Einführung von Frau Cornelia Petzold-Schick in das Amt der Oberbürgermeisterin am 6. Oktober 2009

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Dienstag, 6. Oktober 2009 - 23:45

Mit meiner Frau war ich bereits eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn der Veranstaltung im Bürgerzentrum. Es war bereits zu diesem Zeitpunkt knackevoll. Meine Frau ergatterte noch einen Stuhl in einer der hinteren Reihen.

Pünktlich begann die Veranstaltung mit einer Rede von Bürgermeister Hockenberger. Der Bürgermeister eröffnete die Gemeinderatssitzung, schilderte den protokollarischen Verlauf und übergab an den CDU-Stadtrat Raimund Glastetter, ehrenamtlicher Stellvertreter der Oberbürgermeisterin, das Wort. Nach einer nachdenklichen, den Kooperationswillen der CDU unterstreichenden Rede, nahm Herr Glastetter Frau Petzold-Schick den Amtseid ab, verpflichtete sie aufs Amt und legte ihr die Amtskette um.

Bruchsal hat eine neue Oberbürgermeisterin – eine neue Ära beginnt!

Oberbürgermeisterin Petzold-Schick

 

Jetzt traten die Vorsitzenden der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen ans Rednerpult, um ihre Glückwünsche auszusprechen. Matthias Holoch von der CDU hielt eine kurze und knackige Rede und überreichte Frau Petzold-Schick einen Nussknacker mit Hinweis auf die harten Nüsse, die sie noch zu knacken habe.

Danach sprachen Ernst-Friedrich Schäfer (SPD), Roland Foos (FW), Friedhelm Ernst (FDP), Ruth Birkle (Grüne/Neue Köpfe) sowie Helga Langrock als ehrenamtliche Stellvertreterin der zur neuen Oberbürgermeisterin. Durchweg gute, nachdenkliche Worte zur Begrüßung von Frau Petzold-Schick. Die Aufforderung von Frau Langrock an die neue Oberbürgermeisterin war: „Bleiben Sie sich selbst, bleiben Sie sich treu!“.

Danach begann der Empfang, eingeleitet von einem durch das Jazzorchester Bruchsal wunderschön vorgetragenen „S’Wonderful“.

Bürgermeister Ulli Hockenberger begrüßte das anwesende Publikum durch launige Worte und leitete über zum großen Reigen der Grußworte von Politikern, Vereinen und Kirche.

Das Jazzorchester Bruchsal intonierte nun „Let The Good Times Roll“ und leitete damit den Höhepunkt des Abends ein. Die Ansprache der neuen Bruchsaler Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick.

Ihre Antrittsrede begann Frau Petzold-Schick mit einem Zitat von Johann Wolfgang Goethe: „Alles Gute, das geschieht, setzt das Nächste in Bewegung". Dieses Zitat übertrug sie auf die Situation Bruchsals: „Wer setzt für Bruchsal etwas in Bewegung? Wohin soll sich Bruchsal bewegen? Wie erkennen wir, was gut ist?“ Weiter: „Denn Start einer Bewegung ist nicht ein Mensch, ein Beweger, sondern es ist die gute Tat, das Vorbild“. In ihrer Rede sprach die neue Oberbürgermeisterin weiter davon, dass der Mensch Bewegung weder initiieren noch aufhalten kann, aber er kann die Richtung der Bewegung beeinflussen, lenken und steuern, bremsen und Gas geben.

Sie sprach über den Co-Piloten, der ihr zur Seite steht, eine große und engagierte Crew von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die „mit Kompetenz und Bürgerfreundlichkeit die Stadt mit mir bewegen“.

Wichtig war Frau Petzold-Schick der Gedanke des Gemeinsamen: „Ich biete Ihnen bei meiner Lenkungsaufgabe einen Stil an, der von Transparenz und Dialogbereitschaft geprägt sein soll".

Die neue Oberbürgermeisterin sprach dann die verschiedenen Faktoren, „Menschenbeweger“ an. Die Unternehmerinnen und Unternehmer, die Kulturschaffenden, die „Häuserbeweger“ (Hausbewohner), die Landschaftsbeweger und letztendlich die Kommunikationsbeweger: „Nur informierte Bürgerinnen und Bürger können mitdenken, mitreden und somit mitentscheiden“.

„Wohin soll sich Bruchsal bewegen?“. Mit dieser Frage leitete die Oberbürgermeisterin ihre Handlungsfelder als wesentliche Leitmotive ihrer Steuerung ein.

„1. Familienfreundliches Bruchsal heißt soziales Entwickeln von Bruchsal. Eine familienfreundliche Stadt zu entwickeln, ist für mich ein wesentliches Ziel“. Sie sprach dann über den Ausbau von Kindergarten- und Krippenplätzen, den Ausbau des HdB zum Familienzentrum und der Schaffung von attraktiven Kinderspielplätzen und Jugendräumen. Ebenso mahnte sie eine lebendige Senioren- und Jugendpolitik an sowie die Integration von Ausländerinnen und Ausländern. Hier insbesondere auch die Kooperation mit den Sportverbänden. „Daneben gibt es auch immer mehr Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ohne staatliche Hilfe es nicht schaffen, ihr Leben zu meistern. Für sie müssen wir ein tragfähiges Netz an Hilfen knüpfen und damit die Balance in unserem Gemeinwesen in Bruchsal wahren. Und erst wenn ich sagen kann, dass weniger Kinder durch diese Maschen gefallen sind, bin ich am Ende meiner Amtszeit wirklich zufrieden.“

2. Bildungsstadt Bruchsal. Die Schulstadt Bruchsal soll zur Bildungsstadt entwickelt werden. Hier richtete sie ihre Worte direkt an die anwesenden Vertreter des Landes, die sie nicht aus der Verantwortung nehmen will. Die VHS, Bibliothek, MuKS sowie viele weitere Akteure sind besser zu vernetzen. Sie sprach auch Bildungsgemeinschaften, Netzwerken zwischen Wirtschaft, Kultur und Schulen an.

3. Wirtschaftsstandort Bruchsal stark erhalten war der nächste Themenschwerpunkt. „Die Wirtschaftskraft von Bruchsal ist die Lebensader und wesentliche Grundlagen sind von meinem Vorgänger OB Doll gelegt worden“. Eine aktive Bestandspflege muss betrieben werden, die Wirtschaftsförderung ist neu aufzustellen. Bruchsal braucht vernünftige innovative Konzepte und eine aktive Ansiedlungspolitik, „die mit Augenmaß die Flächen vergibt“. „Bei einer Bestandspflege darf der Blick nicht auf den Großbetrieben stehen bleiben. Selbstverständlich sind die kleineren und mittleren Unternehmen sowie die Handwerksbetriebe mit ihrem guten Branchenmix als verlässliche Partner ebenso wertzuschätzen.“

4. Lebendige Innenstadtentwicklung. Die Kaufkraft ist in der Stadt zu halten oder zumindest noch moderat auszubauen. „Stadtmarketing, Einzelhändler, Marktbeschicker, Werbegemeinschaft, wir alle sitzen im gleichen Boot für eine attraktive Innenstadt". Die neue Oberbürgermeisterin will viele Veranstaltungen nach Bruchsal holen und ein Aktionsprogramm „Lebendige Innenstadt“ entwickeln.

5. "Lebendige Stadtentwicklung heißt für mich innovative Stadtplanung. „Die Stadtplanung hat ein freundliches Gesicht von Bruchsal zu zeichnen“. So gilt es, auch die räumliche Qualitäten der Barockstadt für die moderne Bürgerstadt weiterzuentwickeln; auch die Anbindung des Schlosses in Richtung Innenstadt soll verbessert werden. Ebenso das ÖPNV-Angebot mit der Stadtbahn und das Stadtbusangebot.

6. Kulturstadt Bruchsal Hier begann Frau Petzold-Schick mit einem Vergleich der Olympiastädte Barcelona und Athen. Während Barcelona die Olympischen Spiele als Beginn eines Prozesses verstanden, waren die Spiele für Athen ein Schlusspunkt. Diesen Beginn eines Prozesses mahnte sie hier an: „Kultur in der Stadt löst Begrenztheiten, Kultur gibt andere Antworten, Antworten auf vielleicht noch nicht gestellte Fragen.“ Die neue Oberbürgermeisterin zeigte sich stolz über die vielen Kultureinrichtungen Bruchsals.

7. Bürgerservice und Sicherheit. Dieser Themenkomplex ist für Frau Petzold-Schick kein lästiges Übel sondern tragen zum Gelingen einer friedlichen und sicheren Stadt Bruchsal bei.

8. Klimaverbesserung Bereits im Wahlkampf sprach die neue Oberbürgermeisterin von einer Klimaverbesserung im doppelten Sinne. Hier mahnte sie an, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Sie möchte neuen Verkehrs- und Bautechniken gerne eine Plattform geben. „Innenverdichtung geht vor Außenverbreiterung“. „Es geht aber auch um eine Klimaverbesserung in der Verwaltung, im Gemeinderat, in der Bürgerschaft“.

9. Wir sind Bruchsaler. „Ich möchte, dass die Identität von Bruchsal erlebbar wird. Tradition, Wurzeln, Geschichte Bruchsals, wesentliche Menschen, die sie geprägt haben, sind wichtig. Denn ohne das Verständnis des Wohers wird auch ein Wohin nur schemenhaft“.

Frau Petzold-Schick setzte ihre Rede fort mit einem Zitat von Goethe: „Was ist das Gute, das bewegt werden soll?“ Jetzt sprach sie über grundsätzliche Probleme von Bruchsal. Sie erwähnte, dass ein Kassensturz gemacht werden muss, damit die Handlungsspielräume für die Zukunft klar werden: „eine Haushaltsstrukturkommission werde ich dafür einberufen“. Sie sprach vom Sanierungsstau an öffentlichen Einrichtungen und bekannte sich eindeutig zu einer Qualitätsverbesserung im Städtebau, bei der Betreuung, in der Schule, in der Ästhetik, im Klima „aber dies muss nicht unbedingt auch quantitativer Ausbau heißen“.

Frau Petzold-Schick möchte die Anhörung von Bürgerinnen und Bürgern ernst nehmen. Dies koste zwar Zeit, aber keine Anhörung von Bürgerinnen und Bürgern koste Menschlichkeit.

Zum Schluss dankte sie ihren Bürgermeisterkollegen und allen, „die bereit sind, ihre guten Gedanken mir für meine guten Gedanken weiter zu geben. Ich danke allen, die bereit sind, sich zu bewegen. Ganz besonders möchte ich im Moment danken für den heutigen Abend. Allen Menschen für ihr zahlreiches Kommen“.

Sie haben mich mit alldem heute in Bewegung gesetzt und wer setzt sich für unser Bruchsal für die nächsten Jahre mit Mut, Tatkraft, Engagement und gutem gemeinsamen Willen mit mir in Bewegung? Denn wer, wenn nicht wir. Wo, wenn nicht hier, Wann, wenn nicht jetzt ist die Zeit gekommen.“

Die neue Oberbürgermeisterin bekam nach dieser Rede viel Applaus aus dem Publikum.

Und dann feierten die anwesenden Bürgerinnen und Bürger und die Ehrengäste gemeinsam mit der neuen Oberbürgermeisterin. Mit kühlen Getränken. Und auch mit Häppchen.

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Kommentare

Gelungener Auftakt

Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Die heutige Gemeinderatssitzung mit Vereidigung und Verpflichtung unserer neuen OBin P.S. und der anschließenden Veranstaltung im Bürgerzentrum war ein voller Erfolg und ein gelungerAuftakt zur neuen Ära in Bruchsal. Ich hatte anfangs 17.10 Uhr Bedenken, daß sich der Saal füllt wurde aber ab 17.30 Uhr beruhigt, da dann die Massen strömten und um 18.00 Uhr alle Plätze besetzt waren. Sehr gelungen auch die musikalische Umrahmung mit dem Bruchsaler Jazzorchester, daß wirklich ein tolles Niveau hat und für ein lockeres und beschwingtes neues "Bruchsaler Feeling" sorgte. Diese Stimmung und dieses Orchester mit der sehr guten Sängerin macht Lust auf mehr. Auch die leckeren Getränke und Canapees für "Alle" trugen anschließend für das neue Klima in Bruchsal bei. Der frische neue "Schwung" muss in Bruchsal jetzt ausgenutzt werden. Wie sagte Konfuzius treffend: "Wer neu anfangen will, soll es sofort zun, denn eine überwundene Schwierigkeit vermeidet hundert neue."

Informationsvorsprung

Ich bin echt beeindruckt von Bruchsal.org.
Während die Bruchsaler Rundschau heute ein Foto und einen Platzhalterbericht veröffentlicht und auf einen morgen folgenden Detailbericht verweist, schreiben die Herren Schmitt und Wolf einen Artikel -veröffentlicht noch am Veranstaltungsabend- der tatsächlich auch Inhalte wiedergibt. Wer dort war weiss, dass die wesentlichen Punkte der Rede der neuen OB in den Artikel Eingang gefunden haben und wer nicht dort war, bekommt einen guten Überblick über die Pläne von Frau Petzold-Schick. Das ist tatsächlich das, was ich unter aktueller Berichterstattung verstehe - der Nutzen des Internets und dieser Plattform steht wirklich ausser Frage, die Aktualität der Netzzeitung bruchsal.org ist unerreicht. Das wird sogar der Kollege Streib der Bruchsaler Rundschau zugeben müssen, von dem ich annehme, dass er sich über Bruchsal.org heute morgen besonders geärgert hat.
Aber genau das ist es, was Bruchsal braucht, Medien im Wettbewerb und keine monopolistische Berichterstattung, wie sie in dieser Stadt bis zur Kommunalwahl 2009 stattfand. Die Weblogs, oder wie die Brusler sagen: "D' Bloggs", der Herren Schmitt, Schlitz und Wolf haben viel bewegt und das ist gut so - auch wenn es einigen Mitmenschen nicht gefällt. Es lebe die Meinungsfreiheit und Meinungsvielfältigkeit!
Für Bruchsal ist das jedenfalls ein Gewinn.

Vereidigung von Frau Petzold-Schick

Wir fanden den Auftakt sehr gelungen. Die Vereidigung von Frau Petzold-Schick durch Herrn Glasstetter war Ihrerseits eine Handreichung, die er dankend im Namen der CDU annahm. Die Grußworte hätten teilweise etwas kürzer ausfallen sollen, in der Kürze liegt die Würze, wie Herr Pfarrer Neidinger bewiesen hat. Die gute Antrittsrede von Frau P.S. kam deshalb leider erst nach 2 1/2 Stunden, zu diesem Zeitpunkt war die Erschöpfung vieler Gäste schon fortgeschritten. Doch alles in allem war an diesem Abend die Aufbruchstimmung spürbar und wir freuen uns auf die kommende Zeit.

Lob

Dem Lob kann ich mich nur anschließen - ich finde es gut und wichtig, dass es jetzt so eine Plattform gibt, deswegen an alle Beteiligten ein herzliches Dankeschön.

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