Bruchsaler Steinbrüche

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Ca. 20 große und kleine Steinbrüche auf Bruchsaler Gemarkung
Dienstag, 27. April 2010 - 23:27

Bruchsal hat bekanntermaßen eine lange Geschichte. Es wurde oft zerstört und wieder aufgebaut. Dazu wurde Material gebraucht - Steine, sehr viele Steine. Das beweist die große Anzahl von Steinbrüchen auf Bruchsaler Gemarkung. Wer weiß schon, daß der nächste Steinbruch mitten in der Stadt liegt, ca. 80 m Luftlinie vom Kaufhaus Schneider entfernt? ( Nr. 6). Daß sich dieser zwischen der Adolf-Bieringer-Straße und der Huttenstraße entlang der Huttenstraße bis zum Ev. Altenzentrum fortsetzt? (Nr. 6). Zu Beginn des Auwegs (Nr. 7) befindet sich schon der nächste Steinbruch und an der Bergstraße, gegenüber dem Hochhaus Württemberger Straße 127 folgen gleich 4 weitere (Nr. 8). Beim Fanfarenheim im Rohrbachtal gibt es zwei (Nr. 9 + 10), beim Alten Wasserwerk im Baugebiet Silberhölle einen (Nr 1),  an der B-35 nach der Ampelkreuzung beim JKG Richtung Heidelsheim nochmals zwei (Nr. 2), weiter in Richtung Heidelsheim gegenüber der Olmühle von Büren bei der Spedition Welz einen (NR. 11), an der B-3 Richtung Untergrombach beim Naturfreundehaus zwei (Nr. 3), im Langental gegenüber dem Saubrunnen zwei (Nr. 4), weiter oben in Richtung Golfplatz nochmals einen (Nr. 5) und im Gewann oberer Pflüger ebenfalls einen (Nr. 12). Das wären summa summarum 19 Steinbrüche in Bruchsal (s. Karte, draufklicken, um zu vergrößern).

 

Karte Steinbrüche

Man sieht in der Stadt heute noch das Baumaterial Kalkstein an alten Häusern und Mauern, auch der Bergfried und die Andreasstaffel sind aus diesem Material. Am Haus Nr. 38 in der Klosterstraße befindet sich eine Tafel, welche auf das Baumaterial des Hauses hinweist und auf die Steinbrüche Bruchsals, die teilweise noch in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in Betrieb waren.

 

Hinweistafel Klosterstraße 38

Auch ein Hinweis auf die Gesteinsarten und die gefundenen Versteinerungen, früher besonders an der Andreasstaffel zu sehen, fehlt nicht. Die Gesteinsart besteht hauptsächlich aus Muschelkalk, der charakteristisch für die Landschaft des Kraichgaus ist. Je nach gefundenen Fossilien untergliedert sich dieser Hauptmuschelkalk in Ceratitenkalke und Trochitenkalke, welche sich, wie gesagt, durch das Vorkommen unterschiedlicher Fossilien unterscheiden. Im unteren Bild ist die Struktur eines solchen Steinbruchs sehr schön zu erkennen. Es ist der Steinbruch zu Beginn des verlängerten Auwegs oberhalb der Vogelsteige. Die Abendsonne bringt ihn regelrecht zum "leuchten".

 

Steinbruch verlängerter Auweg

Von den genannten 19 Steinbrüchen stehen drei unter Naturschutz, nämlich der Steinbruch "Pfaffenloch" beim Fanfarenheim (Nr 10 s. unten) mit der seltenen Schwarzpappel,

 

 

der Steinbruch an der B-3 beim Naturfreundehaus, der von der Firma NSN genutzt wird (Nr. 3)

 

Steinbruch an der B-3

und der Steinbruch im Langental unterhalb des Golfplatzes (Nr. 5), der sehr selten in Bezug auf seine Ceratitenkalke ist (s. unten).

 

Steinbruch im Langental

(Blick von oben in den Steinbruch hinein)

Selbstverständlich sind alle Steinbrüche, ob sie jetzt unter Naturschutz stehen oder nicht, außergewöhnliche Refugien für Tiere und Pflanzen. Auf engstem Raum finden sich meist sonnige Steinbruchwände, Lößhänge, Trockenrasen, Obstbäume und Hecken. In den Steinbrüchen, die früher und teilweise heute noch als Gärten genutzt wurden, findet man auch Treppen und Trockenmauern jeder Art.

 

Trockenmauern im Steinbruchgarten

Aufgrund der warmen und windgeschützten Steinbrüche und der Kleinteiligkeit zahlreicher unterschiedlicher Lebensräume ergeben sich optimale Lebensbedingungen für Reptilien wie zum Beispiel Schlingnattern,  Mauereidechsen und für Schmetterlinge (im Steinbruch "Pfaffenloch" , Nr. 10, wurden bisher 370 (!) Arten von Großschmetterlingen, größtenteils Nachtfalter, gefunden). Auch Libellen findet man an Wassertümpeln  und Vögel wie Hausrotschwanz, Zaunkönig, Zaungrasmücke, Möchgrasmücke, Fliegenschnäpper u.a. kommen fast in jedem der Steinbrüche außerhalb des inneren Stadtgebiets vor.

Ich werde in unregelmäßiger Reihenfolge einige der interessantesten und schönsten Steinbrüche vorstellen, von innen, von oben, aus jeder Perspektive. Manche Steinbrüche werden noch als Gärten genutzt, glücklich die Menschen, die solch ein Kleinod  ihr eigen nennen können.

Und nun fällt mir noch ein - ich habe einen Steinbruch vergessen zu erwähnen, nämlich den auf der "Spiegelplatte", der lange Zeit von der Feuerwehr genutzt wurde - dementsprechend sieht er auch aus. Somit sind es nun 20 einzelne Steinbrüche, die Bruchsal zu bieten hat.

 

Steinbruch

Zum Schluß noch einen für die meisten Bruchsaler eher ungewohnten Blick vom Rand eines der Steinbrüche an der Bergstraße auf Hochhaus Württemberger Straße und Bergstraße:

 

Blick vom Steinbruchrand auf Obervorstadt

Bergstraße
Bis zum nächsten mal.

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Kommentare

Interessanter Beitrag

Ein sehr interessanter Beitrag über die Bruchsaler Steinbrüche mit schönen Bildern. Gut, daß es die Netzzeitung bruchsal.org gibt, da kann man wirklich viel Neues erfahren und den "Horizont" erweitern. Es müssten nur noch viel mehr "reinklicken".

Steinbruch Spiegelplatte

Dieser Steinbruch wurde zuletzt von der Bruchsaler Bereitschaftspolizei zwecks Veranstaltung ziemlich dubioser Löschübungen an den dort immer noch stehenden Fahrzeugkarosserien und Flüssigkeitsbehältern genutzt - wer ihn derzeit verwaltet, ist mir nicht bekannt.
Es wäre jedenfalls schön und der Umwelt sicherlich nicht abträglich, wenn der letzte Nutzer oder heute Verantwortliche die dort lagernden Abfälle mal entsorgte.

Noch ein Steinbruch

Richtung Untergrombach an der B 3, gleich nach der Eisenbahnbrücke liegt noch ein Steinbruch.
Er wurde bis lange nach dem Kriege von der Familie Stegmüller genutzt, die dort sogar mal ein Wohnhaus hatte, das dann abgerissen wurde.
Der Steinbruch ist jetzt Eigentum des Landes BW und (theoretisch) nicht zugänglich.
Er birgt eine Besonderheit - nach starken, sehr lang andauernden Regenfällen tritt in ihm einige Meter über der Erdoberfläche eine laut plätschernde Quelle zu Tage, die vom Ende der Steinackerstraße aus zu hören ist.

Sollte mir doch tatsächlich einer entgangen sein?

Vielen Dank für den Hinweis. Werde mich (theoretisch) mal darum kümmern.

Es sind nun 22

Hallo Wanderer,

bin Ihrem Hinweis nachgegangen und habe folgenden Steinbruch entdeckt:

 

Steinbruch an der B 3

Steinbruch an der B 3

Gleich daneben befindet sich dieses verlassene Wohnhaus:

Verlassenes Wohnhaus

Verlassenes Wohnhaus

Rechts davon geht es gleich zum Steinbruch hinunter. Ist es das der Familie Stegmüller? Dann ist es aber nicht abgerissen.

Bei meinem Streifzug habe ich unmittelbar daneben noch einen Steinbruch gefunden, nämlich den des Schützenvereins. Somit befinden sich an der B 3 vier Steinbrüche und die Gesamtzahl erhöht sich  auf 22.

 

Steinbruch des Schützenvereins

Steinbruch des Schützenvereins

 

 

Steinbrüche an der B 3 in BRUCHsal

Das ist der Steinbruch in Verlängerung der Straße "Am Geiersberg" und das nach Kriegsende erbaute, heute nicht mehr bewohnte Haus der Familie Konrad - der Steinbruch, den ich meine, liegt zwischen diesem Gelände und dem Steinbruch, in welchem seit den 1930er Jahren (?) die Schützengesellschaft 1798 Bruchsal e. V.

http://www.sgbruchsal.de/page/

angesiedelt ist - dieser soll zuletzt von einem Ihle betrieben worden sein.
Zugang von der B 3 aus, ca, 100 m links in Fahrtrichtung Untergrombach nach der "neuen" Eisenbahnbrücke am Ortsausgang.

PS.: Wir sollten uns mal dahingehend einigen, was wir hier als "Steinbruch" einstufen - ansonsten wächst die Zahl Richtung Unendlich (vielleicht daher der Name BRUCHsal...?).

Steinbrüche an der B 3

Ich denke, ich habe schon den richtigen Steinbruch ca. 100 m nach der Eisenbahnbrücke photographiert. Dort geht es einen kleinen Stichweg hinein - dann kommt ein übermannshohes Tor. Das muß man halt irgendwie überwinden. Ich bezeichne als Steinbruch nur die verhältnismäßig großen, wo deutlich zu erkennen ist, daß sie von Menschenhand angelegt wurden. Dann habe ich den Einschnitt neben neben dem Konrad-Haus wahrscheinlich für den oben erwähnten Steinbruch gehalten. Auch der Steinbruch der Schützengesellschaft liegt sehr dicht daran. Ist sehr unzugänglich, das Gebiet, da von allen Seiten bebaut und eingezäunt und dicht mit fast undurchdringlichem Buschwerk bewachsen. Als alter Bruchsaler war ich doch noch nie in der Gegend des oberen Geiersbergs, und die kleine Brücke über die Bahn beim Tunneleingang habe ich erst auf Google Earth entdeckt, muß ich zu meiner Schande gestehen. Ich fand das alles sehr interessant dort, vielen Dank nochmals für den Hinweis.

noch ein Steinbruch

Hallo Waldemar,

von der Bergstrasse gehen kleine Seitengaßen ab, welche Vogelsteige heißen.

Zur Vogelsteige 16 hoch, hinter einem Tor liegt ebenfalls ein alter Steinbruch, wo der jetzige Besitzer sich Wein angepflanzt hat. Dieses Tor ist meistens verschlossen und die Zugangsmöglichkeit ist deshalb auch nur von oben möglich. Ich kenne allerdings einen Schleichweg von unten!

Gruß reinhard

 

Steinbruch hinter der Vogelsteige

Hallo Reinhard,

diesen Steinbruch habe ich zu denen an der Bergstraße gezählt. Habe ihn von oben, dem Auweg her, schon besichtigt. Was mich aber noch interessiert, sind die terassenartigen Gartenanlagen hinter der Vogelsteige. Da suche ich noch einen Eigentümer, der mich diese mal erkunden läßt.

Terrassen hinter der Vogelsteige

Hallo Waldemar,

da kannst Du mit mir hingehen, denn ich habe Zugang.

Gruß reinhard

 

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