Christa Bauer aus Stuttgart schreibt ganz unter dem Eindruck der Geschehnisse in Stuttgart

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Mittwoch, 6. Oktober 2010 - 19:15

Christa Bauer, unsere Bruchsalerin in Stuttgart, hat mir kurz nach den Übergriffen der Polizei auf die Demonstranten im Stuttgarter Schlossgarten geschrieben. Seither ging zu diesem Thema sehr viel durch die Presse, so dass jeder die Fakten, insbesondere durch die vielen Filmaufnahmen bei youtube, hat selbst sehen können.

In ihrer E-Mail vom 4. Oktober schreibt Christa noch ganz unter dem Eindruck der Geschehnisse:

Die Sache von Donnerstag steckt mir noch zu sehr in den Knochen.
Und die Bilder, die ich gesehen habe, wollen mir nicht aus dem Kopf gehen.
Wasserwerfer und Reizgas auf friedlich demonstrierende Kinder und Rentner. 
Polizisten, die einem 15-jährigen Mädchen durch einen gezielten Faustschlag
die Nase brechen. Hilflos weinende Menschen.
Und zur gleichen Zeit sitzt Herr Mappus ein paar Hundert Meter weiter auf dem Volksfest und trinkt gemütlich ein Bierchen.
An diesem Tag ist etwas zerbrochen in mir.
Ich war bis dahin der Meinung, in einem Rechtsstaat zu leben.
Nun habe ich diesen verbrecherische Gewaltakt, den laut Aussagen der Polizei unser Innenminister persönlich befohlen hat, mit eigenen Augen gesehen.
Und ich habe eher den Eindruck, mich in einem Terrorregime zu befinden.
Denn dies war kein Polizeieinsatz.
Das war ein VERBRECHEN.
...
Sorry, ich weiß, das ist alles SEHR emotional.........
Glücklicherweise ist bei aller Traurigkeit bei uns allen die Entschlossenheit, diesem Spuk spätestens am 27. März 2011 ein Ende zu bereiten, nur umso größer geworden.

Noch gestern Nacht schrieb sie mir auf meine Frage nach ihrer Meinung zu dem Polizeivideo, das einen schwarz vermummten Mann zwischen den Tausenden von Demonstranten zeigt, der mit einer Flüssigkeit auf einen Polizisten spritzt sowie auf meine Frage nach den von der Polizeiführung als Grund für die Eskalation genannten Flaschenwürfe:

tja, die Polizeivideos...
Bei den Parkschützern hat einer eine Standaufnahme aus der Videosequenz mit dem vermummten vermeintlichen Pfefferspraysprüher eingestellt.
Da ist unten deutlich das Datum 30.09. zu erkennen.
Und die Uhrzeit - nach 13 Uhr - da lief der Wasserwerfer schon seit über einer Stunde auf Hochtouren...
Mich wundert übrigens auch, wie TIEF er gezielt hat, und dass er HINTER der Polizei verschwinden konnte, ohne dass die doch recht zahlreich anwesenden Polizisten ihn ergriffen hätten...
Hier wird der ganze Ablauf recht übersichtlich dargestellt
Stuttgarter Wasserwerfer -- Analyse Gesamtsituation
Zu den Flaschen gab es vor ein paar Tagen die Aussage, dass es sich um leere (!!!!!!!!!!!) Plastikflaschen gehandelt hätte.
Das werden sie aber tunlichst nicht mehr sagen, denke ich.

Viele Grüße aus "Queruland",

Heute Nachmittag schickte Christa mir dann noch zwei Bilder und schrieb das Folgende:

Auf der gestrigen Pressekonferenz legte die Polizeiführung die Beweise vor, dass am 30.09.2010, in Stuttgart als "Schwarzer Donnerstag" bekannt, die Demonstranten für die Eskalation der Ereignisse verantwortlich sind.
Aus 80 Stunden Videomaterial wurd ein Ausschnitt gezeigt, der belegen sollte, dass z.B. die Demonstranten bereits vor der Polizei Reizgas versprüht hätten. Im Anhang ein Bild aus dem entsprechenden Video. Man beachte die unten eingeblendete Uhrzeit.

Der Einsatz der Wasserwerfer begann etwa gegen 12.45 Uhr. Ich war dabei und kann die Uhrzeit vor jedem Gericht unter Eid bestätigen.

Das zweite Bild zeigt, wie wir die ganzen Wochen davor
"unsere" Polizei kennengelernt hatten.

Viele Grüße,
Christa

 

Beweismittel der Polizei zur Begründung des Reizgaseinsatzes

 

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Kommentare

Eine Lanze brechen für die Polizei

Ich möchte eine Lanze brechen für die Polizistinnen und Polizisten. Für das Fußvolk. Nicht für die Würdenträger.

Wie mir heute berichtet wurde, sollen die Polizistinnen und Polizisten am 30. September über 11 Stunden Polizisten im Einsatz gewesen sein. Ohne Ablösung, ohne hinreichende Nahrung, bei Knappheit von Getränken. Und in dieser, für diese Beamten frustrierenden, deprimierenden Situation, ließ man sie dann auf die Kinder, Jugendliche, Menschen mittleren Alters, Alte und Greise los.

Die "Würdenträger" sind hier zu finden:

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