Dank MAX können Pflegebedürftige Bruchsal weiterhin erleben

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Stadtbus zum fünften Mal mit Heimbewohner/innen aus der Huttenstraße auf Stadtrundfahrt
Montag, 27. Oktober 2014 - 11:58

Die Bäume vor dem Evangelischen Altenzentrum (EAZ) in der Huttenstraße 47a haben ihr herbstlich buntes Laub bereits größtenteils abgeworfen. Der kalte Morgen des 23. Oktober gibt sich – der Jahreszeit angemessen – grauschwer melancholisch. Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk fährt Klaus Ferwagner, Stadtbus-Fahrdienstleiter und MAX-Chauffeur für alle Fälle, den freundlich grünen MAN Lion’s City Midibus der Stadtbusflotte vor, um ihn nach dem Öffnen der Schranke sogleich routiniert und dennoch aufmerksam konzentriert rückwärts in die Einfahrt zum EAZ zu manövrieren. Nach dem hydraulischen Öffnen der hinteren Türen klappt er die Rollstuhl-Rampe aus. Nach wenigen Minuten steuern die Fahrgäste der ersten von traditionell drei Stadtrundfahrten mit Rollatoren und Rollis auf den Stadtbus zu. Nachdem sie mit tatkräftiger Unterstützung des Pflegepersonals im Bus ihren Platz eingenommen haben, nimmt sich EAZ-Geschäftsführer Dr. Christian Waterkamp die Zeit, die Beteiligten der fünften Stadtbus-Stadtrundfahrt-Aktion für Pflegebedürftige zu begrüßen. Die Herzlichkeit im Umgang miteinander vermittelt einem das Wiedersehen von Freunden. Mit von der Partie sind Pflegedienstleiter Peter Brand, die Heimbeiratsvorsitzende Gisela Modricker, ihre Vertreterin Margarete Renius sowie die bewährte Stadtführerin Gertrud Brückmann. Waterkamp lobt dieses „deutschlandweit beispielhafte Angebot der Stadtbusverkehr Bruchsal GmbH von Stadtrundfahrten für Menschen mit Handicap und pflegebedürftige Personen“. Nur so sei es ihnen überhaupt möglich, trotz Einschränkungen mobil zu bleiben und weiterhin am Leben in ihrer Stadt teilzuhaben. Mit anderen Worten, Bruchsal zu erleben, wie es das BTMV-Motto auf Gertrud Brückmanns Regenjacke auf den Punkt bringt. Der EAZ-Geschäftsführer, der sich entschieden dafür einsetzt, dass man die pflegebedürftigen Menschen mit in die Gesellschaft hineinnehmen muss, und Pflegebedürftigkeit in den Alltag gehört, freut sich „dass die Stadtbusverkehr Bruchsal GmbH so offensiv mit dem Thema Pflegebedürftigkeit umgeht und damit ins öffentliche Interesse rückt“. Dem Mobilitätswunsch Pflegebedürftiger seien zwar Grenzen gesetzt, aber er bleibe schließlich trotz ihrer Pflegebedürftigkeit bestehen.

Ergänzt um die von Gertrud Brückmann unterhaltsam zum Besten gegebenen kurzweiligen Anekdoten und Histörchen zur großen Historie Bruchsals – vom Mittelalter bis heute und wieder zurück, die den Anspruch hat, als Anregung für einen Besuch der Stadt neben bestimmten Schwerpunkten stets auch neue „kleine Impulse zur tausendjährigen Bruchsaler Stadtgeschichte“ zu geben, führt die von Klaus Ferwagner angemessen entschleunigte Stadtrundfahrt von der Huttenstraße über die Seilersbahn, Pfeilerstraße, Friedrichstraße, Styrumstraße, Söternstraße, den Mozartweg – mit Blick auf das „Café Achteck“, seine 420 „Einwohner“ wie seine 166 Jahre vom Männerzuchthaus zur Justizvollzugsanstalt, die Robert-Koch-Straße und Schönbornstraße. Am Gymnasiumsplatz nutzt Klaus Ferwagner die Busspur zum Verweilen, sodass die Stadtführerin Schloss, Schlosskirche, Schlossraum und Schönborn-Gymnasium etwas ausführlicher würdigen kann. Weiter geht es über die Schlossstraße, Bahnhofstraße – mit saniertem Stadtbus-Rendezvous, den Europaplatz, die Amalienstraße, Martin-Luther-Straße, dem vom Eichtersheimer Bildhauer Jürgen Goertz gestalteten Friedrichsplatz, die weitere Friedrichstraße, Stadtgrabenstraße – mit historischem Exkurs zum Saalbach, „Klein Venedig“ und – zur allgemeinen Erheiterung – der zeitgenössischen Art der Entsorgung von Essensresten sowie der Verrichtung der Notdurft „mit Plumpsklo und fließendem Wasser“. Schließlich bringt sie MAX über die Durlacher Straße, Württemberger Straße und Hans-Thoma-Straße zurück an den Ausgangspunkt, zum „wunderschön gelegenen Altenzentrum“. Am Ende bedauert Gertrud Brückmann, dass sie „die tausendjährige Geschichte nicht so entfalten konnte, wie es sich gebühren würde“. Die Kurzweil ihrer Ausführungen wird von den Heimbewohner/innen nichtsdestotrotz mit langanhaltendem Applaus belohnt.

Am Ende der drei Touren gibt es für die Teilnehmer/innen gemeinsamen Gesprächsstoff für die kommenden Herbstwochen. Dank der Kooperation von EAZ und Stadtbus und trotz ihrer Pflegebedürftigkeit durften sie ihre Stadt und die damit verbundenen Erinnerungen beziehungsweise neuen Eindrücke erleben. – Die organisierten Stadtrundfahrten gehen zurück auf eine gemeinsame Initiative des EAZ-Heimbeirats – hier vor allem der unvergessenen Ulrike Bauchert – und der Geschäftsführung. Dank der unbürokratischen und uneingeschränkten Unterstützung durch Stadtbus-Geschäftsführer Peter Solberg und Stadtbus-Managerin Stefanie Ihrig fanden die Stadtrundfahrten mittlerweile zum fünften Mal statt.

 

Stadtrundfahrt

 

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