Cowboy und Indianer: Das Killerspiel meiner Kindheit.

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Donnerstag, 11. März 2010 - 17:10

„Winnenden und die Killerspiel-Lobby". Unter dieser griffigen Überschrift wurde in „Der Tagesspiegel" ein Kommentar abgedruckt zum Thema Amoklauf und die Ursache dafür, das Spielen sogenannter Killerspiele wie Counterstrike oder Grand Theft Auto ab Teil 3.

Indianer

Die Diskussion um diese Spiele macht mich ein wenig an meine Kindheit erinnern: Wie ich zusammen mit Freunden und Schulkameraden in den Trümmergrundstücken rumstromerte, Haselnussgerten abschnitt, eine Schnur zwischen spannte und nun eine Winnetou-kompatible Waffe, nämlich „Pfeil und Bogen" besaß. Das waren dann die Indianer. Die Cowboyfraktion hatte oftmals noch von ihrer Fastnachtsausrüstung eine Pistole, die finanziell besser gestellten sogar ein Gewehr. Und dann konnte das Cowboy- und Indianer-Spiel los gehen. Mit viel Verstecken, Anschleichen, „PENG! PENG!"-Rufen machten wir Trümmergrundstücke, Stadt- und Schlossgarten unsicher. Natürlich zielten wir auf unsere Mitspieler, auch wenn die abgeschossenen Pfeile recht wenig Durchschlagskraft besaßen. Des Öfteren sah ich mich unvermittelt vor der Mündung einer Pistole. Und wenn man virtuell getroffen wurde, musste man laut „AAAHHHH!!" schreien und sich zu Boden sinken lassen. Möglichst theatralisch. So wie man halt das Sterben kannte vom Kino. Denn am Wochenende ging man, so die Eltern genug Geld hatten, um einem „Sonntagsgeld" zu geben, ins Kino, in die neuesten Western- oder Historienfilme. Dort konnten wir Kinder dann „live" lernen, wie das so richtig funktioniert mit dem Töten.

Warum ich nicht zum Amokläufer wurde, trotzdem ich mich doch mit all meinen Sinnen dem Töten widmete? Ganz einfach: Meine Eltern waren nicht in einem Schützenverein und hatten auch nicht aus anderen Gründen Waffen in ihrem Besitz. Mir war ganz einfach der Zugang zu klein- oder gar großkalibrigen Waffen verwehrt.

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Kommentare

Nun ja Herr Schmitt

Also ich habe das Gleiche wie Sie getan, nur ca. 15 Jahre später... Wir hatten tollere Waffen als Sie, sonst war alles gleich.
ABER: Mein Vater war/ist im Schützenerein, schoss und schießt allerlei Waffen, klein- und großkalibrig und ich selbst durfte regelmäßig am Samstag Nachmittag auf den Steinbruh ballern (Angeleitet, überwacht und intensiv mit Waffe und Wirkung vertraut gemacht).
Und damals hätte ich vielleicht sogar Zugang zur ein oder anderen Waffe gehabt.
Und wissen Sie was, ich bin auch nicht Amok gelaufen - und habe es auch nicht vor. Also Ihre gezogenen Schluss kann ich nicht teilen. Undifferenziertes Verurteilen von Sportschützen ist eben auch nicht angebracht.

Es wurden zig Millionen

Es wurden zig Millionen dieser "Killer spiele" verkauft...

Sind die alle zu Amokläufern geworden?

Es werden jährlich Millionen von harten Pornos verkauft...

werden deswegen alle zu Vergewaltigern... und die müssten nicht mal in den Schützenverein um an die "Waffen" zu gelangen.

Wenn man "Gründe" sucht, wird man auch welche finden... und wenn man "Schuld" dabei auch noch auf Andere, in diesem Fall Killerspiele" abwälzen kann... um so besser.

Man tut zu wenig um solche "Zustände" erst garnicht entstehen zu lassen. aber das müßte man ja denn zugeben. Da ist es besser den "Anderen" dafür die Schuld zu geben.

 

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