Das Wort zum Montag

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"Umfallen" oder "Nochmal nachdenken"
Sonntag, 15. November 2009 - 20:30
WzM

Zwei Begriffe unterschiedlicher Konnotation, die einen äußerlich möglicherweise nicht unterscheidbaren Vorgang bezeichnen können. Welcher der Begriffe im vorliegenden Falle angebracht ist, möchte ich gern Ihnen überlassen.

Worum geht es? Darum, dass mein Ausblick im Rahmen dieses Wortes zum Montag darin besteht, dass ich entgegen einer Mitteilung von der Mitte dieser Woche an die Herausgeber mich doch entschlossen habe, weiterhin bei bruchsal.org als Autor mitzuwirken.

Was ist geschehen?

Anlass für meine spontane Entscheidung des Aufhörens war der Beitrag http://www.bruchsal.org/story/antworten-auf-den-fragenkatalog-sachen-kan.... Nachdem ich bereits mit der Idee des zugrundeliegenden Beitrags nicht glücklich gewesen war und dies die Herausgeber von bruchsal.org auch hatte wissen lassen, war ich über den genannten Beitrag nachgerade entsetzt und hatte an die Herausgeber wörtlich geschrieben:

"Die veröffentlichten Stellungnahmen Foos und Birkle werden in ihrem informatorischen Minimalwert den Fragen gerecht; auf die Antworten von SPD und FDP wurde entgegen ausdrücklicher Ankündigung gar nicht erst gewartet.

Damit verbleibt als einzig einleuchtende Motivation für den Beitrag in der Gestalt, die er erhalten hat, das Interesse an möglichst maliziöser Exponation nicht eines Sachverhalts, sondern einer Person.

So arbeitet eine Zeitung nicht - an der ich beteiligt und mit der in Zusammenhang ich gebracht werden möchte."

Dieser Überzeugung bin ich auch nach wie vor.

Im Rahmen der Antwort auf Reaktionen von zweien der Herausgeber - davon die eine kenntnisnehmend, die andere mit der Anregung, über diese Entscheidung doch nochmal nachzudenken - habe ich meinen Entschluss damit erklärt, dass für mich nicht erkenntlich sei, um welchen Nutzens willen der mit dem Beitrag verursachte bzw. in Kauf genommene Schaden gerechtfertigt werden könne.

So, und hier hatte ich mich nun unversehens genau selbst am Arsch.

Welcher Nutzen wäre mit meinem Aufhören verbunden? Allenfalls die relativ flüchtige Befriedigung, im entscheidenden Augenblick die gehörige Entrüstung wohlformuliert und wirkungsbewusst geäußert zu haben. Aber reicht das?

Im Eindruck der heraufdämmernden CDU-Mitgliederversammlung vom 16.09. - bruchsal.org hat mehrfach berichtet - hatte ich mich über die - seinerseits wohl eher unbewusste Zueignung - der neuen Single eines Freundes aus New Jersey gefreut:

"We weren't born to follow" - aber der Text geht noch weiter und "you got to sit back for what you believe" kommt nicht drin vor.

Das zweite Nachdenken hat dann die Erkenntnis gebracht, dass sich das Aufstehen dafür, was man glaubt, ja nicht nur auf die Bruchsaler Außenwelt beziehen muss. Wo stünde geschrieben, dass bruchsal.org einschließlich seiner Herausgeber stets nur auf einer Seite der Watschenmaschine zu finden sein müssen? Schließlich hat "Schwarzwild" auch keine Schonzeit.

Kein Missverständnis: eine Nabelschau, innerhalb derer bruchsal.org über bruchsal.org spricht, wird das hier nicht werden. Aber nur der Gedanke, dass keiner hier unter Artenschutz steht, wird der - oder richtiger: meiner - Idee davon gerecht, was bruchsal.org sein kann und sollte.

Wir lesen uns also wieder - wenn Sie wollen.

"Let me hear you say: Yeah!"

Um Missverständnisse zu vermeiden: das letztwöchige WzM einschließlich hierauf geposteter Kommentare ist jetzt hier zu finden.
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Kommentare

Zustimmung

Ich muss zugeben, dass ich die Artikel zu Herrn Dr. Scherbel bislang nie so richtig gelesen hatte (weil es mich persönlich nicht so sehr interessiert) - stimme Ihnen aber absolut zu dass da zum Teil etwas zu weit gegangen worden ist: Die ordnungsgemäße Durchführung von Wahlen ist sicher wichtig und eine kritische Berichterstattung darüber selbstverständlich zulässig, was natürlich auch den Hinweis auf potentielle Unregelmäßigkeiten einschließt. Trotzdem hat m.E. auch ein Gemeinderatsmitglied Anspruch auf Schutz der Privatsphäre - öffentliche Spekulationen darüber, wer wo (oder mit wem) seine Nächte verbringt, sind daher meiner Meinung nach weder mit dem Anspruch noch der Verantwortung eines seriösen Mediums, egal ob online oder offline, zu vereinbaren.

Zumal mir auch gar nicht so recht einleuchten will, welche tatsächliche Relevanz dieses eindeutig dem privaten Bereich zuzurechnende Faktum denn überhaupt für die Eignung (oder Nichteignung) zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung der Aufgaben eines Gemeinderats haben soll - ein Bezug zur Gemeinde ist (dadurch dass Herr Dr. Scherbel dort eine Praxis betreibt) ja ganz offensichtlich gegeben. Abgesehen vom Schutz der Privatsphäre ist daher durchaus zweifelhaft, ob die Konzentration auf juristisch-technische Formalien (die im Zweifel sowieso zu kurz greift: jeder, der schon einmal aus beruflichen oder sonstigen Gründen mehrere Wohnsitze innehatte wird bestätigen können, dass der Lebensmittelpunkt beileibe nicht zwangsläufig an dem Ort liegt, an dem man am häufigsten übernachtet) in der öffentlichen Berichterstattung wirklich erforderlich und zielführend ist. Für mich jedenfalls ist viel interessanter, ob ein Gemeinderat seine Aufgaben ordentlich und verantwortungsvoll wahrnimmt - was er dann im Privaten macht, geht mich (und die Öffentlichkeit) dagegen schlichtweg nichts an.

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