Eine Bruchsaler Fastnachtsgeschichte von anno dazumal

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Zum Thema "Oskar Decker"
Donnerstag, 4. Februar 2010 - 0:43

Es war vor über 40 Jahren. Einer der ersten neuzeitlichen Fastnachtsumzüge rollte durch Bruchsal. Oberaktivist mit jugendlichem Eifer und beliebter Zugmarschall war damals „de Sieweneverzichelf“. So nannten Freunde der Brusler Fastnacht Oskar Decker, den stadtbekannten Bruchsaler Bürger und humorvollen Drogisten. Den mit der berufsspezifisch passenden Telefonnummer 4711. Der fuhr im Sonderfahrzeug am Zugkopf gemächlich in die Fastnachtshochburg „Klosterstraße“ ein.

Nepomuk

Der 'richtige' Nepomuk

Schon längst ahoi-heißer geschrieen und mit lahmen Armen vom vielen Winken und Gutsele schmeißen thronte er sich in luftiger Höhe, als das Fahrzeug die alte Saalbachbrücke überquerte. Mitten auf der Brücke stoppte der Marschallwagen abrupt. Denn die Statue des Brückenschutzheiligen St. Nepomuk hatte sich bewegt. Oskar fiel fast vor Schreck in den Bach. Der Heilige auf dem Sockel in Chorrock, Stola und Birett - mit ihm fast auf Augenhöhe - streckte dem verblüfften Zugmarschall einen großen Weinrömer entgegen und forderte ihn lautstark auf: „Halt! Erscht werd gedrunke, Oskar! Doann koann’sch weiderfahre!“

Oskar musste erst seine Verblüffung hinunter schlucken. Als der erste Schrecken über den „steinernen Gast“ gewichen war, erfüllte der trinkfeste Fastnachter den „himmlischen“ Wunsch umgehend. Es half ihm ja nichts, Der Umzug musste ja weiterghen. Da gab sich auch schon der lebendig gewordene Brückenheilige zu erkennen. Den Spaß hatte der unweit der Nepomukbrücke in der „Kloschtergass“ wohnende kommunale Mitarbeiter Willi

Oskar Decker

Oskar Decker (Dank fürs Bild an KBF Bruchsal)

Habermann selig sich ausgedacht, eingefädelt und persönlich ausgeführt.

Die Einweihung der erneuerten Nepomukbrücke vor wenigen Jahren, ohne den anfänglich noch fehlenden Heiligen, hat Altfastnachter Decker an die amüsante Episode von einst erinnert. Auch damals war die Statue offenbar schon einmal in Reparatur.

Das mit Oskars Nummernspitznamen 4711 ist übrigens kein Faschingsscherz. Die markante Telefonnummer ist bis zu seinem Tod geblieben, nachzulesen im „Örtlichen“. Zwangsläufig hat sie mal später eine Eins vorne dran bekommen. Aber Oskar war ja auch viele Jahre die Nr. 1 vom Umzug - und lange Jahre würdiger Ehrenzugmarschall im Ruhestand.

Stefan Schuhmacher

(3.2.2010)

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Kommentare

Brusl Ahoi!

Grüß Gott allerseitz oder mein Vater hätte bestimmt Brusl Ahoi in der Narrenzeit gesagt. Ich bin der Sohn Oskar Decker jun. aktives Mitglied der Brusler Schlabbedengla. Ich möchte mich recht herzlich bei Herrn Stefan Schuhmacher bedanken für seine tollen Beiträge zum Andenken an Oskar Decker der"Vater des Umzugs". Sein Andenken sollte wirklich gepflegt werden, denn er hatte doch sehr viel für die Bruchsaler Fasnacht, ob im Saal oder auf der Strasse, getan. Der Umzug war ihm immer das Wichtigste. Er sagte immer:die Fasenacht muss auf die Strasse. Sie ist auch für Kinder da nicht nur für die Erwachsenen im Saal.

Es gibt noch viele mehr solcher Eoisoden. Mein Vater hätte sich sehr gefreut wenn er das erleben hätte noch können. Ich war so frei und habe den Jubiläumsorden(44 Jahre KBF) an seinen Grabstein gehängt, denn er hatte ihn auch verdient. Also nochmal vielen Dank .

Brusl Ahoi
Oskar Decker jun.

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