Das Wort zum Montag

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... heute ausnahmsweise am Mittwoch
Mittwoch, 31. März 2010 - 10:18

MiWo

mea culpa, so könnte ich ganz karwochengemäß beginnen.Denn hätte ich zeitnah meinen Spam-Ordner ausgemistet, hätte ich auch rechtzeitig in Auswertung dessen, was ich dort vorfinde, das WzM schreiben können.

Ich habe nämlich Post bekommen. Eine eMail von Hermann Gröhe, dem Generalsekretär der Bundes-CDU als Empfänger eines Newsletters, für den ich mich niemals eingetragen habe. Allein aufgrund meiner fortbestehenden Mitgliedschaft ist dies auch nicht erklärbar, denn sonst wäre dies ja kaum die erste Post dieser Art, die ich bekomme, oder?

Sei's drum. Jedenfalls fordert mich der Herr Generalsekretär auf, nicht nur dem verdienten Altkanzler und CDU-Bundesvorsitzenden Helmut Kohl mittels einer eigens eingerichteten Website zu seinem 80. Geburtstag am Samstag zu gratulieren, sondern auch in meinem Bekanntenkreis hierfür zu werben. Eine Würdigung durch die Bundeskanzlerin werde am Samstag hinzukommen und schon jetzt sei eine Bildercollage mit "Stationen aus seinem politischen Leben" abrufbar.

Bilder aus dem Untersuchungsausschuss, wo er sich unter Berufung auf sein Ehrenwort und unter bewusstem und verteidigtem Rechtsbruch geweigert hat, "Namen und Zahlen" bezüglich von ihm entgegengenommener hoher Barspenden zu nennen, werden hier kaum zu finden sein. Es ist jedoch kaum zu vermuten, dass dies nur mir in Erinnerung geblieben ist. Genauso gut im Übrigen, wie eine in diesem Zusammenhang gefallene und in Ihrer Deutlichkeit entwaffnend offene Äußerung des damaligen baden-württembergischen Innenministers Thomas Schäuble über den politschen Ziehvater seines Bruders Wolfgang.

Kohl

Nun, Herr Gröhe, ich werde darauf verzichten, Herrn Kohl öffentlich oder auf andere Art zu gratulieren. Und zwar aus dem Grund, dass die einzige Art, wie ich mir seine persönliche Haltung seinerzeit eklären kann, in höchstem Maße abstößt.

Diese besteht nämlich darin, dass man die - unstreitig - erworbenen politischen Verdienste gleichsam als "Punktekonto" betrachtet, dem nachfolgende und rechtlich höchst zweifelhafte Aktionen im Ergebnis nicht schaden können.

Oder anders gesagt: "Guck Dir meine Erfolge an - und nicht mir auf die Finger".

Eine "Saldo-Theorie" ganz eigener Art also, als Idee auch einem provinziellen Sparkassenangestellten nicht unwürdig. Und darüber hinaus auch erklärbar.

Erklärbar jedenfalls, solange es das Parteivolk im Kleinen wie im Großen nicht schafft, die Einsicht durchzusetzen, dass nicht Verdienste "Mauscheleien" entschuldigen, sondern vielmehr Letztere die Ersteren jedenfalls dann als persönliche Meriten entwerten, wenn die Akteure uneinsichtig auf ihrer Weltsicht beharren.

Oder um auf den Eingang zurückzukommen: Gewährte Verzeihung ist eine christliche Tugend, erlangte eine Gnade. Doch führt der Weg dorthin über die Reue. Bleibt die aus, darf das Parteivolk hart bleiben. Vielmehr: Muss es, um seiner Zukunft willen.

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