Bruchsaler Hohlwege - Teil I

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Klein aber fein
Samstag, 3. Juli 2010 - 1:13

 

In Schillers Drama "Wilhelm Tell" erschießt Tell den Landvogt Geßler in einer Hohle. Wandert man in der Dämmerung durch einen Hohlweg, kann's einem schon mal leicht mulmig werden: Hohe Wände, Enge und Zwielicht, dazu flatternde Fledermäuse. Das hat aber auch seinen Reiz. In der dritten Klasse Heimatkunde haben wir gelernt, daß man Hohlwege vor allen Dingen an den steilen Abschnitten alter Feld- und Gemeindeverbindungswege findet, auf denen die Bauern einst mit Ochsen und Pferdekarren entlang zogen. Der Boden verdichtete sich unter der Last und zerbröselte zu feinem Staub, der dann vom Regenwasser weggeschwemmt wurde. Hohlwege sind wegen ihres Alters beeindruckende Kulturdenkmale, manche gehen schon auf die Bronze- und die Römerzeit zurück. Aber auch ihre ökologische Funktion ist nicht minder beeindruckend: Sie sind Biotope ganz besonderer Art. An den Flanken der Hohlwege siedeln sich Sträucher und Gehölze an, die vielen Kleintieren als Unterschlupf und Nahrung dienen. An schattigen Stellen finden sich Moose und Flechten, an Sonnenstandorten wachsen Thymian, Habichtskraut und Beifuß. An Sträuchern finden sich Weißdorn und Holunder .Dachse, Füchse und Igel fühlen sich hier wohl, ebenso Marder, Mäuse, Fledermäuse und Vögel wie zum Beispiel Meisen, Finken und Rotkehlchen. Bekannte Hohlwege im Kraichgau sind die Hatzelberghohle bei Odenheim,die Tifelter Hohle bei Zeutern, die Hirschhohle bei Zeutern, die Rennwegshohle bei Zeutern und die Galgenhohle bei Zeutern. Jedes Dorf im Kraichgau hat seine Hohlen, auch die Stadt Bruchsal. Praktisch jeden Berg hinauf gibt es Hohlwege zu den Feldern und Verbindungswege zu den Stadtteilen. Jeder Hohlweg ist anders, hat seinen eigenen Charakter, seinen eigenen Charme, und ich möchte an dieser Stelle in lockerer Folge einige der schönsten und leicht zu begehenden Wege vorstellen. Beginnen möchte ich mit einem "atypischen" Hohlweg, denn die obigen Attribute wie eine eigene Flora und Fauna passen nicht zu ihm, denn er ist nicht sehr tief eingeschnitten (maximal 2.5m), daher sehr sonnig und die Tier- und Pflanzenwelt entspricht der sonstigen Umgebung - den Streuobstwiesen, durch die er hindurchführt. Für Wanderer und Spaziergänger: Der Weg beginnt in der Nähe des Paulusheim-Sportplatzes, ist ca. 1000 m lang und führt auf die Höhe, von wo man einen Blick auf den Kraichgau Richtung Unteröwisheim hat.

 

Hohlweg beim Paulusheim-Sportplatz

Hohlweg in der Nähe des Paulusheim-Sportplatzes

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Kommentare

Hohlwege im Kraichgau

Hallo,

die Hohlwege des Kraichgaus sind wirklich sehens- und erlebenswert.

Habe unter www.leben-im-kraichgau.de auch interessante Informationen dazu gefunden.

Viele Grüße,

Sebastian Römer

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