Das Denner'sche Schmuckwappen hat stadthistorische Bedeutung

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Fliesen am Gebäude in der Huttenstraße erinnerten an die Bruchsaler Brautradition und den legendären "Brusler Dorscht"
Montag, 15. September 2014 - 19:27

Die jüngeren Jahrgänge werden sich sicher nicht mehr an das künstlerisch ausgeführte Firmenzeichen der Brauerei Denner erinnern. Dieser prächtige Wandschmuck, ausgeführt in glasierten keramischen Wandfliesen, war an der  zur Huttenstraße hin gerichteten Fassade der 1959 errichteten neuen, großen Flaschenbier-Abfüllerei der mittlerweile nicht mehr existierenden Brauerei Denner angebracht und kündete vom Stolz der Firmeninhaber über die über drei Generationen stetig wachsende Brauerei und die Bruchsaler Bierbrau-Tradition.

Denner-Schriftzug

Der Wandschmuck im Originalzustand. Foto: privat

Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde dieser farbenfrohe Wandschmuck von der Karlsruher Majolika hergestellt nach Entwürfen des renommierten Karlsruher Keramikers Karl-Heinz Feisst, dessen künstlerische Ausgestaltungen an vielen Gebäuden in unserer Gegend zu finden sind bzw. zu finden waren. So gestaltete er 1979 den Wandfries im Ettlinger Hallenschwimmbad, 1974 die Wandverkleidung des Sitzungssaals der BNN in Karlsruhe oder 1994 den Eingangsbereich des Badischen Gemeinde-Versicherungs-Verbandes, ebenfalls in Karlsruhe.

Dennergebäude

Die Denner'sche Flaschenbier-Abfüllanlage vor dem Abriss. Foto: privat

Leider ist dieser prachtvolle Wandschmuck nicht mehr, wurde doch 2004 die lange Jahre leer stehende Flaschenbier-Abfüllerei abgerissen, um Platz zu machen für die mächtigen Bauten des vom Bruchsaler Diakonieverein betriebenen Bruchsaler Altenzentrums.

Bereits am 28. Mai 2004 schrieb der Bruchsaler Heimatforscher Stefan Schuhmacher in einem Beitrag der Bruchsaler Rundschau unter der Überschrift

"Schmuckwappen an Gebäude in Huttenstraße hat stadthistorische Bedeutung":

„Das bunte Fliesen-Ensemble mit Wappendarstellung zu erhalten, wäre aus stadthistorischer Sicht gewiss eine gute Sache. Dafür müsste es zunächst beim demnächst anstehenden Gebäudeabriss sichergestellt werden. Ob im Zuge der Errichtung der Neubauvorhaben eine möglichst ortsnahe Wiederanbringung möglich ist, sei dahingestellt. Das mit Symbolen des Braugewerbes verzierte Wappen der letzten und größten örtlichen Brauerei sollte auch künftig auf die insgesamt lange städtische Tradition des Bierbrauens hinweisen.“

Dies mahnte Stefan Schuhmacher vor jetzt gut zehn Jahren an. Doch nichts geschah. In dieser Dekade geriet statt dessen das Schmuck-Ensemble in Vergessenheit. Doch wurden die Fliesen tatsächlich vor dem Abriss des Gebäudes sorgfältig heraus gebrochen und wohl auch sicher gestellt, wie das nachstehende Foto dokumentiert.

Dennerfliesen

Die Denner'sche Flaschenbier-Abfüllerei nach Entfernung der Fliesen. Aufnahme vom 1. September 2004. Foto: privat

Unglücklicherweise verlieren sich dann jedoch die Spuren des wertvollen Wandschmuckes. Gerüchteweise soll das Denner'sche Schmuckwappen – hier werden verschiedene Versionen erzählt – von Seiten des Bruchsaler Rathauses an einen Bruchsaler Gastronom „verschenkt“ worden sein. Dieser Kneipier wollte, so wird berichtet, das Fliesenensemble irgendwo und irgendwie außerhalb oder innerhalb seiner Gaststätte einbauen. Doch nix Genaues weiß man nicht. Wer die Bruchsaler Kneipenszene jedoch kennt, weiß, dass nirgendwo in Bruchsal das Schmuckwappen zu sehen war oder gar zu sehen ist:

Tra il dire e il fare c’è di mezzo il mare.

Sollte das Fliesenbild tatsächlich noch existieren - vielleicht liegt es irgendwo in einer Kellerecke, versteckt unterm Staub eines Jahrzehnts - und der "Beschenkte" ausfindig gemacht werden können, so wäre jetzt, wo wir nächstes Jahr in Bruchsal die Heimattage feiern, der richtige Augenblick, das stadthistorisch wertvolle Schmuckwappen wieder der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Wie von Stefan Schuhmacher angeregt, könnte möglicherweise sogar eine ortsnahe Wiederanbringung machbar sein. Noch bevor man die Andreasstaffel nach oben Richtung Stgadtgarten geht, begrüßt einen gleich links gegenüber vom Altenzentrum eine schmucklose Brandmauer mit einer Seiteneingangstür zum Anwesen Huttenstraße 43. Früher war in diesem Gebäude die Denner-Gaststätte untergebracht, wie heute noch die Schmuckverglasungen in den Fenstern demonstrieren. Auf dieser Seitenwand des Hauses ließe sich das Schmuckwappen wunderbar installieren. Das Fliesen-Ensemble wäre mehr als ein „Hingucker“; es würde ein Stück Bruchsaler Geschichte wieder sicht- und erlebbar machen. Ein weiteres Zeugnis für den über unsere Stadtgrenzen hinaus sprichwörtlichen "Brusler Dorscht" wäre geschaffen.

Allerdings müssten drei Dinge zuvor geklärt werden:

a) Wo befinden sich die Fliesen, so sie überhaupt noch existieren?

b) passt das Schmuckwappen überhaupt auf diese Hauswand? Unter Umständen müsste das Fliesen-Ensemble anders angeordnet werden.

c) besteht überhaupt der politische Wille, zu den Heimattagen ein Stück Bruchsaler Geschichte wieder lebendig werden zu lassen?

Denner mit Vignette

Gebäude Huttenstraße 43 mit Denner-Schmuckwappen. Nicht maßstabsgerecht. Fotomontage: privat

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Kommentare

Kann man...

...nicht ausfindig machen, welche Firma den Abriß damals getätigt hat und da mal nachfragen? Aber höchstwahrscheinlich hat sich das schon einer unter den Nagel gerissen und seine privaten Räume (Schwimmbad etc.) damit verschönert. Eine weitere Schande für Bruchsal, daß so etwas ungesichert bleibt und mir nichts dir nichts einfach "verschwinden" kann, so wie das Mühlrad der Heidelheimer Mühle hinter dem dortigen Bahnhof. Den Heidelsheimer Bürgern wurde versprochen, das Rad zu restaurieren und in dem Baugebiet, in welchem vorher die Mühle stand, zu installieren. Das Rad stand einige Jahre bei der Fleischerei Feil am Ortsausgang von Heidelsheim und war dann plötzlich verschwunden....

Nicht verzagen -

Rathaus fragen!
Denn: Geht Dir der Rat aus...

Wie ich....

dem Beitrag von Rolf Schmitt entnehme, weiß das Rathaus auch nichts....

Die Fliesen sollen vom

Die Fliesen sollen vom früheren Bruchslaer Oberbrgermeister Doll an den Wirt des Wallhall verschenkt worden sein. So wird zumidnest geredet.

Wenn mit "Das Rathaus"...

... die derzeitige Besatzung gemeint ist, wundert mich das nicht.
Da muss man schon die alte Mannschaft fragen - und wissen, wer das wissen könnte.

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