Bruchsaler Spargel

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Von der Sonne verwöhnt, von Sterneköchen verpönt?
Mittwoch, 23. Mai 2012 - 14:49

Laut BNN vom 23.5.2012 hat im Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS)-Spargel-Ranking der Pfälzer Spargel dem Bruchsaler-OGA-Nordbaden-Spargel überraschend den Rang abgelaufen und dadurch für manchen Wirbel gesorgt!

Denn der von der FAS getestete OGA-Spargel ist nach BNN-Recherchen zwar als "Deutscher Spargel vom Markt Bruchsal" gekennzeichnet, muss allerdings dennoch nicht aus Nordbaden oder Bruchsal stammen, sondern kann überall in Deutschland angebaut werden und gewachsen sein. Allen Spargelkennern - wohl insbesondere denen, die in der NDRTalkShow den Spargel mit dem Kopf nach unten schälen? - soll dies aber laut BNN deutschlandweit längst bekannt sein.

Daniel Streib hat mit umfangreichen Recherchen - sollte Hans Leyendecker davon erfahren, er würde vor Neid erblassen - Licht in diesen FAS-Spargeltest und die OGA-Verwicklungen gebracht. Und man muss wohl nun tatsächlich die OGA in das Ranking dreister Werbelügen mit ihrem Produkt "Deutscher Spargel vom Markt Bruchsal" aufnehmen.

Denn es gehört schon ein gut durchdachtes Vernebelungskonzept dazu, um selbst die FAS und damit ja die Elite des deutschen Journalismus derart hinters Licht zu führen! Nicht verwunderlich, dass dem unbedarften Bruchsaler das Spargelgemüse fast im Halse stecken bleibt.

Übrigens: Der OGA-Chef verbittet sich offensichtlich den Vorwurf der Täuschung. Als großes Unternehmen mit Sitz in Bruchsal habe man eben Zulieferer aus vielen Regionen in Deutschland!

Natürlich! Dass dies die Deppen der FAS nicht wussten! Wer würde denn selbst im Traum daran denken, dass „Deutscher Spargel vom Markt Bruchsal“ nicht auch aus Niedersachsen kommt?

Um eben beim Verbraucher sicher zu stellen, dass OGA-Spargel nicht aus Nordbaden oder Bruchsal kommen muss, ist doch extra der Zusatz „vom Markt Bruchsal“ vermerkt! Verstanden? 

Nach dieser Ranking-Pleite, die der OGA geschuldet scheint, würde man verstehen, wenn sich die Firma in Zukunft regionaler und heterogener aufstellt. Vielleicht wären mit Nischenprodukten neue Kundenkreise und Käuferschichten - Vernebelungstaktik hin oder her - zu finden.

Vorschlag: Da der OGA-Spargel im FAS-Test zwar geschmacklich durchfiel, aber in den Kategorien Farbe und Form unschlagbar war (darauf kommt es doch an!), sollte die Firma vielleicht neben dem Produkt "Deutscher Spargel vom Markt Bruchsal" auch die Sorte „Niedersächsischer Witwentrost vom Land“ vermarkten? Insider wüssten sofort: prächtig, holzig und nicht zum Verzehr!

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PS:. Nachdem die Charge des seitens der FAS erworbenen OGA-Spargels verifizierbar scheint, ist man nicht nur bei den BNN gespannt auf die akribische Ermittlung der eigentlichen Herkunft des unzulänglichen OGA-Gewächses. Sollte die Charge am Ende gar aus der Pfalz stammen...?

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Kommentare

Wie wäre es mit einem eigenen

Wie wäre es mit einem eigenen Gütezeichen für Bruchsaler Spargel ?

Hat denn nach der Schwarzälder

Butter aus deutschen Landen und der Alpenmilch (Alpen, die gar keine Milch geben) jemand geglaubt, die LWK's fahren nur leer durch Deutschlannd? Glaubt denn jemand,  Hühnern in Freilandhaltung ginge es besser als im Käfig? Glaubt wirklich jemand, Kühe würden auf der Weide stehen wie früher, um so billige Milch zu produzieren? Dass riesige produzierte Menge an Kerry-Gold-Butter von "auf der Weide stehenden" Kühen in Irrland ist?
Wieso soll dann Spargel vom Bruchsaler Markt aus dem Anbaugebiet Bruchsal stammen?

Und die Angabe "Deutscher Spargel vom Markt Bruchsal" ist doch völlig korrekt! Da steht doch nichts davon dabei, wo er geerntet wurde.

Der Handel ist halt immer einen Tick cleverer als der Verbraucher. Und wenn der Verbraucher "heimische" Produkte bevorzugt, dann muss man den Produkten eben den Anschein geben.

Guten Appetit!

Aber schön präsentiert

Bruchsaler Spargel in Wangen

Und zwar letzte Woche auf dem

Und zwar letzte Woche auf dem Wochenmarkt in Wangen im Allgäu.

Bruchsaler Spargel

Kauft den Bruchsaler Spargel...

...halt vom örtlichen Spargelbauern. Derer gibt es ja genug. Die OGA werde ich zukünftig meiden, zumindest, was den Spargel betrifft... Der "Niedersächsische Witwentrost vom Land" käme vielleicht für meine Cousine Veronika in Frage...

Bruchsal "Spargelhochburg"?

Die OGA betreibt nach meiner Meinung bewusste, allerdings nicht sanktionierbare Verbrauchertäuschung mit dem Slogan "Qualität vom Markt Bruchsal." Es wird dadurch suggeriert, dass der Spargel hier in der Gegend angebaut wurde, was natürlich nicht stimmt. Der Spargel wird aus ganz Deutschland nach Bruchsal gekarrt und dort konfektioniert. Wie irreführend der Slogan ist zeigt ja auch, dass ansonsten gewitzte Redakteure darauf reingefallen sind.

Woher Bruchsal übrigens den Anspruch nimmt "Spargelhochburg" zu sein, wie Herr Streib kolportiert, erschließt sich mir nicht. Es wird leider nicht mehr so viel Spargel (im Vergleich zu früher) in und um Bruchsal herum angebaut. Die Mengen sind so klein, dass viele Spargelanbauer mittlerweile zur konsequenten Direktvermarktung übergegangen sind.

Ein Anbieter auf dem Bruchsaler Wochenmarkt hat eine pfiffige Lösung für das "Spargelproblem" gefunden. Er deklariert den von der OGA zusammen gekauften Spargel als "heimischer Spargel" - darunter kann man sich sehr viel, wenn nicht sogar alles vorstellen.

Spargel

Ein anderer Händler auf dem Bruchsaler Wochenmarkt antworte heute Morgen auf meine Frage, ob sein als "Bruchsaler Spargel" ausgezeichneter Spargel wirklich von hier komme: "Ja, der kommt direkt hier aus der Gegend, direkt um Bruchsal." Verpackt war der Spargel in Kartons der OGA Bruchsal mit der Aufschrift "Qualität vom Markt Bruchsal."

Übrigens: Auch die Bruchsaler Rundschau scheint Probleme gehabt zu haben, in oder bei Bruchsal Spargelfelder zu finden. Das Foto mit zwei Spargelköpfchen zur Illustration des Artikels (warum sind die eigentlich immer so riesig? - die Fotos, nicht die Artikel) wurde von der dpa gekauft.

Bruchsal ist genauso wenig Spargelhochburg oder Spargelstadt wie sie Barockstadt ist oder früher Universitätsstadt war. Die OGA ist eine Vermarktungseinrichtung - nicht mehr und nicht weniger. 

Ein klassisches Marketing-Disaster

Eigentlich ist es ja lustig. Man kann sich die hektische Aktivität der "Marketiere" bei der OGA vorstellen. Da suchten sie in Panik nach einer Ausrede und standen vor der Wahl zwischen Pest und Cholera. Statt einfach die Niederlage einzuräumen, Besserung und eine Qualitätsinitiative zu versprechen, suchte man eine fadenscheinige Begründung.

Einer kam dann auf die Idee, zuzugeben, dass der Bruchsaler Spargel meist gar nicht aus Bruchsal kommt, und machte die "Kuckucksware" verantwortlich. Und jetzt haben sie ein richtiges PR-Problem. Denn sie müssen außerdem noch rechtfertigen, warum die OGA nicht nur den Kunden aufs Kreuz gelegt hat, sondern offensichtlich keine funktionierende Qualitätskontrolle hat - jedenfalls sieht es in der Öffentlichkeit danach aus.

Dieses Marketing-Lehrstück wäre prinzipiell amüsant und weist auch noch darauf hin, dass bei den Kunden kein Mensch die - theoretisch korrekten, aber verschleiernd formulierten - Etiketten liest. Was einen aber aufregen kann, ist die Tatsache, dass die OGA fast immer unverschämt hohe Preise verlangt mit der Begründung, der "Bruchsaler Spargel" sei dies auch wert. Und bisher haben die Kunden das meist auch bezahlt. Damit dürfte es jetzt für eine ganze Weile vorbei sein.

Übrigens: die Bauern direkt auf dem Feld sind in der Regel die teuersten. Die kennen ihre Preise ganz genau.

(Und noch ein Tipp: Die erste Qualität ist beim Spargel meistens zwar riesig, dick und beeindruckend, aber wegen der hohen Düngergaben aufgedunsen und holzig-wäßrig. Kein Wunder, dass sie durchfiel. Sowas ist für teure Restaurants. Der Kenner bevorzugt dünnere, billigere, zartere und meist viel geschmackvollere Ware.)

Link zum Spargel-FAS-Artikel

Nachdem der "Spargelskandal" so freudig kommentiert wird, hier noch der Link zum FAS-Artikel:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/spargel-spargel-in-der-hand-wer-...

Bruchsaler Spargel

Nachdem in der Vergangenheit seitens der Staatsanwaltschaft Karlsuhe im Jahr 2004 wegen der falschen Etikettierung "Bruchsaler Spargel" ein Strafverfahren gegen die OGA lief, ist man von der ursprünglich noch dreisteren Täuschung des Verbrauchers dazu übergegangen die Spargel als vom "Bruchsaler Markt" zu deklarieren.
Immerhin nicht mehr strafwürdig.
Wer hätte übrigens gedacht, dass das zum Schwarzwälder Schinken verarbeitete Schwein niemals den Schwarzwald gesehen oder dessen Luft gerochen hat. Der Schinken wird dort nur verpackt und verschickt.....
Verbraucher sei wachsam.....

"Bruchsaler Spargel" und "Made in Germany"

sind zwei sogenannte Gütezeichen.

So muss beim Gütezeichen "Made in Germany" nur 10% der Produktion tatsächlich in Deutschland hergestellt sein, um diesen Titel auf's Etikett schwindeln zu dürfen. Der weit aus größere Anteil der Produktion kommt aus China, Osteuropa etc.pp.

Beim "Bruchsaler Spargel" sieht es wohl auch nicht viel besser aus....

Meist ist heutzutage nur noch das sogenannte Label vom früheren Qualitätsbegriff übrig. Das Label wird gewinnbringend an die neuen Investoren verkauft und da teilweise auch schon weiter veräußert. So finden wir auch heute noch Geräte von z.B. "Telefunken", "Blaupunkt", "AEG", in den Läden, die alle nichts mehr mit dem ursprünglichen "Made in Germany" zu tun haben. Sie werden in der Regel in China produziert.

Ob wir bei der OGA inzwischen auch schon Spargel aus China kaufen können? Eine Anfrage wäre es wert.

PS. Auch "Selmer - Paris", der Inbegriff für Spitzen - Saxophone und Traumziel eines jeden Musikers lässt viele Bauteile seiner Saxophone inzwischen in Taiwan produzieren.

 

Grad recht!

Da kann man die Schadenfreude doch kaum verbergen, wenn so ein Schuss derart nach hinten losgeht.
Wir in der Region können (und sollten!) unseren Spargel direkt beim Bauern kaufen und sind nicht auf die OGA angewiesen.

Irreführung der Verbraucher

Natürlich ist das längst so, wie Bruno Wallisch das beschreibt. Doch wieso ist so etwas rechtlich möglich?

Der Gesetzgeber lässt hier bewusst zu, dass mit der Erwartungshaltung des unbedarften Käufers Schindluder getrieben wird. Die ganze Nomenklatur im Lebensmittelbereich, Güte- und Qualitätszeichen sind doch einfach nur noch ein schlechter Witz!

Hier läge mal ein sinnvoller Einsatzzweck der RFID-Chips!! Statt sie heimlich in Klamotten einzunähen, könnte man diese Chips in Verpackungen und/oder Gebrauchsanweisungen unterbringen, die man dann mit einem Scanner (vielleicht am Einkaufswagen angebracht) ausliest und audiovisuell vollumfänglich informieren lassen kann. Dann braucht man nicht noch mehr winzig gedruckte Informationen auf einem Etikett unterbringen, die kein Mensch mehr ohne Hilfsmittel lesen kann.

Und natürlich müssten Regelungen eingeführt und deren Einhaltung überprüft werden, die die Erwartungen eines durchschnittlich gebildeten Menschen nicht missbrauchen. So dürfte den meisten die 10%-Regelung bzgl. "Made in Germany" nicht bekannt sein, dass dagegen die halbnackten Damen, die am Sportwagen lehnen, nicht inbegriffen sind, dürfte auch einfacher gestrickten Naturen einleuchten.

Ich gebe zu, es dürfte eine Herausforderung darstellen, da eine Grenze zu ziehen, aber wozu haben wir findige Juristen?

Suggestive Werbung dürfte nicht zulässig sein.

Bruchsal reagiert - wenn auch sehr verspätet

Dazu gehört noch das folgende Bild

Die  "Universitätstadt" an der  Werbetafel  BAB-Raststätte Bruchsal-Ost wurde inzwischen endlich überklebt. Jetzt ist Platz frei für "Bahnstadt." !!!

Universitätsstadt

 

Spargelhauptstadt Franfurt

Das finde ich alles nicht so schlimm wie die dem FAS-Artikel beigefügten Spargelrezepte:

-Spargel mit Grüner Sauce (Grü' Soß geht höchsten zu grünem Spargel)
-Langostinos mit Erbsen Morcheln und Hühnerei
-weißer Spargel im Gelee mit Jakobsmuschel (sind die nicht schon längst ausgerottet?)

Da ist es nicht mehr weit zu
Spargel Hawaii, Spargel Curry, Spargel Pfirsich, Spargel Erdbeere und Spargelschäumchen

Esst in Frankfurt keinen Spargel, höchstens Handkäs mit Mussik!

Eduard Holch

Es gibt wohl kaum ein anderes

Es gibt wohl kaum ein anderes Gemüse, das soviel Unmut in mir hervorruft. Forschungsgelder werden auf den Kopf gehauen um festzustellen ob der xy-Spargel wirklich von dort stammt und dann muss man um dieses grauenvolle Wurzelwerk zu ernten noch Arbeiter aus Bulgarien/Rumänien etc. holen, deren Gehalt, immer an ihrem dortigen Einkommen bemessen, als "reichlich" und "lohnend" beschrieben wird.
Ob die OGA nun die Käufer an der Nase herumgeführt hat wage ich zu bezweifeln... Ich halte das für einen alten Hut (man Frage seinen Spargelbauern des Vertrauens *g*).

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