Dank MAX bleiben Pflegebedürftige in ihrer Stadt mobil

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Stadtbus zum vierten Mal mit Heimbewohner(inne)n aus der Huttenstraße auf Stadtrundfahrt
Donnerstag, 19. September 2013 - 15:22

Die Blattspitzen der Bäume vor dem Evangelischen Altenzentrum (EAZ) in der Huttenstraße 47a verfärben sich bereits herbstlich bunt. Der wolkenverhangene Morgen des 18. September lässt die Melancholie dieser Jahreszeit erahnen. Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk fährt Klaus Ferwagner, Stadtbus-Fahrdienstleiter und MAX-Chauffeur für alle Fälle, einen MAN Lion’s City Midibus vor, um ihn sogleich aufmerksam konzentriert rückwärts in die Einfahrt zum EAZ zu manövrieren. Nach dem hydraulischen Öffnen der hinteren Türen klappt er die Rollstuhl-Rampe aus. Nach wenigen Minuten steuern die Fahrgäste der ersten von drei Stadtrundfahrten mit Rollatoren und Rollis, in Begleitung des Pflegepersonals auf den Stadtbus zu. Während die Fahrgäste noch im Bus ihren Platz einnehmen, begrüßt EAZ-Geschäftsführer Dr. Christian Waterkamp kurz die Beteiligten der seit 2010 mittlerweile vierten Stadtbus-Stadtrundfahrt-Aktion für Pflegebedürftige. Mit von der Partie sind wieder Pflegedienstleiter Peter Brand, die Heimbeiratsvorsitzende Gisela Modricker, ihre Vertreterin Margarete Renius sowie die bewährte Stadtführerin Gertrud Brückmann. Waterkamp lobt dieses „deutschlandweit wohl einmalige Angebot von Stadtrundfahrten für Menschen mit Handicap und pflegebedürftige Personen“. Nur so sei es ihnen überhaupt möglich, trotz Einschränkungen mobil zu bleiben und am Leben in ihrer Stadt teilzuhaben. Der EAZ-Geschäftsführer, der sich eindringlich dafür einsetzt, dass man die pflegebedürftigen Menschen mit in die Gesellschaft hineinnehmen muss, und Pflegebedürftigkeit in den Alltag gehört, freut sich „dass die Stadtbusverkehr Bruchsal GmbH so offensiv mit dem Thema Pflegebedürftigkeit umgeht und es so ins öffentliche Interesse rückt“. Dem Mobilitätswunsch Pflegebedürftiger sind zwar Grenzen gesetzt, aber er bleibt schließlich trotz ihrer Pflegebedürftigkeit bestehen.

Ergänzt um die von Gertrud Brückmann zum Besten gegebenen kurzweiligen Anekdoten und Histörchen zur großen Historie Bruchsals – vom Mittelalter bis heute und wieder zurück, die als Anregung für einen Besuch der Stadt neben bestimmten Schwerpunkten stets auch neue „kleine Impulse zur tausendjährigen Bruchsaler Stadtgeschichte“ geben möchte, führt die von Klaus Ferwagner angemessen entschleunigte Stadtrundfahrt von der Huttenstraße über die Hans-Thoma-Straße, Württemberger Straße, Pfeilerstraße, Friedrichstraße, Söternstraße, den Mozartweg, die Robert-Koch-Straße, Schönbornstraße, Wilderichstraße, Schlossstraße, Bahnhofstraße, Amalienstraße, Martin-Luther-Straße, Stadtgrabenstraße und Seilersbahn zurück an den Ausgangspunkt. Großflächige Straßenbauarbeiten in der Huttenstraße, verbunden mit einer partiellen Einbahnstraßenregelung, erforderten eine spontane Änderung der geplanten Fahrtroute. Brückmanns Wunsch – nicht nur an die pflegebedürftigen Stadtrundfahrtteilnehmer/-innen: „Man sollte immer wieder staunen können!“

Stadtbus

Als Klaus Ferwagner „seinen“ Stadtbus mit routinierter Präzision wieder vor dem Eingang des Altenzentrums einparkt, stehen die individuell benötigten fahrbaren Gehhilfen bereit, um von den von der quasi „tausendjährigen“ Rundfahrt durch die Stadtgeschichte begeisterten Bewohner(inne)n wieder in Empfang genommen zu werden. – Am Ende der drei Touren gibt es für die Teilnehmer/innen gemeinsamen Gesprächsstoff für die kommenden Herbstwochen. Dank der Kooperation von EAZ und Stadtbus und trotz ihrer Pflegebedürftigkeit durften sie ihre Stadt und die damit verbundenen Erinnerungen beziehungsweise neuen Eindrücke erleben. Versteht sich fast von selbst, dass MAX auch im kommenden Jahr wieder den Bewohnern des EAZ die als verloren empfundene Mobilität gern ermöglichen wird.

Die organisierten Stadtrundfahrten gehen zurück auf eine gemeinsame Initiative des Heimbeirats – hier vor allem der unvergessenen Ulrike Bauchert – und der Geschäftsführung. Dank der unbürokratischen und uneingeschränkten Unterstützung durch Stadtbus-Geschäftsführer Peter Solberg und Stadtbus-Managerin Stefanie Ihrig finden die Stadtrundfahrten bereits zum vierten Mal statt.

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Kommentare

Minimalistisch?

Natürlich ist es sehr lobenswert, wenn durch eine Stadtrundfahrt Abwechslung in den Alltag von Menschen mit handicap und Pflegebedürftigkeit gebracht wird. Auch der Satz: "Tue Gutes und rede darüber", hat seine Berechtigung.

Aber: "Waterkamp lobt dieses „deutschlandweit wohl einmalige Angebot von Stadtrundfahrten für Menschen mit Handicap und pflegebedürftige Personen“. Nur so sei es ihnen überhaupt möglich, trotz Einschränkungen mobil zu bleiben und am Leben in ihrer Stadt teilzuhaben.", der hat die zugebilligte Mobilität und Teilhabe schon arg reduziert. 

Aber es geht ja weiter. Als der Stadtbus vor über 10 Jahren installiert wurde, da waren rücksichtsvolle und hilfsbereite Fahrer am Werk, von denen scheinbar leider nur noch wenige am Steuer sitzen. Mit dem Anfahren warten bis Gebehinderte einen Platz erklommen haben oder gar beim Einsteigen behilflich sein, das kommt schon seltener vor.

Dass Automatikbusse keine manuelle Kupplung haben, läßt vermutlich manches Ruckeln entstehen, aber wenn man nur Gas- und Bremspedal hat, muß man das immer voll durchtreten?

Vorn im Bus gibt es einen Hinweis: Während der Fahrt nicht mit dem Wagenführer sprechen. Sprechen? Unterhaltungen des Fahrers über meherere Stationen hinweg einschließlich längeren Seitwärtsblicken zum Gesprächspartner sind keine Seltenheit. Und dann bremst auch noch der PKW knapp vor dem Bus.

Es gibt noch einige gute, rücksichtsvolle Fahrer beim Stadtbus, keine Frage. Aber die anderen fallen halt mehr auf.

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