Drachen in Bruchsal

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nicht überall- manchmal geht die Natur vor
Mittwoch, 21. Oktober 2009 - 21:32

Kurze Entwarnung: hier geht es nicht um Ergebnisse der Ausgrabungen oder um noch lebende Persönlichkeiten, sondern einfach um ein schönes Hobby nicht nur für Kinder!

Herbstzeit- Drachenzeit? Genau so dachte es sich wohl meine Tochter vor ein paar Jahren (ups schon wieder drei Jahre her) als sie auf die Idee kam zu ihrem Kindergeburtstag mit ihren Gästen Drachen steigen zu lassen.

Alles klar- ist ja in Bruchsal kein grosses Ding. Wozu haben wir denn den Eichelberg?

Drachen auf dem Eichelberg

Also ab auf den Eichelberg und auf dem Truppenübungsplatz eine Decke ausgebreitet (Drachen steigen lassen macht ja hungrig). Kaum waren die ersten Drachen in der Luft hält ein Auto neben uns an, das Fenster geht runter und wir werden herangerufen. Drinnen der Förster (schön brav mit Gewehr auf der Rückbank- hoffentlich kennt der keine bösen Killerspiele, aber das gibt einen anderen Artikel) der uns dann erklärt, dass hier Drachen steigen lassen verboten ist. Dies sei ein Flora-Fauna-Habitat. Wow. Endlich wissen die Mädels wozu sie Latein lernen (und ich weiß dafür immer noch nicht was ich dort darf und was nicht). Aber er ist unnachgiebig und wir müssen vom Truppenübungsplatz verschwinden!

Nun denn- geht es eben 50m weiter direkt vor die Schranke, denn da muss man die Natur nicht mehr schützen und unsere bösen, bösen Drachen können hier nichts mehr kaputtmachen.

Nur komisch, daß kein Mensch davon etwas weiß (naja außer dem besagten Förster), oder?

Aber ich wußte doch schon immer, daß Soldaten bei Übungen natürlich vorsichtig durchs Gelände robben und nur ganz langsam auf Wattebällchen mit dem Panzer durchfahren.

Genauso natürlich wie die Pfadfinder, die dort mit etwa 6000 zelteten während des Landesjamboree. Aber die weisen natürlich unserer Natur den Pfad, da darf man dann nicht so kleinlich sein. Aber wir waren immerhin mit sechs Kinder und ebensovielen Drachen in diesem Flora-Fauna-Habitat.

Die Moral von der Geschicht: unsere Drachen steigen dort nun nicht- dafür eher am Eisenhut (da ist auch genug Platz und außerdem ist der auch noch etwas höher als der Eichelberg).

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Kommentare

Drachen in Bruchsal

Ja, ja - auch ich habe ähnliche Erfahrungen auf dem Eichelberg gemacht. Ab und an gehe ich dort mit meinem Hund spazieren - natürlich angeleint, der Hund. Auch neben mir hielt eines Tages ein Auto an und ich wurde angesprochen, vielleicht sogar vom selben Förster, daß ich meinen Hund anzuleinen habe. Auf meine Antwort, ob er wohl blind sei, folgte ein Gemurmel wie: "Ja, möchte nochmals darauf hinweisen, ich bin nämlich der Jagdpächter hier." Wichtig, wichtig, so ein Jagdpächter.

Beim zweiten mal war es ein Bundeswehrfahrzeug, das neben mir anhielt. Auf dem ca. 500m entfernten Schießstand wurde gerade heftigst herumgeballert und ich wurde aufgefordert, den Platz zu räumen, es "herrsche Lebensgefahr wegen herumfliegender Querschläger!" Da ich nun kein militärischer Laie bin, reizte mich diese Aussage zum Widerspruch, denn erstens fliegt kein Querschläger 500m weit, zweitens kann ein solcher der Schießbahn gar nicht entweichen, drittens lag ein Hügelzug zwischen meinem Standort und dem Schießstand und viertens gab es seinerzeit, bei Inbetriebnahme des Schießstands, nach heftigen Diskussionen unter der Bevölkerung ein Gutachten, daß von diesem keine Gefahr für Fußgänger ausginge.
Ich versuchte, den wackeren Hindukusch- äh Vaterlandsverteidigern dieses klar zu machen, worauf sie sich auf den Aushang am Übungsplatzeingang beriefen, wonach der Platz während der Dienstzeiten für die Öffentlichkeit gesperrt sei. Das war ein Argument, wegen Hausfriedensbruchs wollte ich nun doch nicht belangt werden, und so zog ich mit meinem Hund Leine - wenigstens lebe ich noch!

Querschläger und Standortübungsplatz

Ich bin erst jetzt auf diesen Artikel gestoßen - durch Marco Ertels Frage nach den Schafen auf dem Übungsplatz bzw. im Flora-Fauna-Habitat und möchte, mit allem Respekt vor Waldemar Zimmermanns militärischen Kenntnissen (deren Einzelheiten mir nicht bekannt und die zu beurteilen ich als Nichtgedienter sowieso nicht in der Lage bin) diesem insofern widersprechen, als

1. Querschläger durchaus mehrere hundert Meter weit fliegen können,

2. ein solcher den Bundeswehrschießstand durchaus verlassen kann, wenn bei bestimmten Übungen z. B. "im Vorgehen" auf Zwischenentfernungen geschossen wird und

3. dieses oder diese Gutachten NICHT jede denkbare Gefährdung von Personen und Sachen ausschließen.

Das mag zwar seinerzeit in den BNN so berichtet worden sein, entspricht aber nicht den gedruckten Tatsachen.

Querschläger

Selbstverständlich können Querschläger weit fliegen, dann kann man sie aber mit der Hand auffangen, da sie schnell an Energie verlieren. Gefährlich sind sie nur im Nahbereich. Es ist absolut unmöglich, daß ein Querschläger einen Bundeswehrschießstand verlassen kann. Diese sind so konstruiert, daß erst gar keine entstehen. Die Ziele stehen vor Sandwällen, von denen die Geschosse verschluckt werden und nicht abprallen. Im "Vorgehen" zu schießen, ist bei einem Schießstand nicht üblich, und wenn dem so wäre, so würde ebenfalls auf die sicheren Sandwälle geschossen. Darüberhinaus befinden sich über den Schießbahnen alle 30 m Sicherheitsmauern, um doch eventuelle Querschläger abzufangen (man hat also auch an das Unmögliche gedacht) und seitlich ist so ein Schießstand ebenfalls durch hohe Wälle geschützt. Wenn überhaupt, dann kann ein Querschläger nur nach oben entweichen, wo er keinen Schaden anrichtet. Wenn das so gefährlich wäre, würde die Bundeswehr, bei den Sicherheitsstandards die sie hat, keinen Schießstand nutzen, schon um ihre eigenen Soldaten nicht zu gefährden. Auch gab es bisher keinen Unfall mit Querschlägern auf einem Schießplatz, wenn, dann durch direkte Schüsse aus Unachtsamkeit (das Magazin ist ja raus, die Waffe ist ja entladen, sichern vergessen usw.) Darüberhinaus liegt der Bruchsaler Schießstand in einer Senke, jemand, der sich auf dem Flugplatz oder dem Fallschirmspringer-Landegelände aufhält, befindet sich schon außer Reichweite auch direkter Schüsse. Kommt noch hinzu, daß, wenn tatsächlich mal die Unwahrscheinlichkeit eines Querschlägers aufträte, die Wahrscheinlichkeit, daß ein Fußgänger auf diesem riesigen Gelände die Flugbahn eines Querschlägers kreuzt, so groß wie ein Sechser im Lotto ist. Auch ist es unzulässig, einfach zu unterstellen, daß das seinerzeit erstellte Gutachten nicht jede denkbare Gefährdung von Personen ausschließt und daß der Bericht der BNN nicht den gedruckten Tatsachen entspreche. Mit welchem Recht? Nach diesem Gutachten geht vom Schießplatz für Spaziergänger auf dem Eichelberg keinerlei Gefahr aus. Bisher ist keiner getroffen worden. Ich jedenfalls bewege mich nicht deckungsuchend über das Gelände, und die Bundeswehr selbst auch nicht ( es sei denn, es werden spezielle Dinge geübt). Man kann seine Bedenken weit übertreiben. Ein Autofahrer lebt weitaus gefährlicher als ein Spaziergänger auf dem Standortübungsplatz, das steht fest.

Korrekt wäre: Abpraller

Ich habe leider die in diesem Zusammenhang nicht korrekte Bezeichnung "Querschläger" übernommen - richtig ist natürlich "Abpraller" - und bezüglich der Gutachten verweise ich auf die Akten der Standortverwaltung und der Stadtverwaltung Bruchsal, insbesondere die zum Golfplatz-Bebauungspplan (es war doch, glaube ich, ein Bebauungsplanverfahren?).

Siehe dazu auch

http://de.wikipedia.org/wiki/Abprallschuss

und - bezüglich Gefährlichkeit -

http://lutz-moeller-jagd.de/Abpraller.htm

Also Vorsicht mit der Hand! Aber deswegen muss jetzt niemand in Graswurzelhöhe dort herumkriechen, wenn die Bundis mal wieder ballern. Es gibt ja nur die Möglichkeit, dass - die Wahrscheinlichkeit ist gering. Allerdings soll man schon mal ein .308-Vollmantelgeschoss in einem Dach im Langental gefunden haben... kein Jagdgeschoss... wahrscheinlich aber nur ein übles Gerücht... die Leute kennen sich ja mit Munition nicht aus...

Sorry, wenn ich mich

Sorry, wenn ich mich einmische, aber: Es geht hier nicht um Abpraller/Querschläger aus der der Schießbahn, die sich im hinteren Bereich befindet. Die Chance, dass sich von dort aus ein Geschoss auf den Platz verirrt und dann noch genug Energie für eine tödliche Verletzung hast tendiert gegen Null, das ist richtig.

Jedoch ist seit 2008/09 eine auf-/abbaubare Schießbahn AUF DEM PLATZ eingerichtet, für kleine Gefechtsschießen und Flugabwehrübungen. Auch wenn hier nur mit Übungsmunition ("Blauer Mun") geschossen wird, ist die Gefahr, verletzt zu werden um ein vielfaches höher.
Allerdings werdet ihr relativ schnell bemerken, wenn dort geschossen wird weil dann großräumig alle Straßen gesperrt und mit Absperrposten besetzt werden. Und wenn dann einer zu euch sagt: "Gehen Sie besser", würde ich das auch lieber tun ;)

Ich gebe jedoch zu, dass die Bestimmung ob und wann man den Übungsplatz betreten darf, mehr als verwirrend sind und sich in den letzten Jahren so oft geändert haben dass ich mittlerweile auf Kontrollfahrt selbst nicht mehr weiß, wen ich wann des Platzes verweisen muss/darf.

Egal, zur Ursprungsfrage zurück: Wo kann man denn jetzt Drachensteigen in Bruchsal? Auf Eichelberg hab ich keinen Bock, reicht mir wenn ich den unter der Woche andauernd sehen muss :D

Endlich mal...

ein Fachmann - so scheint es, der bestätigen kann, was gutachterlich schon lange bestätigt ist, nämlich daß von der Schießbahn im hinteren Teil des Standortübungsplatzes keinerlei Gefährdung durch Abpraller ausgeht. Allerdings soll sich seit 2008/09 eine auf/abbaubare Schießbahn auf dem Gelände befinden, auf der mit blau gekennzeichneter Übungsmunition geschossen werden soll. Das war mir bisher nicht bekannt. Dazu ergeben sich aber dann doch einige Fragen: Sämtliche Übungsmunition bei der Bundeswehr ist blau gekennzeichnet, ob es sich um Übungshandgranaten, Übungspanzerfäuste, Übungsbomben oder Übungsbordmunition Panzer/Luftfahrzeuge handelt. Der Unterschied zur scharfen Munition: Die Übungsmunition explodiert nicht, sondern knallt nur und/oder blitzt auf oder gibt Rauchzeichen, darf jedoch nur auf besonders dafür eingerichteten Plätzen (Truppenübungsplätzen, Schießplätzen etc.) verwendet werden, da tatsächlich eine Gefahr durch direkte Treffer (jemand hält sich im Zielgebiet auf) oder Abpraller von ihr ausgeht. Eigentlich ist der Standortübungsplatz viel zu klein für derartige "Gefechtsschießen", vor allen Dingen, weil solche Munition großkalibriger ist als das normale Natokaliber für Handfeuerwaffen (Schnellfeuergewehr, MG, Pistole etc.). Außerdem gibt es für diese Handfeuerwaffen, außer "Platzpatronen", auch gar keine "Übungsmunition". Es würde mich schon interessieren, mit was auf was da geschossen werden soll. Ich nehme doch nicht an, daß da mit großkalibriger Übungsmunition (z.B. 20 mm) auf Luft- oder sonstige Ziele geschossen wird? Oder doch?

Neue Schießbahn Standortübungsplatz

Na, endlich stolpert mal jemand über diese nicht gar so neue Einrichtung unmittelbar an der Auffahrt zum Heim der Fallschirmspringer.
Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse seitens der Nato-oliven Kameraden hier zu Papier gebracht werden - wenn sie sich trauen (dürfen).
Und wie die Bruchsaler Bevölkerung darauf reagiert - zuvorderst Mit-Kommentator W. Z.

Unmittelbar....

an der Auffahrt zum Heim der Fallschirmspringer befindet sich der alte Schießstand. Mein Vor-Kommentator sprach jedoch von einer auf- und abbaubaren Schießbahn auf dem Standortübungsplatz selbst, also nicht von einer Bahn innerhalb des Schießstandes, von der dann keine Gefahr ausgehen würde. Tatsächlich aber wäre meiner Ansicht nach eine je nach Bedarf einrichtbare Bahn für Gefechtsübungen mit Übungsmunition auf dem Platz eine Gefahr, da der Platz meines Wissens nicht als Truppenübungsplatz mit Schießbahn zugelassen ist, da viel zu klein. Da hofft man doch, daß man einer "Ente" aufgesessen ist. :)

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