Das Phänomen Bernd Doll

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Versuch einer Erklärung
Samstag, 19. September 2009 - 2:00

„Nur über meine Leiche“ erklärte mir der damalige Parteivorsitzende der Bruchsaler CDU Fritz Tremmel, als ich ihn auf eine mögliche OB-Kandidatur Bernd Dolls, damals noch 1. Beigeordneter, ansprach. Da war gerade das Gerücht aufgekommen, Adolf Bieringer, der Amtsinhaber, könnte eventuell Regierungspräsident in Karlsruhe werden. „Jetzt“ sagte ich, „jetzt dürft Ihr alle für den Doll Wahlkampf machen.“ „Nur über meine Leiche!“. Das Gespräch fand im Zug nach Frankfurt statt. Fritz Tremmel war auf der Reise nach Brüssel zu einer Atom-Lobby-Tagung, ich war auf dem Weg nach Köln zu einer TV-Produktion beim WDR. Wir fanden uns zufällig im selben Abteil wieder.

Wenige Tage später, Fritz Tremmel war, soweit ich mich erinnere, noch immer in Brüssel und deshalb wohl ohne Chance, einzugreifen, hatte Bernd Doll bereits seinen „Hut in den Ring geworfen“, wie die Rundschau seines Freundes Bertold Moos eilfertig titelte. Bieringer war zum Regierungspräsidenten ernannt worden und sein Stellvertreter hatte noch am selben Tag die Chance ergriffen, sich selbst zum Kandidaten auszurufen, ohne ein Votum der CDU abzuwarten, das er damals wahrlich hätte fürchten müssen. Denn neben Fritz Tremmel, dem durchaus auch eigene Ambitionen unterstellt werden mussten, war vor allem Werner Stark, damals Fraktionsvorsitzender, in der Partei so beliebt, dass dieser eine parteiinterne Ausscheidung wohl gegen beide Mitbewerber hätte gewinnen können. Es sei jetzt dahin gestellt, ob dies der Stadt zum Vorteil gereicht hätte oder nicht. Jedenfalls: Bei der ersten Kandidatur Bernd Dolls kam die CDU überhaupt nicht dazu, als Partei ihr Votum abzugeben. Bernd Doll hatte die Partei, der er nach seinem eigenen Abschiedsbrief an die jüngste Mitgliederversammlung treu diente, überrumpelt, hatte sie nie gefragt, ob sie ihn auch als ihren Diener haben wolle. Er hat sich ihr auf seine Weise „angedient“ und Fritz Tremmel verteilte Wochen später auf dem Bruchsaler Wochenmarkt treu und brav Rosen für „seinen“ Kandidaten. Werner Stark, um auch das Kapitel abzuschließen, wurde von Bernd Doll nur deshalb als 1. Beigeordneter akzeptiert, weil die Fraktion sich nicht ein zweites Mal von ihm überrumpeln ließ. Eine der wenigen Niederlagen Bernd Dolls in der CDU-Fraktion.

Was, wenn Jens Skibbe, auf den jetzt viele eindreschen, er habe die Solidarität mit seiner Partei verletzt, dasselbe getan und bei der Partei erst gar nicht nach Solidarität nachgefragt hätte, wenn er sich selbst zum Kandidaten ausgerufen hätte, noch bevor die Kandidatenfindungskommission ihr segensreiches Wirken entfalten durfte? Vermutlich hätte die Stadt erneut einen CDU-Oberbürgermeister, den die Mehrheit der eigenen Partei in der Gesamtstadt jedenfalls gar nicht nominiert hätte, wäre sie gefragt worden. Vielleicht war das der einzige Fehler, den Skibbe begangen hat. Er hätte von Bernd Doll lernen sollen, um siegen zu lernen.

Bernd Doll war immer ein Machtmensch, der sich und seine Ziele über alles andere stellte, der seine Sicht der Dinge zum alleinigen Maßstab seines Handelns machte, der immer davon überzeugt war, es besser zu wissen als alle anderen. „Ich zeig's der ganzen Welt“ soll er gesagt habe, nachdem er, was mittlerweile jeder weiß in der Stadt, das Abitur verfehlt hatte, ein Umstand, den viele, die ihn kennen, auch heute noch für das prägende Ereignis im Leben des jungen Bernd Doll halten. „Ich zeig's der ganzen Welt“ – der Mann, dem er diesen Satz gesagt hat, ein alter, in der Stadt bekannter Herr, hat mir diese Episode vor ein paar Monaten erzählt: „Das, Herr Kaufmann, ist der Schlüssel zum Verständnis des Mannes: Ich zeig's der ganzen Welt!“

Und es gibt noch eine Episode, die mir dieser alte Herr erzählte, die erhellen kann. Schon einige Jahre in Amt und Würden hat er einmal seine frühere Klasse aus dem Justus Knecht ins Bruchsaler Rathaus eingeladen: Anwälte, Professoren, Studierte eben. „Aber keiner hat es zum Oberbürgermeister gebracht!“ erklärte er hinterher engen Mitarbeitern den Abend. Auch dieser Satz ist belegt, ich habe ihn vom Ohrenzeugen direkt. Keiner hat es zum Oberbürgermeister gebracht.

Suchen wir nach einer weiteren Quelle, die uns den Mann erklären kann, der seine Stadt beherrschte wie kein anderer vor und sicher auch niemand nach ihm. Bernd Doll selbst hat ein Psychogramm seiner eigenen Person verfasst, von dem kaum jemand Notiz genommen hat. Ich hätte es auch nicht, hätte mir damals nicht ausgerechnet ein CDU-Gemeinderat die Lektüre dringend ans Herz gelegt. Es handelt sich um Bernd Dolls Nachruf auf seinen Vorgänger, veröffentlicht im Buch „In Memoriam: Dr. Adolf Bieringer“. Der Aufsatz ist heute noch lesenwert, wohl der einzige Nachruf, in dem der Nachrufer schon an seinem eigenen Denkmal werkelte: „Eigentlich waren wir gegensätzliche Charaktere. Hier der überaus gebildete, aus der Lebenserfahrung gereifte, abwägende und zurückhaltende Jurist, der Gerechtigkeit genauso wie hohe Lauterkeit auf sein Panier geschrieben hatte und da der vorwärtsdrängende Verwaltungspraktiker, der ihn mit ungestümer Rastlosigkeit auf die anstehenden Fragen unserer Stadt zu einer Antwort drängte.“ Und über seine eigene Rolle als junger Beigeordneter: „Ich hatte mein eigenes Ressort, das er mir zu freien Entfaltung überließ. Mein Rat für das seine war ihm trotzdem wichtig.“ Mein Rat für das seine war ihm trotzdem wichtig. Wessen Rat war ihm, der das Instrument Chefsache im Bruchsaler Rathaus einführte und jederzeit für sich reklamierte, wessen Rat war ihm 24 Jahre lang wichtig?

Immer ein wenig zu viel Ich, immer etwas mehr Scheinen als Sein. Das lässt sich auch in vielen, oft einsamen Entscheidungen des Bernd Doll festmachen: Die geplatzte Landesgartenschau, die er sich großspurig holte, um dann kleinlaut feststellen zu müssen, dass schon die Grundvoraussetzungen nicht vorhanden waren, ein entsprechendes innerstädtisches Gelände. Das Geothermie-Projekt, das nicht als Projekt erneuerbarer Energie angegangen wurde, sondern bei dem Bad Bruchsal als Vision erste und damals alleinige Motivation war. Der energiepolitische Aspekt wurde erst nachgeschoben, nachdem das Prestige-Projekt Kurort Bruchsal nicht mehr realisierbar war. Der falsche Ehrgeiz eines Bernd Doll hat die Stadt Millionen gekostet.

Oder das in Stil, Konzeption und Aufmachung völlig daneben geratene Bürgerzentrum, das er in einer Werbe-Broschüre der Stadt Bruchsal so hat feiern lassen: „Die Bruchsaler sind sicher, dass es der schönste Saal in Baden-Württemberg ist.“ Die Bruchsaler? Ein einsamer Bruchsaler allein war es, der solche Texte schreiben ließ und sie auch noch als zutreffend empfand. Immer etwas mehr scheinen als sein.

„Das Pistazien-Eis zergeht Ihnen auf der Zunge ..... Vis-à-vis holt die Jugend stapelweise Bücher aus der Bibliothek. Kinder tollen über den Platz. Ein Baby hat die Spieldose verloren.....Die Einkaufsstadt Bruchsal „swingt“ ums Eck..... Ein fröhlicher Terrassen-Ausblick. Innen im Restaurant Bergfried wird mit Geschmack zelebriert. Badische Rezepturen, internationale Spezialitäten: Bruchsal liebt die feine Küche. Genießen wird zum Hochgenuß. Später in der Bar erhält der Tag eine Schaumkrone aufgesetzt. Wenn Sie jetzt Sterne vergeben....wie viele schenken Sie unserer Gastronomie?“

Die Sterne-Gastronomie eines Bernd Doll hat uns ebenfalls Millionen gekostet, und keiner hat dies über 20 Jahre ernsthaft versucht, zu verhindern. Landauf, landab hat man nur noch geschmunzelt angesichts der Image-Werbung, die Bernd Dolls Wortdrechsler haben verbreiten dürfen unter dem Generalmotto: „Ein Stück Bruchsal braucht der Mensch.“

Die peinliche Barockstadt-Kampagne, die er erst aufgab, als ihm ein Kunst-Professor dazu riet, dessen Werk für einen öffentlichen Platz er nahezu im Alleingang auswählte, gehört auch in die Liste der PR-Peinlichkeiten der Ära Bernd Doll. Wäre der Künstler nicht auch noch Ehren-Professor, wer weiß, ob er jemals Plätze hätte gestalten dürfen im Bruchsal des Bernd Doll und Einfluss bekommen hätte auf die Marketing-Strategie ihres Chefs. Jedenfalls weiß ich zu genau, wie Kritiker der Barockstadt-Kampagne früher abgestraft wurden. Heute weist Bernd Doll mit dem Görtz`schen Brunnen den Weg aus dem Barockstadt-Image.

Die Liste ließe sich verlängern: Das unsägliche Justus-Frantz-Konzert, bei dem er sich als ultimativer Kunst-Kenner gleich bundesweit blamierte, ein anerkannter Konzert-Kritiker aber seinen Job verlor, weil der es gewagt hatte, dem neo-barocken Stadtherrn mit seiner Fachkenntnis zu widersprechen.

Der Gipfel dieser Entwicklung war zweifelsohne der Millionen schwere Fehlgriff International University, die er selbst dann nicht hat fallen lassen wollen „wie eine heiße Kartoffel“, als längst klar war, dass das Prestige-Projekt alles andere hatte als eine Zukunft, „denn immerhin sind wir dadurch Universitätsstadt.“ Ja, wir sind Universitätsstadt – Originalzitat Bernd Doll in der Stuttgarter Zeitung. Der Satz grenzt, nimmt man ihn wörtlich, an Hochstapelei, denn die International University mit einer Universität wie etwa Heidelberg gleichzusetzen, ist niemandem im Lande in den Sinn gekommen. Immer mehr scheinen wollen als sein.

Diese Attitüde hat auch dazu geführt, dass er Kritik in der Sache immer wieder als persönlichen Angriff umgedeutet hat. Um es – auch persönlich – klar zu sagen: Nicht ich habe eine Intimfeindschaft mit Bernd Doll gepflegt, nein, Bernd Doll hat dies dekretiert, um sich dem Inhalt der Kritik nie stellen zu müssen, und der Mainstream der Stadt hat es ihm durchgehen lassen. In meinem Fall: Kritik an seinem Geschichtsverständnis, nachdem – Filbinger und Megerle lassen grüßen – heute nicht Unrecht sein könne, was gestern noch rechtens war. Den Satz hat mir Bernd Doll Jahre nach Filbingers unrühmlichem Abgang, als man es längst besser hätte wissen können, noch in die Kamera nachgeplappert. Warum sollte ich dies meinem Publikum nicht zeigen?

Unser so genannter persönlicher Streit, der aus meiner Sicht nie ein persönlicher war, hat sich an dieser Frage entzündet. Heute, denke ich, muss auch Bernd Doll einsehen, dass seine damalige Haltung nichts anderes war als töricht. Statt in der Kritik, auch in der Kritik an ihm, etwas Positives zu erkennen, sie zur Überprüfung der eigenen Position nutzbar zu machen, hat er sich selbst über jede Kritik erhaben gestellt. Mein SWF-Film zur Guillotine in der Seilersbahn, hat mir damals schon ein CDU-Insider erklärt, habe er nie verstanden sondern als Frontal-Angriff auf seine Person empfunden.

Folgerichtig ist aus alledem, dass so einer nicht die geringste Scham empfindet, für sich selbst noch vor Ablauf seiner Amtszeit die Ehrenbürgerwürde zu reklamieren. Wo hat es eine solche Peinlichkeit jemals gegeben? Als er Bieringer, den er nachrufend so sehr verehrte, den Ehrenbürgerbrief überreichte, lag dieser bereits schwer krank in der Klinik. Bieringer hätte nie daran gedacht, solches für sich zu reklamieren.

Was, wenn Bernd Doll es verstanden hätte, Kritiker einzubinden statt sie auszugrenzen, wenn er auf sie zugegangen wäre, statt sich ihrer zu verweigern und sich mit Jasagern einzumauern? Was, wenn er sich für seinen Freundeskreis nicht nur Abnicker und Abzocker erwählt hätte sondern auch den einen oder anderen Querdenker? Davon gab es genug auf seinem Weg. Die Liste derer, die er vergrault hat, alleine in seiner Partei, derer er aber dringend bedurft hätte, um die eigene Linie immer wieder zu hinterfragen und gelegentlich auch zu korrigieren, diese Liste ist lang. Insider wissen, wovon ich rede. Und sie geben mir Recht. Bernd Doll hat auch die CDU zu dem gemacht, was sie heute ist.

Bernd Doll hat, leider, immer einen Tick zuviel von sich gefordert und er hat dies auch auf seine Stadt übertragen. Weil er immer etwas mehr sein wollte als er war, musste sich auch die Stadt ehrgeizigerer Ziele unterwerfen als sie vernünftigerweise jemals hätte definieren dürfen. Die Fußgängerzone, überdimensioniert und zudem gefühllos gestaltet, ist ein Monument dieses falsch verstandenen Ehrgeizes. Aber: Die Stadt hat mitgemacht, die Verantwortlichen der Stadt, die Meinungsmacher, die Stakeholder, wie man heute sagt, sie alle haben ihn gewähren lassen. Die unsäglichen Steinplatten der Fußgängerzone hat ein Gremium des Gemeinderats nach mehreren Besuchsreisen ausgesucht.

Mit nur etwas mehr Bodenhaftung, zu der ihn Gemeinderat und – vor allem – seine CDU rechtzeitig hätten ziehen und zerren müssen, mit etwas mehr Bodenhaftung und Maßstäblichkeit könnte das Urteil über seine Amtszeit heute überwiegend positiv ausfallen, egal ob man im Einzelfall immer seiner Meinung gewesen sein mag oder nicht. Denn dass er ein Vollblutpolitiker ist, ein Macher, einer der führen kann und auch führen musste, das steht außer Zweifel. Es gab – leider – niemanden, der ihn im Hintergrund selbst hätte ein wenig führen können, hier und da auch korrigieren. Und es gab – leider – auch niemals den Hinweis von ihm, dass er so jemanden auch in Ansätzen nur hätte in seinem Umfeld ertragen wollen. Bernd Doll hat im Amt fast allen Maßstab an sich selbst verloren und es gab niemanden, der ihn davor hätte bewahren können. Dabei hatte er ohne jeden Zweifel das Talent, als wirklich großer Lokalpolitiker in die Geschichtsbücher einzugehen. Dass darüber noch lange gestritten werden kann, dafür hat er selbst gesorgt, vor allem in der autokratisch durchgezogenen gestalterischen Torschluss-Panik der letzten Jahre.

Dabei darf nicht übersehen werden, dass es von seiner Amtszeit durchaus auch Positives zu berichten gilt. Den Strukturwandel Bruchsals, der in den letzten Jahren auch für volle Steuerkassen gesorgt hat, mit denen all die Prestige-Projekte überhaupt erst finanzierbar waren, kann sich Bernd Doll auf der Habenseite gutschreiben. Industrieansiedlung war Chefsache in Bruchsal und von manch einem Manager weiß ich, dass sich sein Betrieb nur wegen der umtriebigen Art Bernd Dolls für Bruchsal als Standort entschieden hat. Dass er sich am Ende fast nur noch von Investoren beraten ließ und deren Einzelprojekte in der Summierung als Stadtplanung ausgab, ist allerdings die Kehrseite dieser Medaille.

Sinnbild der Persönlichkeits-Entwicklung Bernd Dolls ist für mich ein Ereignis, das eher im privaten einzuordnen ist als im politischen Raum: der 60. Geburtstag von Karla Doll. Ich erinnere mich noch, wie und vor allem wo früher im Hause Doll Geburtstage gefeiert wurden. Einer fand einmal in einer kleinen Gartenhütte am Michaelsberg statt. Ich war damals dabei, als ich noch gelitten war und nicht der Motzki von der Seilersbahn, der Intimfeind, und ich erinnere mich daran, dass ich zum Song „I found my freedom on Blueberry Hill“, den wir gemeinsam pausenlos heruntergelallt haben, mit Messer und Gabel den Drummer mimend wohl eine ganze Tischdecke in kleinere Stücke zerlegt habe. Mittlerweile feiern die Dolls ihre Geburtstage im Gartensaal des Bruchsaler Schlosses. Gut, dass ich nicht eingeladen war, vielleicht hätte ich wieder eine Tischdecke in einzelne Teile zerlegt. Das macht sich aber nicht so gut in einer solch noblen Umgebung.

„Der Rainer Kaufmann hatte es ja immer gut. Der konnte leicht kritisieren. Ich musste immer die Verantwortung für diese Stadt schultern“ hat er mir bei seinem einzigen Besuch im Schlachthof, bei der Übernahme des Restaurants durch meine Familie und mich, gesagt. „Ich musste immer die Verantwortung für diese Stadt schultern.“ Wenn er dieses nur ein einziges Mal vergessen hätte in 24 Jahren, seine Verantwortung und seine Schultern, was für ein unumstritten guter Oberbürgermeister hätte aus ihm werden können.

 

 

 

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Kommentare

Doll Bruchsal, Metzger Bretten

beim Lesen ihres Artikels beschlich mich, je länger ich las das Gefühl, den porträtierten zu kennen. Herrn Doll kenne ich allerdings nicht, aber den OB von Bretten, Paul Metzger. Auf ihn treffen so ziemlich alle Charakteristika, nein sagen wir lieber Eigenschaften, die sie so treffend beschrieben haben, ebenfalls zu. Zufall?
Oder funktionieren hier vor Ort Kontrollmechanismen, sprich die Gemeinderäte, nicht? Hat nicht jeder dieser Provinzfürsten auch nur eine Stimme im Gemeinderat? Wieso konnte es dann zu einer solchen "Alleinherrschaft" kommen? Was leistet die Dienstaufsicht im Regierungspräsidium eigentlich?

Bei uns in Bretten wird Ende Januar nächsten Jahres, wenn die Amtszeit Metzgers endet, nach den pausenlosen Jubel- und Erfolgsgeschichten, ja, auch wir hatten eine University (USQ), das große Staunen und Jammern beginnen. Denn das Laissez-faire, das als Erziehungstil für Kinder ebenso wenig Erfolg zeigte, wie bei der Kontrolle von "Machtmenschen", hat die Stadt und ihre Bürger in 24 Jahren, die stolze Summe von 90.000.000 Euro mehr an Verschuldung gekostet!

So ist sie verteilt, die Macht

In Deutschland gibt es derlei Charakteristika im Kommunalen führender Persönlichkeiten zuhauf. Nur nicvht aufregen. Die Währung in der Politik ist Macht, nicht Programm.

Macht, Kontrolle und Kontrollmächte

Die baden-württembergische Gemeindeverfassung funktioniert nur an der langen Leine einer zwar unsichtbaren, aber jederzeit fühlbaren staatlichen Fachaufsicht (nicht Dienstaufsicht - so weit darf es nicht kommen!).
Die Kontrollfunktion der Gemeinderäte können Sie vergessen - ahnungslos oder auf vielfache Weise korrumpiert. Sachkunde und Unabhängigkeit sind seltenste Ausnahmen.
Und das Regierungspräsidium Karlsruhe? Der Herr Regierungspräsident fährt zwar mit dem Herrn Oberbürgermeister Fahrrad - aber bestenfalls publikumswirksam von Bruchsal nach Heidelsheim.
Und Gleiches gilt für die Landkreise - darf ich an Herrn Landrat Kretz erinnern? Und an seinen verehrten Vorgänger??

Achse Bruchsal - Bretten???

BAK Bretten?

Siehe:

http://www.bak-bretten.de/index.php

Lesenswert!!!

Auch eine Laudatio

Der wohl gehaltvollste Text, der sich zur Amtszeit von Bernd Doll schreiben lässt, aus dem sich auch ein Stückweit das Psychogramm einer Stadt weben ließe, die umlagert von den "Großen" Heidelberg, Stuttgart und Karlsruhe mit dem Versprechen eines durchaus konkurrenzfähigen Schlosses gestraft war, dem keine adäquates Umfeld entsprach - und die daraus nicht den Anstoß zur Ironie, sondern zur Überanstrengung ableitete. Insofern ist Bernd Doll vielleicht doch der ideale Ehrenbürger Bruchsals, den Folgenden zur Lehre, ein Spiegel, in dem wir uns nur noch nicht erkennen wollen.

Zur vertiefenden Information hier der Text aus der ZEIT, auf den Rainer Kaufmann diskret anspielt:

http://www.zeit.de/1993/42/Tiefe-Verbeugung

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