Dummheit, Antisemitismus, Rassismus?

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Das Schlimme an Trollen ist, dass Trolle sich nicht trollen.
Dienstag, 3. September 2013 - 12:06
Troll

Troll bei der "Arbeit"

Auf facebook, diese Internetplattform dürfte mittlerweile wohl jedem bekannt sein, gibt es eine Seite, die sich mit Bruchsal befasst. Oftmals sind dort wirklich schöne alte Fotos unserer Stadt veröffentlicht, die auch zu entsprechenden Kommentaren wie „Wow“ oder „Superfoto, von wann ist das?“ führen und viele "Likes" einfahren.

Da momentan das Thema „Stolpersteine“ diskutiert wird, bekanntlich kommt das Thema auch im Spätjahr in den Bruchsaler Gemeinderat, habe ich einen Link auf dieser Bruchsal-Seite zum Stolperstein-Artikel bei bruchsal.org gesetzt. Überwiegend kamen positive Kommentare bis auf die Bemerkungen einer aus einer Nachbargemeinde stammenden Person, deren Namen hier nichts zur Sache tut, nennen wir sie der Einfachheit halber „Troll“.

Eingestiegen ist Troll in die Diskussion zu dem Thema "Stolpersteine" mit der Frage:

„Dann will ich kein bruchsaler mehr sein wenn es immer nur um die einen opfer geht und nicht auch an unsere toten gedacht wird!!! Oder gibt es auch für deutsche soldaten stolpersteine???“.

Eine Leserin dieser facebook-Seite erwiderte dem Troll, man kann sich richtig vorstellen, wie sie beim Abfassen ihres Kommentars die Augen verdrehte:

„Oje, is gut, Herr M. ... Ich glaube, wir haben genug Kriegsdenkmäler...“

Doch der Troll ließ, es handelt sich ja um einen Troll, nicht locker:

„Und das größte in berlin... Deswegen muss in jeder stadt auch jeder anfangen zu stolpern...“

Ich wollte dem Einwand des Trolls „gibt es auch für deutsche Soldaten Stolpersteine“, den ich nicht einfach abtun wollte, etwas Sinnvolles entgegnen und postete:

„Viele der durch die Nationalsozialisten getöteten jüdischen Männer waren deutsche Patrioten, die im 1. Weltkrieg für Deutschland gekämpft haben. Selbstverständlich ist der Einsatz als Soldat im 1. Weltkrieg kein Hindernisgrund, für diese Menschen Stolpersteine zu verlegen. In Hilden beispielsweise wurden Stolpersteine für Soldaten verlegt die im 2. Weltkrieg desertierten und so versuchten, dem Morden ein Ende zu machen.“

Gleichzeitig postete ich einen Beitrag über das Bruchsaler Kriegerdenkmal auf dem Bruchsaler Friedhof:

„Lieber Herr M., entgegen Ihrer Annahme gibt es sehr wohl ein Gedenken an gefallene Bruchsaler Soldaten. Auf dem Bruchsaler Friedhof steht ein Kriegerdenkmal "Zu Ehren der im ersten Weltkrieg gefallenen Helden der Stadt Bruchsal". Dieses Ehrenmal wurde unter anderem von einem jüdischen Bruchsaler Mitbürger namens Wimpfheimer mitfinanziert: http://www.bruchsal.org/story/aus-serie-greetings-bruchsal-0"

Doch der Troll gab nicht locker:

„Und für die soldaten des zweiten weltkrieges???“

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch an die hehren Absichten des Trolls glaubte, versuchte ich zu erklären:

Mahnmal

Mahnmal im Bürgerpark

"Lieber Herr M., ich darf Ihnen gerne bestätigen, dass in Bruchsal auch der toten Soldaten des 2. Weltkrieges gedacht wird. Im Bürgerpark steht ein Mahnmal mit der Aufschrift „Den Opfern von Krieg, Terror und Gewalt. Sie rufen uns auf, den Nächsten zu achten. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe.“ Dieses Mahnmal schließt die von Ihnen angesprochenen gefallenen Soldaten des 2. Weltkrieges mit ein, denn auch diese waren Opfer des Nationalsozialismus, Opfer eines Systems, das 55 Millionen Menschenleben vernichtete. Vielleicht ist Ihre Trauer um die Gefallenen des 2. Weltkrieges dadurch verursacht, dass auch in Ihrer Familie allabendlich ein Platz am Küchentisch leer blieb. Dies kann ich nachvollziehen, da auch Angehörige meiner Familie im 2. Weltkrieg gefallen sind. Glücklicherweise gibt es jedoch die Kriegsgräberfürsorge, die weltweit nach gefallenen deutschen Soldaten suchte und sucht, und diese auf Soldatenfriedhöfen bestattet, wo die Familien um ihre Gefallenen trauern können. Hier liegt vielleicht der wesentliche Unterschied zu den ermordeten Menschen jüdischen Glaubens, die in Konzentrationslager verschleppt wurden. Dort wurden diese Menschen in Krematorien verbrannt. Was von ihnen blieb war ein Häufchen Asche unter Tonnen von Asche verbrannter menschlicher Körper. Sie haben sicher den Beitrag aufmerksam gelesen. Dort wird gesagt, dass die Familie Sicher aus der Not heraus, da es kein Grab der getöteten Familienmitglieder gibt, Asche aus Auschwitz begraben hat, um einen Ort des Trauerns zu haben. Und hier setzt die Idee von Stolpersteinen an. Es gibt endlich einen Ort, wo der Toten gedacht werden kann. Meine Familie hat leider auch keinen Ort zum trauern. Der im 2. Weltkrieg gefallene Hans hat kein Grab; er wurde, wenn überhaupt, irgendwo in der Ukraine verscharrt. Bei der Idee Stolpersteine zu verlegen handelt es sich um eine private Initiative, die von privaten Geldern finanziert wird. Sollten Sie für andere Opfer des Nationalsozialismus ähnliches Gedenken initiieren wollen, so ist dies Ihnen unbenommen. Aufgrund der in meiner Familie gemachten Erfahrung wäre ich der Letzte, der dagegen wäre."

Ob der Troll das nicht verstanden hat oder nicht verstehen wollte, ich weiß es nicht. Zumindest gab er auch hiernach keine Ruhe und trollte in mehreren Beiträgen, auch anderen Diskussionsteilnehmern antwortend:

„Achso... Anwalt aber nur für eine gruppe von toten... Die deutschen toten aber um gottes willen nicht!!! Sind ja alle selber schuld das sie getötet wurden wie man nicht mal ein tier töten würde... Aber das ist ja ok...“

„Es ist nur beschämend das man erst an andere denkt und nicht an die toten des eigenen volkes!!!“

Einem der Betreiber der facebook-Plattform schien nunmehr das unablässige Trollen nun doch unangenehm zu werden. Er schrieb an den Troll gewandt:

„Hier hat wohl einer in der Deutschen Geschichte nicht richtig aufgepasst, incl. der Gefällt mir [ein facebook-Nutzer drückte den 'I-Like'-Button zu einem Troll-Kommentar], oder ........... ne ich lass es , sonst muss ich mich selbst zensieren....“

Jetzt hab ich's auch aufgegeben. Ich muss mich mit solchen Trollen nicht beschäftigen. Dieser Troll ist so hartnäckig dumm, dafür so sehr von sich eingenommen, wie sein von ihm selbst erstelltes facebook-Profil bestätigt (er ist sehr stolz auf seine Tätowierungen und seinen Bartwuchs), dass jedes Argument ins Leere laufen muss. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Lesern von bruchsal.org in seinem Namen für seine etwas gewöhnungsbedürftige Rechtschreibung entschuldigen.

Das Troll-Handbuch schreibt zu Trolls und deren Absichten:

„Bei Diskussionen im Internet geht es nicht um Argumente und Inhalte. Es geht nicht darum, den eigenen Standpunkt zu überdenken oder zu überlegen, warum jemand anders anderer Ansicht ist. Es geht nur um Eins: Darum, dass sich alle mit Euch und Eurer Meinung beschäftigen und nicht mit irgendetwas anderem. Jeder Kommentar, der auf euch antwortet, ist ein Pluspunkt, jeder, der sich mit etwas (oder jemand) anderem beschäftigt, ist ein Verlust.“

Darum lasse ich den Troll jetzt allein in seiner rassistischen schwarz-weiß-roten Soße schwimmen.

Zeitgleich lief übrigens bei bruchsal.org ein anonymer Kommentar ein, der nicht nur mit ein wenig gutem Willen diesem Troll zugerechnet werden könnte, wobei sich der Verfasser des Kommentars selbst den Autorennamen „Quatsch“ gibt.

Autor Quatsch schreibt also: „Exclusiv-Quatsch. bei bruchsal.org wird ohne verständliche Regeln zensiert - mal werden Kommentare veröffentlicht, mal nicht - wenn ich nur an die die unverschämten Rückmeldungen eines anyonymen (!) Administrators denke - viel Spaß wünsche ich in Eurem exklusiven Club - bruchsal.org-Links auf [hier der Name der facebook-Seite] solltet ihr Euch auch sparen“.

(Da der junge Mann auf facebook unter seinem Klarnamen gepostet hat, habe ich die entsprechenden facebook-Seiten hier nicht genannt.)

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