Die Bombardierung

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So führte die 8. US-Luftflotte den Luftangriff durch
Montag, 1. März 2010 - 1:46

Luftangriff auf Bruchsal

Der Luftangriff auf Bruchsal am 1. März 1945 wurde vom 41. Bombergeschwader der 8. US-Luftflotte durchgeführt.

 

Bomben auf Bruchsal

(Bild: Zielkamera, Bombeneinschläge in Bruchsal)

Das 41. Bombergeschwader untergliederte sich in 3 Bombergruppen (A,B und C) und jede Bombergruppe wiederum in 3 Bomberstaffeln. Jede Staffel bestand aus 13 B-17 Bombern (Fliegende Festungen, s. Bild).

 

B-17 Bomber

B-17 "Fliegende Festung"

Somit gehörten zu einer Gruppe 39 viermotorige Flugzeuge und zu einem Geschwader demnach 117 Flugzeuge. Die drei Bombergruppen eines Geschwaders flogen im Abstand von 15 km (ca. 3 Minuten) in der Höhe gestaffelt.

 

Zerstörung

(Bild: Bomben auf Bruchsal, man erkennt den Bahnbogen und die Kaserne)

Voraus flog die Führungsstaffel einer Gruppe mit dem Führungsflugzeug, links davon, ca. 200 m tiefer und zurückgesetzt, die untere Staffel und rechts von der Führungsstaffel, ca. 200 m höher und zurückversetzt, die obere Staffel. Jede der drei Gruppen war auf die gleiche Weise gegliedert.

 

Zerstörung

(Bild: Stadtkirche)

Wenn bei einem Angriff das Wetter schlecht war, also zwischen Ziel und Flugzeugen eine Wolkendecke lag, wurde im Gruppenverband nach Instrumenten angeflogen. Das hieß, daß von England aus ein Funkleitstrahl über das Ziel gelegt wurde und querab, von einem anderen Funkfeuer in Belgien oder Frankreich ein anderer Strahl, ebenfall über das Ziel. Der Schnittpunkt der beiden Funkleitstrahlen ergab den Zielstandort. Auf Rauchzeichen der Führungsmaschine wurden dann über dem Ziel von allen 39 Flugzeugen einer Gruppe die Bomben gleichzeitig abgeworfen.

 

Trümmer

(Bild: Kaiserstraße, Rathaus)

Falls die Möglichkeit eines nach Sicht geführten Zielanflugs bestand, erweiterten die Staffeln einer Gruppe den Abstand zueinander, visierten unabhängig voneinander das Ziel mit Hilfe eines optischen Bombenzielgeräts im Führungsflugzeug jeder Staffel an und lösten auf Rauchzeichen des jeweiligen Staffelführers wiederum als Staffel gleichzeitig die Bomben aus.

 

Trümmer

 

 

Man kann sich vorstellen, wie "genau" solche Abwürfe waren. Nur ein kleiner Navigationsfehler bei schlechter Sicht, und die Bomben streuten in großem Umkreis. Auch wenn das Ziel nach Sicht angeflogen wurde, mußten, beim Abwurf aus großer Höhe (üblicherweise aus 6000 m) alle Werte wie Fluggeschwindigkeit über Grund, Windgeschwindigkeit, Abdrift und die ballistischen Eigenschaften der Bomben mit größter Präzision berechnet und eingestellt werden, da selbst geringste Fehler Fehlwürfe von mehreren hundert Metern zur Folge hatten und das Ergebnis dann wie im folgenden Bild aussah:

 

Fehlwürfe

 

 

Schon die Mindestbreite einer Bombergruppe betrug 360 m, was bedeutete, daß auch bei einwandfreien Zielvorgaben ein Streifen von dieser Breite getroffen wurde, und wenn Kanister mit Stabbrandbomben abgeworfen wurden, ergab das wegen der schlechten Ballistik dieser Kanister noch einen viel breiteren Streifen.

 

Zerstörung

(Bild oben: Durlacher Straße)

Am Vormittag des 01. März 1945, zwischen 9.30 Uhr und 11.00 Uhr, hoben die Gruppen und Staffeln des 41. Bombergeschwaders der 8. US-Luftflotte von ihren verschiedenen Stützpunkten in England ab, sammelten sich über ihren Plätzen, was ca. 30 bis 40 Minuten dauerte, und flogen dann zum Sammelplatz des Geschwaders über der Stadt Northampton. Sodann flogen sie nach Süden über den Kanal nach Frankreich und vereinigten sich mit anderen Bombergeschwadern zu einem Großverband, der sich mit zwei anderen Großverbänden zu einem Bomberstrom von über 1000 Flugzeugen mit einer Länge von 250 bis 300 km zusammenschloß. Da eine Besatzung aus 12 Mann bestand, waren also 12.000 Menschen in der Luft!

 

Zerstörung

(Bild: Orbinstraße)

Südwestlich von Straßburg löste sich der Bomberstrom auf, und die einzelnen Geschwader flogen die ihnen zugewiesenen Ziele an. Außer Bruchsal wurden am selben Tag noch Ulm, Reutlingen, Göppingen, Heilbronn, Neckarsulm, Neuburg an der Donau (Düsenjägerflugplatz), die Messerschmitt-Werke und die Klöckner-Humboldt-Deutz-Werke angegriffen. Das 41. Bombergeschwader löste sich ebenfalls aus dem Bomberstrom und flog zum Ablaufpunkt für den Zielanflug nach Bruchsal. Ein "Ablaufpunkt" (IP=Initial Point) ist erforderlich, um den genauen Kurs,die Flughöhe, die Fluggeschwindigkeit über Grund und die Zeit bis zum Ziel ab diesem Punkt festzulegen und einzuhalten. Als Ablaufpunkt war der Ort Pfalzgrafenweiler bei Freudenstadt festgelegt worden, wohl wegen der an diesem Tag herrschenden Windrichtung (kein Gegenwind, Wind kam von hinten).

 

Zerstörung

(Bild: Bismarckstraße)

Um 13.32 überflog die an der Spitze fliegende Bombergruppe A den Ablaufpunkt und nahm mit 354 Grad und 20.000 Fuß (ca. 6.600m) Kurs auf Bruchsal. Geplant war, wegen vorhergesagter dichter Bewölkung, ein Anflug nach Instrumenten, bei dem jede Gruppe, die einander im Abstand von 15 km (ca. 3 Min.) folgten, die Bomben gleichzeitig abwerfen sollte. Das Wetter war aber besser (über 20 km Sicht, 5/10 bis 7/10 Wolkenbedeckung) und, nachdem der Zielanflug zur Hälfte durchgeführt war (querab Pforzheim), wurde die Stadt Bruchsal gesichtet und man entschloß sich, die Zielanflüge staffelweise optisch zu Ende zu führen. Um 13.53 Uhr löste die Führungsstafel der A-Gruppe (nach dem Bericht des Staffelführers) ihre Bomben aus 6 1/2 km aus, um 13.54 die untere Staffel und um 13.55 die obere Staffel.

 

Bomben auf Bruchsal

Dann folgten die Gruppen B und C, wobei eine Staffel der Gruppe C wegen Wolken und starker Rauchentwicklung zu dicht aufschloß und einen zweiten Zielanflug durchführen mußte. Die Staffel flog zum Ablaufpunkt Pfalzgrafenweiler zurück, um von dort den zweiten Zielanflug durchzuführen. Um 14.35 fielen die letzten Bomben auf Bruchsal aus einer Höhe von 6000 m mit Kurs 25 Grad.

 

Bomben auf Bruchsal

 

 

 

Danach sammelte sich das Geschwader und flog nach England zurück. Innerhalb von 40 Minuten fielen 901 Sprengbomben mit je 250 kg und 450 Brandbombenstreubehälter ("Kanister") mit je 110 Stabbrandbomben. Damit regneten auf Bruchsal 49.500 Stabbrandbomben herab.

 

Zerstörung

(Bild: Durlacher Straße)

Ein Auswertebericht der Amerikaner ergab folgendes: Von den 901 Sprengbomben, die abgeworfen wurden, können insgesamt etwa 500 Einschläge auf Luftbildern gesehen werden.

 

Zerstörung

(Bild: Lutherkirche)

Nach Aufzählung und Lokalisierung der Einschläge (z.B. "Gleise im Personenbahnhof mindestens 20 Einschläge") folgt: "Praktisch das gesamte Geschäfts- und Wohngebiet ostwärts des Bahnhofs ist mit Konzentrationen von Spreng- und Brandbombeneinschlägen zugedeckt, wobei viele Brände entfacht wurden."

 

Zerstörung

(Bild: Ecke Kaiserstraße/Friedrichstraße)

 

Quellen: Stadt im Inferno, Hubert Bläsi, 1995; Diesen Anblick werde ich nie vergessen..., Historische Kommission 1995

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