-Mobile haben m.E. in einer so trivialen Form keine Zukunft, es sei denn, man bekommt es gebacken, diese Fahrzeuge WÄHREND DER FAHRT aufzuladen. So könnte ich mir zwar vorstellen, dass man alle paar Kilometer "Ladestrecken" einrichtet, wo sich die Fahrzeuge mittels ausgefahrener Kontakte an in die Fahrbahndecke eingelassenen Ladeschienen bei Bedarf innerhalb von ein paar Sekunden blitzlädt, allerdings erforderte das aber Batterien, die sich derartig schnell laden lassen. Tankstellen entfielen völlig, Batterien ließen sich klein und sicher halten, denn man müsste per Batterie lediglich die Strecken bewältigen, die nicht mit Ladestrecken versehen sind.

Jede Form höchst "komprimierter" Energie ist gefährlich. Käme man tatsächlich dahin, Batterien zu entwickeln, die lange Fahrzeiten bei beladenen Fahrzeugen auch auf hügeliger Strecke mit Licht und Klimaanlage samt Komfortgimmicks ermöglichen würden, dann würde dieser Energiespeicher zwangsläufig eine erhebliche Gefahr und/oder Umweltbelastung darstellen. Mir sind aber auch keine chemischen Elemente bekannt, die sich für solche Energiespeicher eignen würden und nicht radioaktiv strahlen.

Man könnte alternativ die benötigte Energiemengen in verwendbarer Form direkt am Fahrzeug erzeugen. Doch die Erzeugung geeigneter Energie kostet selbst Energie und erfordert Platz und ist auf dem kleinem Raum eines Fahrzeugs nicht zu bewerkstelligen.

Was bleibt?

Vernunft! Mein Diesel mit 80 PS bringt meinen Hintern zwar etwas unspektakulärer nach Hause als mein 220 PS-Saab, aber dafür schluckt er auch nur die Hälfte.

Allerdings sind auch die Autobauer aufgefordert, bei ihren Produkten Vernunft walten zu lassen. Die Zeit der Boliden und Spaßmobilen ist vorbei.

Zukunft

Hallo Morgan,

ich denke dass diese Entwicklung schon eine Menge Potential hat. Jetzt vielleicht in Randbereichen, bald aber in Großteilen des weltweiten Verkehrsaufkommens.

Wenn Dein Diesel auch mal mit Solarstrom getankt werden könnte wäre es auch ein umweltfreundliches Auto. Oder mit Strom aus Gezeitenkraftwerken, Wasserkraft,...

So far,

Guybrush

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