Das Dilemma des Städtischen Energieversorgers

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Wer dreht in Bruchsal wem den Saft ab?
Mittwoch, 16. Mai 2012 - 15:01

Ohne die ewb gehen in Bruchsal manche Lichter aus!

So jedenfalls sah es die ewb vor einigen Tagen!

Ist dem so?

Oder liegen die Dinge etwas anders?

Würden vielleicht ohne ewb-KUNDEN und andere (unfreiwillig bzw. unbewusst zu Subventionen verdammte) Verbraucher einige derzeitige Subventions-Leuchttürme flackern?

Aber der Reihe nach.

Es ist immer wieder „erhellend“, mit welchen Plattitüden der städtische Unternehmensverbund ewb, SWB und Max die Bürger in Presseverlautbarungen belangt (um nicht zu sagen: ab und an für dumm verkauft…).

Zur Freibadesaison werden verbilligte Eintrittskarten vom früheren Quasi-Monopolisten ewb für ewb-Kunden als „Danke-Schön“ für deren (unfreiwillige?) Einwilligung, mit den ewb-Kundengeldern städtische Einrichtungen subventionieren zu dürfen, feilgeboten (angesichts der verkürzten Badesaison wahrscheinlich ein Kassenschlager!).

In ähnlicher Art werden unter dem Schlagwort „Energieeffizienz“ den ewb-Stromkunden „Vergütungen“ bei der Anschaffung von Kühlschränken angedient. Satte 100 €, gestaffelt über fünf Jahre. Also 20 €, p.a.!

Welch bürokratischer Aufwand, so fragt man sich in beiden Fällen! Aber nun ja, es ist für die ewb-Kunden und muss ja im anderen Fall wohl auch für die Umwelt sein. Und da gibt es doch auch das städtisch propagierte Motto, die Sonne schreibe keine Rechnung und das Klima sei regional zu steuern!

Bei näherem (Sonnen-) Licht besehen, erscheinen beide ewb-Angebote (und nicht nur diese) allerdings nur einem Aspekt geschuldet:

Dem Ringen der ewb nach Erlösen, Gewinnen und damit um Kundenbindung! Also nicht anders als das, was Aldi und Media-Markt tagtäglich machen!

Denn derartige ewb-Werbemaßnahmen - meist wörtlich rezitiert in BNN, Amtsblatt und bruchsal.org - sollen offensichtlich, wenngleich verbrämt, wenigstens zwei grundsätzliche Strukturprobleme bemänteln, vor denen der städtische Konzern steht:

- wie kann er sich für Anhänger von erneuerbaren Energien wenigstens scheinbar attraktiv machen, obgleich die Bilanz auf diesem Gebiet insgesamt bisher mehr als dürftig war (siehe das letzte öffentlich zugängliche Ergebnis für 2010)? 

- wie kann er dem Bürger vermitteln, dass die Strompreise bei der ewb generell überdurchschnittlich hoch sind, die ewb-Verbraucher dies aber bitte akzeptieren und nicht zu anderen Anbietern wechseln? 

Deshalb, und nur deshalb scheinen die recht durchsichtigen Angebote für Kühlschränke (Zielgruppe: EEG-Anhänger plus Kundenbindung zu überhöhten Strompreisen), sowie Badekartenrabatte (ein Beitrag zur subjektiv empfundenen Milderung der Quersubvention für Bäder und Bus - wobei sich dieser Bäderrabatt insgesamt auch für eine vielköpfige Familie selbst bei gutem Wetter nicht rechnen dürfte!).

Nun sitzt die ewb aus verschiedensten kommunalpolitischen Gründen und strukturbedingt (hausgemachte Ineffizienzen wollen wir hier mal beiseite lassen) schon längere Zeit zwischen einigen Stühlen und man scheint den Grundversorger manches Mal bei der „Reise nach Jerusalem“ gar von verbliebenen Stühlen drücken zu wollen - wenigstens ist dies bei manchen Beteiligten das nicht immer nur subjektive Empfinden.

Dennoch sollte die städtische Konzerntochter wenigstens zwei Dinge offensiv anstreben.

Bei Werbemaßnahmen erstens inhaltlich sachgerechter werden (bei der Rabattaktion für die Bäder war dies in der ewb-PR schon angeklungen, wenngleich unzureichend, denn es entsteht der Eindruck, Nicht-ewb-Kunden zahlten für Bus und Bäder nie auch nur einen Cent an Subventionsbeiträgen über indirekte Vergütungen; bei der Kühlschrankaktion verzerrend und teilweise unsachgemäß dargestellt). Es bricht der ewb nichts aus der Krone, wenn sie die Dinge so beschreibt, wie sie eben sind.  

Ein zweiter Punkt erscheint aber mittelfristig unabdingbar. Mit Hilfe von Aufsichtsrat, Verwaltung und Gemeinderat muss der Bruchsaler Öffentlichkeit endlich erklärt werden, weshalb in Zeiten von Wettbewerb und steigenden Energiepreisen die (ewb-)Verbraucher über die Tochterunternehmen der Stadt Bruchsal andere städtische Angebote wie Max-Bus und Schwimmbäder weiterhin geduldig quer-subventionieren sollen? Und wenn ja, weshalb in Höhe von jährlich vier Millionen €?

Ja richtig, andere Städte machen dies auch so und irgendwie müssen wir es ja finanzieren...! Na denn.

Welche relativen Anteile leisten denn welche Nutzer welcher städtischen Versorungsdienste, um die jährlich vier Millionen € Verlust für Bus und Bäder zu finanzieren? Nein, es geht nicht um die Abschaffung dieser Leistungen; es geht aber um eine offene Darstellung der Gewinner und Verlierer dieses für Außenstehende fast undurchschaubaren Umverteilungssystems.

Man wäre gespannt auf die Argumentationskette, weshalb diese Subventionen so weiterhin bestehen sollten! (Oder wird gar überhaupt nicht argumentiert, sondern lapidar erklärt: "So lange, wie es eben noch geht und niemand wirklich aufbegehrt". Letzteres scheint ja den derzeitigen Sachstand recht gut zu beschreiben...).

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Kommentare

Ein richtiger Ansatz, die ewb

Ein richtiger Ansatz, die ewb lebt doch davon, dass viele Kunden a) zu bequem sind den Stromanbieter zu wechseln (ich weiß ja, das muss ich jetzt wirklich mal angehen oder b) immer noch der Ansicht sind, dass bei einem Anbieterwechsel vielleicht doch das Licht ausgeht. Oder Argument c): Jetzt bin ich schon solange bei den Stadtwerken Kunde...

Und was die Quersubventionierung angeht: Ich werde beantragen, dass mir als Nicht-Schwimmbadbenutzer der auf mich fallende Subventionsbetrag direkt ausbezahlt wird. Wenn ich schon über die Stromkosten für eine Leistung bezahle, die ich nicht in Anspruch nehme, dann will ich das Geld schon auch zurück haben.

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